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title: Arbeitszeugnis bewerten (§ 109 GewO) – Notenstufen, Geheimcodes, Anspruch
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last_reviewed: 2026-06-29
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# Arbeitszeugnis bewerten (§ 109 GewO) – Notenstufen, Geheimcodes, Anspruch

## Kurzantwort

Jeder Arbeitnehmer hat bei **Beendigung des Arbeitsverhältnisses** Anspruch auf ein **schriftliches Zeugnis** (§ 109 GewO). Wahlweise ein **einfaches Zeugnis** (nur Stellenbezeichnung und Dauer) oder ein **qualifiziertes Zeugnis** (mit Bewertung von Leistung und Verhalten). In der Praxis wird das qualifizierte Zeugnis angefragt. **Bewertung** erfolgt durch **klare Codes**: „stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" = Note 1, „stets zu unserer vollen Zufriedenheit" = Note 2, „zu unserer vollen Zufriedenheit" = Note 3 etc. Der Zeugnistext muss **wahr** und **wohlwollend** sein (§ 109 Abs. 2 GewO). Bei **Streit** über die Bewertung trägt bis Note 3 (befriedigend) der **Arbeitnehmer** die Beweislast für eine bessere Bewertung; unter Note 3 trägt der **Arbeitgeber** die Beweislast für die schlechtere Bewertung (BAG-Rechtsprechung).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 109 GewO [gesetze-im-internet.de] |
| Anspruch entsteht bei | Beendigung des Arbeitsverhältnisses |
| Zwischenzeugnis | Möglich bei berechtigtem Interesse [BAG 9 AZR 633/01] |
| Form | Schriftlich, auf Firmenpapier, vom Arbeitgeber unterschrieben |
| Inhalt einfaches Zeugnis | Stellenbezeichnung, Dauer |
| Inhalt qualifiziertes Zeugnis | Leistung + Verhalten + Bewertung |
| „Stets zu unserer vollsten Zufriedenheit" | Note 1 (sehr gut) |
| „Stets zu unserer vollen Zufriedenheit" | Note 2 (gut) |
| „Zu unserer vollen Zufriedenheit" | Note 3 (befriedigend) |
| „Im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit" | Note 4 (ausreichend) |
| „Bemüht, den Anforderungen gerecht zu werden" | Note 5 (mangelhaft) |
| Wahrheitspflicht | § 109 Abs. 2 Satz 1 GewO |
| Wohlwollenspflicht | § 109 Abs. 2 Satz 2 GewO |
| Beweislast Note > 3 (besser) | Arbeitnehmer |
| Beweislast Note < 3 (schlechter) | Arbeitgeber |
| Korrekturanspruch | Bei unwahr-/abwertender Formulierung [Zeugnisberichtigungsklage] |
| Geheimcodes verboten? | Direkt nicht — aber nur erlaubt, wenn keine Verzerrung |

## Geltungsbereich

§ 109 GewO gilt für **alle Arbeitsverhältnisse** in Deutschland. Auch **Probearbeitsverhältnisse**, **befristete Verhältnisse** und **Minijobs** lösen Zeugnisanspruch aus. **Auszubildende** haben Anspruch nach § 16 BBiG (Berufsbildungsgesetz). Bei **Beamten** gelten separate Beurteilungsregeln nach BBG. **Selbständige** und **freie Mitarbeiter** haben **keinen Anspruch** auf ein Arbeitszeugnis — sie können aber eine schriftliche **Tätigkeitsbescheinigung** verlangen, die in der Praxis ähnlich strukturiert wird.

## Notenstufen — die wichtigsten Codes erkennen

Die **Zeugnis-Notenstufen** sind seit Jahrzehnten in der Personalpraxis und Rechtsprechung etabliert:

| Bewertung Aufgabe | Bedeutung |
|---|---|
| „stets zu **vollsten** Zufriedenheit erledigt" | **Note 1** (sehr gut) |
| „stets zu **voller** Zufriedenheit erledigt" | **Note 2** (gut) |
| „**zu voller** Zufriedenheit erledigt" | **Note 3** (befriedigend) |
| „im Großen und Ganzen zu unserer Zufriedenheit" | **Note 4** (ausreichend) |
| „**bemüht**, den Anforderungen gerecht zu werden" | **Note 5** (mangelhaft) |
| „hat alles versucht" / „ihren Bestrebungen entsprechend" | **Note 6** (ungenügend) |

