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title: Referenzen in der Bewerbung – Rechtsanspruch, Datenschutz, Einwilligung 2026
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# Referenzen in der Bewerbung – Rechtsanspruch, Datenschutz, Einwilligung 2026

## Kurzantwort

**Referenzen** sind benannte Kontaktpersonen (frühere Vorgesetzte, Auftraggeber, Kollegen), die einem potenziellen Arbeitgeber auf Nachfrage mündlich oder schriftlich Auskunft über den Bewerber geben. Sie sind in Deutschland eine **freiwillige, angelsächsisch geprägte Ergänzung** der Bewerbung — es besteht **keine gesetzliche Pflicht**, Referenzen anzugeben, und **kein Rechtsanspruch** darauf, als Referenz benannt oder eingeholt zu werden. Das rechtlich verbindliche Pendant in Deutschland ist das **Arbeitszeugnis**, auf das ein **einklagbarer Anspruch nach § 109 GewO** besteht. Zentral ist der **Datenschutz**: Ein Arbeitgeber darf einen genannten Referenzgeber (etwa den alten Arbeitgeber) **erst nach vorheriger, ausdrücklicher Einwilligung des Bewerbers** kontaktieren (**Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO**); die Verarbeitung der Bewerberdaten selbst stützt sich auf **Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO** (vorvertragliche Maßnahme). Wer eine Referenzperson benennt, muss zudem **deren Einwilligung** in die Weitergabe ihrer Kontaktdaten einholen. Eine **unbefugte Referenzeinholung** ist unzulässig und kann **Schadensersatz nach Art. 82 DSGVO** auslösen. Das **AGG (§§ 1, 7)** gilt im gesamten Auswahlverfahren. Praktisch heikel ist die Nennung des **aktuellen, ungekündigten Arbeitgebers** als Referenz — üblich ist hier ein **Sperrvermerk**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Gesetzliche Pflicht, Referenzen anzugeben | Nein — freiwillige Bewerbungsangabe |
| Rechtsanspruch, als Referenz genannt/eingeholt zu werden | Nein |
| Verbindliches deutsches Pendant | Arbeitszeugnis, Anspruch nach **§ 109 GewO** |
| Rechtsgrundlage Bewerberdatenverarbeitung | **Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO** (vorvertraglich) |
| Kontakt zu Referenzgeber durch Arbeitgeber | Nur mit **vorheriger Einwilligung** des Bewerbers (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO) |
| § 26 BDSG als Rechtsgrundlage | Seit **EuGH C-34/21 (30.03.2023)** als „spezifische Vorschrift" (Art. 88 DSGVO) unwirksam |
| Einwilligung der Referenzperson | Erforderlich für Weitergabe ihrer Kontaktdaten |
| Informationspflicht bei Drittdaten | **Art. 14 DSGVO** (Datenerhebung nicht beim Betroffenen) |
| Sanktion bei unbefugter Einholung | Schadensersatz nach **Art. 82 DSGVO** |
| Diskriminierungsverbot im Verfahren | **§§ 1, 7 AGG** |
| Aktueller (ungekündigter) Arbeitgeber als Referenz | Riskant — üblich mit **Sperrvermerk** |
| Position in der Bewerbung | Eigener Abschnitt („Referenzen"), meist am Ende von Lebenslauf/Anschreiben |
| Übliche Angaben | Name, Funktion, Unternehmen, Kontakt, Bezug zum Bewerber |
| Formulierung „Referenzen auf Anfrage" | Zulässig, signalisiert Verfügbarkeit ohne Vorab-Nennung |

## Geltungsbereich

Die Referenz ist eine **freiwillige Bewerbungsleistung ohne eigene gesetzliche Grundlage**. Anders als das **Arbeitszeugnis**, das dem Arbeitnehmer bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses als **einklagbarer Anspruch nach § 109 GewO** zusteht (schriftlich, wahr und wohlwollend, ohne Geheimzeichen), ist die Referenz rein tatsächlicher Natur: Niemand kann verlangen, als Referenz benannt zu werden, und kein Bewerber ist verpflichtet, Referenzen zu liefern.

Rechtlich relevant wird die Referenz vor allem über den **Datenschutz**. Die Verarbeitung von Bewerberdaten stützt sich seit dem Urteil des **EuGH vom 30.03.2023 (Rechtssache C-34/21)** primär auf **Art. 6 Abs. 1 lit. b DSGVO** (Durchführung vorvertraglicher Maßnahmen). Der EuGH hat entschieden, dass **§ 26 Abs. 1 S. 1 BDSG** keine „spezifischere Vorschrift" im Sinne des **Art. 88 DSGVO** darstellt, weil er im Kern nur die DSGVO wiederholt; die Norm scheidet damit als eigenständige Rechtsgrundlage aus. Will ein Arbeitgeber eine **benannte Referenzperson kontaktieren** — insbesondere den früheren oder aktuellen Arbeitgeber —, benötigt er dafür die **vorherige, informierte und ausdrückliche Einwilligung des Bewerbers** (**Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO**). Ohne diese Einwilligung ist die Kontaktaufnahme unzulässig und kann **Schadensersatzansprüche nach Art. 82 DSGVO** auslösen.

Auch die **Referenzperson selbst** ist datenschutzrechtlich betroffen: Wer ihren Namen und ihre Kontaktdaten in der Bewerbung nennt, gibt personenbezogene Daten eines Dritten weiter und sollte dafür **deren Einwilligung** einholen. Werden Daten des Bewerbers nicht bei ihm selbst, sondern über Dritte erhoben (z. B. Referenzauskunft), greift die **Informationspflicht nach Art. 14 DSGVO**.

