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title: Krypto-Wertetransfer-Verordnung — Travel Rule für Kryptowerte (Verordnung (EU) 2023/1113)
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# Krypto-Wertetransfer-Verordnung — Travel Rule für Kryptowerte (Verordnung (EU) 2023/1113)

## Kurzantwort

Die **Verordnung (EU) 2023/1113** (neu gefasste Geldtransferverordnung, engl. *Transfer of Funds Regulation* — TFR) überträgt die international als **„Travel Rule“** bekannte FATF-Empfehlung Nr. 16 auf Kryptowerte: Kryptowerte-Dienstleister (CASP) müssen bei jedem Transfer **Angaben zum Auftraggeber und zum Begünstigten erheben, speichern und an den nächsten Dienstleister übermitteln** und diese den Behörden auf Anfrage zugänglich machen. Sie **gilt unmittelbar in allen Mitgliedstaaten seit dem 30. Dezember 2024** — zeitgleich mit dem CASP-Regime der MiCA-Verordnung. Anders als bei klassischen Geldtransfers gibt es für Kryptowerte-Transfers **keine Bagatell-/Mindestbetragsgrenze**: Die vollständigen Datensätze sind **unabhängig vom Betrag** — also auch schon bei wenigen Euro — mitzusenden. Die frühere deutsche **Kryptowertetransferverordnung (KryptoWTransferV)** ist mit Geltung der EU-Verordnung am 30.12.2024 **außer Kraft getreten**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsakt | Verordnung (EU) 2023/1113 vom 31.05.2023 [eur-lex CELEX 32023R1113] |
| Kurzname | Geldtransferverordnung-Neufassung / Transfer of Funds Regulation (TFR) |
| In Kraft getreten | 29.06.2023 [Art. 40 VO 2023/1113] |
| Anwendbar (Geltung) | **30.12.2024** [Art. 40 VO 2023/1113] |
| Rechtsnatur | EU-Verordnung, unmittelbar anwendbar (keine Umsetzung nötig) |
| Internationaler Ursprung | FATF-Empfehlung Nr. 16 („Travel Rule“) |
| Mindestbetragsgrenze Kryptowerte | **keine** — jede Transaktion, auch < 1.000 EUR [Art. 14 VO 2023/1113] |
| Schwelle 1.000 EUR | nur für Zusatzprüfung bei **selbst gehosteten Adressen** (Art. 14 Abs. 5, Art. 16 Abs. 2) |
| Auftraggeberdaten (Pflicht) | Name, DLT-Adresse/Kontonummer + Anschrift/Ausweisnr./Kundennr. oder Geburtsdatum+-ort [Art. 14] |
| Begünstigtendaten (Pflicht) | Name, DLT-Adresse/Kontonummer [Art. 14] |
| Zuständige Aufsicht (DE) | BaFin (i. V. m. GwG) |
| Konkretisierung | EBA-Leitlinien „Travel Rule“ EBA/GL/2024/11 (Anwendung ab 30.12.2024) |
| Vorgängerregel (DE) | KryptoWTransferV (BGBl. 2023 I Nr. 135) — außer Kraft seit 30.12.2024 |

## Rechtsgrundlage

**Verordnung (EU) 2023/1113 des Europäischen Parlaments und des Rates vom 31. Mai 2023 über die Übermittlung von Angaben bei Geldtransfers und Transfers bestimmter Kryptowerte** ist die Neufassung der bisherigen Geldtransferverordnung (EU) 2015/847 und ändert zugleich die 4. Geldwäscherichtlinie (EU) 2015/849. Sie erweitert die schon für Bargeld- und Buchgeldtransfers geltende **Travel Rule** auf Kryptowerte und setzt damit die **FATF-Empfehlung Nr. 16** in unmittelbar geltendes EU-Recht um.

