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title: Fristlose (außerordentliche) Kündigung nach § 626 BGB – Wichtiger Grund, 2-Wochen-Frist, Abmahnung
seo_title: Fristlose Kündigung nach § 626 BGB
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# Fristlose (außerordentliche) Kündigung nach § 626 BGB – Wichtiger Grund, 2-Wochen-Frist, Abmahnung

## Kurzantwort

Eine **fristlose Kündigung** (außerordentliche Kündigung) beendet das Arbeitsverhältnis **sofort ohne Einhaltung der Kündigungsfrist** — sie ist aber nur wirksam, wenn ein **wichtiger Grund** im Sinne von § 626 Abs. 1 BGB vorliegt: Es müssen Tatsachen vorliegen, aufgrund derer dem Kündigenden die Fortsetzung des Arbeitsverhältnisses bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist **nicht zugemutet** werden kann. Entscheidend ist eine **Interessenabwägung im Einzelfall**. Beide Seiten — Arbeitgeber **und** Arbeitnehmer — können fristlos kündigen. Zwingend zu beachten ist die **Ausschlussfrist von zwei Wochen** (§ 626 Abs. 2 BGB): Die Kündigung muss innerhalb von **zwei Wochen ab Kenntnis** der maßgebenden Tatsachen ausgesprochen werden, sonst ist sie unwirksam. Wie jede Kündigung bedarf auch die fristlose der **Schriftform mit eigenhändiger Unterschrift** (§ 623 BGB) — E-Mail, WhatsApp oder mündlich sind **unwirksam**. Bei verhaltensbedingten Gründen ist regelmäßig eine **vorherige Abmahnung** erforderlich. Wer sich gegen eine fristlose Arbeitgeber-Kündigung wehren will, muss binnen **3 Wochen** Kündigungsschutzklage erheben (§ 13 Abs. 1 iVm § 4 KSchG). Eine vom Arbeitnehmer selbst verschuldete fristlose Kündigung (verhaltensbedingt) löst beim Arbeitslosengeld I **regelmäßig eine 12-wöchige Sperrzeit** aus (§ 159 SGB III).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 626 BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Voraussetzung | Wichtiger Grund + Unzumutbarkeit der Fortsetzung [§ 626 Abs. 1 BGB] |
| Interessenabwägung | Zwingend im Einzelfall, beide Seiten |
| Kündigungsberechtigte | Arbeitgeber **und** Arbeitnehmer |
| Frist | Sofortige Beendigung, keine Kündigungsfrist |
| Ausschlussfrist | 2 Wochen ab Kenntnis der Tatsachen [§ 626 Abs. 2 S. 1, 2 BGB] |
| Form-Pflicht | Schriftform, eigenhändige Unterschrift [§ 623 BGB] |
| Unwirksam | E-Mail, Scan, WhatsApp, SMS, mündlich [§ 125 BGB] |
| Begründung | Auf Verlangen unverzüglich schriftlich [§ 626 Abs. 2 S. 3 BGB] |
| Abmahnung | Bei verhaltensbedingten Gründen i. d. R. erforderlich (BAG) |
| Betriebsrat-Anhörung | Vor Ausspruch zwingend, sonst unwirksam [§ 102 BetrVG] |
| Klagefrist | 3 Wochen ab Zugang [§ 13 Abs. 1 iVm § 4 KSchG] |
| Umdeutung | Unwirksame außerordentl. → ordentliche Kündigung möglich [§ 140 BGB] |
| Sperrzeit ALG I (verhaltensbedingt) | Regelmäßig 12 Wochen [§ 159 Abs. 1 Nr. 1 SGB III] |
| Fristlose Eigenkündigung | Möglich bei Lohnrückstand, Mobbing, Belästigung u. a. |
| Sonderkündigungsschutz | Zustimmung erforderlich (Schwangere § 17 MuSchG, Schwerbehinderte § 168 SGB IX) |

## Der Gesetzestext

**§ 626 BGB – Fristlose Kündigung aus wichtigem Grund**

**(1)** „Das Dienstverhältnis kann von jedem Vertragsteil aus wichtigem Grund ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist gekündigt werden, wenn Tatsachen vorliegen, auf Grund derer dem Kündigenden unter Berücksichtigung aller Umstände des Einzelfalles und unter Abwägung der Interessen beider Vertragsteile die Fortsetzung des Dienstverhältnisses bis zum Ablauf der Kündigungsfrist oder bis zu der vereinbarten Beendigung des Dienstverhältnisses nicht zugemutet werden kann."

