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title: Arbeitszeugnis berichtigen – Änderungsverlangen, Frist & Zeugnisberichtigungsklage
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# Arbeitszeugnis berichtigen – Änderungsverlangen, Frist & Zeugnisberichtigungsklage

## Kurzantwort

Wer mit seinem Arbeitszeugnis nicht einverstanden ist, hat einen **Anspruch auf Berichtigung**, wenn das Zeugnis **unwahr**, **unvollständig** oder **nicht wohlwollend** ist (§ 109 Abs. 2 GewO). Erster Schritt ist immer das **außergerichtliche Änderungsverlangen**: Der Arbeitnehmer fordert den Arbeitgeber **schriftlich** und mit **konkreten Formulierungsvorschlägen** unter Fristsetzung (üblich 1–3 Wochen) zur Korrektur auf. Bleibt das erfolglos, folgt die **Zeugnisberichtigungsklage** beim **Arbeitsgericht**. Die **Beweislast** ist gestaffelt: Bis zur Note „befriedigend" (Note 3) muss der **Arbeitnehmer** eine bessere Bewertung beweisen, für eine **schlechtere** Note als 3 trägt der **Arbeitgeber** die Beweislast (BAG, 18.11.2014 – 9 AZR 584/13). Der Anspruch verjährt regulär in **drei Jahren** (§ 195 BGB), doch **arbeits- oder tarifvertragliche Ausschlussfristen** (oft nur 1–3 Monate) und die **Verwirkung** können ihn viel früher entfallen lassen — daher zügig handeln.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage Anspruch | § 109 Abs. 2 GewO [gesetze-im-internet.de] |
| Voraussetzung | Zeugnis unwahr, unvollständig oder nicht wohlwollend |
| 1. Schritt | Außergerichtliches Änderungsverlangen mit Formulierungsvorschlag + Frist |
| 2. Schritt | Zeugnisberichtigungsklage beim Arbeitsgericht |
| Beweislast bis Note 3 (bessere Note gewünscht) | Arbeitnehmer [BAG 9 AZR 584/13] |
| Beweislast unter Note 3 (schlechtere Note erteilt) | Arbeitgeber |
| Regelverjährung | 3 Jahre, § 195 BGB (ab Ende des Jahres der Ausstellung, § 199 BGB) |
| Ausschlussfristen | Arbeits-/Tarifvertrag, oft 1–3 Monate — Vorrang vor Verjährung |
| Verwirkung | Möglich vor Verjährung; hohe Anforderungen, Zeit- + Umstandsmoment |
| Kosten 1. Instanz Arbeitsgericht | Keine Erstattung der Anwaltskosten, § 12a ArbGG |
| Anspruch auf Neuausstellung | Ja, mit unverändertem Ausstellungsdatum (Rückdatierung) |
| Selbst formulieren | Vorschlag zulässig; Arbeitgeber muss wahr + wohlwollend bleiben |

## Geltungsbereich

Der Berichtigungsanspruch gilt für **alle Arbeitsverhältnisse** in Deutschland, für die § 109 GewO greift — also auch **Teilzeit**, **Minijobs**, **befristete** und **Probearbeitsverhältnisse**. Für **Auszubildende** ergibt sich der Anspruch aus § 16 BBiG, inhaltlich gelten die gleichen Maßstäbe. Der Anspruch richtet sich stets gegen den **Arbeitgeber**; bei Betriebsübergang (§ 613a BGB) gegen den neuen Inhaber, im Insolvenzfall grundsätzlich gegen den Insolvenzverwalter. **Beamte** unterliegen dem separaten dienstlichen Beurteilungsrecht (BBG/LBG) und nicht § 109 GewO. **Selbständige** und **freie Mitarbeiter** haben keinen Zeugnis- und damit keinen Berichtigungsanspruch.

## Vom Änderungsverlangen zur Klage — der Ablauf

**1. Zeugnis prüfen.** Auf Wahrheit, Vollständigkeit (Aufgaben, Leistung, Verhalten, Schlussformel) und versteckte Abwertungen achten. Fehlt die **Dankes- und Bedauernsformel**, ist das ein häufiger Berichtigungsgrund.

**2. Änderungsverlangen formulieren.** Schriftlich, konkret und mit **eigenem Formulierungsvorschlag**. Der Arbeitgeber muss die Vorschläge nicht wörtlich übernehmen, ist aber an **Wahrheit** und **Wohlwollen** gebunden. Angemessene Frist setzen (in der Praxis 1–3 Wochen).

**3. Zeugnisberichtigungsklage.** Reagiert der Arbeitgeber nicht oder unzureichend, kann beim **Arbeitsgericht** auf Berichtigung/Neuerteilung geklagt werden. Es gilt **keine** dreiwöchige Klagefrist wie bei der Kündigungsschutzklage (§ 4 KSchG) — maßgeblich sind Verjährung, Ausschlussfristen und Verwirkung.

**4. Vollstreckung.** Das berichtigte Zeugnis trägt das **ursprüngliche Ausstellungsdatum** — eine spätere Datierung würde die verzögerte Ausstellung offenbaren und wäre unzulässig.

