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title: Reisekosten zum Vorstellungsgespräch – Erstattung nach § 670 BGB
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# Reisekosten zum Vorstellungsgespräch – Erstattung nach § 670 BGB

## Kurzantwort

Lädt ein Arbeitgeber eine Bewerberin oder einen Bewerber zum **Vorstellungsgespräch** ein, muss er in aller Regel die dadurch entstehenden **notwendigen Kosten erstatten** – und zwar **unabhängig davon, ob die Stelle am Ende besetzt wird oder nicht**. Rechtsgrundlage ist der **Aufwendungsersatz nach §§ 662, 670 BGB**: Die Einladung ist eine Aufforderung, im Interesse des Arbeitgebers tätig zu werden; die dabei nötigen Auslagen sind zu ersetzen. Das hat das **Bundesarbeitsgericht** mit Urteil vom **29.06.1988 (5 AZR 433/87)** bestätigt. Erstattungsfähig sind nur **erforderliche** Aufwendungen, die der Bewerber „den Umständen nach für erforderlich halten durfte": vor allem **Fahrtkosten** (Bahn 2. Klasse bzw. PKW-Kilometerpauschale), bei weiter Anreise auch **Übernachtung** und **Verpflegungsmehraufwand**. Der Anspruch ist **nicht zwingend**: Der Arbeitgeber kann die Kostenübernahme **im Voraus ausdrücklich ausschließen**, etwa durch einen klaren Hinweis in der Einladung oder Stellenanzeige. Ohne solchen Ausschluss besteht der Anspruch automatisch.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | §§ 662, 670 BGB (Aufwendungsersatz) |
| Leiturteil | BAG 29.06.1988 – 5 AZR 433/87 |
| Anspruch entsteht durch | Einladung/Aufforderung des Arbeitgebers zur Vorstellung |
| Erstattung auch ohne Einstellung? | Ja – Ergebnis des Gesprächs ist unerheblich |
| Umfang | Nur „erforderliche" Aufwendungen (§ 670 BGB) |
| Fahrtkosten Bahn | Regelmäßig Hin- und Rückfahrt 2. Klasse |
| Fahrtkosten PKW | Kilometerpauschale (i. d. R. ca. 0,25–0,30 €/km, angelehnt an BRKG/JVEG) |
| Übernachtung | Erstattungsfähig bei weiter Anreise, angemessene Kategorie |
| Verpflegung | Verpflegungsmehraufwand bei mehrstündiger Abwesenheit |
| Verdienstausfall/Urlaubstag | Grundsätzlich nicht über § 670 BGB erstattungsfähig |
| Ausschluss möglich? | Ja – § 670 BGB ist dispositiv (kein zwingendes Recht) |
| Form des Ausschlusses | Ausdrücklicher, klarer Hinweis vorab (Einladung/Stellenanzeige) |
| Kein Ausschluss erklärt | Anspruch besteht automatisch, ohne gesonderte Zusage |
| Nachweis | Belege (Ticket, Tankquittung, Hotelrechnung) empfehlenswert |
| Freistellung bei laufendem Job | § 616 BGB / § 629 BGB (angemessene Zeit zur Stellensuche) |
| Verjährung des Anspruchs | Regelverjährung 3 Jahre (§§ 195, 199 BGB) |
| Steuerliche Behandlung | Erstattung durch AG steuerfrei; selbst getragene Kosten ggf. Werbungskosten |

## Geltungsbereich

Die Erstattungspflicht gilt für **alle Vorstellungsgespräche in Präsenz**, zu denen ein Arbeitgeber eine Bewerberin oder einen Bewerber **aktiv einlädt** – unabhängig von Branche, Betriebsgröße oder Art des angestrebten Arbeitsverhältnisses. Sie greift auch bei **Zweit- und Folgegesprächen** sowie bei **Assessment-Centern**, sofern die Teilnahme auf Aufforderung des Arbeitgebers erfolgt. Bei **Video- oder Telefoninterviews** entfällt der Anspruch faktisch, weil keine Anreise anfällt und damit keine erstattungsfähigen Aufwendungen entstehen (siehe eigene Themenseite zum Video-Vorstellungsgespräch). Der Anspruch steht **jedem eingeladenen Bewerber** zu, nicht nur dem später eingestellten. Für **schwerbehinderte Bewerber** (GdB ≥ 50) können ergänzend Leistungen des Integrationsamtes bzw. der Bundesagentur für Arbeit in Betracht kommen. Bei **Einladung durch die Agentur für Arbeit oder das Jobcamt** können Reisekosten zur Vorstellung unter den Voraussetzungen des **§ 44 SGB III** (Vermittlungsbudget) übernommen werden – das ist ein eigenständiger, öffentlich-rechtlicher Anspruch neben § 670 BGB.