**(2)** „Die Kündigung kann nur innerhalb von zwei Wochen erfolgen. Die Frist beginnt mit dem Zeitpunkt, in dem der Kündigungsberechtigte von den für die Kündigung maßgebenden Tatsachen Kenntnis erlangt. Der Kündigende muss dem anderen Teil auf Verlangen den Kündigungsgrund unverzüglich schriftlich mitteilen."

## Geltungsbereich

§ 626 BGB gilt für **alle Dienstverhältnisse** — Arbeitsverhältnisse ebenso wie freie Dienstverträge — und **unabhängig von der Betriebsgröße** oder Dauer der Beschäftigung. Anders als der allgemeine Kündigungsschutz nach dem KSchG (der erst ab mehr als 10 Arbeitnehmern und nach 6 Monaten greift) ist der Maßstab des „wichtigen Grundes" **immer** anwendbar, auch im **Kleinbetrieb** und in der **Probezeit**. Die außerordentliche Kündigung ist die schärfste Form der Vertragsbeendigung und stellt nach der Rechtsprechung des **Bundesarbeitsgerichts (BAG)** stets das **letzte Mittel (ultima ratio)** dar: Ist ein milderes Mittel (Abmahnung, ordentliche Kündigung, Versetzung) zumutbar, ist die fristlose Kündigung unverhältnismäßig und damit unwirksam.

## Prüfung des wichtigen Grundes (zweistufig)

Das BAG prüft in zwei Stufen:

1. **Stufe 1 – „an sich" geeigneter Grund:** Ist der Sachverhalt abstrakt geeignet, einen wichtigen Grund darzustellen? (z. B. Diebstahl, Arbeitsverweigerung, Tätlichkeit, grobe Beleidigung, wiederholtes unentschuldigtes Fehlen, Lohnrückstand des Arbeitgebers.)
2. **Stufe 2 – Interessenabwägung:** Ist dem Kündigenden die Fortsetzung bis zum Fristablauf im **konkreten Einzelfall** unzumutbar? Berücksichtigt werden u. a. Dauer der Betriebszugehörigkeit, bisherige Beanstandungsfreiheit, Schwere und Folgen des Verstoßes, Verschulden und Wiederholungsgefahr.

**Typische wichtige Gründe für eine Arbeitgeber-Kündigung:** Diebstahl/Unterschlagung (auch geringwertig), beharrliche Arbeitsverweigerung, Tätlichkeiten, sexuelle Belästigung, Arbeitszeitbetrug, Vortäuschen von Arbeitsunfähigkeit.

**Typische wichtige Gründe für eine Arbeitnehmer-Kündigung:** erheblicher, anhaltender Lohnrückstand, Mobbing, sexuelle Belästigung, schwere Sicherheitsmängel/Gesundheitsgefahr, grobe Ehrverletzung durch den Arbeitgeber.

## Die 2-Wochen-Ausschlussfrist (§ 626 Abs. 2 BGB)

Die Frist beginnt, sobald der **Kündigungsberechtigte** (i. d. R. der Arbeitgeber bzw. das kündigungsbefugte Organ) **positive und möglichst vollständige Kenntnis** der für die Kündigung maßgeblichen Tatsachen hat. Der Arbeitgeber darf den Sachverhalt zügig aufklären (z. B. Anhörung des Arbeitnehmers), muss dies aber **beschleunigt** tun. Wird die Zwei-Wochen-Frist versäumt, ist die fristlose Kündigung **unwirksam** — der wichtige Grund gilt dann als „verbraucht". Die Frist ist eine **materielle Ausschlussfrist**, keine bloße Ordnungsvorschrift.

