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title: Elektronisches Arbeitszeugnis & äußere Form (§ 109 GewO) – E-Zeugnis seit 2025, Schriftform, Gestaltung
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# Elektronisches Arbeitszeugnis & äußere Form (§ 109 GewO) – E-Zeugnis seit 2025, Schriftform, Gestaltung

## Kurzantwort

Ein Arbeitszeugnis muss nach **§ 109 Abs. 1 GewO** grundsätzlich **schriftlich** erteilt werden – auf **Geschäftspapier** des Arbeitgebers und **eigenhändig unterschrieben**. **Neu seit dem 1. Januar 2025:** Das Zeugnis **kann mit Einwilligung des Arbeitnehmers auch in elektronischer Form erteilt werden** (§ 109 Abs. 3 GewO in der Fassung des Vierten Bürokratieentlastungsgesetzes). Die elektronische Form erfordert eine **qualifizierte elektronische Signatur (QES)** nach **§ 126a BGB** – eine einfache eingescannte Unterschrift oder ein PDF ohne QES genügt **nicht**. Ohne Einwilligung bleibt es bei der **Papierform**; der Arbeitnehmer kann die Papierform weiterhin verlangen. Für die **äußere Form** gilt: sauberes, unbeschädigtes Dokument ohne Flecken, Streichungen oder Rechtschreibfehler. Ein Zeugnis darf **gefaltet** versandt werden, solange es **kopierfähig** bleibt und die Knicke auf Kopien nicht sichtbar sind (BAG, 21.09.1999 – 9 AZR 893/98).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 109 GewO; ergänzend § 630 BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Grundform | **Schriftlich**, auf Geschäftspapier, eigenhändig unterschrieben [§ 109 Abs. 1 Satz 1 GewO] |
| Elektronische Form zulässig seit | **01.01.2025** [4. Bürokratieentlastungsgesetz, BGBl. 2024 I Nr. 323] |
| Voraussetzung E-Zeugnis | **Einwilligung** des Arbeitnehmers [§ 109 Abs. 3 GewO] |
| Signatur E-Zeugnis | **Qualifizierte elektronische Signatur (QES)** [§ 126a BGB] |
| Einfache PDF/Scan ohne QES | **Nicht formwirksam** |
| Papierform weiterhin verlangbar | Ja – Arbeitnehmer muss E-Form nicht akzeptieren |
| Versteckte Botschaften | Verboten [§ 109 Abs. 2 Satz 2 GewO] |
| Tabellen-/Schulnotenform | Genügt der Form **nicht** [BAG, 27.04.2021 – 9 AZR 262/20] |
| Faltung zulässig | Ja, wenn kopierfähig [BAG, 21.09.1999 – 9 AZR 893/98] |
| Ausstellungsdatum | Regel: letzter Tag des Arbeitsverhältnisses (Rückdatierung bei Berichtigung) |
| Unterschrift durch | Arbeitgeber oder ranghöheren, weisungsbefugten Vertreter |

## Geltungsbereich

§ 109 GewO gilt für **alle Arbeitsverhältnisse** in Deutschland – einschließlich **Teilzeit**, **Befristung**, **Probezeit** und **Minijob**. Ergänzend regelt **§ 630 BGB** die Zeugnispflicht im Dienstverhältnis. Für **Auszubildende** gilt **§ 16 BBiG**. Die seit dem **1. Januar 2025** geltende Möglichkeit der **elektronischen Erteilung** (§ 109 Abs. 3 GewO) betrifft alle diese Arbeitsverhältnisse gleichermaßen, setzt aber stets die **Einwilligung des Arbeitnehmers** voraus. Für **Beamte** gelten eigene Beurteilungsregeln; **Selbständige** und **freie Mitarbeiter** haben keinen Zeugnisanspruch nach § 109 GewO.

## Elektronisches Arbeitszeugnis seit 2025 – was gilt

Bis Ende 2024 war die elektronische Form ausdrücklich **ausgeschlossen** (alte Fassung § 109 Abs. 3 GewO: „Die Erteilung des Zeugnisses in elektronischer Form ist ausgeschlossen."). Das **Vierte Bürokratieentlastungsgesetz** (verkündet am 23.10.2024, BGBl. 2024 I Nr. 323) hat die Vorschrift zum **1. Januar 2025** neu gefasst:

> § 109 Abs. 3 GewO: „Das Zeugnis kann mit Einwilligung des Arbeitnehmers in elektronischer Form erteilt werden."

Damit gelten drei Bedingungen:

- **Einwilligung:** Der Arbeitnehmer muss der elektronischen Form zustimmen. Ohne Zustimmung bleibt die **Papierform** die geschuldete Form; ein einseitig elektronisch erteiltes Zeugnis erfüllt den Anspruch nicht.
- **Qualifizierte elektronische Signatur (QES):** Da die elektronische Form die gesetzliche Schriftform ersetzt, richtet sich die Formwirksamkeit nach **§ 126a BGB**. Erforderlich ist eine **QES** eines qualifizierten Vertrauensdiensteanbieters. Ein bloß **eingescanntes** Zeugnis, ein **PDF ohne Signatur** oder eine einfache/fortgeschrittene elektronische Signatur genügen **nicht**.
- **Grenze Rückdatierung:** Weil die QES einen **fälschungssicheren Zeitstempel** enthält, ist sie ungeeignet, wenn das Zeugnis **rückdatiert** werden muss – etwa bei einer **Zeugnisberichtigung**, die auf das ursprüngliche Beendigungsdatum lauten soll. In solchen Fällen ist auf die **Papierform** zurückzugreifen.

