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title: Aufhebungsvertrag 2026 – Abfindung, Sperrzeit, Ruhen des ALG, Turbo-/Sprinterklausel
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last_reviewed: 2026-07-10
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# Aufhebungsvertrag 2026 – Abfindung, Sperrzeit, Ruhen des ALG, Turbo-/Sprinterklausel

## Kurzantwort

Ein **Aufhebungsvertrag** beendet das Arbeitsverhältnis **einvernehmlich** und unabhängig von den Kündigungsfristen des § 622 BGB. Er bedarf zwingend der **Schriftform mit eigenhändiger Unterschrift beider Seiten** (§ 623 BGB) — E-Mail oder mündliche Absprache sind **unwirksam**. Der größte Nachteil: Wer einen Aufhebungsvertrag unterschreibt, löst beim Arbeitslosengeld I **regelmäßig eine 12-wöchige Sperrzeit** aus (§ 159 Abs. 1 Nr. 1 SGB III), weil die Beendigung als „Arbeitsaufgabe ohne wichtigen Grund" gilt. Zusätzlich kann der ALG-Anspruch nach § 158 SGB III **ruhen**, wenn eine **Abfindung** gezahlt wird und dabei die **ordentliche Kündigungsfrist nicht eingehalten** wurde. Eine Abfindung ist im Aufhebungsvertrag **frei verhandelbar** — ein gesetzlicher Anspruch besteht nicht; als Orientierung dient häufig die Faustformel **0,5 Bruttomonatsgehälter pro Beschäftigungsjahr** (angelehnt an § 1a KSchG). Seit **1. Januar 2025** wendet der Arbeitgeber die steuerliche **Fünftelregelung nicht mehr im Lohnsteuerabzug** an; sie wird erst über die **Einkommensteuererklärung** berücksichtigt (§ 34 EStG i. V. m. § 39b EStG).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsnatur | Einvernehmliche Beendigung, kein einseitiges Kündigungsrecht |
| Form-Pflicht | Schriftform, eigenhändige Unterschrift beider Parteien [§ 623 BGB] |
| Unwirksam | E-Mail, Scan, WhatsApp, mündlich [§ 125 BGB] |
| Kündigungsfristen § 622 BGB | Gelten **nicht** — Beendigungsdatum frei vereinbar |
| Widerruf | Kein gesetzliches Widerrufsrecht (BAG: kein Verbraucher-Widerruf) |
| Sperrzeit ALG I | Regelmäßig **12 Wochen** [§ 159 Abs. 1 Nr. 1 SGB III] |
| Sperrzeit-Verkürzung | Auf 3 bzw. 6 Wochen bei besonderer Härte / naher Beendigung [§ 159 Abs. 3 SGB III] |
| Wichtiger Grund | Vermeidet Sperrzeit (z. B. drohende rechtmäßige AG-Kündigung, Mobbing, Gesundheit) |
| Ruhen bei Abfindung | Wenn ordentliche Kündigungsfrist nicht eingehalten [§ 158 SGB III] |
| Ruhen – Höchstdauer | Maximal 1 Jahr; endet, wenn 60 % der Abfindung „verdient" wären [§ 158 Abs. 2 SGB III] |
| Abfindung – Anspruch | **Kein gesetzlicher Anspruch**; frei verhandelbar |
| Abfindung – Faustformel | 0,5 Bruttomonatsgehälter × Beschäftigungsjahre (Orientierung, § 1a KSchG) |
| § 1a KSchG Aufrundung | Mehr als 6 Monate = volles Jahr [§ 1a Abs. 2 KSchG] |
| Fünftelregelung ab 2025 | Nicht mehr im Lohnsteuerabzug; erst bei Einkommensteuer-Veranlagung [§ 34, § 39b EStG] |
| Lohnsteuerbescheinigung | Abfindung weiter gesondert als „sonstiger Bezug" auszuweisen |
| Turbo-/Sprinterklausel | Vorzeitiges Ausscheiden gegen Erhöhung der Abfindung |
| Resturlaub | Wird abgegolten, sofern nicht vor Beendigung genommen [§ 7 Abs. 4 BUrlG] |
| Arbeitszeugnis | Anspruch bleibt; Wortlaut kann im Vertrag fixiert werden [§ 109 GewO] |

