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title: Kündigungsschutzgesetz (KSchG) – Anwendungsbereich, Wartezeit und Schwellenwert
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topic: arbeitsrecht
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last_reviewed: 2026-05-28
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# Kündigungsschutzgesetz (KSchG) – Anwendungsbereich, Wartezeit und Schwellenwert

## Kurzantwort

Das Kündigungsschutzgesetz (KSchG) greift erst, wenn **zwei Voraussetzungen gleichzeitig** erfüllt sind: Das Arbeitsverhältnis hat **länger als sechs Monate** ohne Unterbrechung im selben Betrieb oder Unternehmen bestanden (Wartezeit nach § 1 Absatz 1 KSchG), **und** der Betrieb beschäftigt **in der Regel mehr als zehn Arbeitnehmer** ohne Auszubildende (Schwellenwert nach § 23 Absatz 1 Satz 3 KSchG, geltend für Arbeitsverhältnisse, die nach dem 31. Dezember 2003 begonnen haben). Sind beide Voraussetzungen erfüllt, ist eine Kündigung nur wirksam, wenn sie durch **personenbedingte, verhaltensbedingte oder dringende betriebliche Gründe** sozial gerechtfertigt ist (§ 1 Absatz 2 KSchG). Teilzeitkräfte werden bei der Mitarbeiterzahl anteilig gezählt (bis 20 Wochenstunden mit 0,5, bis 30 Wochenstunden mit 0,75). Gegen die Kündigung muss die Klage **innerhalb von drei Wochen** nach Zugang beim Arbeitsgericht erhoben werden, sonst gilt sie nach § 7 KSchG als von Anfang an wirksam (§ 4 KSchG).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Kündigungsschutzgesetz (KSchG), insbesondere §§ 1, 4, 7, 23 |
| Wartezeit (§ 1 Absatz 1 KSchG) | Arbeitsverhältnis besteht im selben Betrieb oder Unternehmen länger als 6 Monate ohne Unterbrechung |
| Schwellenwert „neue" Arbeitsverhältnisse (Beginn ab 1.1.2004, § 23 Absatz 1 Satz 3 KSchG) | in der Regel **mehr als 10 Arbeitnehmer** im Betrieb (ohne Auszubildende) |
| Schwellenwert „Alt-Arbeitsverhältnisse" (Bestand am 31.12.2003, § 23 Absatz 1 Satz 2 KSchG) | in der Regel **mehr als 5 Arbeitnehmer** im Betrieb (ohne Auszubildende) |
| Teilzeit-Umrechnung (§ 23 Absatz 1 Satz 4 KSchG) | ≤ 20 Wochenstunden = 0,5; > 20 bis ≤ 30 Wochenstunden = 0,75; > 30 Wochenstunden = 1,0 |
| Auszubildende | werden bei der Berechnung der Beschäftigtenzahl **nicht mitgezählt** |
| Kündigungsgründe (§ 1 Absatz 2 KSchG) | personenbedingt, verhaltensbedingt oder dringende betriebliche Erfordernisse |
| Soziale Auswahl bei betriebsbedingter Kündigung (§ 1 Absatz 3 KSchG) | Dauer der Betriebszugehörigkeit, Lebensalter, Unterhaltspflichten, Schwerbehinderung |
| Beweislast für Kündigungsgründe (§ 1 Absatz 2 Satz 4 KSchG) | Arbeitgeber |
| Klagefrist beim Arbeitsgericht (§ 4 KSchG) | 3 Wochen ab Zugang der schriftlichen Kündigung |
| Fiktion bei Fristversäumung (§ 7 KSchG) | Kündigung gilt von Anfang an als wirksam |
| Schriftformerfordernis (§ 623 BGB i. V. m. § 4 KSchG) | Kündigung muss schriftlich erfolgen; mündliche oder per E-Mail erklärte Kündigungen sind unwirksam |

## Wartezeit – die 6-Monats-Hürde (§ 1 Absatz 1 KSchG)

Der allgemeine Kündigungsschutz nach dem Ersten Abschnitt des KSchG gilt erst, wenn das Arbeitsverhältnis **„in demselben Betrieb oder Unternehmen ohne Unterbrechung länger als sechs Monate bestanden hat"** (§ 1 Absatz 1 KSchG). Wichtige Punkte:

- Maßgeblich ist die rechtliche Dauer des Arbeitsverhältnisses, nicht die tatsächliche Arbeitsleistung. Krankheits-, Urlaubs- und Mutterschutzzeiten zählen mit.
- Eine **vereinbarte Probezeit** (§ 622 Absatz 3 BGB) ändert die Wartezeit nicht. Sie verkürzt nur die Kündigungsfrist auf zwei Wochen, beeinflusst aber den Zeitpunkt, ab dem das KSchG greift, nicht.
- Vor Ablauf der sechs Monate kann der Arbeitgeber das Arbeitsverhältnis grundsätzlich **ohne Angabe eines Grundes** kündigen — vorbehaltlich besonderer Kündigungsverbote (Mutterschutz, Elternzeit, Schwerbehinderung, AGG-Diskriminierungsschutz, Maßregelungsverbot § 612a BGB).
- Die **Darlegungs- und Beweislast** für die mindestens sechsmonatige Beschäftigungsdauer trägt der Arbeitnehmer.

