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title: Lebensversicherung im Erbfall (§ 159 VVG, § 331 BGB) – Bezugsrecht, Nachlass, Pflichtteilsergänzung, Erbschaftsteuer
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# Lebensversicherung im Erbfall (§ 159 VVG, § 331 BGB) – Bezugsrecht, Nachlass, Pflichtteilsergänzung, Erbschaftsteuer

## Kurzantwort

Ob eine Lebensversicherung **in den Nachlass fällt**, entscheidet allein die **Bezugsberechtigung**. Ist ein **Dritter namentlich als bezugsberechtigt** benannt, erwirbt er den Anspruch auf die Todesfallleistung **unmittelbar aus dem Versicherungsvertrag** – nach **§ 331 Abs. 1 BGB** „mit dem Tode des Versprechensempfängers". Die Leistung geht damit **am Nachlass vorbei**: Sie steht weder den Erben zu, noch haftet sie für Nachlassverbindlichkeiten, und sie erhöht den Pflichtteil nicht.

**§ 159 VVG** unterscheidet zwei Fälle: Ein **widerruflich** Bezugsberechtigter erwirbt das Recht auf die Leistung **erst mit dem Eintritt des Versicherungsfalles** (§ 159 Abs. 2 VVG) – zu Lebzeiten hat er nur eine Erwerbsaussicht. Ein **unwiderruflich** Bezugsberechtigter erwirbt es dagegen **bereits mit der Bezeichnung** (§ 159 Abs. 3 VVG). Ist **kein Dritter** oder sind pauschal „die Erben" benannt, fällt die Leistung in den Nachlass bzw. steht nach **§ 160 Abs. 2 VVG** denjenigen zu, die zur Zeit des Todes als Erben berufen sind – wobei eine **Ausschlagung der Erbschaft auf diese Berechtigung keinen Einfluss hat** (§ 160 Abs. 2 Satz 2 VVG).