Kern der Verordnung für den Kryptobereich:

- **Art. 3 VO 2023/1113 — Begriffsbestimmungen:** definiert u. a. „Kryptowert“, „Kryptowerte-Dienstleister“ (CASP, Verweis auf MiCA), „Transfer von Kryptowerten“, „Auftraggeber“, „Begünstigter“ und „selbst gehostete Adresse“ (self-hosted wallet).
- **Art. 14 VO 2023/1113 — Bei Kryptowertetransfers zu übermittelnde Angaben:** Der CASP des Auftraggebers muss die vorgeschriebenen Auftraggeber- und Begünstigtendaten sicherstellen, ihre Richtigkeit **prüfen** und sie dem CASP/Intermediär des Begünstigten übermitteln — **vor oder gleichzeitig mit dem Transfer** und **betragsunabhängig**.
- **Art. 15 VO 2023/1113 — Sammeltransfers (Batch):** Regeln für gebündelte Transfers.
- **Art. 16 VO 2023/1113 — Pflichten des CASP des Begünstigten:** Erkennung fehlender/unvollständiger Angaben; bei selbst gehosteten Adressen und Beträgen über 1.000 EUR zusätzliche Prüfmaßnahmen.
- **Art. 17 VO 2023/1113 — Umgang mit fehlenden Angaben:** risikobasierte Verfahren, ggf. Zurückweisung, Rückgabe oder Aussetzung des Transfers und Meldung.
- **Art. 21–23 VO 2023/1113 — Zwischengeschaltete CASP (ICASP):** Weiterleitung der Angaben.
- **Art. 26–38 VO 2023/1113 — Datenschutz, Aufbewahrung, Aufsicht und Sanktionen:** Aufbewahrungsfrist, DSGVO-Konformität, Zuständigkeit der nationalen Aufsichtsbehörden.

In Deutschland ist die **BaFin** die für die Geldwäscheaufsicht über Kryptoinstitute zuständige Behörde; die verfahrens- und sanktionsrechtliche Anbindung erfolgt über das **Geldwäschegesetz (GwG)**. Die **EBA** hat die Verordnung durch die verbindlich anzuwendenden **„Travel Rule“-Leitlinien (EBA/GL/2024/11)** konkretisiert.

## Anwendungsbereich / Wer ist betroffen

Ob die Travel-Rule-Pflichten greifen, ist in folgenden Schritten zu prüfen:

1. **Liegt ein „Transfer von Kryptowerten“ vor?** Erfasst ist jede über einen Dienstleister abgewickelte Bewegung von Kryptowerten von einer Adresse/einem Konto zu einer anderen — unabhängig davon, ob Auftraggeber und Begünstigter dieselbe Person sind.
2. **Ist ein Kryptowerte-Dienstleister (CASP) beteiligt?** Die Pflichten treffen CASP im Sinne der MiCA (z. B. zugelassene Kryptobörsen, Verwahrer, Transferdienste) sowie zwischengeschaltete CASP. Rein zwischen zwei selbst gehosteten Wallets ohne Dienstleister ablaufende Transfers sind nicht unmittelbar erfasst.
3. **Besteht ein EU-Bezug?** Die Verordnung gilt, sobald mindestens ein an dem Transfer beteiligter Dienstleister in der EU niedergelassen ist.
4. **Greift eine Betragsgrenze?** Für Kryptowerte **nein** — die vollständigen Angaben sind **ab dem ersten Euro** zu übermitteln. Die 1.000-EUR-Schwelle betrifft nur die **zusätzliche** Prüfpflicht bei Transfers von oder zu **selbst gehosteten Adressen** (Art. 14 Abs. 5, Art. 16 Abs. 2).
5. **Zuständige Aufsicht in Deutschland:** die **BaFin** (Geldwäscheaufsicht über Kryptoinstitute, i. V. m. dem GwG).

## Pflichten und Rechtsfolgen

**Zu übermittelnde Angaben (Art. 14):** Der CASP des Auftraggebers muss folgende Daten sicherstellen und weitergeben:

- **Auftraggeber:** Name; die **DLT-Adresse** (bzw. Kontonummer des Kryptowertekontos); zusätzlich **entweder** Anschrift und amtliche Dokumentennummer, **oder** Kundenidentifikationsnummer, **oder** Geburtsdatum und Geburtsort. Bei juristischen Personen ist, soweit vorhanden, die **LEI** (Rechtsträgerkennung) anzugeben.
- **Begünstigter:** Name; die **DLT-Adresse** bzw. Kontonummer.

