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title: Ausbildungszeugnis (§ 16 BBiG) – Anspruch, Pflichtinhalt, Unterschied zum Arbeitszeugnis
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# Ausbildungszeugnis (§ 16 BBiG) – Anspruch, Pflichtinhalt, Unterschied zum Arbeitszeugnis

## Kurzantwort

Für **Auszubildende** richtet sich der Zeugnisanspruch nicht nach § 109 GewO, sondern nach der **spezielleren Vorschrift § 16 des Berufsbildungsgesetzes (BBiG)**. Danach müssen **Ausbildende** dem Auszubildenden **bei Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses** ein **schriftliches Zeugnis** ausstellen (§ 16 Abs. 1 Satz 1 BBiG). Seit dem **Berufsbildungsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetz (BVaDiG)** ist die Erteilung **mit Einwilligung des Auszubildenden auch in elektronischer Form** zulässig (§ 16 Abs. 1 Satz 2 BBiG, gültig seit 01.08.2024). Hat der Ausbildende nicht selbst ausgebildet, **soll auch der Ausbilder** mitunterzeichnen (§ 16 Abs. 1 Satz 3 BBiG). Das **einfache Zeugnis** muss zwingend Angaben über **Art, Dauer und Ziel** der Berufsausbildung sowie über die **erworbenen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten** enthalten (§ 16 Abs. 2 Satz 1 BBiG). **Nur auf ausdrückliches Verlangen** des Auszubildenden kommen Angaben über **Verhalten und Leistung** hinzu – das ist dann das **qualifizierte** Ausbildungszeugnis (§ 16 Abs. 2 Satz 2 BBiG). Für die Bewertung gelten die vom Arbeitszeugnis bekannten Grundsätze der **Wahrheit** und des **Wohlwollens** sowie die üblichen Zeugnis-Notenstufen analog.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 16 BBiG [gesetze-im-internet.de] |
| Gilt für | Auszubildende (Berufsausbildungsverhältnis), nicht § 109 GewO |
| Verhältnis zu § 109 GewO | § 16 BBiG ist die speziellere Norm (lex specialis) |
| Anspruch entsteht bei | Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses |
| Beendigung | Ablauf der Ausbildungszeit (§ 21 Abs. 1 BBiG) bzw. Bestehen der Abschlussprüfung (§ 21 Abs. 2 BBiG) |
| Form | Schriftlich; elektronisch nur mit Einwilligung des Auszubildenden [§ 16 Abs. 1 S. 2 BBiG] |
| Elektronische Form zulässig seit | 01.08.2024 (BVaDiG) |
| Wer unterschreibt | Ausbildender; ggf. zusätzlich der Ausbilder [§ 16 Abs. 1 S. 3 BBiG] |
| Pflichtinhalt (einfaches Zeugnis) | Art, Dauer, Ziel der Ausbildung + erworbene Fertigkeiten, Kenntnisse, Fähigkeiten |
| Qualifiziertes Zeugnis | Zusätzlich Verhalten + Leistung – nur **auf Verlangen** |
| Wahrheitspflicht | Ja (analog § 109 Abs. 2 GewO, st. Rspr.) |
| Wohlwollenspflicht | Ja (analog § 109 Abs. 2 GewO, st. Rspr.) |
| Notenstufen / Zeugniscodes | Gelten analog wie beim Arbeitszeugnis |
| Berichtigungsanspruch | Bei unwahrer/abwertender Formulierung, Arbeitsgericht |
| Verjährung | 3 Jahre (§ 195 BGB), Beginn mit Aushändigung |
| Kosten | Trägt der Ausbildende |

## Geltungsbereich

§ 16 BBiG gilt für **alle Berufsausbildungsverhältnisse** im Sinne des Berufsbildungsgesetzes – also für die klassische **duale Ausbildung** in Betrieb und Berufsschule. Anspruchsberechtigt ist der **Auszubildende**, verpflichtet ist der **Ausbildende** (der ausbildende Betrieb/Inhaber). Führt eine andere Person die Ausbildung praktisch durch (der **Ausbilder**), **soll** auch diese das Zeugnis unterschreiben (§ 16 Abs. 1 Satz 3 BBiG).

Für **Umschülerinnen und Umschüler** gilt § 16 BBiG über § 60 Abs. 2 BBiG entsprechend. Wird der Auszubildende nach der Ausbildung in ein **reguläres Arbeitsverhältnis** übernommen, richtet sich das spätere Zeugnis für diese Anschlusszeit dann nach **§ 109 GewO**. Für **Praktika** außerhalb einer Berufsausbildung gilt § 16 BBiG nicht unmittelbar; hier greift je nach Ausgestaltung § 109 GewO (analog) oder eine hochschulrechtliche Regelung.

