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title: Fristlose Kündigung wegen Zahlungsverzug (§ 543 BGB) – Voraussetzungen und Schonfristzahlung
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# Fristlose Kündigung wegen Zahlungsverzug (§ 543 BGB) – Voraussetzungen und Schonfristzahlung

## Kurzantwort

Der Vermieter kann das Mietverhältnis nach **§ 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BGB** fristlos kündigen, wenn der Mieter mit der Miete in Verzug ist – entweder **für zwei aufeinanderfolgende Termine** mit der Miete oder einem **nicht unerheblichen Teil** davon (Buchstabe a), oder über einen längeren Zeitraum mit einem Betrag, der **zwei Monatsmieten** erreicht (Buchstabe b). Eine vorherige Abmahnung ist beim Zahlungsverzug **nicht erforderlich** (§ 543 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 BGB). Zahlt der Mieter den Rückstand innerhalb der **Schonfrist** – spätestens zwei Monate nach Zustellung der Räumungsklage – vollständig, wird die fristlose Kündigung **rückwirkend unwirksam** (§ 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB). Nach ständiger BGH-Rechtsprechung heilt die Schonfristzahlung jedoch **nur die fristlose**, nicht eine zugleich hilfsweise ausgesprochene **ordentliche** Kündigung (BGH, Urteile vom 13.10.2021 – VIII ZR 91/20 und vom 05.10.2022 – VIII ZR 307/21).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 543 BGB (außerordentliche fristlose Kündigung aus wichtigem Grund), ergänzt durch § 569 BGB [gesetze-im-internet.de, § 543 BGB] |
| Kündigungsgrund Variante a (§ 543 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 a) | Verzug mit Miete oder **nicht unerheblichem Teil** für **zwei aufeinanderfolgende Termine** [§ 543 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 a BGB] |
| Kündigungsgrund Variante b (§ 543 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 b) | Verzug über mehr als zwei Termine mit einem Betrag in Höhe von **zwei Monatsmieten** [§ 543 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 b BGB] |
| Bagatellgrenze bei Variante a (Wohnraum) | Rückstand nur „nicht unerheblich", wenn er **eine Monatsmiete übersteigt** [§ 569 Abs. 3 Nr. 1 BGB] |
| Abmahnung erforderlich? | **Nein** beim Zahlungsverzug [§ 543 Abs. 3 S. 2 Nr. 3 BGB] |
| Form der Kündigung | **Schriftform**, mit Angabe des Kündigungsgrundes [§ 568 Abs. 1, § 569 Abs. 4 BGB] |
| Schonfristzahlung (Heilung) | Vollständige Zahlung bis **2 Monate nach Rechtshängigkeit der Räumungsklage** macht die fristlose Kündigung **rückwirkend unwirksam** [§ 569 Abs. 3 Nr. 2 S. 1 BGB] |
| Ausschluss der Heilung | gilt **nicht**, wenn binnen der vorangegangenen **2 Jahre** bereits eine Kündigung so geheilt wurde [§ 569 Abs. 3 Nr. 2 S. 2 BGB] |
| Wirkung auf hilfsweise ordentliche Kündigung | Schonfristzahlung heilt **nur die fristlose**, nicht die ordentliche Kündigung [BGH VIII ZR 91/20; VIII ZR 307/21] |

## Geltungsbereich

§ 543 BGB gilt für alle Mietverhältnisse; die ergänzenden Schutzvorschriften des **§ 569 BGB** (Bagatellgrenze, Schonfristzahlung, Schriftform) greifen bei der **Wohnraummiete**. Die fristlose Kündigung beendet das Mietverhältnis mit **Zugang** der Kündigungserklärung – ohne Einhaltung einer Frist. Voraussetzung ist ein **wichtiger Grund**; der gesetzlich geregelte Zahlungsverzug nach § 543 Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BGB ist der häufigste Anwendungsfall. Neben der fristlosen Kündigung kann der Vermieter wegen desselben Rückstands zusätzlich (oder hilfsweise) eine **ordentliche Kündigung** nach § 573 Abs. 2 Nr. 1 BGB (schuldhafte, nicht unerhebliche Vertragsverletzung) aussprechen.