Zwei Folgefragen sind streng zu trennen. **Pflichtteilsrechtlich** ist die Zuwendung eine Schenkung, die eine **Pflichtteilsergänzung nach § 2325 BGB** auslösen kann. Maßgeblich ist dabei nach der Leitentscheidung **BGH, 28.04.2010 – IV ZR 73/08** (BGHZ 185, 252) **weder die Versicherungssumme noch die Summe der gezahlten Prämien**, sondern der **Rückkaufswert** bzw. ein objektiv belegter höherer Veräußerungswert. **Steuerlich** ist die Todesfallleistung beim Bezugsberechtigten ein **Erwerb von Todes wegen nach § 3 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG** – auch dann, wenn sie zivilrechtlich nicht zum Nachlass gehört. Diese Seite gibt einen rechtlichen Überblick und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage Bezugsrecht | § 159 VVG [gesetze-im-internet.de] |
| Rechtsgrundlage Direkterwerb | § 331 Abs. 1 BGB – Erwerb „mit dem Tode des Versprechensempfängers" |
| Widerrufliches Bezugsrecht | Erwerb des Rechts **erst mit Eintritt des Versicherungsfalles** [§ 159 Abs. 2 VVG] |
| Unwiderrufliches Bezugsrecht | Erwerb **bereits mit der Bezeichnung** als Bezugsberechtigter [§ 159 Abs. 3 VVG] |
| Fällt die Leistung in den Nachlass? | **Nein**, wenn ein Dritter bezugsberechtigt ist – Direkterwerb am Nachlass vorbei |
| Kein Bezugsberechtigter benannt | Leistung fällt **in den Nachlass** und haftet für Nachlassverbindlichkeiten |
| Bezugsrecht „an die Erben" | Berechtigt sind die zur Zeit des Todes **als Erben Berufenen** nach Erbteilsverhältnis [§ 160 Abs. 2 Satz 1 VVG] |
| Wirkung der Erbausschlagung | **Kein Einfluss** auf die Bezugsberechtigung [§ 160 Abs. 2 Satz 2 VVG] |
| Mehrere Bezugsberechtigte ohne Quoten | **Zu gleichen Teilen**; nicht erworbene Anteile wachsen den übrigen zu [§ 160 Abs. 1 VVG] |
| Fiskus als Erbe | Kein Bezugsrecht im Sinn des § 160 Abs. 2 Satz 1 VVG [§ 160 Abs. 4 VVG] |
| Bezugsrecht nicht erworben | Recht steht dem **Versicherungsnehmer** zu [§ 160 Abs. 3 VVG] |
| Pflichtteilsergänzung | § 2325 BGB – Zuwendung des Bezugsrechts ist Schenkung |
| Bemessungsgrundlage § 2325 BGB | **Rückkaufswert**, ggf. objektiv belegter höherer Veräußerungswert [BGH IV ZR 73/08] |
| Nicht maßgeblich | **Weder** Versicherungssumme **noch** Summe der gezahlten Prämien [BGH IV ZR 73/08] |
| Wertobergrenze | Die Versicherungsleistung selbst [BGH IV ZR 73/08] |
| Rückkaufswert – Definition | Nach anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik berechnetes Deckungskapital [§ 169 Abs. 3 Satz 1 VVG] |
| Widerrufliches Bezugsrecht und 10-Jahres-Frist | Vollzug **erst im Erbfall** – die Abschmelzung nach § 2325 Abs. 3 BGB läuft praktisch leer |
| Zuwendung an den Ehegatten | Frist des § 2325 Abs. 3 BGB beginnt **nicht vor Auflösung der Ehe** [§ 2325 Abs. 3 Satz 3 BGB] |
| Erbschaftsteuer | **Erwerb von Todes wegen** [§ 3 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG] |
| Prämien teilweise vom Begünstigten gezahlt | Aufteilung nach Beitragsverhältnis; nur der Erblasser-Anteil ist steuerbar [R E 3.7 Abs. 2 ErbStR] |
| Beweislast Beitragszahlung | Trägt der **Bezugsberechtigte** [R E 3.7 Abs. 2 Satz 3 ErbStR] |
| Anzeigepflicht des Versicherers | Anzeige an das Finanzamt **vor Auszahlung** an einen anderen als den Versicherungsnehmer [§ 33 Abs. 3 ErbStG] |
| Bagatellgrenze Anzeige | Anzeige darf bei Kapitalversicherungen unterbleiben bis **5.000 €** [§ 3 Abs. 3 Satz 2 ErbStDV] |
| Anzeigepflicht des Erwerbers | **Drei Monate** nach Kenntnis vom Anfall [§ 30 Abs. 1 ErbStG] |
| Pfändungsschutz | Umwandlungsanspruch des Versicherungsnehmers [§ 167 VVG i. V. m. § 851c ZPO] |

## Geltungsbereich

Die Seite betrifft **private Lebens- und Rentenversicherungen nach deutschem Recht** mit einer Leistung für den Todesfall, einschließlich Risikolebensversicherungen und Sterbegeldversicherungen. Die §§ 159, 160 VVG gelten über **§ 176 VVG** entsprechend für die **Berufsunfähigkeitsversicherung** und über **§ 185 VVG** für die **Unfallversicherung**. Für **Direktversicherungen** der betrieblichen Altersversorgung gelten Besonderheiten (arbeitsrechtliche Bindung des Bezugsrechts, sozialversicherungsrechtliche Beitragspflicht), die hier nicht dargestellt werden.

Maßgeblich ist das VVG in der Fassung der **VVG-Reform zum 01.01.2008**; § 159 VVG entspricht dem früheren § 166 VVG a. F., § 160 VVG dem früheren § 167 VVG a. F.

## Fällt die Lebensversicherung in den Nachlass?

Die Antwort hängt **ausschließlich** von der Bezugsberechtigung ab, nicht vom Testament.

**Ein Dritter ist namentlich bezugsberechtigt.** Die Todesfallleistung fällt **nicht** in den Nachlass. Der Begünstigte erwirbt den Anspruch unmittelbar gegen den Versicherer (§ 331 Abs. 1 BGB, § 159 VVG). Praktische Folgen: Die Leistung haftet **nicht** für Nachlassverbindlichkeiten, sie steht Nachlassgläubigern **nicht** zur Verfügung, sie wird bei der Berechnung des ordentlichen Pflichtteils (§ 2303 BGB) **nicht** mitgezählt, und der Begünstigte benötigt **keinen Erbschein** – die Vorlage von Versicherungsschein und Sterbeurkunde genügt. Ein Testament, das „mein gesamtes Vermögen" einer anderen Person zuwendet, ändert an der Bezugsberechtigung **nichts**.