Die Angaben zum **Auftraggeber sind vor dem Transfer auf ihre Richtigkeit zu prüfen** (Verifikation anhand zuverlässiger, unabhängiger Quellen). Der CASP des Begünstigten muss über wirksame Verfahren verfügen, um **fehlende oder unvollständige Angaben zu erkennen** und risikobasiert zu reagieren (Nachforderung, Aussetzung, Zurückweisung oder Rückgabe des Transfers; ggf. Verdachtsmeldung nach GwG).

**Selbst gehostete Adressen (Unhosted Wallets):** Übersteigt ein Transfer **von oder zu einer selbst gehosteten Adresse 1.000 EUR**, muss der CASP mit geeigneten Maßnahmen prüfen, ob die Adresse von seinem Kunden **gehalten oder kontrolliert** wird (Art. 14 Abs. 5, Art. 16 Abs. 2). Unterhalb von 1.000 EUR bleibt die Basis-Datenpflicht bestehen, die Ownership-Prüfung entfällt.

**Aufbewahrung und Datenschutz:** Die Angaben sind nach den Vorgaben der Verordnung (i. V. m. GwG) **aufzubewahren**; die Verarbeitung muss DSGVO-konform erfolgen und darf nur den Zwecken der Geldwäsche- und Terrorismusfinanzierungsprävention dienen.

**Rechtsfolgen bei Verstoß:** Verstöße gegen die Travel-Rule-Pflichten sind **bußgeldbewehrte Ordnungswidrigkeiten**; die BaFin kann aufsichtsrechtliche Maßnahmen ergreifen. Sanktionen richten sich nach dem GwG und den nationalen Ausführungsbestimmungen; schwere oder wiederholte Verstöße können bis zum Entzug der MiCA-Erlaubnis führen. Zusätzlich gelten die allgemeinen geldwäscherechtlichen Sorgfalts-, Melde- und Organisationspflichten des GwG.

## Fristen und Übergangsregelungen

- **Inkrafttreten der Verordnung:** 29.06.2023 (zwanzigster Tag nach Veröffentlichung im Amtsblatt).
- **Geltung/Anwendung:** **30.12.2024** (Art. 40 VO 2023/1113) — bewusst synchronisiert mit dem Start des MiCA-CASP-Regimes.
- **EBA-„Travel Rule“-Leitlinien (EBA/GL/2024/11):** veröffentlicht am 04.07.2024, **Anwendung ab 30.12.2024**, Compliance-Frist der zuständigen Behörden 27.11.2024.
- **Deutsche KryptoWTransferV:** Die nationale Kryptowertetransferverordnung (zuletzt Fassung vom 22.05.2023, BGBl. 2023 I Nr. 135) war von Beginn an als **Übergangslösung** bis zur EU-Regelung gedacht und ist mit Geltung der Verordnung (EU) 2023/1113 **am 30.12.2024 außer Kraft getreten**. Seither gilt unmittelbar die EU-Verordnung; ein eigenständiges nationales Regelwerk existiert insoweit nicht mehr.

## Praxisbeispiel

Ein in Deutschland nach MiCA zugelassener CASP (z. B. eine Kryptobörse) führt für einen Kunden einen Transfer von **200 EUR in Bitcoin** an das Kundenkonto bei einer anderen europäischen Börse aus. Obwohl der Betrag gering ist, muss der CASP **den vollständigen Datensatz** übermitteln: Name des Auftraggebers, dessen DLT-Adresse und zusätzlich z. B. Geburtsdatum und Geburtsort, dazu Name und DLT-Adresse des Begünstigten — eine Bagatellgrenze wie bei klassischen Überweisungen (dort ab 1.000 EUR) gibt es hier **nicht**. Weist der Kunde stattdessen an, **1.500 EUR in Ether an seine eigene selbst gehostete Wallet** zu senden, muss der CASP zusätzlich **prüfen und dokumentieren, dass diese Adresse tatsächlich vom Kunden kontrolliert wird** (Art. 14 Abs. 5). Fehlen bei einem eingehenden Transfer die vorgeschriebenen Auftraggeberangaben, muss der empfangende CASP nach seinen Verfahren nachfordern, den Transfer ggf. aussetzen oder zurückgeben und den Vorgang bei begründetem Verdacht der FIU melden.