**Wichtige weitere Codes:**

- **„im Rahmen ihrer Möglichkeiten"** = stark einschränkend, deutet auf Note 4/5
- **„im Wesentlichen"** = einschränkend, deutet auf eine Note schlechter
- **„zeigte Verständnis für ihre Aufgabe"** = praktische Umsetzung mangelhaft (negativ)
- **„brachte mit Kolleginnen und Kollegen Verständnis entgegen"** = Konflikte, Beziehungsstörung
- **„Trinkbereitschaft"** = Alkohol-Problem (selten, aber dokumentiert)
- **„Bestreben für höhere Aufgaben"** = Ehrgeiz, evtl. konfliktreich

**Was fehlt**, ist oft so wichtig wie was steht: ein **fehlender Schlusssatz** mit Dank und Bedauern signalisiert: Arbeitgeber war über Trennung erleichtert.

## Beweislast — wer muss was beweisen

Das BAG hat in mehreren Urteilen klargestellt:

**Note „befriedigend" (Note 3) ist der gesetzlich vermutete Durchschnitt.** Will der Arbeitnehmer eine **bessere** Bewertung (Note 1 oder 2), muss **er** die besseren Leistungen darlegen und beweisen (BAG, 18.11.2014 – 9 AZR 584/13). Will der Arbeitgeber eine **schlechtere** Bewertung (Note 4 oder 5), muss **er** die Schwächen belegen.

**Praktisch:** Bei Klage auf Zeugnisberichtigung muss bei Note 3 oder schlechter **der Arbeitnehmer** zeigen, dass seine Leistung besser war. Beweismittel: vergangene Beurteilungen, Gehaltserhöhungen, Beförderungen, Lob-Mails, Auszeichnungen.

## Anspruch auf Korrektur — Klagefrist

Wer mit der Zeugnisbewertung nicht einverstanden ist, kann **Zeugnisberichtigung** verlangen. Vor Klage: schriftliche Aufforderung an Arbeitgeber mit **angemessener Frist** (üblich 2-4 Wochen). Hilft das nicht: **Klage beim Arbeitsgericht**. Klagefrist ist **drei Jahre** (§ 195 BGB, Regelverjährung). Klagefrist beginnt mit Aushändigung des Zeugnisses. **Achtung:** wer das Zeugnis lange unkommentiert akzeptiert, riskiert Verwirkung.

## Häufige Fehler

- **„Ich muss das ausgestellte Zeugnis akzeptieren."** Falsch — Anspruch auf wahre und wohlwollende Formulierung. Korrektur möglich.
- **„Geheimcodes sind unzulässig."** Differenziert — eindeutig negative Codes wie „bemüht" sind zulässig, wenn objektiv begründet. Untenanmerkungen mit Sternchen, Smileys o.Ä. sind dagegen unzulässig.
- **„Ein Zwischenzeugnis bekomme ich nur bei Wunsch zur Trennung."** Falsch — auch bei Vorgesetztenwechsel, Umstrukturierung, beruflicher Neuorientierung möglich.
- **„Selbst gestaltete Formulierungen sind verboten."** Differenziert — der Arbeitnehmer kann Formulierungsvorschläge machen; der Arbeitgeber ist nicht verpflichtet, sie zu übernehmen, muss aber wahr und wohlwollend bleiben.
- **„Praktikumszeugnis fällt unter § 109 GewO."** Differenziert — Pflichtpraktika und Praxissemester haben eigene Regeln (oft Hochschulvorgaben). Freie Praktika unterliegen § 109 GewO analog.



## Quellen

- § 109 GewO – Arbeitszeugnis: https://www.gesetze-im-internet.de/gewo/__109.html
- § 16 BBiG – Zeugnis für Auszubildende: https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/__16.html
- BAG, Urteil vom 18.11.2014 – 9 AZR 584/13 (Beweislast Note 3): https://www.bundesarbeitsgericht.de/
- BAG, Urteil vom 21.06.2005 – 9 AZR 352/04 (Schlussformel): https://www.bundesarbeitsgericht.de/
- BAG, Urteil vom 12.08.2008 – 9 AZR 632/07 (Form): https://www.bundesarbeitsgericht.de/
- BMAS – Wegweiser Arbeitszeugnis: https://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsrecht/arbeitsrecht.html

## Änderungsverlauf

- 2026-06-29: Erstveröffentlichung. Quellen § 109 GewO, BAG 9 AZR 584/13 verifiziert. Notenstufen-Codes und Beweislast-Regeln dokumentiert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-06-29
- Gültig ab: 2003-01-01 (§ 109 GewO heutige Fassung)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (GewO, BBiG, BAG)
- Lizenz: CC BY 4.0