**Kein Bezugsberechtigter benannt.** Der Anspruch gehört zum Nachlass und geht nach § 1922 BGB auf die Erben über. Er haftet dann für Nachlassverbindlichkeiten und zählt beim Pflichtteil voll mit.

**„Die Erben" sind bezugsberechtigt.** Nach **§ 160 Abs. 2 Satz 1 VVG** sind im Zweifel diejenigen bezugsberechtigt, die **zur Zeit des Todes als Erben berufen** sind, und zwar nach dem Verhältnis ihrer Erbteile. Praktisch bedeutsam ist **Satz 2**: „Eine Ausschlagung der Erbschaft hat auf die Berechtigung keinen Einfluss." Wer die überschuldete Erbschaft ausschlägt, **behält also die Versicherungsleistung** – das ist eine der wichtigsten und am häufigsten übersehenen Gestaltungsmöglichkeiten bei einem überschuldeten Nachlass. Ist der **Fiskus** als Erbe berufen, steht ihm ein solches Bezugsrecht nach **§ 160 Abs. 4 VVG** nicht zu.

**Mehrere Begünstigte ohne Quotenangabe.** Sie sind nach § 160 Abs. 1 Satz 1 VVG **zu gleichen Teilen** bezugsberechtigt; ein nicht erworbener Anteil **wächst den übrigen zu** (Satz 2). Wird das Recht vom Dritten überhaupt nicht erworben, steht es nach § 160 Abs. 3 VVG dem Versicherungsnehmer – und damit dessen Nachlass – zu.

## Widerrufliches und unwiderrufliches Bezugsrecht

**§ 159 Abs. 1 VVG** gibt dem Versicherungsnehmer im Zweifel das Recht, ohne Zustimmung des Versicherers einen Dritten als Bezugsberechtigten zu bezeichnen und **an dessen Stelle einen anderen zu setzen**. Im Regelfall ist das Bezugsrecht deshalb **widerruflich**.

**Widerruflich (§ 159 Abs. 2 VVG).** Der Dritte erwirbt das Recht auf die Leistung **erst mit dem Eintritt des Versicherungsfalles**. Zu Lebzeiten hat er nach der Formulierung des BGH „keinen Anspruch, nicht einmal eine Anwartschaft, sondern lediglich eine Erwerbshoffnung". Der Versicherungsnehmer bleibt vollständig frei: Er kann das Bezugsrecht jederzeit ändern, die Versicherung kündigen (§ 168 VVG) oder beleihen. Der Rückkaufswert gehört zu seinem pfändbaren Vermögen.

**Unwiderruflich (§ 159 Abs. 3 VVG).** Der Dritte erwirbt das Recht **bereits mit der Bezeichnung**. Die Position ist damit sofort gesichert und dem Zugriff der Gläubiger des Versicherungsnehmers entzogen; eine spätere Änderung ist nur noch mit Zustimmung des Begünstigten möglich. Die Unwiderruflichkeit muss allerdings **eindeutig erklärt** sein – im Zweifel gilt nach § 159 Abs. 1 VVG die Widerruflichkeit.

Nach dem Erbfall können die **Erben die Bezugsberechtigung nicht mehr ändern**: Beim widerruflichen Bezugsrecht ist der Erwerb mit dem Tod bereits eingetreten, beim unwiderruflichen ohnehin schon vorher.

## Das Valutaverhältnis – der praktisch wichtigste Streitpunkt

Zu unterscheiden sind zwei Ebenen. Das **Deckungsverhältnis** (Erblasser – Versicherer) begründet den Auszahlungsanspruch des Begünstigten. Ob er die Leistung im Verhältnis zu den Erben auch **behalten darf**, richtet sich dagegen allein nach dem **Valutaverhältnis** (Erblasser – Begünstigter), also nach dem Rechtsgrund der Zuwendung – im Regelfall einer Schenkung. Das hat der BGH grundlegend in **BGH, 26.11.2003 – IV ZR 438/02** (BGHZ 157, 79) für den Vertrag zugunsten Dritter auf den Todesfall entschieden: Deckungs- und Valutaverhältnis unterliegen allein dem Schuldrecht, erbrechtliche Vorschriften wie §§ 2078 ff., 2301 BGB finden keine Anwendung.

