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# Konsularische Hilfe im Ausland (§§ 1, 5–9a KonsG, RL (EU) 2015/637) – Beistand in Notlagen, EU-Schutz für nicht vertretene Bürger, Auslagenersatz

## Kurzantwort

Gerät ein Deutscher im Ausland in eine **Notlage**, sollen die Konsularbeamten **die erforderliche Hilfe leisten** – aber nur, **wenn die Notlage auf andere Weise nicht behoben werden kann** (§ 5 Abs. 1 Satz 1 KonsG). Konsularische Hilfe ist damit ausdrücklich **nachrangig**: Solange Reiseversicherung, Kreditkarte, Angehörige, Reiseveranstalter oder eigene Mittel greifen, besteht kein Anspruch. Wird geholfen, ist der Empfänger **zum Ersatz der Auslagen verpflichtet** (§ 5 Abs. 5 Satz 1 KonsG) – die Hilfe ist also **Vorschuss, kein Zuschuss**. § 1 KonsG gewährt Rat und Beistand nur **nach pflichtgemäßem Ermessen**; ein Rechtsanspruch auf eine bestimmte Maßnahme folgt daraus nicht.

Für **Unionsbürger** gilt zusätzlich Artikel 20 Abs. 2 Buchst. c AEUV: In einem Drittland, in dem der Heimatstaat **nicht vertreten** ist, gewähren die Botschaften und Konsulate **jedes** Mitgliedstaats Schutz **unter denselben Bedingungen wie eigenen Staatsangehörigen** (Art. 2 Abs. 1 RL (EU) 2015/637). Deutschland hat das durch **§ 9a KonsG** umgesetzt (Erstes Gesetz zur Änderung des Konsulargesetzes, BGBl. I 2018 S. 478).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Deutsche Rechtsgrundlage | Konsulargesetz (KonsG) [gesetze-im-internet.de] |
| EU-Rechtsgrundlage | Art. 20 Abs. 2 Buchst. c, Art. 23 AEUV; Art. 46 GRCh |
| EU-Sekundärrecht | Richtlinie (EU) 2015/637 des Rates vom 20.04.2015 |
| Umsetzungsfrist RL 2015/637 | 01.05.2018 [Art. 17 Abs. 1] |
| Deutsche Umsetzungsmaßnahme | Erstes Gesetz zur Änderung des Konsulargesetzes, BGBl. I 2018 Nr. 14, S. 478–479 |
| Aufgehobener Vorgänger | Beschluss 95/553/EG (aufgehoben zum 01.05.2018) [Art. 18] |
| Grundnorm Einzelhilfe | § 5 Abs. 1 KonsG – Hilfe nur, wenn Notlage anders nicht behebbar |
| Ermessensnorm | § 1 KonsG – Rat und Beistand nach pflichtgemäßem Ermessen |
| Art und Maß der Hilfe | Nach Verhältnissen im Empfangsstaat, Lebensbedürfnisse eines dort lebenden Deutschen [§ 5 Abs. 3 Satz 1] |
| Rechtsschutz als Hilfeform | Ausdrücklich möglich [§ 5 Abs. 3 Satz 2] |
| Rückreise ermöglichen | Zulässige Hilfeform [§ 5 Abs. 4] |
| Auslagenersatzpflicht | Ja – Empfänger, daneben Verwandte und Ehegatte im Rahmen der Unterhaltspflicht [§ 5 Abs. 5 Sätze 1, 2] |
| Vererblichkeit der Ersatzpflicht | Geht auf Erben über, Haftung auf Nachlass beschränkt [§ 5 Abs. 5 Sätze 3, 4] |
| Ablehnung bei Missbrauch | Möglich, außer bei ernstem Nachteil an Leib, Leben, Gesundheit [§ 5 Abs. 7] |
| Notlage länger als 2 Monate | Hilfe nach SGB XII bzw. entsprechend [§ 5 Abs. 6] |
| Katastrophenfälle | Naturkatastrophen, kriegerische/revolutionäre Verwicklungen [§ 6 Abs. 1] |
| Verzicht auf Auslagenersatz | In Katastrophenfällen möglich [§ 6 Abs. 2 Satz 2] |
| Krisenvorsorgeliste | Konsularbeamte sollen Liste ansässiger Deutscher führen [§ 6 Abs. 3] |
| Gefangenenbetreuung | Auf Verlangen des Gefangenen, insbesondere Vermittlung von Rechtsschutz [§ 7] |
| Todesfall im Ausland | Benachrichtigung Angehöriger, Mitwirkung bei Überführung [§ 9 Abs. 1] |
| EU-Grundsatz | Schutz nicht vertretener Unionsbürger wie eigene Staatsangehörige [Art. 2 Abs. 1 RL 2015/637] |
| „Nicht vertreten" | Keine ständige Botschaft/Konsulat oder faktisch nicht schutzfähig [Art. 6 RL 2015/637] |
| Zugang | Ersuchen bei jedem Mitgliedstaat zulässig [Art. 7 Abs. 1 RL 2015/637] |
| Erstattung zwischen Staaten | Heimatstaat erstattet binnen höchstens 12 Monaten [Art. 14 Abs. 2 RL 2015/637] |