## Beweislast — wer muss was beweisen

Nach ständiger Rechtsprechung des **BAG** ist die Note **„befriedigend" (Note 3)** der beweisrechtliche Ausgangspunkt: Sie entspricht einer durchschnittlichen Leistung. Verlangt der Arbeitnehmer eine **bessere** Bewertung (Note 1 oder 2), muss **er** die überdurchschnittliche Leistung darlegen und beweisen (BAG, 18.11.2014 – 9 AZR 584/13). Umgekehrt muss der **Arbeitgeber** eine **unterdurchschnittliche** Bewertung (Note 4 oder schlechter) belegen. Als Beweismittel dienen frühere Beurteilungen, Zielvereinbarungen, Beförderungen, Gehaltserhöhungen, Auszeichnungen oder Lob-E-Mails. Wichtig: Die im Personalwesen kursierenden „Zufriedenheits-Skalen" sind **kein Automatismus** — entscheidend ist die tatsächliche Leistung, nicht allein die Wortwahl.

## Fristen — Verjährung, Ausschlussfristen, Verwirkung

Der Berichtigungsanspruch verjährt regulär in **drei Jahren** (§ 195 BGB), gerechnet ab dem **Ende des Jahres**, in dem das Zeugnis ausgestellt wurde bzw. der Anspruch entstand (§ 199 Abs. 1 BGB). Vorrangig sind aber **arbeits- oder tarifvertragliche Ausschlussfristen (Verfallklauseln)**, die häufig nur **1 bis 3 Monate** betragen — wer sie versäumt, verliert den Anspruch trotz laufender Verjährung. Unabhängig davon kann der Anspruch **verwirken**, wenn der Arbeitnehmer über längere Zeit untätig bleibt (**Zeitmoment**) und der Arbeitgeber darauf vertrauen durfte, es komme keine Beanstandung mehr (**Umstandsmoment**). Die Hürden für die Verwirkung sind hoch; die Gerichte nehmen sie eher selten an — teils wurde ein Anspruch selbst nach rund **zwei Jahren** noch nicht als verwirkt angesehen. Verlass darauf ist dennoch riskant: **je früher das Änderungsverlangen, desto besser.**

## Häufige Fehler

- **„Für die Zeugnisberichtigung gilt die 3-Wochen-Frist."** Falsch — die dreiwöchige Klagefrist des § 4 KSchG betrifft nur Kündigungen. Bei der Zeugnisberichtigung zählen Verjährung, Ausschlussfristen und Verwirkung.
- **„Ich habe drei Jahre Zeit."** Riskant — vertragliche/tarifliche Ausschlussfristen (oft 1–3 Monate) und Verwirkung können den Anspruch weit vor Ablauf der Verjährung entfallen lassen.
- **„Ich fordere einfach eine bessere Note."** Ohne konkreten Formulierungsvorschlag und ohne Belege für überdurchschnittliche Leistung (ab Note 2 aufwärts) hat das Verlangen wenig Aussicht — die Beweislast liegt beim Arbeitnehmer.
- **„Der Arbeitgeber muss meine Formulierung übernehmen."** Nein — er schuldet nur ein wahres und wohlwollendes Zeugnis, nicht die wörtliche Übernahme der Wunschsätze.
- **„Das berichtigte Zeugnis wird neu datiert."** Falsch — es behält das ursprüngliche Ausstellungsdatum; eine spätere Datierung wäre ein unzulässiger Nachteil.
- **„Vor Gericht bekomme ich meine Anwaltskosten erstattet."** In der 1. Instanz beim Arbeitsgericht nicht — nach § 12a ArbGG trägt jede Partei ihre Anwaltskosten selbst, unabhängig vom Ausgang.













## Quellen

- § 109 GewO – Zeugnis (Anspruch, Wahrheit, Wohlwollen): https://www.gesetze-im-internet.de/gewo/__109.html
- § 195 BGB – Regelmäßige Verjährungsfrist: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__195.html
- § 199 BGB – Beginn der Verjährungsfrist: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__199.html
- § 16 BBiG – Zeugnis für Auszubildende: https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/__16.html
- § 12a ArbGG – Kostentragungspflicht 1. Instanz: https://www.gesetze-im-internet.de/arbgg/__12a.html
- BAG, Urteil vom 18.11.2014 – 9 AZR 584/13 (Beweislast „befriedigend"): https://www.bundesarbeitsgericht.de/
- BMAS – Arbeitsrecht/Arbeitszeugnis: https://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsrecht/arbeitsrecht.html

## Änderungsverlauf

- 2026-07-25: Erstveröffentlichung. Rechtsgrundlage § 109 Abs. 2 GewO, Verjährung § 195/§ 199 BGB, Kosten § 12a ArbGG und Beweislastverteilung (BAG 9 AZR 584/13) gegen gesetze-im-internet.de verifiziert. Ausschlussfristen und Verwirkung ergänzt. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-07-25
- Gültig ab: 2003-01-01 (§ 109 GewO heutige Fassung)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (GewO, BGB, ArbGG, BAG)
- Lizenz: CC BY 4.0