Daraus folgt eine **Angriffsmöglichkeit der Erben**, die in der Praxis oft übersehen wird. Nach **BGH, 21.05.2008 – IV ZR 238/06** (NJW 2008, 2702) enthält die Bezugsrechtserklärung gegenüber dem Versicherer regelmäßig den **konkludenten Auftrag**, dem Dritten nach dem Versicherungsfall das **Schenkungsangebot** des Versicherungsnehmers zu überbringen. Der Versicherer wird insoweit als **Bote** tätig. Diesen Botenauftrag können die Erben **widerrufen**, solange das Angebot dem Begünstigten noch nicht übermittelt worden ist. Gelingt das rechtzeitig, fehlt der Zuwendung der Rechtsgrund, und der Begünstigte muss die Leistung nach Bereicherungsrecht herausgeben.

Der BGH hat dabei klargestellt, dass ein Schenkungsangebot dem Dritten **nicht** schon dadurch übermittelt wird, dass der Versicherer nach dessen Anfrage Unterlagen zur Sachverhaltsprüfung anfordert – etwa Versicherungsschein und Sterbeurkunde. Für Erben bedeutet das: Der Widerruf muss **unverzüglich** und **gegenüber dem Versicherer** erklärt werden; erforderlich ist der Widerruf des Botenauftrags, nicht ein – nach dem Erbfall unmöglicher – Widerruf der Bezugsberechtigung selbst.

## Pflichtteilsergänzung nach § 2325 BGB

Die Zuwendung des Bezugsrechts ist eine Schenkung und kann den **Pflichtteilsergänzungsanspruch** nach § 2325 BGB auslösen. Die zentrale Frage war jahrzehntelang, **mit welchem Wert** sie dem Nachlass hinzuzurechnen ist. Der BGH hat sie mit Urteil vom **28.04.2010 – IV ZR 73/08** (BGHZ 185, 252) unter ausdrücklicher **Aufgabe seiner früheren Rechtsprechung** (BGHZ 7, 134) entschieden. Die amtlichen Leitsätze lauten:

> **1.** Wendet der Erblasser die Todesfallleistung aus einem Lebensversicherungsvertrag einem Dritten über ein widerrufliches Bezugsrecht schenkweise zu, so berechnet sich ein Pflichtteilsergänzungsanspruch gemäß § 2325 Abs. 1 BGB weder nach der Versicherungsleistung noch nach der Summe der vom Erblasser gezahlten Prämien.
>
> **2.** Die Pflichtteilsergänzung richtet sich vielmehr allein nach dem Wert, den der Erblasser aus den Rechten seiner Lebensversicherung in der letzten – juristischen – Sekunde seines Lebens nach objektiven Kriterien für sein Vermögen hätte umsetzen können. In aller Regel ist dabei auf den Rückkaufswert abzustellen. Je nach Lage des Einzelfalls kann gegebenenfalls auch ein – objektiv belegter – höherer Veräußerungswert heranzuziehen sein.

Praktisch wichtige Präzisierungen aus den Entscheidungsgründen: Die **Versicherungsleistung bildet die Wertobergrenze**. Der höhere Veräußerungswert – etwa am Zweitmarkt für Lebensversicherungen – ist nach **abstrakten und generellen Maßstäben** zu bestimmen; die schwindende persönliche Lebenserwartung des Erblassers und das nachträgliche Wissen vom Todeszeitpunkt dürfen **nicht** einfließen. Die **Darlegungs- und Beweislast** für einen über dem Rückkaufswert liegenden Wert trägt der **Pflichtteilsberechtigte**. Inhaltsgleich entschied der Senat am selben Tag in der Parallelsache **IV ZR 230/08**.

Der **Rückkaufswert** ist nach **§ 169 Abs. 3 Satz 1 VVG** das „nach anerkannten Regeln der Versicherungsmathematik mit den Rechnungsgrundlagen der Prämienkalkulation zum Schluss der laufenden Versicherungsperiode berechnete Deckungskapital der Versicherung". Bei fondsgebundenen Versicherungen tritt nach § 169 Abs. 4 VVG der Zeitwert an seine Stelle.

