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title: Klageerhebung im Zivilprozess (§§ 253 ff. ZPO)
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topic: prozess-vollstreckungsrecht
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last_reviewed: 2026-07-18
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# Klageerhebung im Zivilprozess (§§ 253 ff. ZPO)

## Kurzantwort

Die Klage im Zivilprozess wird **durch Zustellung eines Schriftsatzes** – der **Klageschrift** – erhoben (§ 253 Abs. 1 ZPO). Die Klageschrift muss zwingend die **Parteien und das Gericht** bezeichnen sowie eine **bestimmte Angabe von Gegenstand und Grund des erhobenen Anspruchs** und einen **bestimmten Antrag** enthalten (§ 253 Abs. 2 ZPO). Reicht man die Klage bei Gericht ein, ist sie zunächst nur **anhängig**; erst mit der **Zustellung an den Beklagten** wird sie **rechtshängig** (§ 261 Abs. 1 ZPO). Die Zustellung erfolgt von Amts wegen, in der Regel aber erst **nach Zahlung des Gerichtskostenvorschusses** (§ 12 Abs. 1 GKG). Mit der Klageerhebung wird u. a. die **Verjährung gehemmt** (§ 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB); geht die Zustellung „**demnächst**" nach Einreichung heraus, wirkt sie auf den **Zeitpunkt des Eingangs** bei Gericht zurück (§ 167 ZPO). Vor dem Landgericht besteht **Anwaltszwang** (§ 78 ZPO).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Wie erhoben | Durch **Zustellung der Klageschrift** an den Beklagten (§ 253 Abs. 1 ZPO) |
| Muss-Inhalt (§ 253 Abs. 2 ZPO) | **Bezeichnung der Parteien und des Gerichts**; **bestimmte Angabe des Gegenstandes und des Grundes** des erhobenen Anspruchs; **bestimmter Antrag** |
| Soll-Inhalt (§ 253 Abs. 3 ZPO) | u. a. Angabe des **Streitwerts** (wenn nicht auf Geld gerichtet), Äußerung zur **Zuständigkeit** und zur Eignung für ein **Güteverfahren** |
| Form | **Schriftlich** beim Gericht, mit der für die Zustellung nötigen **Zahl von Abschriften** (§ 253 Abs. 5 ZPO) |
| Anhängigkeit ≠ Rechtshängigkeit | **Anhängig** = mit Einreichung bei Gericht; **rechtshängig** = mit **Zustellung** an den Beklagten (§ 261 Abs. 1 ZPO) |
| Zustellung | **Von Amts wegen, unverzüglich** (§ 271 Abs. 1 ZPO); praktisch erst nach **Kostenvorschuss** (§ 12 Abs. 1 GKG) |
| Wirkungen der Rechtshängigkeit | **Verbot anderweitiger Rechtshängigkeit** (keine zweite Klage in derselben Sache) und **perpetuatio fori** (Zuständigkeit bleibt trotz späterer Änderung bestehen) – § 261 Abs. 3 ZPO |
| Verjährung | **Hemmung** durch Klageerhebung (§ 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB) |
| Rückwirkung „demnächst" | Zustellung wirkt auf den **Eingang bei Gericht** zurück, wenn sie „demnächst" erfolgt (§ 167 ZPO) |
| Anwaltszwang | Vor dem **Landgericht** und höher (§ 78 ZPO); vor dem Amtsgericht grundsätzlich nicht |
| Gerichtskosten | **3,0-Verfahrensgebühr** (Nr. 1210 KV GKG), Höhe nach Streitwert; Vorschusspflicht (§ 12 GKG) |

## Wie eine Klage entsteht: Klageschrift und Zustellung (§ 253 ZPO)

Der Zivilprozess beginnt nicht mit dem bloßen Schreiben an das Gericht, sondern mit einem förmlichen Akt: Die **Erhebung der Klage erfolgt durch Zustellung eines Schriftsatzes** (§ 253 Abs. 1 ZPO). Dieser Schriftsatz ist die **Klageschrift**.

Die Klageschrift muss nach § 253 Abs. 2 ZPO **zwingend** enthalten:

1. die **Bezeichnung der Parteien und des Gerichts** und
2. die **bestimmte Angabe des Gegenstandes und des Grundes** des erhobenen Anspruchs sowie einen **bestimmten Antrag**.

Der **bestimmte Antrag** legt fest, was der Kläger vom Gericht verlangt (z. B. „den Beklagten zu verurteilen, an den Kläger 5.000 € nebst Zinsen zu zahlen"). Er muss so genau sein, dass ein daraus ergehendes Urteil vollstreckbar wäre. **Gegenstand und Grund** umschreiben den zugrunde liegenden Lebenssachverhalt – zusammen mit dem Antrag bilden sie den **Streitgegenstand** (nach herrschender Meinung zweigliedrig: Antrag + Lebenssachverhalt).