## Unterschied zum Arbeitszeugnis nach § 109 GewO

Der wichtigste praktische Unterschied betrifft den **Pflichtinhalt des einfachen Zeugnisses**:

- Beim **Arbeitszeugnis** (§ 109 GewO) enthält das *einfache* Zeugnis nur **Art und Dauer** der Tätigkeit. Angaben zu Fertigkeiten sowie zu Leistung und Verhalten gibt es nur im *qualifizierten* Zeugnis.
- Beim **Ausbildungszeugnis** (§ 16 BBiG) enthält bereits das *einfache* Zeugnis zwingend auch die **erworbenen beruflichen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten** (§ 16 Abs. 2 Satz 1 BBiG). Erst **Verhalten und Leistung** sind dem *qualifizierten* Zeugnis vorbehalten und werden **nur auf Verlangen** aufgenommen.

Das einfache Ausbildungszeugnis ist damit **inhaltsreicher** als das einfache Arbeitszeugnis. Für **Bewerbungen** ist dennoch das **qualifizierte** Ausbildungszeugnis maßgeblich – der Auszubildende sollte es deshalb ausdrücklich verlangen. Bewertungsmaßstab (Notenstufen, verschlüsselte Formulierungen, Wahrheits- und Wohlwollenspflicht) entspricht dem Arbeitszeugnis.

## Fälligkeit und Form

Der Anspruch wird **mit Beendigung des Ausbildungsverhältnisses** fällig. Das Berufsausbildungsverhältnis endet mit **Ablauf der vereinbarten Ausbildungszeit** (§ 21 Abs. 1 BBiG) oder – bei früherem Bestehen – mit **Bekanntgabe des Ergebnisses der Abschlussprüfung** durch den Prüfungsausschuss (§ 21 Abs. 2 BBiG). Das Zeugnis sollte **spätestens am letzten Ausbildungstag** ausgehändigt werden.

Zur **Form**: Das Zeugnis ist grundsätzlich **schriftlich** (auf Papier, mit eigenhändiger Unterschrift) zu erteilen. Seit dem **BVaDiG (in Kraft 01.08.2024)** ist zusätzlich die **elektronische Form** erlaubt – aber **nur mit Einwilligung** des Auszubildenden (§ 16 Abs. 1 Satz 2 BBiG). Ohne diese Einwilligung bleibt es bei der Papierform. Der Auszubildende kann eine elektronische Ausstellung also nicht gegen seinen Willen aufgedrängt bekommen.

## Häufige Fehler

- **„Für Azubis gilt § 109 GewO."** Falsch – für Auszubildende ist § 16 BBiG die speziellere und maßgebliche Vorschrift.
- **„Das einfache Ausbildungszeugnis enthält nur Art und Dauer."** Falsch – es muss zwingend auch die erworbenen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten nennen (§ 16 Abs. 2 Satz 1 BBiG).
- **„Verhalten und Leistung stehen automatisch drin."** Differenziert – nur auf **ausdrückliches Verlangen** des Auszubildenden (§ 16 Abs. 2 Satz 2 BBiG). Wer nichts sagt, bekommt nur das einfache Zeugnis.
- **„Der Betrieb kann das Zeugnis einfach per E-Mail schicken."** Differenziert – elektronische Form ist zulässig, aber nur mit **Einwilligung** des Auszubildenden; sonst ist Papierform Pflicht.
- **„Ein schlechtes Ausbildungszeugnis kann ich nicht ändern lassen."** Falsch – es gelten dieselben Wahrheits- und Wohlwollensgrundsätze; bei unwahrer oder unangemessen abwertender Bewertung besteht ein Berichtigungsanspruch (Arbeitsgericht).
- **„Das Zeugnis kostet mich als Azubi eine Bearbeitungsgebühr."** Falsch – die Kosten der Zeugniserteilung trägt der Ausbildende.













## Quellen

- § 16 BBiG – Zeugnis: https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/__16.html
- § 21 BBiG – Beendigung des Berufsausbildungsverhältnisses: https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/__21.html
- § 60 BBiG – Umschulung (entsprechende Anwendung): https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/__60.html
- § 109 GewO – Arbeitszeugnis (Abgrenzung): https://www.gesetze-im-internet.de/gewo/__109.html
- BVaDiG (Berufsbildungsvalidierungs- und -digitalisierungsgesetz), Änderung § 16 BBiG zum 01.08.2024: https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/__16.html
- BMFTR – Berufsbildungsgesetz (BBiG): https://www.bmftr.bund.de/DE/Ministerium/Gesetze/Gesetze-Einzeln/Berufsbildungsgesetz_BBiG.html

## Änderungsverlauf

- 2026-07-25: Erstveröffentlichung. § 16 BBiG (Wortlaut Abs. 1 und Abs. 2) gegen gesetze-im-internet.de verifiziert. BVaDiG-Änderung zur elektronischen Form (seit 01.08.2024) dokumentiert. Abgrenzung zum einfachen/qualifizierten Arbeitszeugnis nach § 109 GewO herausgearbeitet. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-07-25
- Gültig ab: 2005-04-01 (BBiG 2005; § 16 Abs. 1 S. 2 elektronische Form seit 01.08.2024)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BBiG, GewO, BVaDiG)
- Lizenz: CC BY 4.0
