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title: Qualifizierungsgeld 2026 (§ 82a SGB III) – Lohnersatz bei Weiterbildung im Strukturwandel
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# Qualifizierungsgeld 2026 (§ 82a SGB III) – Lohnersatz bei Weiterbildung im Strukturwandel

## Kurzantwort

Das **Qualifizierungsgeld** (§ 82a SGB III, in Kraft seit **1. April 2024**) ist eine **Entgeltersatzleistung** der Agentur für Arbeit für Beschäftigte, die wegen eines **strukturwandelbedingten Qualifizierungsbedarfs** an einer längeren Weiterbildung teilnehmen und dafür teilweise von der Arbeit freigestellt werden. Es ersetzt – wie das Kurzarbeitergeld – **60 % der Nettoentgeltdifferenz** (mit Kind **67 %**) für die weiterbildungsbedingt ausgefallene Arbeitszeit (Berechnung nach § 82b SGB III). Anders als beim Qualifizierungschancengesetz (§ 82 SGB III) geht es hier **nicht** um Lehrgangskosten, sondern um den **Lohnausgleich**: Die **Weiterbildungs- und Sozialversicherungskosten trägt der Arbeitgeber**, den Lohnausgleich zahlt die Agentur. Voraussetzung sind ein **strukturwandelbedingter Qualifizierungsbedarf**, von dem in Betrieben ab 250 Beschäftigten **mindestens 20 %**, in kleineren Betrieben **mindestens 10 %** der Belegschaft betroffen sind, eine **Betriebsvereinbarung oder ein Tarifvertrag** (in Betrieben mit weniger als 10 Beschäftigten genügt eine schriftliche Arbeitgebererklärung) sowie eine Maßnahme von **mehr als 120 Stunden**. Eine **AZAV-Maßnahmenzertifizierung ist nicht erforderlich**. Den **Antrag stellt der Arbeitgeber** – idealerweise **spätestens drei Monate vor** Maßnahmenbeginn – mit **Zustimmung der betroffenen Beschäftigten**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 82a SGB III (Höhe/Bemessung: § 82b SGB III) |
| In Kraft seit | 1. April 2024 (Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung) |
| Leistungsart | Entgeltersatzleistung (Lohnausgleich), Ermessensleistung – kein Rechtsanspruch |
| Fördermittelgeber | Bundesagentur für Arbeit (Arbeitgeber-Service) |
| Höhe ohne Kind | 60 % der Nettoentgeltdifferenz (Soll-/Ist-Entgelt) |
| Höhe mit Kind | 67 % der Nettoentgeltdifferenz |
| Betriebliche Voraussetzung | strukturwandelbedingter Qualifizierungsbedarf |
| Betroffenheitsquote ab 250 Beschäftigte | mindestens 20 % der Belegschaft |
| Betroffenheitsquote unter 250 Beschäftigte | mindestens 10 % der Belegschaft |
| Kollektivgrundlage | Betriebsvereinbarung oder betriebsbezogener Tarifvertrag |
| Betriebe unter 10 Beschäftigte | schriftliche Arbeitgebererklärung statt Betriebsvereinbarung/Tarifvertrag ausreichend |
| Mindestdauer der Maßnahme | mehr als 120 Stunden (Unterrichtseinheit i. d. R. 45 Min.) |
| Höchstdauer | maximal Dauer einer Vollzeitmaßnahme nach § 180 Abs. 4 SGB III |
| Maßnahmenzertifizierung | keine AZAV-Maßnahmenzertifizierung nötig; Trägerzulassung nach § 176 SGB III bleibt |
| Kostenträger Weiterbildung + SV-Beiträge | Arbeitgeber |
| Antragsteller | Arbeitgeber (schriftlich/elektronisch), mit Zustimmung der Beschäftigten |
| Antragszeitpunkt | möglichst spätestens 3 Monate vor Maßnahmenbeginn; keine Zahlung für Zeiten vor Antragstellung |
| Auszahlung | Arbeitgeber zahlt an Beschäftigte, Agentur erstattet monatlich nachträglich |
| Ausschluss (Sperre) | § 82a-Förderung innerhalb der letzten 4 Jahre vor Antragstellung |
| Weitere Ausschlüsse | Auszubildende, Praktikanten, Altersvollrentner, versicherungsfreie Beschäftigte (z. B. Minijob) |
| Nebeneinkommen | Freibetrag 165 € monatlich; darüber hinaus Anrechnung |
| Urlaubstage | kein Qualifizierungsgeld für Tage mit Anspruch auf Urlaubsentgelt |
| AFBG-Fortbildungen | grundsätzlich ausgeschlossen; befristete Ausnahme „Geprüfte/r Berufsspezialist/-in" bei Beginn vor 1.4.2028 (§ 22 Abs. 1a SGB III) |

## Geltungsbereich

§ 82a SGB III gilt **bundesweit** und richtet sich an **sozialversicherungspflichtig Beschäftigte** in einem ungekündigten Arbeitsverhältnis, deren Tätigkeit vom **Strukturwandel** betroffen ist – etwa weil berufliche Tätigkeiten durch neue Technologien ersetzt werden könnten. Das Qualifizierungsgeld ist ein **Transformationsinstrument**: Ziel ist, durch geförderte Weiterbildung möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten und eine zukunftssichere Beschäftigungsperspektive im Betrieb zu schaffen.

