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title: Kündigung durch den Arbeitnehmer (§ 622 BGB) – Frist, Form, Aufhebungsvertrag
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last_reviewed: 2026-06-29
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# Kündigung durch den Arbeitnehmer (§ 622 BGB) – Frist, Form, Aufhebungsvertrag

## Kurzantwort

Arbeitnehmer können das Arbeitsverhältnis **ordentlich kündigen** mit einer **gesetzlichen Frist von 4 Wochen zum 15. oder zum Monatsende** (§ 622 Abs. 1 BGB). Die **Kündigung** muss **schriftlich** erfolgen (§ 623 BGB) — E-Mail, WhatsApp oder mündlich sind **unwirksam**. Bei **Probezeit** (höchstens 6 Monate) gilt eine verkürzte Frist von **2 Wochen** (§ 622 Abs. 3 BGB). Tarifverträge können andere Fristen vorsehen — meist längere, manchmal mit gestaffelten Längen nach Betriebszugehörigkeit. **Aufhebungsvertrag** als Alternative ist jederzeit möglich, hat aber **arbeitsamtsrechtlich erhebliche Folgen**: meist **12-wöchige Sperrzeit** beim Arbeitslosengeld I (§ 159 Abs. 1 Nr. 1 SGB III). Eine **Eigenkündigung ohne wichtigen Grund** löst ebenfalls die Sperrzeit aus.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 622 BGB iVm § 623 BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Grundfrist | 4 Wochen zum 15. oder Monatsende [§ 622 Abs. 1 BGB] |
| Probezeit-Frist | 2 Wochen [§ 622 Abs. 3 BGB] |
| Höchstdauer Probezeit | 6 Monate [§ 622 Abs. 3, § 1 KSchG] |
| Form-Pflicht | Schriftlich, eigenhändige Unterschrift [§ 623 BGB] |
| Unwirksam | E-Mail, WhatsApp, SMS, Fax (str.), mündlich [§ 125 BGB] |
| Kündigungsschutzgesetz | Greift für Arbeitnehmer **nicht** (nur Arbeitgeber-Kündigung) |
| Mindestkündigungsfrist tariflich | Tarif kann gleich oder länger sein, nicht kürzer [§ 622 Abs. 4 BGB] |
| Aufhebungsvertrag | Jederzeit einvernehmlich möglich |
| Aufhebungsvertrag Form | Schriftlich [§ 623 BGB] |
| Sperrzeit ALG I bei Eigenkündigung | 12 Wochen ohne wichtigen Grund [§ 159 Abs. 1 Nr. 1 SGB III] |
| Sperrzeit ALG I bei Aufhebungsvertrag | Regelmäßig 12 Wochen |
| Anspruch auf Urlaubsabgeltung | Resturlaub wird bei Ende ausgezahlt [§ 7 Abs. 4 BUrlG] |
| Anspruch auf Arbeitszeugnis | Pflicht des Arbeitgebers [§ 109 GewO] |
| Anspruch auf Arbeitspapiere | Lohnsteuerbescheinigung, Sozialversicherungsausweis |
| Wettbewerbsverbot nach Ende | Nur bei vereinbarter Karenz und Karenzentschädigung [§ 110 HGB] |

## Geltungsbereich

§ 622 BGB gilt für alle **abhängigen Beschäftigungsverhältnisse** im Sinne von § 611a BGB. Selbständige, freie Mitarbeiter und Geschäftsführer (anders bei GmbH-GF: dort eigene Bestellung-/Anstellungsregeln) fallen nicht darunter. **Tarifverträge** können die Fristen abändern (§ 622 Abs. 4 BGB) — typischerweise verlängern, aber nur in den engen Grenzen des § 622 BGB. Bei Arbeitnehmer-Kündigung sind die **gestaffelten Fristen** nach Betriebszugehörigkeit (1 Monat bei 2 Jahren, 2 Monate bei 5 Jahren etc.) **NICHT** anwendbar — die gestaffelten Fristen gelten nur für Arbeitgeber-Kündigungen, sofern nicht arbeitsvertraglich anders geregelt.

## Die richtige Form

**§ 623 BGB:** „Die Beendigung von Arbeitsverhältnissen durch Kündigung oder Auflösungsvertrag bedürfen zu ihrer Wirksamkeit der schriftlichen Form."