Das **Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (§§ 1, 7 AGG)** gilt im gesamten Auswahlverfahren fort — Referenzauskünfte dürfen nicht zu einer Benachteiligung wegen eines geschützten Merkmals führen. Die Nennung des **aktuellen, ungekündigten Arbeitgebers** als Referenz ist praktisch heikel, weil sie das laufende Arbeitsverhältnis gefährden kann; üblich ist ein **Sperrvermerk** oder die Formulierung „Referenzen auf Anfrage".

## Abgrenzung Referenz / Arbeitszeugnis

```
ARBEITSZEUGNIS (§ 109 GewO)
- Rechtsanspruch: JA, einklagbar bei Beendigung
- Form: schriftlich (kein elektronisches Zeugnis, § 109 Abs. 3 GewO)
- Inhalt: wahr UND wohlwollend, keine Geheimzeichen
- Aussteller: bisheriger Arbeitgeber (Pflicht)

REFERENZ
- Rechtsanspruch: NEIN (weder auf Nennung noch auf Erteilung)
- Form: mündlich oder schriftlich, formlos
- Inhalt: freie Auskunft der benannten Person
- Kontakt durch neuen Arbeitgeber: nur mit Einwilligung
  des Bewerbers (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO)
```

## Häufige Fehler

- **„Ich muss Referenzen angeben."** Falsch — es gibt keine gesetzliche Pflicht. In Deutschland zählt das Arbeitszeugnis; Referenzen sind freiwillig und ersetzen kein Zeugnis.
- **„Der neue Arbeitgeber darf meinen alten Chef einfach anrufen."** Falsch — die Kontaktaufnahme zu einer Referenzperson ist ohne **vorherige Einwilligung des Bewerbers** datenschutzwidrig (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO) und kann Schadensersatz nach Art. 82 DSGVO nach sich ziehen.
- **„§ 26 BDSG regelt den Bewerberdatenschutz abschließend."** Überholt — der **EuGH (C-34/21, 30.03.2023)** hat § 26 Abs. 1 S. 1 BDSG als eigenständige Rechtsgrundlage verworfen; maßgeblich ist Art. 6 DSGVO.
- **„Ich kann jeden als Referenz nennen."** Riskant — die benannte Person sollte vorab zustimmen; sonst werden ihre Daten unbefugt weitergegeben, und die Auskunft kann unvorbereitet negativ ausfallen.
- **„Meinen aktuellen Arbeitgeber gebe ich als Referenz an."** Gefährlich bei ungekündigtem Verhältnis — besser Sperrvermerk oder „Referenzen auf Anfrage", um das laufende Arbeitsverhältnis nicht zu gefährden.
- **„Eine gute Referenz ersetzt ein schlechtes Zeugnis."** Nein — beide stehen nebeneinander; das Zeugnis bleibt das rechtlich verbindliche Dokument.













## Quellen

- § 109 GewO – Zeugnis (Anspruch, Form, Inhalt): https://www.gesetze-im-internet.de/gewo/__109.html
- Art. 6 DSGVO – Rechtmäßigkeit der Verarbeitung: https://dsgvo-gesetz.de/art-6-dsgvo/
- Art. 14 DSGVO – Informationspflicht bei Erhebung bei Dritten: https://dsgvo-gesetz.de/art-14-dsgvo/
- Art. 82 DSGVO – Haftung und Recht auf Schadenersatz: https://dsgvo-gesetz.de/art-82-dsgvo/
- § 26 BDSG – Datenverarbeitung für Zwecke des Beschäftigungsverhältnisses: https://www.gesetze-im-internet.de/bdsg_2018/__26.html
- EuGH, Urteil vom 30.03.2023, C-34/21 – zu § 26 BDSG / Art. 88 DSGVO (Erläuterung Landesbeauftragter BW): https://www.baden-wuerttemberg.datenschutz.de/faq-rechtsgrundlagen-bei-beschaeftigtendaten/
- §§ 1, 7 AGG – Benachteiligungsverbot im Bewerbungsverfahren: https://www.gesetze-im-internet.de/agg/
- Bundesagentur für Arbeit – Bewerbung: https://www.arbeitsagentur.de/bildung/bewerbung

## Änderungsverlauf

- 2026-07-21: Seite neu erstellt (Sub-Aspekt „Referenzen in der Bewerbung" des Anschreiben-Clusters). Abgrenzung zum Arbeitszeugnis (§ 109 GewO) sowie datenschutzrechtliche Anforderungen an die Referenzeinholung geprüft; § 26 BDSG im Licht des EuGH-Urteils C-34/21 (30.03.2023) eingeordnet, Rechtsgrundlage Art. 6 Abs. 1 lit. a/b DSGVO. | change_type=create reviewed_by="karriere-agent"

## Stand

Stand: 2026-07-21. Kein gesetzlicher Anspruch auf Referenzen; verbindlich bleibt der Arbeitszeugnisanspruch nach § 109 GewO. Referenzeinholung durch den Arbeitgeber nur mit vorheriger Einwilligung des Bewerbers (Art. 6 Abs. 1 lit. a DSGVO); § 26 Abs. 1 S. 1 BDSG seit EuGH C-34/21 (30.03.2023) nicht als eigenständige Rechtsgrundlage tragfähig. Rechtsstände geprüft gegen gesetze-im-internet.de sowie die EuGH-Rechtsprechung.
