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title: Krankenakte-Einsichtsrecht (§ 630g BGB) – Anspruch, Frist, Kosten
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# Krankenakte-Einsichtsrecht (§ 630g BGB) – Anspruch, Frist, Kosten

## Kurzantwort

Patientinnen und Patienten haben einen **gesetzlichen Anspruch auf vollständige Einsicht in ihre Patientenakte** (§ 630g Abs. 1 Satz 1 BGB). Der Behandelnde muss die Einsicht **unverzüglich** gewähren, soweit nicht **erhebliche therapeutische Gründe** oder **erhebliche Rechte Dritter** entgegenstehen. Auf Verlangen sind **elektronische Abschriften** (§ 630g Abs. 2 Satz 1 BGB) auszuhändigen; die **Kosten** hat der Patient zu **erstatten**. Parallel zum BGB-Anspruch besteht ein **DSGVO-Auskunftsrecht nach Art. 15 DSGVO** mit eigener Logik (in der Regel kostenfrei für die erste Kopie, einmonatige Frist). Beide Ansprüche stehen **nebeneinander**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 630g BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Parallel-Anspruch | Art. 15 DSGVO – Auskunftsrecht der betroffenen Person |
| Anspruchsinhaber | Patient persönlich; Erben + nächste Angehörige bei Tod [§ 630g Abs. 3 BGB] |
| Umfang | Vollständige Patientenakte inkl. Befunde, Diagnosen, Therapie, Untersuchungsergebnisse |
| Form Einsicht | Vor Ort oder elektronische Abschrift auf Verlangen [§ 630g Abs. 2 Satz 1 BGB] |
| Frist | „unverzüglich" — Rechtsprechung üblicherweise 1-2 Wochen |
| Frist Art. 15 DSGVO | Ein Monat, verlängerbar um 2 Monate [Art. 12 Abs. 3 DSGVO] |
| Kostenerstattung BGB | Patient erstattet entstandene Kosten [§ 630g Abs. 2 Satz 2 BGB] |
| Kostenerstattung DSGVO | Erste Kopie kostenfrei, weitere mit angemessenen Kosten [Art. 15 Abs. 3 DSGVO] |
| Verweigerungsgründe | Erhebliche therapeutische Gründe oder erhebliche Rechte Dritter [§ 630g Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Begründungspflicht bei Verweigerung | Ja, schriftlich [§ 630g Abs. 1 Satz 2 BGB] |
| Anspruch bei Tod des Patienten | Erben zur Geltendmachung vermögensrechtlicher Interessen + nahe Angehörige zu immateriellen Interessen [§ 630g Abs. 3 BGB] |
| Dauer Aufbewahrungspflicht der Akte | 10 Jahre nach Abschluss der Behandlung [§ 630f Abs. 3 BGB] |
| Längere Aufbewahrung in Sondergesetzen | Z. B. Röntgenaufnahmen 10 Jahre (§ 28 Abs. 3 RöV), Strahlentherapie 30 Jahre |

## Geltungsbereich

§ 630g BGB gilt im Verhältnis Patient zu Behandelnden im Sinne des § 630a BGB — also Ärzte, Zahnärzte, Heilpraktiker, Hebammen, Krankenhäuser, Praxisinhaber. Der Anspruch ist Teil des Behandlungsvertrags und kann formlos schriftlich, per E-Mail oder mündlich geltend gemacht werden. Bei Tod des Patienten geht der Anspruch nach § 630g Abs. 3 BGB auf die **Erben** (zur Wahrnehmung vermögensrechtlicher Interessen, z. B. zur Geltendmachung von Schadensersatzansprüchen wegen Behandlungsfehlers) und auf die **nächsten Angehörigen** (zur Wahrnehmung immaterieller Interessen) über. Beide Berechtigte können nur insoweit Einsicht verlangen, wie ein **anderslautender ausdrücklicher oder mutmaßlicher Wille des Verstorbenen** nicht entgegensteht.

## BGB vs. DSGVO – die zwei parallelen Ansprüche

Das Auskunftsrecht aus **Art. 15 DSGVO** und das Einsichtsrecht aus **§ 630g BGB** bestehen **nebeneinander**. Der Patient kann wählen, welchen er geltend macht — beide haben Vor- und Nachteile.