**Die Zehnjahresfrist läuft beim widerruflichen Bezugsrecht leer.** § 2325 Abs. 3 BGB lässt eine Schenkung pro Jahr um ein Zehntel weniger berücksichtigen und nach zehn Jahren „seit der Leistung des verschenkten Gegenstandes" ganz unberücksichtigt. Da der Erwerb des widerruflich Bezugsberechtigten nach § 159 Abs. 2 VVG **erst im Erbfall vollendet** ist, ist auch die Schenkung erst dann vollzogen – die Abschmelzung kann nie zu laufen beginnen. Die Zuwendung ist deshalb **stets in voller Höhe** ergänzungspflichtig, gleichgültig wie lange das Bezugsrecht bestand. Bei Zuwendungen an den **Ehegatten** beginnt die Frist nach § 2325 Abs. 3 Satz 3 BGB ohnehin nicht vor Auflösung der Ehe.

## Erbschaftsteuer

Zivilrechtliche Nachlasszugehörigkeit und Steuerbarkeit fallen **auseinander**. Auch wenn die Todesfallleistung am Nachlass vorbeigeht, ist sie beim Bezugsberechtigten steuerbar. **§ 3 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG** erfasst als Erwerb von Todes wegen

> jeder Vermögensvorteil, der auf Grund eines vom Erblasser geschlossenen Vertrages bei dessen Tode von einem Dritten unmittelbar erworben wird.

Die Erbschaftsteuer-Richtlinien konkretisieren das in **R E 3.7 Abs. 2 ErbStR**: Leistungen aus einer Lebensversicherung unterliegen der Besteuerung nach § 3 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG, wenn im Valutaverhältnis zwischen Versicherungsnehmer und Begünstigtem eine **freigebige Zuwendung** vorliegt. Hat der Bezugsberechtigte die **Prämien ganz oder teilweise selbst gezahlt**, ist die Versicherungsleistung nach dem Verhältnis der vom Erblasser gezahlten Beiträge zu den insgesamt gezahlten Beiträgen **aufzuteilen**; nur dieser Teil unterliegt der Erbschaftsteuer. Die **Beweislast** für die selbst gezahlten Beiträge trägt der Bezugsberechtigte.

Es gelten die allgemeinen **Freibeträge 2026** – Ehegatten und eingetragene Lebenspartner 500.000 €, Kinder 400.000 €, Enkel 200.000 € (§ 16 ErbStG). Weil die Versicherungsleistung mit allen übrigen Erwerben desselben Erbfalls zusammengerechnet wird, kann gerade sie den Freibetrag überschreiten lassen. Besonders belastend wirkt das bei **nichtehelichen Lebensgefährten**: Sie fallen in Steuerklasse III mit einem Freibetrag von nur 20.000 €.

**Anzeigepflichten bestehen doppelt.** Nach **§ 33 Abs. 3 ErbStG** haben Versicherungsunternehmen, „bevor sie Versicherungssummen oder Leibrenten einem anderen als dem Versicherungsnehmer auszahlen oder zur Verfügung stellen, hiervon dem Finanzamt schriftlich Anzeige zu erstatten"; Zuwiderhandlungen sind nach § 33 Abs. 4 ErbStG bußgeldbewehrt. **§ 3 ErbStDV** konkretisiert dies (Vordruck Muster 2) und sieht in Abs. 3 Satz 2 eine **Bagatellgrenze von 5.000 €** bei Kapitalversicherungen vor; auch ein **Wechsel des Versicherungsnehmers vor dem Versicherungsfall** ist anzuzeigen. Daneben bleibt die eigene Anzeigepflicht des Erwerbers nach **§ 30 Abs. 1 ErbStG** binnen **drei Monaten** bestehen – die Befreiung des § 30 Abs. 3 ErbStG greift hier nicht, weil der Erwerb gerade **nicht** auf einer Verfügung von Todes wegen beruht.

## Schutz vor Gläubigern

Ein **unwiderrufliches** Bezugsrecht entzieht die Leistung dem Zugriff der Gläubiger des Versicherungsnehmers, weil der Begünstigte bereits mit der Bezeichnung erwirbt (§ 159 Abs. 3 VVG). Beim **widerruflichen** Bezugsrecht gehört der Rückkaufswert dagegen bis zum Erbfall zum pfändbaren Vermögen des Versicherungsnehmers.