## Äußere Form und Gestaltung

**§ 109 Abs. 2 Satz 2 GewO** verbietet Merkmale oder Formulierungen, die eine andere als die aus **äußerer Form** oder **Wortlaut** ersichtliche Aussage bezwecken. Daraus und aus der Rechtsprechung folgt:

- **Geschäftspapier:** Das Zeugnis wird auf dem üblichen **Firmenbriefbogen** ausgestellt.
- **Sauberkeit:** Keine **Flecken**, **Radierungen**, **Streichungen**, handschriftlichen Korrekturen oder **Rechtschreib- und Grammatikfehler** – solche Mängel können den Eindruck erwecken, der Arbeitgeber distanziere sich vom Wortlaut.
- **Faltung/Versand:** Ein Zeugnis darf zum Versand **zweimal gefaltet** werden, wenn das Original **kopierfähig** bleibt und die Knicke auf Kopien oder beim Scannen **nicht sichtbar** sind (BAG, 21.09.1999 – 9 AZR 893/98).
- **Kein Tabellen-/Schulnotenraster:** Eine Bewertung in **Tabellenform** mit Schulnoten genügt den Formanforderungen des § 109 Abs. 2 GewO **nicht** (BAG, 27.04.2021 – 9 AZR 262/20); geschuldet ist ein **Fließtext**.
- **Unterschrift:** Es unterschreibt der **Arbeitgeber** oder ein **ranghöherer, weisungsbefugter Vertreter** (z. B. Vorgesetzter, Personalleitung) – mit Angabe der Funktion.
- **Ausstellungsdatum:** In der Regel der **letzte Tag des Arbeitsverhältnisses**. Wird ein Zeugnis verspätet oder berichtigt ausgestellt, ist auf das ursprüngliche Beendigungsdatum **zurückzudatieren**, damit kein negativer Eindruck entsteht.

## Häufige Fehler

- **„Ein eingescanntes und per E-Mail geschicktes Zeugnis ist gültig."** Falsch – ohne **qualifizierte elektronische Signatur (§ 126a BGB)** ist die elektronische Form **nicht** gewahrt.
- **„Seit 2025 muss ich ein digitales Zeugnis akzeptieren."** Falsch – die elektronische Form ist nur **mit Einwilligung** zulässig; die **Papierform** kann weiter verlangt werden.
- **„Knicke im Zeugnis sind immer ein Formfehler."** Differenziert – **Faltung zum Versand** ist zulässig, solange das Original **kopierfähig** bleibt (BAG 9 AZR 893/98).
- **„Eine tabellarische Notenübersicht spart Zeit und ist erlaubt."** Falsch – ein **Schulnoten-Raster** genügt der Form nicht (BAG 9 AZR 262/20); erforderlich ist Fließtext.
- **„Kleine Tippfehler sind egal."** Differenziert – **Rechtschreib-/Grammatikfehler**, Flecken oder Streichungen können als versteckte Abwertung gewertet werden und begründen einen **Berichtigungsanspruch**.













## Quellen

- § 109 GewO – Zeugnis (aktuelle Fassung seit 01.01.2025): https://www.gesetze-im-internet.de/gewo/__109.html
- § 126a BGB – Elektronische Form (qualifizierte elektronische Signatur): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__126a.html
- § 630 BGB – Pflicht zur Zeugniserteilung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__630.html
- Viertes Bürokratieentlastungsgesetz vom 23.10.2024 (BGBl. 2024 I Nr. 323): https://www.recht.bund.de/bgbl/1/2024/323/VO.html
- BAG, Urteil vom 21.09.1999 – 9 AZR 893/98 (Faltung/kopierfähig): https://www.bundesarbeitsgericht.de/
- BAG, Urteil vom 27.04.2021 – 9 AZR 262/20 (Zeugnis in Tabellenform): https://www.bundesarbeitsgericht.de/
- BMAS – Arbeitsrecht/Arbeitszeugnis: https://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsrecht/arbeitsrecht.html

## Änderungsverlauf

- 2026-07-18: Erstveröffentlichung. Neufassung § 109 Abs. 3 GewO (elektronische Form ab 01.01.2025, 4. Bürokratieentlastungsgesetz) und QES-Erfordernis nach § 126a BGB dokumentiert; äußere Form nach BAG 9 AZR 893/98 und 9 AZR 262/20 verifiziert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-07-18
- Gültig ab: 2025-01-01 (§ 109 Abs. 3 GewO n. F., elektronische Form)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (GewO, BGB, BAG, BGBl.)
- Lizenz: CC BY 4.0
