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title: Schlussformel im Arbeitszeugnis – Kein Anspruch auf Dank und gute Wünsche
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last_reviewed: 2026-07-11
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# Schlussformel im Arbeitszeugnis – Kein Anspruch auf Dank und gute Wünsche

## Kurzantwort

Die **Schlussformel** ist der Abschlusssatz eines qualifizierten Arbeitszeugnisses, in dem der Arbeitgeber üblicherweise für die Zusammenarbeit **dankt**, das Ausscheiden **bedauert** und dem Arbeitnehmer für die Zukunft **alles Gute wünscht** (sog. Dankes-, Bedauerns- und Wunschformel). Rechtlich gilt: Der Arbeitnehmer hat **keinen durchsetzbaren Anspruch** auf eine solche Schlussformel. Das Bundesarbeitsgericht hat entschieden, dass § 109 GewO den **Inhalt** des qualifizierten Zeugnisses **abschließend** regelt und persönliche Empfindungen des Arbeitgebers (Dank, Bedauern, gute Wünsche) **nicht** zum notwendigen Zeugnisinhalt gehören (BAG, 11.12.2012 – 9 AZR 227/11; bestätigt durch BAG, 25.01.2022 – 9 AZR 146/21). Weil die Formel Ausdruck der durch **Art. 5 GG** geschützten Meinungsfreiheit des Arbeitgebers ist, kann er nicht zu einer bestimmten Formulierung gezwungen werden. **Wichtig – die andere Richtung:** Enthält das Zeugnis eine Schlussformel, die im **Widerspruch** zur (guten) Gesamtbewertung steht oder diese entwertet, kann der Arbeitnehmer die **Streichung** verlangen – also ein Zeugnis **ohne** die beanstandete Formel, nicht deren Umformulierung.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage Zeugnis | § 109 GewO [gesetze-im-internet.de] |
| Anspruch auf Schlussformel | **Nein** – kein gesetzlicher Anspruch [BAG 9 AZR 227/11] |
| Bestätigende Entscheidung | BAG, 25.01.2022 – 9 AZR 146/21 |
| Begründung | § 109 GewO regelt Zeugnisinhalt abschließend; Dank/Bedauern = persönliche Empfindung |
| Schutz des Arbeitgebers | Meinungsfreiheit (Art. 5 GG), unternehmerische Freiheit |
| Bestandteile der Formel | Dank + Bedauern (des Ausscheidens) + Zukunftswünsche |
| Ist die Formel bewertungsneutral? | Nein – sie kann die Bewertung bestätigen oder relativieren |
| Anspruch bei widersprüchlicher Formel | Nur auf Zeugnis **ohne** die Formel, nicht auf Umformulierung |
| Fehlende Schlussformel bei gutem Zeugnis | Zulässig – begründet keinen Berichtigungsanspruch |
| Wahrheits-/Wohlwollenspflicht | § 109 Abs. 2 GewO (gilt für den übrigen Zeugnistext) |
| Durchsetzung Streichung | Aufforderung mit Frist → Zeugnisberichtigungsklage, Arbeitsgericht |
| Verjährung | 3 Jahre (§ 195 BGB), Beginn mit Aushändigung |

## Geltungsbereich

Die Grundsätze gelten für **alle qualifizierten Arbeitszeugnisse** nach § 109 GewO in Deutschland – unabhängig von Betriebsgröße, Branche oder Befristung. Sie betreffen sowohl **End-** als auch **Zwischenzeugnisse**. Für **Auszubildende** (§ 16 BBiG) gilt derselbe Maßstab analog: Auch hier besteht kein Anspruch auf eine Dankes- oder Wunschformel. Die Rechtsprechung ist gefestigt: Das BAG hat seine Linie aus dem Jahr 2012 mit der Entscheidung vom **25.01.2022** ausdrücklich bekräftigt und eine anderslautende Entscheidung des Landesarbeitsgerichts aufgehoben. Eine gesetzliche Neuregelung, die einen Anspruch auf die Schlussformel einführen würde, existiert **nicht** (Stand 2026).

## Warum die Schlussformel trotzdem wichtig ist

Obwohl kein Anspruch besteht, ist die Schlussformel in der Personalpraxis **aussagekräftig**. Bei einem überdurchschnittlichen Zeugnis (Note 1 oder 2) gehört die Dankes- und Wunschformel zum **branchenüblichen Standard**. Das BAG stellt selbst klar: Schlusssätze sind **nicht bewertungsneutral** – sie können die objektiven Aussagen zu Leistung und Verhalten **bestätigen oder relativieren**.