## Geltungsbereich

Der Aufhebungsvertrag (gesetzlich „Auflösungsvertrag", § 623 BGB) ist für **alle abhängigen Beschäftigungsverhältnisse** möglich. Anders als bei der Kündigung gibt es **keine Fristen** (§ 622 BGB findet keine Anwendung) und **keinen Kündigungsschutz** — das Kündigungsschutzgesetz greift nicht, weil keine einseitige Kündigung, sondern eine Vereinbarung vorliegt. Auch **Sonderkündigungsschutz** (Schwangerschaft § 17 MuSchG, Schwerbehinderung § 168 SGB IX, Betriebsrat § 15 KSchG) steht einem Aufhebungsvertrag nicht entgegen, weil die betroffene Person selbst zustimmt. Genau deshalb ist besondere Vorsicht geboten: Wer sonst nur schwer kündbar wäre, gibt seinen Schutz mit der Unterschrift auf.

## Sperrzeit und Ruhen — die zwei Fallstricke beim ALG I

Beim Arbeitslosengeld drohen **zwei unabhängige** Nachteile, die kumulieren können:

**1. Sperrzeit (§ 159 SGB III):** Wer das Arbeitsverhältnis durch Aufhebungsvertrag löst, hat es „gelöst" im Sinne des Gesetzes und erhält regelmäßig eine **12-wöchige Sperrzeit**. In dieser Zeit ruht der Anspruch **und** die Anspruchsdauer verkürzt sich um mindestens ein Viertel. Die Sperrzeit verkürzt sich auf **6 Wochen**, wenn das Arbeitsverhältnis binnen 12 Wochen ohnehin geendet hätte oder 12 Wochen eine besondere Härte wären, und auf **3 Wochen** bei Beendigung binnen 6 Wochen (§ 159 Abs. 3 SGB III). Sie **entfällt** bei nachgewiesenem **wichtigem Grund** — etwa wenn eine **rechtmäßige betriebsbedingte Arbeitgeberkündigung** konkret drohte und die Abfindung zwischen 0,25 und 0,5 Monatsgehältern je Jahr liegt (Geschäftsanweisung der BA zu § 159).

**2. Ruhen bei Abfindung (§ 158 SGB III):** Zahlt der Arbeitgeber eine **Abfindung** und wird dabei die **ordentliche Kündigungsfrist nicht eingehalten**, ruht der ALG-Anspruch zusätzlich vom Ende des Arbeitsverhältnisses bis zu dem Tag, an dem bei Einhaltung der Frist beendet worden wäre — **längstens ein Jahr** und höchstens bis zu dem Zeitpunkt, an dem 60 % der Abfindung durch fiktives Weiterarbeiten „verdient" gewesen wären. Wird die reguläre Kündigungsfrist im Aufhebungsvertrag **eingehalten**, tritt kein Ruhen ein.

## Abfindung und Steuer 2026

Es gibt **keinen gesetzlichen Anspruch** auf eine Abfindung im Aufhebungsvertrag — sie ist reine Verhandlungssache. Als Verhandlungsanker dient die **Regelabfindung des § 1a KSchG: 0,5 Bruttomonatsverdienste pro Beschäftigungsjahr**, wobei ein angefangenes Jahr von mehr als sechs Monaten aufgerundet wird. Die Abfindung ist **voll einkommensteuerpflichtig**, aber **sozialversicherungsfrei** (echte Abfindung für den Verlust des Arbeitsplatzes).

Wichtige Änderung seit **1. Januar 2025** (Wachstumschancengesetz): Der Arbeitgeber wendet die **Fünftelregelung nicht mehr im Lohnsteuerabzug** an. Die Steuerermäßigung für die zusammengeballte Einmalzahlung wird nun **erst über die Einkommensteuererklärung** vom Finanzamt gewährt (§ 34 EStG). Praktisch heißt das: Bei Auszahlung wird zunächst mehr Lohnsteuer einbehalten; die Ermäßigung holt man sich über die **Veranlagung** zurück. Die Abfindung muss weiterhin **gesondert als sonstiger Bezug** in der Lohnsteuerbescheinigung ausgewiesen werden.

## Turbo- / Sprinterklausel

Eine **Turboklausel** (auch „Sprinterklausel") gibt dem Arbeitnehmer das Recht, **vor** dem vereinbarten Beendigungstermin auszuscheiden — etwa weil er früher eine neue Stelle antreten kann. Als Ausgleich wird die **Abfindung um das eingesparte Gehalt erhöht**, das der Arbeitgeber bis zum ursprünglichen Enddatum sonst hätte zahlen müssen. Vorteil für beide Seiten: Der Arbeitnehmer startet früher neu, der Arbeitgeber spart Lohnkosten. **Achtung Sperrzeit:** Nutzt der Arbeitnehmer die Klausel und beendet aus eigenem Entschluss vorzeitig, kann die Bundesagentur dies als sperrzeitauslösende Eigenlösung werten — der Sprinterbonus selbst ist regelmäßig kein „echter" Abfindungsteil im Sinne des § 158 SGB III, wird aber im Einzelfall geprüft.