**§ 630g BGB** ist auf den medizinischen Behandlungskontext zugeschnitten: Es geht um die **vollständige Patientenakte** mit allem, was § 630f BGB als Dokumentationspflicht vorsieht. Der Patient muss aber die **Kosten** erstatten (Kopierkosten, ggf. Bearbeitung).

**Art. 15 DSGVO** ist breiter: er erfasst alle personenbezogenen Daten, die der Verantwortliche über den Betroffenen verarbeitet — also auch Abrechnungs-, Termin- und Kommunikationsdaten, soweit verarbeitet. Die **erste Kopie ist kostenfrei** (Art. 15 Abs. 3 Satz 1 DSGVO); weitere Kopien dürfen mit angemessenen Kosten berechnet werden. Die Frist ist ein Monat, verlängerbar.

In der Praxis ist Art. 15 DSGVO meist der **patientenfreundlichere Weg**, da die erste Kopie kostenfrei ist. Bei Krankenhäusern und Großpraxen ist es üblich, beide Ansprüche im selben Schreiben geltend zu machen.

## Häufige Fehler

- **„Der Arzt darf Einsicht verweigern, wenn er Behandlungsfehler-Vorwurf befürchtet."** Falsch — ein Befangenheits- oder Eigeninteresse-Argument ist **kein** „erheblicher therapeutischer Grund" im Sinne des § 630g Abs. 1 Satz 1 BGB. Behandlungsfehler-Vorwürfe sind ausdrücklich Motiv vieler Einsichtsanträge; sie rechtfertigen keine Verweigerung.
- **„Kosten gehen vorher zu Lasten des Arztes."** Differenziert — bei § 630g BGB trägt der Patient die Kosten. Bei Art. 15 DSGVO trägt der Verantwortliche die Kosten der ersten Kopie.
- **„Erben dürfen alle Akten einsehen."** Falsch — der Anspruch der Erben ist auf **vermögensrechtliche** Interessen beschränkt; nahe Angehörige nur auf **immaterielle** Interessen. Beide stehen unter dem Vorbehalt des entgegenstehenden Willens des Verstorbenen.
- **„Eigene Notizen des Arztes (Bleistift-Notizen) zählen nicht zur Akte."** Falsch — auch persönliche subjektive Eindrücke sind Teil der Dokumentation, soweit sie für die Behandlung dokumentiert wurden. Sie dürfen nach § 630g Abs. 1 Satz 1 BGB nur ausnahmsweise zurückgehalten werden.
- **„Verweigerung muss nicht begründet werden."** Falsch — § 630g Abs. 1 Satz 2 BGB verlangt eine schriftliche Begründung.

## Quellen

- § 630g BGB – Einsichtnahme in die Patientenakte: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__630g.html
- § 630f BGB – Dokumentation der Behandlung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__630f.html
- Art. 15 DSGVO – Auskunftsrecht der betroffenen Person: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32016R0679#d1e1888-1-1
- Art. 12 Abs. 3 DSGVO – Modalitäten: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32016R0679#d1e1888-1-1
- BMJ – Patientenrechte in Deutschland: https://www.bmj.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Broschueren/Ratgeber_Patientenrechte.html

## Änderungsverlauf

- 2026-06-18: BMJ-Ratgeber-URL (404) durch aktuellen Pfad "Broschueren/Ratgeber_Patientenrechte" ersetzt. | change_type=source_update field="sources" old="https://www.bmj.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Patientenrechte.html" new="https://www.bmj.de/SharedDocs/Publikationen/DE/Broschueren/Ratgeber_Patientenrechte.html" reviewed_by="Nexvyra Faktencheck-Bot"
- 2026-06-17: Erstveröffentlichung. Inhalt gegen § 630g BGB, § 630f BGB, Art. 15 DSGVO verifiziert. Parallel-Verhältnis BGB/DSGVO dokumentiert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-06-17
- Gültig ab: 2013-02-26 (Patientenrechtegesetz)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, DSGVO, BMJ)
- Lizenz: CC BY 4.0
