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title: Gehaltsverhandlung – Entgelttransparenzgesetz, Tarif, Auskunftsanspruch
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last_reviewed: 2026-06-29
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# Gehaltsverhandlung – Entgelttransparenzgesetz, Tarif, Auskunftsanspruch

## Kurzantwort

In der **Gehaltsverhandlung** legen Arbeitgeber und Arbeitnehmer das **Bruttogehalt** und ggf. weitere Vergütungsbestandteile (Bonus, Sonderzahlung, Sachleistungen) für den Arbeitsvertrag fest. Sie ist **gesetzlich nicht reguliert** — der **Vertragsfreiheit** sind nur Grenzen durch **Mindestlohngesetz (MiLoG)**, **Tarifverträge** (soweit anwendbar) und **AGG** (kein diskriminierender Gehaltsunterschied) gesetzt. Seit dem **Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG)** vom 06.07.2017 haben Beschäftigte in Betrieben **ab 200 Mitarbeitern** einen **Auskunftsanspruch** über das durchschnittliche Vergleichsgehalt (§ 10 EntgTranspG) — wichtig vor allem bei Verdacht auf Lohndiskriminierung. **Mindestlohn 2026:** **13,90 €/Std.** Bei **Tarifbindung** sind Tarifverträge zwingend einzuhalten. Wer **außertariflich** (AT) angestellt ist, verhandelt frei oberhalb der höchsten Tarif-Stufe.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage Vertragsfreiheit | § 305 ff. BGB, § 611a BGB |
| Mindestlohn 2026 | 13,90 €/Std. [§ 1 MiLoG] |
| Geringfügigkeitsgrenze 2026 | 556 €/Monat |
| Übergangsbereich Midijob 2026 | 556,01 – 2.000 €/Monat |
| Entgelttransparenzgesetz | EntgTranspG vom 06.07.2017 |
| Auskunftsanspruch nach EntgTranspG | Ab 200 Beschäftigten [§ 10 EntgTranspG] |
| Vergleichsgehalt-Auskunft | Median der Vergleichsgruppe [§ 11 EntgTranspG] |
| Antrag schriftlich an Arbeitgeber | Pflicht, oder über Betriebsrat |
| AGG-Lohndiskriminierungsverbot | § 7 Abs. 1 AGG iVm § 3 EntgTranspG |
| Entschädigungsanspruch bei Diskriminierung | § 15 AGG |
| Tarifvertragsanspruch | Bei Tarifbindung beider Parteien |
| AT (außertariflich) | Frei verhandelbar, oberhalb höchster Tarif-Stufe |
| Sonderzahlungen (Weihnachtsgeld, Urlaubsgeld) | Vertragsfreie Vereinbarung; Tarif bindend |
| Bonus-Klauseln | Sittenwidrigkeit § 138 BGB als Grenze |
| Sachleistungen (Dienstwagen, Job-Bike, Essensgutschein) | Lohnersatz, steuerlich/sv-rechtlich relevant |
| Kirchliche Arbeitgeber | Loyalitätspflichten und besondere Tarif-Strukturen (AVR) |

## Geltungsbereich

Gehaltsverhandlungen sind **Teil der Vertragsfreiheit** (§ 105 GewO, § 611a BGB) und gelten für alle Arbeitsverhältnisse in Deutschland. Begrenzt wird die Freiheit durch:

- **Mindestlohngesetz (MiLoG)** — flächendeckend mindestens 13,90 €/Std. (2026)
- **Tarifverträge** — bei Tarifbindung beider Parteien zwingend (§ 4 Abs. 1 TVG)
- **AGG** — kein diskriminierender Gehaltsunterschied wegen geschlechtsbezogener, ethnischer, religiöser oder altersbezogener Merkmale
- **Sittenwidrigkeit (§ 138 BGB)** — ein „Hungerlohn" ist bei Lohnwucher unwirksam (mehr als 1/3 unter ortsüblich, BAG-Schwelle)

Bei **außertariflichen (AT)** Angestellten ist das Gehalt frei verhandelbar oberhalb der höchsten Tarif-Stufe. Bei **kirchlichen Arbeitgebern** gelten häufig die AVR (Arbeitsvertragsrichtlinien) statt klassischer Tarifverträge.

## Entgelttransparenzgesetz — der Auskunftsanspruch

Seit dem **06.07.2017** gilt das **Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG)**. Es schafft einen **individuellen Auskunftsanspruch** für Beschäftigte in Betrieben mit **mehr als 200 Mitarbeitern** (§ 12 EntgTranspG).