## Was konsularische Hilfe ist – und was nicht

**§ 5 Abs. 1 Satz 1 KonsG** formuliert eine **Soll-Vorschrift mit Nachrangvorbehalt**: Die Konsularbeamten sollen Deutschen, die in ihrem Konsularbezirk **hilfsbedürftig** sind, die erforderliche Hilfe leisten, **wenn die Notlage auf andere Weise nicht behoben werden kann**. Beide Voraussetzungen sind eigenständig zu prüfen. Wer eine Auslandskrankenversicherung besitzt, deren Leistung erreichbar ist, ist insoweit nicht hilfsbedürftig im Sinne der Norm.

**Art, Form und Maß** der Hilfe richten sich nach den **besonderen Verhältnissen im Empfangsstaat** unter Berücksichtigung der notwendigen Lebensbedürfnisse eines **dort** lebenden Deutschen (§ 5 Abs. 3 Satz 1 KonsG) – nicht nach deutschem Lebensstandard. Die Hilfe **kann** in der Gewährung von **Rechtsschutz** bestehen (§ 5 Abs. 3 Satz 2) und **kann**, wenn es sich empfiehlt, darin liegen, dem Hilfesuchenden die **Reise an den Ort des gewöhnlichen Aufenthalts** oder an einen anderen Ort zu ermöglichen (§ 5 Abs. 4).

Nicht erfasst sind Aufgaben, die außerhalb der konsularischen Befugnisse liegen. **§ 4 KonsG** bindet die Konsularbeamten an die **Schranken des im Konsularbezirk geltenden Rechts** und an das **Wiener Übereinkommen vom 24.04.1963 über konsularische Beziehungen** (BGBl. II 1969 S. 1585). Ein Konsulat kann deshalb weder ausländische Strafverfahren beeinflussen noch Behörden des Empfangsstaats Weisungen erteilen.

### Ausschluss für Doppelstaater mit gewöhnlichem Auslandsaufenthalt

§ 5 Abs. 1 Satz 2 KonsG nimmt Deutsche aus, die **ihren gewöhnlichen Aufenthalt in einem ausländischen Staat haben**, **gleichzeitig dessen Staatsangehörigkeit besitzen** und deren **Vater oder Mutter** sie besitzt oder besessen hat – ebenso deren Abkömmlinge. Diesen Personen **können** die Konsularbeamten Hilfe gewähren, **soweit es im Einzelfall der Billigkeit entspricht**. Aus dem Soll-Anspruch wird also reines Ermessen.

**Nichtdeutschen Familienangehörigen** von Deutschen kann nach § 5 Abs. 2 KonsG Hilfe gewährt werden, wenn sie mit diesen **in Haushaltsgemeinschaft leben oder längere Zeit gelebt haben** – ebenfalls nur nach Billigkeit.

## Die Auslagenersatzpflicht – der praktisch wichtigste Punkt

Konsularische Hilfe ist **kein Geschenk**. Nach **§ 5 Abs. 5 KonsG** gilt:

1. Der **Empfänger** ist zum Ersatz der Auslagen verpflichtet (Satz 1).
2. Die Ersatzpflicht trifft **neben ihm** auch seine **Verwandten und seinen Ehegatten** im Rahmen ihrer **Unterhaltspflicht** (Satz 2).
3. Die Verpflichtung **geht auf die Erben über** (Satz 3).
4. Die **Haftung der Erben** beschränkt sich **auf den Nachlass** (Satz 4).