Es ergänzt die **Lehrgangskostenförderung nach § 82 SGB III** (Qualifizierungschancengesetz): Beide Instrumente adressieren **Beschäftigte**, decken aber unterschiedliche Kosten ab. § 82 fördert vor allem die **Lehrgangskosten** (und optional einen Arbeitsentgeltzuschuss), § 82a den **Lohnausgleich** während der Weiterbildung, während die Lehrgangs- und Sozialversicherungskosten hier beim **Arbeitgeber** liegen. Eine Kombination beider Förderungen ist möglich.

Die Leistung ist eine **Ermessensleistung**; es besteht kein Rechtsanspruch. Zuständig ist die Agentur für Arbeit, in deren Bezirk der **Sitz des Betriebes** liegt, in dem die personalverantwortliche Leitung ausgeübt wird. Verfahrensrechte (Antrag, Entgegennahme der Zahlung) übt ausschließlich der **Arbeitgeber** aus.

## Wie funktioniert das Qualifizierungsgeld nach § 82a SGB III

**Schritt 1 — Strukturwandel und Betroffenheit feststellen.** Es muss ein **strukturwandelbedingter Qualifizierungsbedarf** bestehen, der in Betrieben **ab 250 Beschäftigten mindestens 20 %**, in Betrieben **unter 250 Beschäftigten mindestens 10 %** der Belegschaft betrifft. Für die Berechnung zählt die Gesamtzahl der Beschäftigten des Betriebs; Auszubildende, Praktikanten und geringfügig Beschäftigte bleiben unberücksichtigt. Die einmal getroffene Feststellung gilt **drei Jahre ab Antragstellung**.

**Schritt 2 — Kollektive Grundlage schaffen.** Erforderlich ist eine **Betriebsvereinbarung oder ein betriebsbezogener Tarifvertrag**, der die Qualifizierungsbedarfe, die geplanten Maßnahmen und die Beschäftigungsperspektive darstellt sowie regelt, dass für Weiterbildungszeiten **kein Anspruch auf Arbeitsentgelt** besteht. In Betrieben mit **weniger als 10 Beschäftigten** genügt eine **schriftliche Arbeitgebererklärung**; der Entgeltausfall ist dann individuell mit den Beschäftigten zu vereinbaren.

**Schritt 3 — Passende Maßnahme wählen.** Die Weiterbildung muss **mehr als 120 Stunden** umfassen (nicht zwingend am Stück; Präsenz, hybrid oder virtuell möglich) und darf die Dauer einer **Vollzeitmaßnahme nach § 180 Abs. 4 SGB III** nicht überschreiten. Eine **AZAV-Maßnahmenzertifizierung ist nicht nötig**, wohl aber eine **Trägerzulassung nach § 176 SGB III**. Ausgeschlossen sind überwiegend betriebsspezifische Inhalte und gesetzliche Pflichtfortbildungen.

**Schritt 4 — Antrag VOR Beginn stellen.** Der **Arbeitgeber** beantragt das Qualifizierungsgeld schriftlich oder elektronisch – möglichst **spätestens drei Monate vor** Maßnahmenbeginn. Beizufügen sind die **Zustimmungen der Beschäftigten**, eine Teilnehmer- und eine Abrechnungsliste. Für Zeiten **vor** der Antragstellung wird nicht gezahlt.

**Schritt 5 — Höhe berechnen und auszahlen.** Das Qualifizierungsgeld beträgt **60 % (mit Kind 67 %) der Nettoentgeltdifferenz** zwischen Soll- und Ist-Entgelt im Referenzzeitraum (§ 82b SGB III), analog zur Kurzarbeitergeld-Systematik. Der **Arbeitgeber berechnet** die Leistung kostenlos und **zahlt sie an die Beschäftigten aus**; die Agentur erstattet den Betrag **monatlich nachträglich**. Ein **Nebeneinkommen** bleibt bis **165 €** anrechnungsfrei; für Tage mit **Urlaubsentgelt** wird kein Qualifizierungsgeld gewährt.

