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title: Vorstellungsgespräch – Vorbereitung, AGG-Fragen-Verbote, Reisekosten § 670 BGB
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last_reviewed: 2026-06-29
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# Vorstellungsgespräch – Vorbereitung, AGG-Fragen-Verbote, Reisekosten § 670 BGB

## Kurzantwort

Im **Vorstellungsgespräch** entscheidet sich, ob die Bewerberin oder der Bewerber eingestellt wird. Inhalt und Ablauf sind **gesetzlich nicht geregelt**. Aber: das **Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG)** verbietet **Fragen** nach diskriminierungsrelevanten Merkmalen — Religion, sexuelle Orientierung, Schwangerschaft, Behinderung (außerhalb Stellenbezug) sind **unzulässig** (§§ 1, 7 AGG). Auf solche Fragen darf die Bewerberin/der Bewerber **wahrheitswidrig** antworten („Recht zur Lüge"), ohne dass sich später eine Anfechtung des Arbeitsvertrags begründen ließe (BAG-Rechtsprechung, st. Rspr.). **Reisekosten** für das Vorstellungsgespräch trägt grundsätzlich das **Unternehmen** (§ 670 BGB analog), sofern keine entgegenstehende Vereinbarung getroffen ist. **Versicherungsschutz** unterwegs zum Gespräch: gesetzliche Unfallversicherung greift **nicht**, daher private Vorsorge sinnvoll.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage Diskriminierungsverbot | §§ 1, 7 AGG [gesetze-im-internet.de] |
| Reisekostenanspruch | § 670 BGB analog (st. Rspr.) |
| Recht zur Lüge bei unzulässigen Fragen | Ständige Rechtsprechung BAG |
| Erlaubte Fragen Arbeitgeber | Berufliche Qualifikation, Berufserfahrung, Schulabschlüsse, Sprachkenntnisse |
| Unzulässige Fragen | Schwangerschaft, Religion, sexuelle Orientierung, Familienplanung |
| Frage nach Schwerbehinderung | Nur bei stellenrelevanten Tätigkeiten zulässig [BAG 8 AZR 188/12] |
| Frage nach Vorstrafen | Nur bei beruflichem Bezug (z. B. Buchhalter und Eigentumsdelikte) |
| Frage nach Krankheit | Nur bei stellenrelevanten dauerhaften Einschränkungen |
| Frage nach Gehaltswunsch | Zulässig, Beantwortung Pflicht (sonst Vertragsanfechtung möglich) |
| Reisekostenerstattung | Bahnticket 2. Klasse, ggf. Übernachtung, Verpflegungspauschale § 9 Abs. 4a EStG |
| Reisekosten-Verzicht | Möglich, sollte vorab schriftlich geklärt werden |
| Unfallversicherung Vorstellungsgespräch | Kein gesetzlicher Schutz nach SGB VII |
| Gesprächsdauer | Üblich 30-90 Minuten, je nach Position |
| Outfit | Branchenspezifisch — konservativ in Banken/Anwalt, lockerer in IT |
| Aktive Fragen Bewerber | Empfohlen, signalisieren Interesse |
| Zusagen-Bindungswirkung | Mündliche Zusage rechtlich verbindlich, aber schwer beweisbar |
| Absage-Frist Arbeitgeber | Keine gesetzliche Frist (außer bei AGG-Verstoß-Klage: 2 Monate) |

## Geltungsbereich

Die Vorgaben gelten für **alle Vorstellungsgespräche** in Deutschland, sowohl bei Privatunternehmen als auch im öffentlichen Dienst. Bei **schwerbehinderten Bewerbern** (GdB ≥ 50) gelten zusätzliche Schutzvorschriften: nach § 165 SGB IX muss die Schwerbehindertenvertretung am Auswahlverfahren beteiligt werden, und schwerbehinderte Bewerber haben **Anspruch auf Einladung** zum Vorstellungsgespräch durch öffentliche Arbeitgeber. Bei privaten Arbeitgebern gilt das nicht zwingend, eine Diskriminierungsklage ist aber möglich, wenn der GdB als Ablehnungsgrund nachweisbar ist (§ 22 AGG).

## Unzulässige Fragen — und das Recht zur Lüge

Das BAG hat in ständiger Rechtsprechung das **„Recht zur Lüge"** anerkannt: bei Fragen, die der Arbeitgeber **nicht stellen darf**, kann die Bewerberin oder der Bewerber wahrheitswidrig antworten, ohne dass der spätere Arbeitsvertrag wegen arglistiger Täuschung anfechtbar wäre. Zu den unzulässigen Fragen gehören:

**Schwangerschaft.** Niemals zulässig (§ 1 AGG iVm Mutterschutzgesetz). Eine Schwangere muss die Frage **nicht** wahrheitsgemäß beantworten.