**Voraussetzungen für Auskunftsanspruch:**
- Beschäftigung in Betrieb mit > 200 Beschäftigten
- Schriftlicher Antrag (oder über Betriebsrat)
- Benennung einer **Vergleichstätigkeit** im selben Betrieb
- Vergleichsgruppe muss mindestens **6 Personen anderer Geschlechtsgruppe** umfassen

**Inhalt der Auskunft:**
- **Median des Bruttoentgelts** der Vergleichsgruppe
- bis zu zwei **weitere Vergütungsbestandteile** (z. B. Bonus, Sachleistung)

**Praktischer Nutzen:** wer den Verdacht hat, geschlechtsbedingt unterbezahlt zu sein, kann die Auskunft als Argument in Gehaltsverhandlungen oder Diskriminierungsklage einsetzen. Antrag dann **2 Jahre Sperre** — danach erneuter Antrag möglich.

## Verhandlungstaktik — vier praktische Empfehlungen

**1. Recherche vor dem Gespräch.** Gehaltsspiegel (Stepstone, Glassdoor, Kununu), Tarifvertrags-Werte (Gewerkschaft), Branchenmedian aus DGB-Lohnreport, ggf. Auskunftsanspruch nach EntgTranspG einholen.

**2. Bandbreite statt Punkt.** Nicht „Ich will 60.000 €" sondern „Mein Zielbereich liegt bei 58.000-65.000 € brutto Jahresgehalt, je nach Gesamtpaket". Schafft Verhandlungsspielraum.

**3. Gesamtpaket statt nur Grundgehalt.** Bonus, Urlaubstage, Homeoffice-Tage, Weiterbildungsbudget, Dienstwagen, Job-Bike, BAV (betriebliche Altersvorsorge), Job-Ticket — vieles ist verhandelbar.

**4. Schriftliche Bestätigung verlangen.** Gehaltsvereinbarungen gehören in den Arbeitsvertrag, nicht in eine E-Mail-Notiz. Bei nachträglichen Änderungen Vertragsanlage unterschreiben.

## Häufige Fehler

- **„Ich darf in der Probezeit nicht verhandeln."** Falsch — Probezeit-Gehalt ist genauso verhandelbar wie nach der Probezeit.
- **„Sonderzahlungen sind gesetzlich garantiert."** Falsch — Weihnachts- und Urlaubsgeld sind in Deutschland **freiwillige** Leistungen, soweit nicht tariflich oder vertraglich vereinbart.
- **„Bei Tarifbindung gibt es keinen Verhandlungsspielraum."** Differenziert — der Tarif-Wert ist Mindeststandard. **Übertarifliche Zulagen** sind frei verhandelbar.
- **„Auskunftsanspruch nach EntgTranspG gilt für alle."** Falsch — nur in Betrieben mit > 200 Beschäftigten.
- **„Im Vorstellungsgespräch darf ich die Gehaltsfrage abwehren."** Differenziert — die Frage des Arbeitgebers nach Gehaltsvorstellung ist **zulässig**. Eine Antwortverweigerung kann später bei Vertragsabschluss zur Streitfrage werden.



## Quellen

- § 611a BGB – Arbeitsvertrag: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__611a.html
- Mindestlohngesetz (MiLoG): https://www.gesetze-im-internet.de/milog/
- Entgelttransparenzgesetz (EntgTranspG): https://www.gesetze-im-internet.de/entgtranspg/
- § 10 EntgTranspG – Individueller Auskunftsanspruch: https://www.gesetze-im-internet.de/entgtranspg/__10.html
- § 12 EntgTranspG – Voraussetzungen Betriebsgröße: https://www.gesetze-im-internet.de/entgtranspg/__12.html
- §§ 1, 7 AGG – Diskriminierungsverbot: https://www.gesetze-im-internet.de/agg/
- § 4 TVG – Tarifgebundenheit: https://www.gesetze-im-internet.de/tvg/__4.html
- § 138 BGB – Sittenwidrigkeit / Lohnwucher: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__138.html
- BMAS – Entgelttransparenzgesetz: https://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsrecht/Lohngerechtigkeit/lohngerechtigkeit.html

## Änderungsverlauf

- 2026-06-29: Erstveröffentlichung mit Werten 2026 (Mindestlohn 13,90 €). Quellen MiLoG, EntgTranspG verifiziert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-06-29
- Gültig ab: 2017-07-06 (EntgTranspG); Mindestlohn 2026 seit 01.01.2026
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, MiLoG, EntgTranspG, AGG)
- Lizenz: CC BY 4.0