## Häufige Fehler

- **„Das Qualifizierungsgeld übernimmt die Kurskosten."** Falsch — die **Weiterbildungs- und Sozialversicherungskosten trägt der Arbeitgeber**. Das Qualifizierungsgeld gleicht nur den **Lohnausfall** aus. Für Lehrgangskosten ist § 82 SGB III (Qualifizierungschancengesetz) einschlägig.
- **„Jeder Beschäftigte kann es einzeln beantragen."** Falsch — antragsberechtigt ist ausschließlich der **Arbeitgeber**, und Voraussetzung ist eine **Betriebsvereinbarung/ein Tarifvertrag** (bzw. bei unter 10 Beschäftigten eine schriftliche Arbeitgebererklärung).
- **„Die Maßnahme muss AZAV-zertifiziert sein."** Falsch — anders als bei § 82 SGB III ist **keine AZAV-Maßnahmenzertifizierung** erforderlich. Die **Trägerzulassung nach § 176 SGB III** bleibt jedoch bestehen.
- **„Es reicht ein einzelner betroffener Mitarbeiter."** Falsch — der Strukturwandel muss einen **Mindestanteil der Belegschaft** betreffen: **10 %** (unter 250 Beschäftigte) bzw. **20 %** (ab 250 Beschäftigte).
- **„Ich kann den Antrag auch nach Kursbeginn nachreichen."** Falsch — für Zeiten **vor der Antragstellung** wird nichts gezahlt; der Antrag sollte **spätestens drei Monate vorher** gestellt werden.
- **„Aufstiegsfortbildungen (Meister, Fachwirt) sind förderfähig."** Falsch — Maßnahmen, die auf ein **nach dem AFBG** förderfähiges Ziel vorbereiten, sind **grundsätzlich ausgeschlossen**. Nur befristet gilt eine Ausnahme für die erste Stufe „Geprüfte/r Berufsspezialist/-in" bei Beginn vor dem 1.4.2028 (§ 22 Abs. 1a SGB III).
- **„Ein Minijobber oder Azubi kann Qualifizierungsgeld bekommen."** Falsch — **Auszubildende, Praktikanten, geringfügig Beschäftigte, Altersvollrentner und versicherungsfreie Beschäftigte** sind ausgeschlossen.
- **„§ 82 und § 82a sind dasselbe."** Falsch — § 82 fördert **Lehrgangskosten** unabhängig vom Strukturwandel, § 82a den **Lohnausgleich** bei **strukturwandelbedingtem** Bedarf. Sie können kombiniert werden.













## Quellen

- § 82a SGB III – Qualifizierungsgeld: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__82a.html
- § 82b SGB III – Höhe und Bemessung des Qualifizierungsgeldes: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__82b.html
- § 82 SGB III – Förderung beschäftigter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__82.html
- § 22 Abs. 1a SGB III – Verhältnis zu anderen Leistungen (AFBG-Öffnung Berufsspezialist): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__22.html
- Bundesagentur für Arbeit – FAQ Qualifizierungsgeld: https://www.arbeitsagentur.de/unternehmen/finanziell/foerderung-von-weiterbildung/qualifizierungsgeld/faq-qualifizierungsgeld
- Bundesagentur für Arbeit – Merkblatt Qualifizierungsgeld für Arbeitgeber und Beschäftigte: https://www.arbeitsagentur.de/datei/merkblatt-qualifizierungsgeld-arbeitgeber-arbeitnehmer_ba047767.pdf
- Bundesagentur für Arbeit – Fachliche Weisungen Qualifizierungsgeld (§§ 82a bis 82c SGB III): https://www.arbeitsagentur.de/datei/fachliche-weisungen-qualifizierungsgeld_ba046757.pdf

## Änderungsverlauf

- 2026-07-19: Erstveröffentlichung mit Stand 2026. Höhe (60 %/67 % der Nettoentgeltdifferenz, § 82b SGB III), betriebliche Voraussetzungen (Betroffenheitsquote 10 %/20 % nach Betriebsgröße, Betriebsvereinbarung/Tarifvertrag bzw. Arbeitgebererklärung < 10 Beschäftigte), Maßnahmenanforderungen (> 120 Stunden, keine AZAV-Maßnahmenzertifizierung, Trägerzulassung § 176), Antrags- und Auszahlungsverfahren, Ausschlüsse und Nebeneinkommens-Freibetrag (165 €) gegen § 82a SGB III (gesetze-im-internet.de) und die FAQ/Merkblatt der Bundesagentur für Arbeit verifiziert. Abgrenzung zu § 82 SGB III (Qualifizierungschancengesetz) ergänzt. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-07-19
- Gültig ab: 2024-04-01 (§ 82a SGB III, eingeführt durch das Gesetz zur Stärkung der Aus- und Weiterbildungsförderung)
- Status: aktuell (factcheck_status: ok — statutorische Voraussetzungen und Bemessung gegen § 82a/§ 82b SGB III sowie die Fachinformationen der Bundesagentur für Arbeit geprüft; konkrete Bewilligung ist Ermessensentscheidung der Agentur für Arbeit)
- Quellenautorität: A (Bundesgesetz, Bundesagentur für Arbeit)
- Lizenz: CC BY 4.0