Unabhängig davon kann der Versicherungsnehmer nach **§ 167 VVG** jederzeit für den Schluss der laufenden Versicherungsperiode die **Umwandlung** der Versicherung in eine Versicherung verlangen, die den Anforderungen des **§ 851c Abs. 1 ZPO** entspricht; die Kosten trägt er selbst. Die umgewandelte Versicherung genießt dann Pfändungsschutz wie Arbeitseinkommen, sofern sie lebenslang und nicht vor Vollendung des 60. Lebensjahres leistet, nicht abtretbar ist, Dritte außer Hinterbliebenen nicht als Berechtigte bestimmt werden können und keine Kapitalleistung außer für den Todesfall vereinbart ist. In der **Ansparphase** sind nach § 851c Abs. 2 ZPO gestaffelte Jahresbeträge bis zu einem Gesamtbetrag von 340.000 € unpfändbar.

## Häufige Fehler

- **„Die Lebensversicherung gehört zum Nachlass."** Falsch, sobald ein Dritter bezugsberechtigt ist – dann erwirbt er unmittelbar nach § 331 BGB, § 159 VVG am Nachlass vorbei.
- **„Mein Testament überschreibt das Bezugsrecht."** Falsch. Die Bezugsberechtigung ist eine Erklärung gegenüber dem **Versicherer** und wird durch ein Testament nicht geändert. Wer die Begünstigung ändern will, muss dies dem Versicherer mitteilen.
- **„Wer die Erbschaft ausschlägt, verliert auch die Versicherung."** Falsch. § 160 Abs. 2 Satz 2 VVG stellt ausdrücklich klar, dass die Ausschlagung auf die Bezugsberechtigung keinen Einfluss hat.
- **„Für den Pflichtteil zählt die Versicherungssumme."** Falsch. Nach BGH IV ZR 73/08 ist der **Rückkaufswert** maßgeblich – weder die ausgezahlte Summe noch die Prämiensumme.
- **„Nach zehn Jahren ist die Bezugsrechtseinräumung pflichtteilsfest."** Falsch beim **widerruflichen** Bezugsrecht: Die Schenkung ist erst im Erbfall vollzogen, die Frist des § 2325 Abs. 3 BGB beginnt nie zu laufen.
- **„Was nicht im Nachlass ist, ist steuerfrei."** Falsch. § 3 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG erfasst den Direkterwerb ausdrücklich; zusätzlich meldet der Versicherer die Auszahlung nach § 33 Abs. 3 ErbStG von sich aus dem Finanzamt.
- **„Der Begünstigte braucht einen Erbschein."** Falsch bei namentlicher Bezugsberechtigung – Versicherungsschein und Sterbeurkunde genügen. Ein Erbschein wird nur nötig, wenn die Leistung in den Nachlass fällt.
- **„Die Erben können nichts mehr tun."** Differenziert. Sie können die Bezugsberechtigung zwar nicht widerrufen, wohl aber nach BGH IV ZR 238/06 den **Botenauftrag zur Übermittlung des Schenkungsangebots** – solange dieses den Begünstigten noch nicht erreicht hat.

## Offene Punkte

Diese Seite ist mit `factcheck_status: review_needed` gekennzeichnet, weil zwei Teilfragen nicht vollständig durch Primärquellen abgesichert werden konnten. Die oben dargestellten Normtexte, Leitsätze und Richtlinienzitate sind demgegenüber verbatim geprüft.

**1. Unwiderrufliches Bezugsrecht und Zehnjahresfrist.** Für das **widerrufliche** Bezugsrecht ist durch BGH IV ZR 73/08 geklärt, dass der Vollzug erst im Erbfall eintritt. Für das **unwiderrufliche** Bezugsrecht fehlt bislang eine höchstrichterliche Entscheidung. Die herrschende Literaturmeinung nimmt an, dass die Frist des § 2325 Abs. 3 BGB mit der Einräumung zu laufen beginnt und dann der Wert im Zuwendungszeitpunkt maßgeblich ist, während nach Fristablauf nur noch die innerhalb der Frist geleisteten Prämien zu berücksichtigen sind; eine Gegenansicht differenziert nach ursprünglicher und nachträglicher Einsetzung. Die Darstellung ist insoweit als **streitig** zu behandeln.