Wird ein Darlehen für die Rückreise gewährt, entsteht damit eine **öffentlich-rechtliche Forderung der Bundesrepublik**. In **Katastrophenfällen** gilt § 5 Abs. 5 entsprechend (§ 6 Abs. 2 Satz 1), jedoch **kann von der Geltendmachung abgesehen werden**, soweit die Lageentwicklung, die persönlichen Verhältnisse oder sonstige besondere Umstände es erfordern (§ 6 Abs. 2 Satz 2).

**§ 5 Abs. 7 KonsG** erlaubt die **Ablehnung** der Hilfeleistung, wenn festgestellt wird, dass der Hilfesuchende **frühere Hilfen missbraucht** hat – es sei denn, er würde im Fall der Ablehnung einen **ernsten Nachteil an Leib, Leben oder Gesundheit** erleiden.

## Dauer-Notlage, Katastrophe, Haft, Todesfall

**Notlage über zwei Monate (§ 5 Abs. 6 KonsG).** Dauert die Notlage eines Hilfeempfängers, der seinen **gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland** hat oder der im Ausland **in Untersuchungshaft** ist oder eine **Freiheitsstrafe verbüßt**, länger als **zwei Monate**, ist **vom Eintritt der Hilfsbedürftigkeit an** Hilfe nach dem **Zwölften Buch Sozialgesetzbuch** oder in entsprechender Anwendung zu gewähren. § 5 Abs. 4 (Rückreise) bleibt unberührt.

**Katastrophenfälle (§ 6 KonsG).** Treten **Naturkatastrophen, kriegerische oder revolutionäre Verwicklungen oder vergleichbare Ereignisse** ein oder drohen sie einzutreten, sollen die Konsularbeamten die erforderlichen Maßnahmen treffen, um Geschädigten oder Bedrohten **Hilfe und Schutz** zu gewähren. Das gilt auch für **Abkömmlinge von Deutschen** und für **nichtdeutsche Familienangehörige** in Haushaltsgemeinschaft. Nach § 6 Abs. 3 sollen die Konsularbeamten eine **Liste der im Konsularbezirk ansässigen Deutschen** erstellen und aktuell halten – die gesetzliche Grundlage der Krisenvorsorgeliste.

**Haft (§ 7 KonsG).** Konsularbeamte sollen deutsche **Untersuchungs- und Strafgefangene** **auf deren Verlangen** betreuen und ihnen **insbesondere Rechtsschutz vermitteln**. Ohne Verlangen des Gefangenen wird nicht betreut; „vermitteln" heißt nicht, dass die Kosten eines Anwalts übernommen werden.

**Todesfall (§ 9 KonsG).** Sofern andere Möglichkeiten nicht gegeben sind, sollen die Konsularbeamten **umgehend die Angehörigen** benachrichtigen und bei einer **verlangten Überführung** mitwirken (Abs. 1). Bei Nachlässen Verstorbener können sie einschreiten, wenn Erben unbekannt oder abwesend sind (Abs. 2); lassen sich Berechtigte nicht ermitteln, können Nachlassgegenstände oder der Veräußerungserlös an das Gericht des letzten gewöhnlichen Aufenthalts im Inland oder – hilfsweise – an das **Amtsgericht Schöneberg in Berlin** als Nachlassgericht übergeben werden (Abs. 3).

## EU-Schutz für nicht vertretene Unionsbürger

**Grundsatz.** Nach **Art. 2 Abs. 1 RL (EU) 2015/637** gewähren die Botschaften oder Konsulate der Mitgliedstaaten nicht vertretenen Bürgern konsularischen Schutz **unter denselben Bedingungen, wie sie für ihre eigenen Staatsangehörigen gelten**. Die Richtlinie regelt ausdrücklich **nicht** den Umfang des Schutzes – dieser bleibt nationales Recht (Erwägungsgrund 5). Für Deutschland heißt das: Ein nicht vertretener Unionsbürger erhält das, was das KonsG einem Deutschen gewährt – einschließlich der Auslagenersatzpflicht.

**Wann ist ein Staat „nicht vertreten"?** Nach **Art. 6 RL 2015/637**, wenn er im Drittland **keine ständige Botschaft oder kein ständiges Konsulat** unterhält – oder wenn Botschaft, Konsulat oder Honorarkonsul dort **nicht effektiv in der Lage** ist, im konkreten Fall Schutz zu gewähren. Bürger mit **mehreren** Unionsstaatsangehörigkeiten gelten nur dann als nicht vertreten, wenn **keiner** dieser Staaten vertreten ist (Erwägungsgrund 8).