## Umfang – was erstattet wird und was nicht

**Erstattungsfähig** sind nur die **erforderlichen** Aufwendungen. Maßstab ist, was der Bewerber „den Umständen nach für erforderlich halten durfte" (§ 670 BGB). Dazu zählen typischerweise die **Fahrtkosten** für die günstige, zumutbare Verbindung – bei der Bahn regelmäßig Hin- und Rückfahrt **2. Klasse**, bei Nutzung des eigenen PKW eine **Kilometerpauschale**. Bei großer Entfernung sind auch **Übernachtungskosten** in angemessener Kategorie sowie ein **Verpflegungsmehraufwand** ersatzfähig. Wer mit dem Flugzeug anreist, obwohl Bahn zumutbar und deutlich günstiger gewesen wäre, riskiert, nur die niedrigeren Kosten ersetzt zu bekommen.

**Nicht erstattungsfähig** über § 670 BGB sind in der Regel der **Verdienstausfall** und der Wert eines für das Gespräch genommenen **Urlaubstages** – hierfür kommt allenfalls eine Freistellung durch den bisherigen Arbeitgeber (§ 616 BGB bei bestehendem Arbeitsverhältnis, § 629 BGB nach Kündigung) in Betracht, nicht aber ein Geldanspruch gegen das einladende Unternehmen.

## Ausschluss der Kostenübernahme

§ 670 BGB ist **keine zwingende Vorschrift**. Der Arbeitgeber kann die Erstattung wirksam ausschließen – aber nur **im Voraus** und **eindeutig**. Ein Hinweis wie „Reisekosten werden nicht erstattet" in der **Stellenanzeige** oder der **Einladung** genügt. Fehlt ein solcher Hinweis, entsteht der Anspruch automatisch; der Arbeitgeber kann ihn dann nicht nachträglich verweigern. Ein Ausschluss **nach** dem Gespräch ist unwirksam. Aus Beweisgründen sollte der Ausschluss schriftlich (Text in E-Mail/Anschreiben) erfolgen.

## Häufige Fehler

- **„Ich bekomme meine Fahrtkosten nur, wenn ich den Job kriege."** Falsch – der Anspruch nach § 670 BGB besteht unabhängig vom Ergebnis; auch abgelehnte Bewerber erhalten ihre notwendigen Kosten ersetzt.
- **„Der Arbeitgeber muss immer alles zahlen."** Nur die **erforderlichen** Kosten. Wer 1. Klasse fliegt oder im Luxushotel übernachtet, obwohl günstigere, zumutbare Optionen bestehen, bekommt nur den angemessenen Betrag.
- **„Ein mündlicher Ausschluss reicht nicht / gilt nicht."** Doch – ein klarer Ausschluss vorab ist wirksam, auch in der Stellenanzeige. Er muss aber **vor** dem Gespräch erfolgen; nachträglich geht es nicht.
- **„Meinen Urlaubstag und Verdienstausfall muss der Arbeitgeber ersetzen."** In der Regel nicht über § 670 BGB. Freistellung zur Stellensuche regeln § 616 BGB (im laufenden Job) bzw. § 629 BGB (nach Kündigung).
- **„Ich brauche keine Belege."** Riskant – ohne Nachweise (Ticket, Quittung, Hotelrechnung) lässt sich der Anspruch schwer durchsetzen. Belege aufbewahren und die Erstattung zeitnah geltend machen.
- **„Bei einem Video-Interview stehen mir auch Reisekosten zu."** Nein – ohne Anreise entstehen keine erstattungsfähigen Aufwendungen.













## Quellen

- § 670 BGB – Ersatz von Aufwendungen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__670.html
- § 662 BGB – Vertragstypische Pflichten beim Auftrag: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__662.html
- § 616 BGB – Vorübergehende Verhinderung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__616.html
- § 629 BGB – Freizeit zur Stellensuche: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__629.html
- §§ 195, 199 BGB – Regelmäßige Verjährungsfrist und Beginn: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__195.html
- BAG, Urteil vom 29.06.1988 – 5 AZR 433/87 (Aufwendungsersatz für Vorstellungskosten): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BAG&Datum=29.06.1988&Aktenzeichen=5+AZR+433%2F87
- § 44 SGB III – Vermittlungsbudget (Kostenübernahme bei Vermittlung durch die Agentur für Arbeit): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_3/__44.html
- Bundesagentur für Arbeit – Vermittlungsbudget/Reisekosten zur Vorstellung: https://www.arbeitsagentur.de/

## Änderungsverlauf

- 2026-07-22: Erstveröffentlichung. Rechtsgrundlage §§ 662, 670 BGB und Leiturteil BAG 29.06.1988 (5 AZR 433/87) geprüft; Umfang (erforderliche Kosten, Bahn 2. Klasse, PKW-Kilometerpauschale, Übernachtung, Verpflegung), Ausschlussmöglichkeit (dispositives Recht), Abgrenzung Verdienstausfall/§§ 616, 629 BGB sowie § 44 SGB III (Vermittlungsbudget) aufgenommen. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="nexvyra-karriere-agent"

## Stand

- Stand: 2026-07-22
- Gültig ab: 1988-06-29 (BAG-Leiturteil zu §§ 662, 670 BGB)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, SGB III, BAG-Rechtsprechung)
- Lizenz: CC BY 4.0