Konkret heißt das:

- **Brief mit eigenhändiger Unterschrift** auf Papier
- **Übergabe** an den Arbeitgeber (Personalabteilung, direkter Vorgesetzter) ODER **Postzustellung**
- **Eingangsbestätigung** verlangen oder **Einschreiben mit Rückschein** versenden

**Unwirksame Formen:**
- E-Mail (auch mit eingescannter Unterschrift, str. seit Gesetzgebungsanpassung 01.08.2025: e-Form gleichgestellt, aber Übergangsregeln beachten)
- WhatsApp, SMS, Messenger
- Mündliche Kündigung
- Fax (umstritten — wegen Beweisbarkeit der Unterschrift)

**Beweisbarkeit:** wenn der Arbeitgeber den Eingang bestreitet, trägt der Arbeitnehmer die Darlegungs- und Beweislast. Einschreiben mit Rückschein gibt sichere Zustellungsbestätigung.

## Aufhebungsvertrag — Vor- und Nachteile

Ein **Aufhebungsvertrag** beendet das Arbeitsverhältnis **einvernehmlich** mit beidseitiger Unterschrift. Vorteile gegenüber Kündigung:

- **Flexibles Beendigungsdatum** ohne Bindung an § 622 BGB
- **Abfindung** möglich (steuerlich begünstigt, § 34 EStG, „Fünftelregelung")
- **Gestaltbares Arbeitszeugnis** vorab im Vertrag fixieren

**Aber**: Aufhebungsvertrag löst **regelmäßig 12-wöchige Sperrzeit** beim ALG I aus (§ 159 Abs. 1 Nr. 1 SGB III). Ausnahme: nachweisbar **wichtiger Grund** (Mobbing, gesundheitliche Beeinträchtigung, Insolvenz-Bedrohung des Arbeitgebers). Vor Abschluss: **immer beim Arbeitsamt nachfragen** und schriftliche Auskunft zur Sperrzeit-Bewertung einholen.

## Häufige Fehler

- **„Kündigung per E-Mail oder WhatsApp ist gültig."** Falsch (Stand 2026, mit Vorbehalt) — § 623 BGB verlangt Schriftform mit eigenhändiger Unterschrift. Elektronische Form nur mit qualifizierter Signatur.
- **„Im Aufhebungsvertrag gibt es keine Sperrzeit."** Falsch — § 159 Abs. 1 Nr. 1 SGB III erfasst Aufhebungsverträge regelmäßig.
- **„Resturlaub verfällt bei Eigenkündigung."** Falsch — Urlaubsanspruch wird mit Beendigung **ausgezahlt** (§ 7 Abs. 4 BUrlG).
- **„Wettbewerbsverbot gilt immer 2 Jahre nach Ende."** Falsch — nur bei **vereinbartem** Wettbewerbsverbot mit **Karenzentschädigung** (mindestens halbes Gehalt, § 110 HGB).
- **„Probezeit kann beliebig verlängert werden."** Falsch — § 622 Abs. 3 BGB iVm § 1 KSchG begrenzen auf 6 Monate.



## Quellen

- § 622 BGB – Kündigungsfristen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__622.html
- § 623 BGB – Schriftform: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__623.html
- § 7 BUrlG – Urlaubsabgeltung: https://www.gesetze-im-internet.de/burlg/__7.html
- § 109 GewO – Arbeitszeugnis: https://www.gesetze-im-internet.de/gewo/__109.html
- § 159 SGB III – Sperrzeit Arbeitslosengeld: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__159.html
- § 110 HGB – Wettbewerbsverbot mit Karenzentschädigung: https://www.gesetze-im-internet.de/hgb/__110.html
- BMAS – Kündigung und Aufhebungsvertrag: https://www.bmas.de/DE/Themen/Arbeitsrecht/Kuendigungsschutz/kuendigungsschutz.html
- Bundesagentur für Arbeit – Sperrzeit ALG I: https://www.arbeitsagentur.de/

## Änderungsverlauf

- 2026-06-29: Erstveröffentlichung. Quellen § 622, § 623 BGB, § 159 SGB III verifiziert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-06-29
- Gültig ab: 2000-05-01 (Schriftform-Pflicht § 623 BGB)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, BUrlG, GewO, SGB III, HGB)
- Lizenz: CC BY 4.0