## Häufige Fehler

- **„Einen Aufhebungsvertrag kann ich innerhalb von 14 Tagen widerrufen."** Falsch — es gibt **kein gesetzliches Widerrufsrecht**; das BAG verneint einen Verbraucherwiderruf bei im Betrieb geschlossenen Aufhebungsverträgen. Rücktritt nur bei Anfechtungsgründen oder vereinbartem Widerrufsrecht.
- **„Mit Abfindung gibt es keine Sperrzeit."** Falsch — Sperrzeit (§ 159) und Abfindung sind unabhängig; die Abfindung kann sogar zusätzlich ein **Ruhen** (§ 158) auslösen, wenn die Kündigungsfrist unterschritten wird.
- **„Die Fünftelregelung wurde abgeschafft."** Falsch — sie besteht weiter (§ 34 EStG), wird seit 2025 nur **nicht mehr vom Arbeitgeber im Lohnsteuerabzug**, sondern **erst bei der Einkommensteuerveranlagung** angewandt.
- **„Der Aufhebungsvertrag per E-Mail ist gültig."** Falsch — § 623 BGB verlangt **Schriftform mit eigenhändiger Unterschrift**; elektronische Form ist ausdrücklich ausgeschlossen.
- **„Es gibt einen gesetzlichen Anspruch auf eine Abfindung."** Falsch — im Aufhebungsvertrag ist die Abfindung **frei verhandelbar**; § 1a KSchG dient nur als Orientierung und greift dort nicht automatisch.
- **„Sonderkündigungsschutz schützt auch beim Aufhebungsvertrag."** Falsch — mit der eigenen Zustimmung entfällt der Schutz (Schwangerschaft, Schwerbehinderung, Betriebsrat).

## Quellen

- § 623 BGB – Schriftform der Kündigung/Auflösungsvertrag: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__623.html
- § 622 BGB – Kündigungsfristen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__622.html
- § 159 SGB III – Ruhen bei Sperrzeit: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__159.html
- § 158 SGB III – Ruhen des Anspruchs bei Entlassungsentschädigung: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__158.html
- § 1a KSchG – Abfindungsanspruch bei betriebsbedingter Kündigung: https://www.gesetze-im-internet.de/kschg/__1a.html
- § 34 EStG – Außerordentliche Einkünfte (Fünftelregelung): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__34.html
- § 39b EStG – Einbehaltung der Lohnsteuer (Wegfall Fünftelregelung im Abzug ab 2025): https://www.gesetze-im-internet.de/estg/__39b.html
- § 7 BUrlG – Urlaubsabgeltung: https://www.gesetze-im-internet.de/burlg/__7.html
- § 109 GewO – Arbeitszeugnis: https://www.gesetze-im-internet.de/gewo/__109.html
- Bundesagentur für Arbeit – Merkblatt 17: Berücksichtigung von Entlassungsentschädigungen: https://www.arbeitsagentur.de/datei/merkblatt-17-entschaedigungen_ba035855.pdf
- Bundesagentur für Arbeit – Fachliche Weisungen § 159 SGB III: https://www.arbeitsagentur.de/datei/fw-sgb-iii-159_ba034410.pdf

## Änderungsverlauf

- 2026-07-10: Erstveröffentlichung. § 623 BGB, § 158/§ 159 SGB III und § 1a KSchG gegen gesetze-im-internet.de verifiziert; Fünftelregelung-Umstellung ab 01.01.2025 (Wachstumschancengesetz, § 34/§ 39b EStG) und Abfindungs-/Sperrzeit-Praxis über BA-Merkblatt 17 und Fachliche Weisungen § 159 gegengeprüft. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-07-10
- Gültig ab: 2000-05-01 (Schriftform-Pflicht § 623 BGB); Fünftelregelung-Umstellung im Lohnsteuerabzug ab 01.01.2025
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, KSchG, SGB III, EStG, BUrlG, GewO, Bundesagentur für Arbeit)
- Lizenz: CC BY 4.0