**Zugang und Identität.** Nicht vertretene Bürger sind berechtigt, bei der Botschaft oder dem Konsulat **eines jeden** Mitgliedstaats um Schutz zu ersuchen (Art. 7 Abs. 1). Der Nachweis erfolgt grundsätzlich durch **Reisepass oder Personalausweis**; ist das nicht möglich, kann die Staatsangehörigkeit **auf andere Weise** nachgewiesen werden, nötigenfalls durch Rückfrage beim Heimatstaat (Art. 8 Abs. 1, 2).

**Typische Hilfesituationen (Art. 9 RL 2015/637).** Festnahme oder Haft; Opfer einer Straftat; schwerer Unfall oder schwere Erkrankung; Todesfall; Unterstützung und Rückführung in Notfällen; Bedarf an einem Rückkehrausweis. Die Aufzählung ist **nicht abschließend** („unter anderem").

**Konsultationspflicht.** Nach **Art. 10 Abs. 2** konsultiert der um Hilfe ersuchte Mitgliedstaat **unverzüglich** das Außenministerium des Heimatstaats – **abgesehen von äußersten Notfällen bevor Hilfe geleistet wird**.

**Finanzen.** Der Bürger verpflichtet sich mit dem **Standardformular in Anhang I** zur Rückzahlung gegenüber **seinem Heimatstaat**, und zwar **nur** in Höhe dessen, was Staatsangehörige des helfenden Staates unter denselben Bedingungen zu tragen hätten (Art. 14 Abs. 1). Der helfende Staat kann über **Anhang II** beim Heimatstaat abrechnen; dieser erstattet **innerhalb höchstens 12 Monaten** (Art. 14 Abs. 2). In **Krisensituationen** gilt das vereinfachte Verfahren des Art. 15 – Erstattung auch **ohne unterzeichnete Rückzahlungsverpflichtung**, ggf. anteilig nach Kopfzahl der Unterstützten (Art. 15 Abs. 1, 2).

### Die deutsche Umsetzung: § 9a KonsG

**§ 9a Abs. 1 KonsG** erklärt die **§§ 5 bis 7 und 9** für **entsprechend anwendbar** auf **nicht im Drittland vertretene Unionsbürger** – **mit Ausnahme des § 6 Abs. 3** (Krisenvorsorgeliste) **und des § 9 Abs. 2 und 3** (Nachlassfürsorge und Abgabe an das Nachlassgericht). Ein nicht vertretener Unionsbürger wird also nicht in die deutsche Krisenvorsorgeliste aufgenommen, und die deutsche konsularische Nachlassfürsorge greift für ihn nicht.

**§ 9a Abs. 2 KonsG**: Abweichend von § 5 Abs. 5 und § 6 Abs. 2 kann die Bundesrepublik als **hilfeleistender Mitgliedstaat** den **Heimatmitgliedstaat** für die Auslagen in Anspruch nehmen – statt den Bürger selbst.

**§ 9a Abs. 3 KonsG**: Umgekehrt erstattet die Bundesrepublik einem Mitgliedstaat, der **einem Deutschen** Hilfe leistet, die Auslagen, sofern dieser Staat sie geltend macht. **Der deutsche Hilfeempfänger ist der Bundesrepublik zum Ersatz dieser Auslagen verpflichtet.** Die Hilfe eines anderen EU-Staates ist für Deutsche also ebenso wenig kostenlos wie die eigene.

## EU-Rückkehrausweis – Stand der Rechtslage

Art. 9 Buchst. f RL 2015/637 nennt den **Rückkehrausweis gemäß Beschluss 96/409/GASP**. Dieser Beschluss ist durch die **Richtlinie (EU) 2019/997 des Rates vom 18.06.2019 zur Festlegung eines EU-Rückkehrausweises** aufgehoben worden. Die Richtlinie ist **in Kraft** (konsolidierte Fassung vom 09.12.2025), ihre **Anwendung** ist jedoch **nicht kalendarisch datiert**: Nach **Art. 19 Abs. 1** erlassen die Mitgliedstaaten die Umsetzungsvorschriften innerhalb von **24 Monaten nach Annahme der zusätzlichen technischen Spezifikationen gemäß Art. 9** und **wenden sie ab 36 Monate** nach deren Annahme **an**. Ob und wann diese Spezifikationen angenommen wurden, ergibt sich aus dem Richtlinientext nicht.