**2. Sogenannte Über-Kreuz-Versicherung.** Ist der überlebende Ehegatte **selbst Versicherungsnehmer** einer Versicherung auf das Leben des Erblassers, spricht der Wortlaut des § 3 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG – „auf Grund eines vom Erblasser geschlossenen Vertrages" – dafür, dass die Leistung **nicht** nach dieser Vorschrift steuerbar ist, weil sie aus einem **eigenen** Vertrag des Überlebenden stammt. Diese in der Beratungspraxis verbreitete Gestaltung konnte jedoch **nicht** durch eine einschlägige BFH-Entscheidung belegt werden; R E 3.7 ErbStR regelt die Konstellation nicht ausdrücklich. Zu beachten sind zudem zwei Risiken: Zahlt faktisch der Erblasser die Prämien, drohen eine Aufteilung nach R E 3.7 Abs. 2 Satz 2 ErbStR oder die Erfassung der Prämienzahlungen als freigebige Zuwendungen nach § 7 ErbStG; ferner ist streitig, ob die Gestaltung den Versorgungsfreibetrag nach § 17 ErbStG mindert. Vor einer solchen Gestaltung ist **steuerliche Beratung** einzuholen.

## Quellen

- § 159 VVG – Bezugsberechtigung: https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/__159.html
- § 160 VVG – Auslegung der Bezugsberechtigung: https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/__160.html
- § 167 VVG – Umwandlung zur Erlangung eines Pfändungsschutzes: https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/__167.html
- § 168 VVG – Kündigung des Versicherungsnehmers: https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/__168.html
- § 169 VVG – Rückkaufswert: https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/__169.html
- § 331 BGB – Leistung nach Todesfall: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__331.html
- § 328 BGB – Vertrag zugunsten Dritter: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__328.html
- § 1922 BGB – Gesamtrechtsnachfolge: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1922.html
- § 2325 BGB – Pflichtteilsergänzungsanspruch bei Schenkungen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2325.html
- § 851c ZPO – Pfändungsschutz bei Altersrenten: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__851c.html
- § 3 ErbStG – Erwerb von Todes wegen (Abs. 1 Nr. 4): https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__3.html
- § 16 ErbStG – Freibeträge: https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__16.html
- § 30 ErbStG – Anzeige des Erwerbs: https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__30.html
- § 33 ErbStG – Anzeigepflicht der Versicherungsunternehmen: https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__33.html
- § 3 ErbStDV – Anzeigen der Versicherungsunternehmen: https://www.gesetze-im-internet.de/erbstdv_1998/__3.html
- R E 3.7 ErbStR – Verträge zugunsten Dritter, Lebensversicherungen (Amtliches Erbschaftsteuer-Handbuch): https://esth.bundesfinanzministerium.de/erbsth/2020/A-ErbStG-ErbStDV-BewG/ErbStG/I-Steuerpflicht/Paragraf-3/r-3-7.html
- BGH, 28.04.2010 – IV ZR 73/08 (BGHZ 185, 252) – Pflichtteilsergänzung nach dem Rückkaufswert, Aufgabe von BGHZ 7, 134: https://dejure.org/2010,49
- BGH, 28.04.2010 – IV ZR 230/08 (VersR 2010, 1067) – Parallelentscheidung: https://dejure.org/2010,672
- BGH, 21.05.2008 – IV ZR 238/06 (NJW 2008, 2702) – Widerruf des Botenauftrags zur Übermittlung des Schenkungsangebots: https://dejure.org/2008,186
- BGH, 26.11.2003 – IV ZR 438/02 (BGHZ 157, 79) – Valutaverhältnis beim Vertrag zugunsten Dritter auf den Todesfall: https://dejure.org/2003,808

## Änderungsverlauf

- 2026-08-16: Seite neu erstellt. Normtexte der §§ 159, 160, 167, 169 VVG, § 331 BGB, § 2325 BGB, § 3 Abs. 1 Nr. 4 ErbStG, § 33 Abs. 3 ErbStG und § 3 ErbStDV sowie die amtlichen Leitsätze von BGH IV ZR 73/08 verbatim gegen dejure.org geprüft. | change_type=new_page field="page" reviewed_by="Andreas Warkentin"