## Schwellenwert – Kleinbetriebsklausel (§ 23 KSchG)

§ 23 KSchG nimmt sogenannte **Kleinbetriebe** vom allgemeinen Kündigungsschutz aus. Welche Grenze gilt, hängt vom Beginn des Arbeitsverhältnisses ab:

**Arbeitsverhältnisse, die nach dem 31.12.2003 begonnen haben (Regelfall heute):**

- Das KSchG findet **keine** Anwendung, wenn im Betrieb in der Regel **zehn oder weniger Arbeitnehmer** beschäftigt werden (§ 23 Absatz 1 Satz 3 KSchG). Praktisch bedeutet das: der allgemeine Kündigungsschutz greift erst ab dem **elften** mitzuzählenden Arbeitnehmer.

**„Alt-Arbeitnehmer" mit Arbeitsverhältnis-Beginn bis 31.12.2003:**

- Für sie gilt die ursprüngliche Schwelle aus § 23 Absatz 1 Satz 2 KSchG: das KSchG findet **keine** Anwendung, wenn im Betrieb in der Regel **fünf oder weniger Arbeitnehmer** beschäftigt sind. Diese Arbeitnehmer behalten ihren Bestandsschutz, solange sie im selben Betrieb weiterbeschäftigt sind und die Zahl der „Alt-Arbeitnehmer" zum Kündigungszeitpunkt mehr als fünf beträgt.

**Mitzählen nach § 23 Absatz 1 Satz 4 KSchG:**

- Vollzeitkräfte (mehr als 30 Wochenstunden): **1,0**
- Teilzeit über 20 bis einschließlich 30 Wochenstunden: **0,75**
- Teilzeit bis 20 Wochenstunden: **0,5**
- **Auszubildende werden nicht mitgezählt.**
- Maßgeblich ist die **„in der Regel"** beschäftigte Zahl, also der typische Personalbestand des Betriebs — kurzfristige Schwankungen bleiben unberücksichtigt.

Auch im Kleinbetrieb ohne KSchG-Schutz gilt allerdings die zivilrechtliche Mindestkontrolle: Kündigungen dürfen nicht willkürlich, sittenwidrig (§ 138 BGB), treuwidrig (§ 242 BGB) oder diskriminierend (AGG) sein.

## Soziale Rechtfertigung – die drei Kündigungsgründe (§ 1 Absatz 2 KSchG)

Ist das KSchG anwendbar, ist eine ordentliche Kündigung nur wirksam, wenn sie **sozial gerechtfertigt** ist. § 1 Absatz 2 KSchG kennt drei Kategorien:

- **Personenbedingte Kündigung** — Gründe, die in der Person des Arbeitnehmers liegen, typischerweise dauerhafte krankheitsbedingte Leistungsunfähigkeit, Verlust einer notwendigen Erlaubnis (z. B. Führerschein bei Berufskraftfahrern) oder Haft.
- **Verhaltensbedingte Kündigung** — schuldhaft pflichtwidriges Verhalten (z. B. Arbeitsverweigerung, wiederholte Verspätungen, Beleidigung von Kollegen), das in der Regel zuvor **abgemahnt** werden muss.
- **Betriebsbedingte Kündigung** — dringende betriebliche Erfordernisse, die einer Weiterbeschäftigung entgegenstehen (z. B. Auftragseinbruch, Betriebsstilllegung, Outsourcing einer Abteilung). Hier ist zusätzlich eine **Sozialauswahl** nach § 1 Absatz 3 KSchG vorzunehmen unter den Kriterien Betriebszugehörigkeit, Lebensalter, Unterhaltspflichten und Schwerbehinderung.

Die **Beweislast** für die Tatsachen, die die Kündigung tragen, trägt nach § 1 Absatz 2 Satz 4 KSchG der **Arbeitgeber**.

## Drei-Wochen-Klagefrist (§ 4 KSchG)

Will der Arbeitnehmer eine Kündigung angreifen, muss er **innerhalb von drei Wochen** nach Zugang der **schriftlichen Kündigung** Kündigungsschutzklage beim zuständigen **Arbeitsgericht** erheben (§ 4 Satz 1 KSchG). Die Frist gilt für **alle** Unwirksamkeitsgründe (Sozialwidrigkeit, Formmangel, fehlende Betriebsratsanhörung, Verstoß gegen Sonderkündigungsschutz, AGG-Verstoß usw.) — eine Differenzierung zwischen verschiedenen Unwirksamkeitsgründen wurde mit dem Gesetz zu Reformen am Arbeitsmarkt 2004 abgeschafft.