Verfahrensseitig gilt nach **Art. 4 Abs. 1 RL 2019/997**: Geht ein Antrag ein, konsultiert der bearbeitende Mitgliedstaat **spätestens zwei Arbeitstage** nach Eingang den Heimatstaat zur Überprüfung von Staatsangehörigkeit und Identität (i. V. m. Art. 10 Abs. 2 RL 2015/637).

## Verhältnis zu Reiserecht und Versicherung

Konsularische Hilfe **ersetzt keine Ansprüche gegen Private** und ist ihnen nach § 5 Abs. 1 KonsG sogar **nachrangig**. Vorrangig zu prüfen sind insbesondere:

- **Beistandspflicht des Reiseveranstalters** bei Pauschalreisen ([§ 651q BGB](https://nexvyra.de/fakten/beistandspflicht-reiseveranstalter-651q-bgb.md)) – einschließlich Hilfe bei Kommunikation und Behördenkontakten.
- **Betreuungsleistungen der Fluggesellschaft** bei Annullierung und großer Verspätung ([VO (EG) 261/2004](https://nexvyra.de/fakten/betreuungsleistungen-flug-261-2004.md)).
- **Krankenversicherungsschutz im Ausland** ([Europäische Krankenversicherungskarte und Auslandsreise-Krankenversicherung](https://nexvyra.de/fakten/krankenversicherung-ausland-ekv.md)) – die EHIC wirkt nur in EU-/EWR-Staaten und der Schweiz, nicht in Drittländern.
- **Reiserücktritts- und Reiseabbruchversicherung** ([VVG](https://nexvyra.de/fakten/reiseruecktrittsversicherung-vvg.md)).
- **Insolvenzabsicherung** bei Pauschalreisen ([§ 651r BGB](https://nexvyra.de/fakten/reiseveranstalter-insolvenz-drsf-651r-bgb.md)) – für die Rückbeförderung bei Veranstalterinsolvenz.

## Häufige Fehler

- **„Das Konsulat holt mich kostenlos nach Hause."** Falsch. § 5 Abs. 4 KonsG erlaubt, die Rückreise zu **ermöglichen** – § 5 Abs. 5 Satz 1 verpflichtet den Empfänger zum **Ersatz der Auslagen**. Es handelt sich wirtschaftlich um ein Darlehen.
- **„Ich habe einen Rechtsanspruch auf konsularische Hilfe."** Nur eingeschränkt. § 1 KonsG stellt Rat und Beistand in das **pflichtgemäße Ermessen**; § 5 Abs. 1 ist eine **Soll-Vorschrift** mit dem Nachrangvorbehalt „wenn die Notlage auf andere Weise nicht behoben werden kann".
- **„Als Doppelstaatler bekomme ich überall Hilfe."** Nicht bei der Konstellation des § 5 Abs. 1 Satz 2 KonsG – gewöhnlicher Aufenthalt im anderen Staat, dessen Staatsangehörigkeit auch ein Elternteil besitzt oder besaß. Dann nur Hilfe **nach Billigkeit**.
- **„Das deutsche Konsulat kümmert sich automatisch, wenn ich im Ausland verhaftet werde."** § 7 KonsG setzt das **Verlangen** des Gefangenen voraus. Und „Rechtsschutz vermitteln" bedeutet Vermittlung, nicht Kostenübernahme.
- **„Als Unionsbürger bekomme ich im fremden EU-Konsulat mehr als dort die Einheimischen."** Nein. Art. 2 Abs. 1 RL 2015/637 gewährt Schutz **unter denselben Bedingungen** wie eigenen Staatsangehörigen – nicht darüber hinaus. Der Umfang bleibt nationales Recht des helfenden Staates.
- **„Die Hilfe eines anderen EU-Staates ist für mich als Deutscher gratis."** Falsch. § 9a Abs. 3 Satz 2 KonsG verpflichtet den deutschen Hilfeempfänger ausdrücklich zum Ersatz der Auslagen gegenüber der Bundesrepublik.
- **„Ich kann mir aussuchen, welches EU-Konsulat hilft."** Ersuchen darf man nach Art. 7 Abs. 1 RL 2015/637 bei jedem Mitgliedstaat. Bestehen praktische Vereinbarungen nach Art. 7 Abs. 2, wird das Ersuchen jedoch an das zuständige Konsulat **weitergeleitet** (Art. 7 Abs. 3) – außer bei Dringlichkeit.
- **„Die EHIC hilft mir weltweit."** Nein. Konsularische Hilfe in Drittländern ersetzt keinen Krankenversicherungsschutz, und die EHIC gilt außerhalb EU/EWR/Schweiz nicht.