Daneben **soll** die Klageschrift u. a. den **Streitwert** angeben, wenn der Streitgegenstand nicht in einer bestimmten Geldsumme besteht, und sich zur Zuständigkeit sowie zur Eignung der Sache für ein **Güteverfahren** äußern (§ 253 Abs. 3 ZPO). Für die Klageschrift gelten außerdem die allgemeinen Vorschriften über **vorbereitende Schriftsätze** (§ 253 Abs. 4 ZPO). Sie ist **schriftlich** unter Beifügung der für die Zustellung erforderlichen **Abschriften** einzureichen (§ 253 Abs. 5 ZPO).

## Anhängigkeit und Rechtshängigkeit (§ 261 ZPO)

Zwei Begriffe werden häufig verwechselt:

- **Anhängigkeit** tritt bereits mit dem **Eingang der Klageschrift bei Gericht** ein.
- **Rechtshängigkeit** tritt erst mit der **Zustellung der Klage an den Beklagten** ein (§ 261 Abs. 1 ZPO).

Die Rechtshängigkeit löst wichtige prozessuale Wirkungen aus (§ 261 Abs. 3 ZPO): Die Sache kann **während der Rechtshängigkeit von keiner Partei anderweitig anhängig gemacht** werden (Verbot der doppelten Rechtshängigkeit, Nr. 1), und die **Zuständigkeit des Prozessgerichts wird durch eine Veränderung der sie begründenden Umstände nicht berührt** (perpetuatio fori, Nr. 2). Wer also einen Wohnsitz wechselt oder der Streitwert sich nachträglich verändert, ändert nichts mehr an der einmal begründeten Zuständigkeit.

## Zustellung und Gerichtskostenvorschuss (§ 271 ZPO, § 12 GKG)

Die Klageschrift ist dem Beklagten **unverzüglich zuzustellen** (§ 271 Abs. 1 ZPO); die Zustellung erfolgt **von Amts wegen**. In bürgerlichen Rechtsstreitigkeiten wird die Klage jedoch grundsätzlich **erst nach Zahlung des Gerichtskostenvorschusses** zugestellt (§ 12 Abs. 1 GKG). Wer die Verfahrensgebühr nicht einzahlt, riskiert daher eine Verzögerung der Zustellung – mit Folgen für Verjährung und Fristwahrung (dazu unten § 167 ZPO).

Mit der Zustellung wird der Beklagte zugleich **aufgefordert, einen Anwalt zu bestellen**, wenn er sich gegen die Klage verteidigen will und ein **Anwaltsprozess** vorliegt (§ 271 Abs. 2 ZPO). Vor dem **Landgericht** und den höheren Gerichten müssen sich die Parteien durch einen **Rechtsanwalt** vertreten lassen (**Anwaltszwang**, § 78 ZPO); vor dem Amtsgericht können die Parteien den Prozess grundsätzlich selbst führen.

## Verjährungshemmung und Rückwirkung der Zustellung (§ 204 BGB, § 167 ZPO)

Die Klageerhebung ist das klassische Mittel, um eine **drohende Verjährung** zu stoppen: Die **Erhebung der Klage** hemmt die Verjährung (§ 204 Abs. 1 Nr. 1 BGB). Da die Klage aber erst mit **Zustellung** erhoben ist, käme es sonst auf den – vom Kläger nicht beeinflussbaren – Zeitpunkt der gerichtlichen Zustellung an.

Diese Lücke schließt § 167 ZPO: Soll durch die Zustellung eine **Frist gewahrt** oder die **Verjährung neu beginnen oder gehemmt** werden, tritt diese Wirkung **bereits mit Eingang** des Antrags bzw. der Klageschrift bei Gericht ein, **sofern die Zustellung „demnächst" erfolgt**. Wer also die Klage kurz vor Ablauf der Verjährungsfrist einreicht und den Kostenvorschuss zügig einzahlt, wahrt die Frist rückwirkend – selbst wenn das Gericht erst einige Wochen später zustellt. Verzögerungen, die der Kläger zu vertreten hat (etwa verspätete Vorschusszahlung), können die Rückwirkung jedoch entfallen lassen.