## Abmahnung als Regelvoraussetzung

Bei **steuerbarem Verhalten** (verhaltensbedingte Gründe) muss der Arbeitgeber vor einer fristlosen Kündigung grundsätzlich **abmahnen** — die Abmahnung ist Ausdruck des Verhältnismäßigkeitsprinzips. Eine Abmahnung ist **entbehrlich**, wenn die Pflichtverletzung so schwerwiegend ist, dass der Arbeitnehmer von vornherein nicht mit einer Billigung rechnen konnte (z. B. Diebstahl, Tätlichkeit), oder wenn eine Verhaltensänderung erkennbar nicht zu erwarten ist.

## Rechtsschutz und Umdeutung

Auch gegen eine **außerordentliche** Kündigung muss die **Kündigungsschutzklage innerhalb von 3 Wochen** nach Zugang erhoben werden (§ 13 Abs. 1 Satz 2 iVm § 4 Satz 1 KSchG); sonst gilt die Kündigung nach § 7 KSchG als wirksam. Ist die fristlose Kündigung unwirksam, kann sie unter Umständen in eine **ordentliche Kündigung umgedeutet** werden (§ 140 BGB), wenn der Kündigungswille dies erkennen lässt. Bei bestehendem **Betriebsrat** ist die Anhörung nach § 102 BetrVG zwingend; unterbleibt sie, ist die Kündigung unwirksam.

## Häufige Fehler

- **„Fristlose Kündigung geht per E-Mail oder WhatsApp."** Falsch — auch die außerordentliche Kündigung braucht **Schriftform mit eigenhändiger Unterschrift** (§ 623 BGB); elektronische Form ist ausgeschlossen.
- **„Der Arbeitgeber hat unbegrenzt Zeit zu kündigen."** Falsch — die **2-Wochen-Frist** ab Kenntnis (§ 626 Abs. 2 BGB) ist strikt; danach ist der Grund verbraucht.
- **„Ein wichtiger Grund reicht immer aus."** Falsch — zusätzlich ist stets die **Interessenabwägung** im Einzelfall nötig; die fristlose Kündigung ist ultima ratio.
- **„Ohne Abmahnung ist jede verhaltensbedingte fristlose Kündigung unwirksam."** Nicht immer — bei besonders schweren Verstößen (Diebstahl, Tätlichkeit) ist die Abmahnung entbehrlich.
- **„Gegen eine fristlose Kündigung muss man nicht klagen, weil sie offensichtlich rechtswidrig ist."** Falsch — auch hier gilt die **3-Wochen-Klagefrist** (§ 13 iVm § 4 KSchG); sonst wird die Kündigung wirksam.
- **„Wer fristlos gekündigt wird, bekommt sofort Arbeitslosengeld."** Falsch — bei selbst verschuldeter (verhaltensbedingter) fristloser Kündigung droht **regelmäßig 12 Wochen Sperrzeit** (§ 159 SGB III).













## Quellen

- § 626 BGB – Fristlose Kündigung aus wichtigem Grund: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__626.html
- § 623 BGB – Schriftform der Kündigung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__623.html
- § 140 BGB – Umdeutung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__140.html
- § 4 KSchG – Anrufung des Arbeitsgerichts (3-Wochen-Frist): https://www.gesetze-im-internet.de/kschg/__4.html
- § 13 KSchG – Außerordentliche Kündigung: https://www.gesetze-im-internet.de/kschg/__13.html
- § 102 BetrVG – Mitbestimmung bei Kündigungen: https://www.gesetze-im-internet.de/betrvg/__102.html
- § 159 SGB III – Ruhen bei Sperrzeit: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__159.html
- Bundesagentur für Arbeit – Fachliche Weisungen § 159 SGB III (Sperrzeit): https://www.arbeitsagentur.de/datei/fw-sgb-iii-159_ba034410.pdf
- BMAS – Kündigungsschutz: https://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsrecht/Kuendigungsschutz/kuendigungsschutz.html

## Änderungsverlauf

- 2026-07-17: Erstveröffentlichung. Gesetzestext § 626 Abs. 1, 2 BGB sowie § 623, § 13/§ 4 KSchG, § 102 BetrVG und § 159 SGB III gegen amtliche Quellen verifiziert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-07-17
- Gültig ab: 2002-01-01 (Neufassung Schuldrechtsmodernisierung; § 626 BGB im Kern seit BGB-Inkrafttreten)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, KSchG, BetrVG, SGB III)
- Lizenz: CC BY 4.0