## Verwandte Normen

- **Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA)** — definiert Kryptowerte und CASP, deren Zulassung und laufende Aufsicht.
- **Richtlinie (EU) 2015/849 (4. Geldwäscherichtlinie)** — durch die TFR geändert; allgemeiner AML-Rahmen.
- **Geldwäschegesetz (GwG)** — deutsche Sorgfalts-, Melde- und Sanktionsregeln, Anbindung der Aufsicht.
- **EBA-Leitlinien EBA/GL/2024/11 („Travel Rule“)** — Konkretisierung der Verfahren bei fehlenden Angaben.
- **Richtlinie (EU) 2023/2226 (DAC8)** — steuerliche Meldepflichten für Kryptowerte (ab 2026), thematisch benachbart.
- **§ 1 Abs. 11 KWG** — Kryptowerte-Definition im deutschen Aufsichtsrecht.





## Quellen

- Verordnung (EU) 2023/1113 (Volltext, Amtsblatt, deutsche Fassung):
  https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/1113/oj/deu
- Verordnung (EU) 2023/1113 (PDF, deutsche Fassung):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32023R1113
- EUR-Lex — Zusammenfassung „Übermittlung von Angaben bei Geldtransfers und Transfers bestimmter Kryptowerte“:
  https://eur-lex.europa.eu/DE/legal-content/summary/information-accompanying-transfers-of-funds-and-certain-crypto-assets.html
- EBA — Leitlinien zur Travel Rule (EBA/GL/2024/11), Anwendung ab 30.12.2024:
  https://www.eba.europa.eu/sites/default/files/2024-07/6de6e9b9-0ed9-49cd-985d-c0834b5b4356/Travel%20Rule%20Guidelines.pdf
- BaFin — Auslegungsentscheidung/Hinweise zur Geldtransferverordnung (Geldwäscheaufsicht):
  https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Auslegungsentscheidung/A/ae_181220_hinweise_geldtvo_gw.html
- Geldwäschegesetz (GwG), gesetze-im-internet.de:
  https://www.gesetze-im-internet.de/gwg_2017/

## Stand

- **Stand:** 19.07.2026
- **Gültig ab:** 30.12.2024 (Art. 40 VO (EU) 2023/1113)
- **Rechtsstatus:** in Kraft (in_force)
- **Quellenautorität:** A (eur-lex.europa.eu, eba.europa.eu, bafin.de, gesetze-im-internet.de)
- **Lizenz:** CC-BY-4.0

## Änderungsverlauf

- 2026-07-19: Erstveröffentlichung. Travel Rule für Kryptowerte nach Verordnung (EU) 2023/1113 (Neufassung der Geldtransferverordnung) gegen den eur-lex-Volltext und die EUR-Lex-Zusammenfassung geprüft. Kernpunkte: unmittelbare Geltung ab 30.12.2024 (Art. 40), Auftraggeber-/Begünstigtendaten (Art. 14), Pflichten des Begünstigten-CASP (Art. 16), Umgang mit fehlenden Angaben (Art. 17). Aktualität WICHTIG: (1) Anders als bei klassischen Geldtransfers besteht für Kryptowerte **keine** Bagatellgrenze — der Queue-Hinweis „ab 1 EUR“ wurde präzisiert; die 1.000-EUR-Schwelle betrifft ausschließlich die Ownership-Prüfung bei selbst gehosteten Adressen (Art. 14 Abs. 5, Art. 16 Abs. 2). (2) Die deutsche KryptoWTransferV (BGBl. 2023 I Nr. 135) ist am 30.12.2024 außer Kraft getreten und wird nicht mehr auf gesetze-im-internet.de gehostet. Konkretisierung durch EBA-Leitlinien EBA/GL/2024/11. Q-IDs: Q13479982 (Kryptowährung), Q314211 (BaFin, verifiziert), Q769548 (European Banking Authority, verifiziert 19.07.2026 — ACHTUNG: die AGENT_GUIDE-Angabe Q1379625 für EBA ist ohne Label und FALSCH, Q769548 verwenden). | change_type=new_topic reviewed_by="Andreas Warkentin"