## So wird die Schwelle berechnet

Bei **Variante a** (zwei aufeinanderfolgende Termine) ist der Rückstand bei der Wohnraummiete erst dann „nicht unerheblich", wenn er **mehr als eine Monatsmiete** beträgt (§ 569 Abs. 3 Nr. 1 BGB).

- Monatsmiete 800 €. Mieter zahlt zwei Monate in Folge gar nichts → Rückstand 1.600 € > eine Monatsmiete → **Kündigung möglich**.
- Mieter zahlt in zwei Monaten je 500 € statt 800 € → Rückstand 600 € < eine Monatsmiete → Schwelle der Variante a **nicht erreicht**.

Bei **Variante b** (Zeitraum über mehr als zwei Termine) genügt ein aufgelaufener Rückstand in Höhe von **zwei Monatsmieten**, auch wenn er sich aus vielen kleinen Teilbeträgen zusammensetzt.

## Schonfristzahlung (§ 569 Abs. 3 Nr. 2 BGB)

Zahlt der Mieter den gesamten Rückstand (fällige Miete plus Nutzungsentschädigung nach § 546a Abs. 1 BGB) spätestens **bis zum Ablauf von zwei Monaten nach Eintritt der Rechtshängigkeit** des Räumungsanspruchs, oder verpflichtet sich eine öffentliche Stelle (z. B. das Jobcenter) zur Zahlung, wird die **fristlose** Kündigung rückwirkend unwirksam. Diese „zweite Chance" entfällt, wenn ihr binnen der letzten **zwei Jahre** bereits eine auf demselben Weg geheilte Kündigung vorausgegangen ist (§ 569 Abs. 3 Nr. 2 Satz 2 BGB).

## Häufige Fehler / Missverständnisse

- **„Die Schonfristzahlung rettet das Mietverhältnis vollständig."** Falsch. Der BGH hat in ständiger Rechtsprechung (Urteile vom 19.09.2018 – VIII ZR 231/17 und VIII ZR 261/17; vom 13.10.2021 – VIII ZR 91/20; vom 05.10.2022 – VIII ZR 307/21) entschieden, dass die Schonfristzahlung **nur die fristlose** Kündigung heilt. Eine zugleich hilfsweise erklärte **ordentliche** Kündigung bleibt wirksam, sodass das Mietverhältnis nach Ablauf der ordentlichen Frist dennoch endet.
- **„Vor der Kündigung muss erst abgemahnt werden."** Beim Zahlungsverzug nicht: § 543 Abs. 3 Satz 2 Nr. 3 BGB stellt klar, dass weder Fristsetzung noch Abmahnung erforderlich sind.
- **„Schon ein kleiner Rückstand reicht."** Bei Variante a muss der Rückstand bei Wohnraum **eine Monatsmiete übersteigen** (§ 569 Abs. 3 Nr. 1 BGB); ein geringerer Rückstand trägt diese Variante nicht.




## Quellen

- gesetze-im-internet.de – § 543 BGB (Außerordentliche fristlose Kündigung aus wichtigem Grund, Volltext): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__543.html
- gesetze-im-internet.de – § 569 BGB (Außerordentliche fristlose Kündigung aus wichtigem Grund, ergänzende Vorschriften / Schonfristzahlung): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__569.html
- gesetze-im-internet.de – § 573 BGB (ordentliche Kündigung des Vermieters): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__573.html
- BGH, Urteile vom 19.09.2018 – VIII ZR 231/17 und VIII ZR 261/17 (Schonfristzahlung heilt nicht die hilfsweise ordentliche Kündigung)
- BGH, Urteil vom 13.10.2021 – VIII ZR 91/20 sowie Urteil vom 05.10.2022 – VIII ZR 307/21 (Bestätigung der Rechtsprechung)

## Änderungsverlauf

- 2026-06-09: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
## Stand

- Stand: 2026-06-09
- Gültig ab: 2001-09-01 (Fassung durch das Mietrechtsreformgesetz)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (gesetze-im-internet.de, BGH)
- Lizenz: CC BY 4.0