Daraus folgt für die Praxis:

- **Fehlt** die Formel in einem sonst guten Zeugnis, lesen Personaler dies oft als Signal, dass die Trennung **nicht im Guten** verlief – rechtlich zwingen kann man die Formel aber nicht.
- Eine **abgeschwächte** Formel (nur „Wir wünschen alles Gute" ohne Dank und ohne Bedauern) wirkt bei einem Note-1-Zeugnis wie eine **versteckte Abwertung**.
- Steht eine **kühle oder widersprüchliche** Schlussformel im Zeugnis, ist der einzige durchsetzbare Weg die **Streichung** – nicht die Verpflichtung des Arbeitgebers zu wärmeren Worten.

## Was der Arbeitnehmer verlangen kann – und was nicht

| Situation | Durchsetzbar? |
|---|---|
| „Bitte fügen Sie eine Dankesformel hinzu." | **Nein** – kein Anspruch [BAG 9 AZR 227/11] |
| „Bitte formulieren Sie die Schlussformel wärmer." | **Nein** – Arbeitgeber kann nicht zu bestimmter Formulierung gezwungen werden |
| „Die Schlussformel widerspricht meinem Note-1-Zeugnis – bitte streichen." | **Ja** – Anspruch auf Zeugnis **ohne** die widersprüchliche Formel |
| „Das restliche Zeugnis ist unwahr/abwertend." | **Ja** – Berichtigungsanspruch (§ 109 Abs. 2 GewO) |

Praktisch bleibt Arbeitnehmern damit nur, die Aufnahme einer Schlussformel im Zeugnis **freundlich zu erbitten** oder – bei kooperativen Arbeitgebern – im Rahmen eines **Aufhebungsvertrags** oder Vergleichs eine konkrete Zeugnisformulierung (inkl. Schlusssatz) **vertraglich zu vereinbaren**. Ist die Zeugnisformulierung im gerichtlichen Vergleich festgehalten, ist der Arbeitgeber daran gebunden.

## Häufige Fehler

- **„Ein gutes Zeugnis muss mit Dank und guten Wünschen enden."** Falsch – es gibt keinen einklagbaren Anspruch auf die Schlussformel (BAG 9 AZR 227/11, bestätigt 9 AZR 146/21).
- **„Ich kann den Arbeitgeber zu einer wärmeren Formulierung verurteilen lassen."** Falsch – durchsetzbar ist nur die **Streichung** einer widersprüchlichen Formel, nicht deren Neuformulierung.
- **„Das Fehlen der Schlussformel ist automatisch rechtswidrig."** Falsch – das Fehlen allein begründet keinen Berichtigungsanspruch, auch wenn es in der Praxis negativ gedeutet wird.
- **„Die Schlussformel ist neutrale Höflichkeit ohne Bewertungsgehalt."** Differenziert – das BAG betont, dass Schlusssätze die Bewertung bestätigen oder relativieren können und damit **nicht** bewertungsneutral sind.
- **„Im Prozessvergleich vereinbarte Formulierungen sind unverbindlich."** Falsch – eine im gerichtlichen Vergleich oder Aufhebungsvertrag festgelegte Zeugnisformulierung bindet den Arbeitgeber.

## Quellen

- § 109 GewO – Arbeitszeugnis: https://www.gesetze-im-internet.de/gewo/__109.html
- BAG, Urteil vom 11.12.2012 – 9 AZR 227/11 (kein Anspruch auf Schlussformel): https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/9-azr-227-11/
- BAG, Urteil vom 25.01.2022 – 9 AZR 146/21 (Bestätigung: kein Anspruch auf Schlussformel): https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/9-azr-146-21/
- § 16 BBiG – Zeugnis für Auszubildende: https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/__16.html
- § 195 BGB – Regelmäßige Verjährungsfrist: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__195.html
- BMAS – Arbeitsrecht / Arbeitszeugnis: https://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsrecht/arbeitsrecht.html

## Änderungsverlauf

- 2026-07-11: Erstveröffentlichung. § 109 GewO sowie BAG 9 AZR 227/11 und BAG 9 AZR 146/21 gegen amtliche/juristische Quellen verifiziert. Kernaussage: kein Anspruch auf Schlussformel, aber Streichungsanspruch bei widersprüchlicher Formel. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-07-11
- Gültig ab: 2003-01-01 (§ 109 GewO heutige Fassung)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (GewO, BBiG, BGB, BAG)
- Lizenz: CC BY 4.0