## Offene Punkte (factcheck_status: review_needed)

1. **Inkrafttreten des § 9a KonsG.** Das Erste Gesetz zur Änderung des Konsulargesetzes wurde am **24.04.2018** verkündet (BGBl. I 2018 Nr. 14, S. 478–479; Quelle: EUR-Lex-NIM-Eintrag zu 32015L0637). Das exakte Inkrafttretensdatum wurde **nicht** gegen den BGBl.-Volltext verifiziert; `valid_from` ist auf die Umsetzungsfrist der Richtlinie (01.05.2018) gesetzt.
2. **Anwendbarkeit des EU-Rückkehrausweises.** Ob die Kommission die technischen Spezifikationen nach Art. 9 RL (EU) 2019/997 angenommen hat – und damit, ob die 24-/36-Monats-Fristen des Art. 19 Abs. 1 bereits laufen oder abgelaufen sind –, konnte nicht gegen eine amtliche Quelle geprüft werden.
3. **Änderungsvorschlag COM(2023) 930.** Der EUR-Lex-Eintrag zu 32015L0637 weist die Richtlinie als **„In force"** ohne ändernde Rechtsakte aus und führt COM(2023) 930 als *amendment proposed* – also als noch nicht erlassenen Vorschlag. Vor der nächsten Überprüfung sollte der Stand des Verfahrens 2011/0432/CNS bzw. des Nachfolgeverfahrens erneut abgefragt werden.
4. **`wikidata_subjects`** bewusst leer gelassen – es konnte keine QID gegen wikidata.org verifiziert werden (Domain im Lauf nicht freigegeben).

## Änderungsverlauf

- 2026-09-14: Seite neu angelegt. Primärquellen im Volltext gegengelesen: §§ 1, 2, 4, 5, 6, 7, 9, 9a KonsG (gesetze-im-internet.de) sowie Art. 1–21 der RL (EU) 2015/637 und Art. 4, 19 der RL (EU) 2019/997 (konsolidiert, eur-lex.europa.eu). Deutsche Umsetzungsmaßnahme über den EUR-Lex-NIM-Eintrag identifiziert (Erstes Gesetz zur Änderung des Konsulargesetzes, BGBl. I 2018 S. 478–479). factcheck_status=review_needed wegen der unter „Offene Punkte" genannten vier ungeklärten Fragen. | change_type=create reviewed_by="Nexvyra Reise-/Verbraucherrecht-Agent"

## Quellen

- Konsulargesetz (KonsG) – Gesamtausgabe:
  https://www.gesetze-im-internet.de/konsg/
- § 1 KonsG – Die konsularischen Aufgaben im allgemeinen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/konsg/__1.html
- § 4 KonsG – Schranken der konsularischen Tätigkeit:
  https://www.gesetze-im-internet.de/konsg/__4.html
- § 5 KonsG – Hilfeleistung an einzelne:
  https://www.gesetze-im-internet.de/konsg/__5.html
- § 6 KonsG – Hilfe in Katastrophenfällen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/konsg/__6.html
- § 7 KonsG – Hilfe für Gefangene:
  https://www.gesetze-im-internet.de/konsg/__7.html
- § 9 KonsG – Überführung Verstorbener und Nachlaßfürsorge:
  https://www.gesetze-im-internet.de/konsg/__9.html
- § 9a KonsG – Anwendung auf nicht vertretene Unionsbürger:
  https://www.gesetze-im-internet.de/konsg/__9a.html
- Richtlinie (EU) 2015/637 des Rates vom 20.04.2015 (konsularischer Schutz nicht vertretener Unionsbürger):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32015L0637
- EUR-Lex – Dokumentinformationen und nationale Umsetzungsmaßnahmen zu 32015L0637:
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/NIM/?uri=CELEX:32015L0637
- Richtlinie (EU) 2019/997 des Rates vom 18.06.2019 (EU-Rückkehrausweis), konsolidierte Fassung 09.12.2025:
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:02019L0997-20251209

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-09-14
- Letzte Prüfung: 2026-09-14
- In Kraft seit: 2018-05-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