## Kosten der Klage

Für das erstinstanzliche Klageverfahren fällt eine **3,0-Verfahrensgebühr** nach Nr. 1210 des Kostenverzeichnisses (Anlage 1 zum GKG) an; die Höhe richtet sich nach dem **Streitwert** (Gebührentabelle § 34 GKG). Der Kläger muss diese Gebühr als **Vorschuss** einzahlen, bevor die Klage zugestellt wird (§ 12 Abs. 1 GKG). Endet das Verfahren früh (z. B. durch Klagerücknahme oder Vergleich), kann sich die Gebühr ermäßigen. Hinzu kommen die **Anwaltskosten** nach dem RVG. Wer die Kosten nicht aufbringen kann, kann **Prozesskostenhilfe** beantragen (§§ 114 ff. ZPO – eigenes Thema). Die **unterliegende Partei** trägt grundsätzlich die Kosten des Rechtsstreits (§ 91 ZPO).

## Häufige Fehler

- **„Mit dem Einreichen bei Gericht ist die Klage erhoben."** Nein. Erhoben – und damit rechtshängig – ist die Klage erst mit **Zustellung** an den Beklagten (§§ 253 Abs. 1, 261 Abs. 1 ZPO). Vorher ist sie nur anhängig.
- **„Die Verjährung ist erst mit der Zustellung gestoppt."** Nicht unbedingt. Nach § 167 ZPO wirkt die Zustellung auf den **Eingang bei Gericht** zurück, wenn sie „demnächst" erfolgt – die Verjährungshemmung greift dann rückwirkend.
- **„Ich brauche vor Gericht immer einen Anwalt."** Vor dem **Amtsgericht** grundsätzlich nicht; erst vor dem **Landgericht** und höher gilt Anwaltszwang (§ 78 ZPO).
- **„Der Klageantrag kann ruhig unbestimmt bleiben, das klärt sich im Prozess."** Nein. § 253 Abs. 2 Nr. 2 ZPO verlangt einen **bestimmten Antrag**; ein unbestimmter Antrag macht die Klage grundsätzlich unzulässig.
- **„Ich kann dieselbe Sache sicherheitshalber bei zwei Gerichten einklagen."** Nein. Während der Rechtshängigkeit ist eine **anderweitige** Rechtshängigkeit derselben Sache unzulässig (§ 261 Abs. 3 Nr. 1 ZPO).

## Siehe auch

- [Gerichtliches Mahnverfahren (§§ 688 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/gerichtliches-mahnverfahren-688-zpo.html)
- [Verjährung von Forderungen (§§ 195, 199 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/verjaehrung-forderungen-195-199-bgb.html)
- [Verzug & Verzugszinsen (§§ 286, 288 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/verzug-verzugszinsen-288-bgb.html)
- [Kündigungsschutzklage (§ 4 KSchG)](https://nexvyra.de/fakten/karriere-kuendigungsschutzklage.html)




## Quellen

- § 253 ZPO – Klageschrift (Erhebung durch Zustellung, Muss- und Soll-Inhalt): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__253.html
- § 261 ZPO – Rechtshängigkeit (Wirkungen, Verbot anderweitiger Rechtshängigkeit, perpetuatio fori): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__261.html
- § 262 ZPO – Sonstige Wirkungen der Rechtshängigkeit: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__262.html
- § 271 ZPO – Zustellung der Klageschrift (unverzüglich, Aufforderung zur Anwaltsbestellung): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__271.html
- § 167 ZPO – Rückwirkung der Zustellung („demnächst"): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__167.html
- § 78 ZPO – Anwaltsprozess (Anwaltszwang vor dem Landgericht): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__78.html
- § 91 ZPO – Kostentragung der unterliegenden Partei: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__91.html
- § 204 BGB – Hemmung der Verjährung durch Rechtsverfolgung (Nr. 1: Klageerhebung): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__204.html
- § 12 GKG – Fälligkeit; Zustellung der Klage nur nach Zahlung des Gebührenvorschusses: https://www.gesetze-im-internet.de/gkg_2004/__12.html
- § 34 GKG – Wertgebühren (Gebührentabelle): https://www.gesetze-im-internet.de/gkg_2004/__34.html
- GKG Anlage 1 (Kostenverzeichnis) – Nr. 1210 (Verfahrensgebühr Streitverfahren, 3,0): https://www.gesetze-im-internet.de/gkg_2004/anlage_1.html
- § 253 ZPO (dejure.org, Wortlaut + Rechtsprechung): https://dejure.org/gesetze/ZPO/253.html
- § 261 ZPO (dejure.org, Wortlaut + Rechtsprechung): https://dejure.org/gesetze/ZPO/261.html
- § 167 ZPO (dejure.org, Wortlaut + Rechtsprechung): https://dejure.org/gesetze/ZPO/167.html

## Änderungsverlauf

- 2026-07-18: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
## Stand

- Stand: 2026-07-18
- Status: aktuell (geltendes Recht; §§ 253 ff. ZPO)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