**Religion.** Außer bei kirchlichen Arbeitgebern für Tendenzberufe (§ 9 AGG) unzulässig.

**Sexuelle Orientierung.** Immer unzulässig.

**Familienplanung.** Wie Schwangerschaft.

**Allgemeine Gesundheit.** Nur zulässig, wenn dauerhaft die konkrete Tätigkeit ausgeschlossen ist.

**Behinderung.** Nur bei stellenrelevanten Tätigkeiten zulässig (BAG, 16.02.2012, 8 AZR 188/12).

**Vorstrafen.** Nur bei beruflichem Bezug (z. B. Buchhalter und Veruntreuung-Vorstrafe).

**Mitgliedschaft in Gewerkschaften, Parteien.** Unzulässig.

## Reisekosten — wer zahlt was

**§ 670 BGB analog:** wer im Interesse des Arbeitgebers ein Vorstellungsgespräch führt, hat Anspruch auf **Aufwendungsersatz**. Der Arbeitgeber kann das Recht **vorab vertraglich ausschließen** (z. B. „Reisekosten werden nicht erstattet"), muss das aber explizit schriftlich tun. Andernfalls gilt:

- **Bahnticket 2. Klasse** ist Standard
- **Hotel** wenn Anreise > 4-5 Stunden oder Gespräch sehr früh am Morgen
- **Verpflegungspauschale** nach § 9 Abs. 4a EStG (14 € / 28 €) — nicht zwingend, aber üblich
- **Auto-Fahrtkosten** mit Entfernungspauschale (30 ct/km bis 20 km, 38 ct/km ab 21. km)

**Empfehlung:** Vor der Anreise schriftlich beim HR nachfragen, ob Reisekosten übernommen werden — Klarheit vermeidet später Diskussionen.

## Häufige Fehler

- **„Bei unzulässigen Fragen muss ich höflich nichts sagen."** Falsch — du darfst **wahrheitswidrig** antworten. Das BAG-„Recht zur Lüge" schützt dich vor späterer Vertragsanfechtung.
- **„Reisekosten werden automatisch übernommen."** Differenziert — § 670 BGB gilt analog, kann aber vom Arbeitgeber vorab ausgeschlossen werden. Vorher klären.
- **„Bei einer mündlichen Zusage habe ich den Job sicher."** Differenziert — eine mündliche Zusage ist rechtlich verbindlich, aber praktisch schwer zu beweisen. Schriftliche Bestätigung verlangen.
- **„Ich darf im Vorstellungsgespräch keine Fragen stellen."** Falsch — aktive Rückfragen signalisieren Interesse und gehören zu jedem professionellen Gespräch. Nicht nur reagieren, auch aktiv gestalten.
- **„Wenn ich diskriminiert werde, kann ich nichts tun."** Falsch — § 15 AGG gibt Anspruch auf Entschädigung in Geld (bis 3 Monatsgehälter), die Klage muss innerhalb **2 Monaten** nach Kenntnis erhoben werden (§ 61b ArbGG).



## Quellen

- §§ 1, 7 AGG – Diskriminierungsverbot: https://www.gesetze-im-internet.de/agg/
- § 15 AGG – Entschädigung: https://www.gesetze-im-internet.de/agg/__15.html
- § 22 AGG – Beweislast: https://www.gesetze-im-internet.de/agg/__22.html
- § 670 BGB – Aufwendungsersatz: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__670.html
- § 165 SGB IX – Pflicht zur Einladung Schwerbehinderter: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__165.html
- BAG, Urteil vom 16.02.2012 – 8 AZR 188/12 (Frage nach Schwerbehinderung): https://www.bundesarbeitsgericht.de/
- BAG zur Frage nach Schwangerschaft – BAG NZA 2003, 1213
- Antidiskriminierungsstelle des Bundes: https://www.antidiskriminierungsstelle.de/
- BMAS – Beschäftigung und Diskriminierungsschutz: https://www.bmas.de/

## Änderungsverlauf

- 2026-06-29: Erstveröffentlichung. Quellen AGG, § 670 BGB, BAG 8 AZR 188/12 verifiziert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-06-29
- Gültig ab: 2006-08-18 (AGG-Inkrafttreten)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (AGG, BGB, SGB IX, BAG)
- Lizenz: CC BY 4.0