Versäumt der Arbeitnehmer die Drei-Wochen-Frist, gilt die Kündigung nach **§ 7 KSchG von Anfang an als wirksam** — selbst wenn sie eindeutig sozialwidrig oder formunwirksam wäre. Nur in seltenen Ausnahmefällen ist eine **nachträgliche Klagezulassung** nach § 5 KSchG möglich, etwa wenn der Arbeitnehmer trotz aller zumutbaren Sorgfalt verhindert war.

Eine bedarf der Kündigung der **behördlichen Zustimmung** (z. B. Mutterschutz, Schwerbehinderte, Elternzeit), beginnt die Drei-Wochen-Frist erst mit Zugang der behördlichen Entscheidung beim Arbeitnehmer (§ 4 Satz 4 KSchG).

## Sonderkündigungsschutz außerhalb des KSchG

Unabhängig vom KSchG bestehen weitere Kündigungsverbote, die unmittelbar greifen — auch im Kleinbetrieb und vor Ablauf der sechs Monate:

- Schwangere und Mütter bis 4 Monate nach der Entbindung (§ 17 MuSchG)
- Eltern in Elternzeit (§ 18 BEEG)
- Schwerbehinderte Menschen (§§ 168 ff. SGB IX) – Zustimmung des Integrationsamts erforderlich
- Pflegezeit und Familienpflegezeit (§ 5 PflegeZG, § 2 Absatz 3 FPfZG)
- Betriebsratsmitglieder und Wahlbewerber (§ 15 KSchG, § 103 BetrVG)
- Maßregelungsverbot § 612a BGB und Diskriminierungsschutz nach AGG

## Geltungsbereich

<!-- AGENT_TODO:Geltungsbereich – Auf welche Personen, Gebäude oder Sachverhalte sich diese Regel bezieht. -->
_Wird beim nächsten Themen-Review durch den zuständigen Agenten ergänzt._

## Ausnahmen

<!-- AGENT_TODO:Ausnahmen – Fälle, in denen die Regel nicht greift oder eine Schutzklausel gilt. -->
_Wird beim nächsten Themen-Review durch den zuständigen Agenten ergänzt._

## Häufige Fehler

<!-- AGENT_TODO:Häufige Fehler – Typische Fehlannahmen oder Stolperfallen, die in der Praxis auftauchen. -->
_Wird beim nächsten Themen-Review durch den zuständigen Agenten ergänzt._

## Beispiel

<!-- AGENT_TODO:Beispiel – Konkretes Fallbeispiel, das zeigt, wie die Regel in einer typischen Situation angewendet wird. -->
_Wird beim nächsten Themen-Review durch den zuständigen Agenten ergänzt._

## Quellen

- gesetze-im-internet.de – Kündigungsschutzgesetz (KSchG), Gesamtgesetz: https://www.gesetze-im-internet.de/kschg/
- gesetze-im-internet.de – § 1 KSchG (Sozial ungerechtfertigte Kündigungen, 6-Monats-Wartezeit, Soziale Auswahl): https://www.gesetze-im-internet.de/kschg/__1.html
- gesetze-im-internet.de – § 4 KSchG (Anrufung des Arbeitsgerichts, 3-Wochen-Frist): https://www.gesetze-im-internet.de/kschg/__4.html
- gesetze-im-internet.de – § 23 KSchG (Geltungsbereich, Schwellenwert > 10 / > 5 Arbeitnehmer, Teilzeit-Umrechnung): https://www.gesetze-im-internet.de/kschg/__23.html
- BMAS – Kündigungsschutz (Themenseite Bundesministerium für Arbeit und Soziales): https://www.bmas.de/DE/Arbeit/Arbeitsrecht/Arbeitnehmerrechte/Kuendigungsschutz/kuendigungsschutz.html
- BMAS – Kündigungsschutzgesetz (Gesetzes-Übersichtsseite): https://www.bmas.de/DE/Service/Gesetze-und-Gesetzesvorhaben/kuendigungsschutzgesetz.html
- BMAS – Broschüre „Kündigungsschutz – Alles was Sie wissen sollten" (A163, PDF): https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/a163-kuendigungsschutz.pdf

## Änderungsverlauf

- 2026-05-28: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects).

## Stand

- Stand: 2026-05-28
- Gültig ab: 2004-01-01 (Schwellenwert > 10 Arbeitnehmer seit Gesetz zu Reformen am Arbeitsmarkt)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (gesetze-im-internet.de, BMAS)
- Lizenz: CC BY 4.0
