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title: Lohnpfändung – Pflichten des Arbeitgebers (§ 840 ZPO)
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topic: prozess-vollstreckungsrecht
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last_reviewed: 2026-07-25
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factcheck_status: ok
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# Lohnpfändung – Pflichten des Arbeitgebers (§ 840 ZPO)

## Kurzantwort

Wird der **Arbeitslohn** eines Beschäftigten gepfändet, wird der **Arbeitgeber** zum **Drittschuldner**. Mit Zustellung des **Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses** treffen ihn mehrere Pflichten. Er darf den **gepfändeten (pfändbaren) Teil des Lohns nicht mehr an den Arbeitnehmer auszahlen** und ist ihm gegenüber zur Einbehaltung verpflichtet (**Arrestatorium**, § 829 Abs. 1 ZPO). Den **pfändbaren Betrag** muss er nach den **Pfändungsfreigrenzen des § 850c ZPO** berechnen und – sobald ihm die Forderung **zur Einziehung überwiesen** ist – an den **Gläubiger abführen** (§ 835 ZPO). Auf **Verlangen des Gläubigers** hat der Arbeitgeber **binnen zwei Wochen** ab Zustellung eine **Drittschuldnererklärung** abzugeben (§ 840 Abs. 1 ZPO): ob und inwieweit er die Forderung anerkennt und zu zahlen bereit ist, ob **andere Personen Ansprüche** erheben und ob die Forderung bereits **für andere Gläubiger gepfändet** ist. Gibt der Arbeitgeber die Erklärung **nicht, verspätet oder falsch** ab, **haftet er dem Gläubiger auf Schadensersatz** (§ 840 Abs. 2 Satz 2 ZPO). Zahlt er trotz Pfändung den pfändbaren Teil an den Arbeitnehmer, wird er **nicht befreit** und muss ggf. **erneut** an den Gläubiger leisten.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | **§ 840 ZPO** (Erklärungspflicht des Drittschuldners); **§ 829 ZPO** (Pfändung, Arrestatorium/Inhibitorium); **§ 835 ZPO** (Überweisung, Auszahlung); **§ 850c ZPO** (Pfändungsfreigrenzen) |
| Rolle des Arbeitgebers | **Drittschuldner** (§ 829 ZPO) |
| Auslöser der Pflichten | Zustellung des **Pfändungs- und Überweisungsbeschlusses** |
| Zahlungsverbot | pfändbarer Lohnteil darf **nicht mehr an den Arbeitnehmer** ausgezahlt werden (**Arrestatorium**, § 829 Abs. 1 ZPO) |
| Wirksamkeit der Pfändung | mit **Zustellung** des Beschlusses an den Drittschuldner (§ 829 Abs. 3 ZPO) |
| Berechnung | pfändbarer Betrag nach **§ 850c ZPO** (Pfändungsfreigrenzen), unpfändbare Bezüge nach **§ 850a ZPO**, Zusammenrechnung mehrerer Einkommen **§ 850e ZPO** |
| Abführung an Gläubiger | nach Überweisung zur Einziehung **an den Gläubiger** auszuzahlen (§ 835 ZPO) |
| Drittschuldnererklärung | auf **Verlangen des Gläubigers** binnen **zwei Wochen** ab Zustellung (§ 840 Abs. 1 ZPO) |
| Inhalt der Erklärung | 1. Anerkennung/Zahlungsbereitschaft, 2. Ansprüche anderer Personen, 3. bereits bestehende Pfändungen (§ 840 Abs. 1 Nr. 1–3 ZPO) |
| Rangfolge mehrerer Pfändungen | **Prioritätsprinzip**: frühere Zustellung geht vor (§ 804 Abs. 3 ZPO) |
| Haftung | **Schadensersatz** gegenüber dem Gläubiger bei Nichterfüllung der Erklärungspflicht (§ 840 Abs. 2 Satz 2 ZPO) |
| Zahlung an Arbeitnehmer trotz Pfändung | **keine befreiende Wirkung** – Arbeitgeber muss den pfändbaren Teil ggf. erneut an den Gläubiger leisten |

## Der Arbeitgeber als Drittschuldner

Bei der **Lohnpfändung** pfändet der Gläubiger die Forderung des Arbeitnehmers (Schuldner) auf **Arbeitsentgelt** gegen den Arbeitgeber. Der Arbeitgeber ist damit **Drittschuldner** im Sinne der §§ 829 ff. ZPO: Er schuldet nicht dem Gläubiger, sondern dem Arbeitnehmer den Lohn, wird aber durch die Pfändung in das Vollstreckungsverhältnis einbezogen.

Grundlage ist ein **Pfändungs- und Überweisungsbeschluss** des Vollstreckungsgerichts (§§ 829, 835 ZPO), der auf einem **vollstreckbaren Titel** beruht. Die Pfändung wird **mit der Zustellung** des Beschlusses **an den Arbeitgeber** (Drittschuldner) **wirksam** (§ 829 Abs. 3 ZPO) – nicht erst mit der Zustellung an den Arbeitnehmer.

## Zahlungsverbot und Einbehaltung (§ 829 ZPO)

Mit Zustellung des Beschlusses gilt für den Arbeitgeber das **Arrestatorium**: Ihm wird **verboten, den gepfändeten (pfändbaren) Teil des Lohns an den Arbeitnehmer auszuzahlen** (§ 829 Abs. 1 ZPO). Gleichzeitig wird dem Arbeitnehmer als Schuldner **geboten, sich jeder Verfügung** über die Forderung zu enthalten (**Inhibitorium**). Den **unpfändbaren Teil** des Lohns zahlt der Arbeitgeber weiterhin an den Arbeitnehmer aus.

Zahlt der Arbeitgeber den pfändbaren Teil **trotz Pfändung an den Arbeitnehmer**, wirkt diese Zahlung dem Gläubiger gegenüber **nicht befreiend**: Der Arbeitgeber kann verpflichtet sein, den Betrag **noch einmal** – nunmehr an den Gläubiger – zu leisten.

## Berechnung des pfändbaren Betrags (§§ 850a, 850c, 850e ZPO)

Der Arbeitgeber muss selbst **ermitteln, welcher Teil des Nettoentgelts pfändbar ist**. Maßgeblich sind die **Pfändungsfreigrenzen des § 850c ZPO**, die sich nach der Höhe des Nettoeinkommens und der Zahl der **unterhaltsberechtigten Personen** richten und **jährlich zum 1. Juli** angepasst werden. Bestimmte Bezüge sind ganz oder teilweise **unpfändbar** (§ 850a ZPO, z. B. Teile von Überstunden-, Urlaubs- und Weihnachtsvergütung). Bezieht der Arbeitnehmer **mehrere Einkünfte**, kann das Gericht deren **Zusammenrechnung** anordnen (§ 850e ZPO).

Die konkreten Freibeträge und die Berechnungssystematik sind auf der Seite **[Pfändungsfreigrenzen bei Lohnpfändung (§ 850c ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/pfaendungsfreigrenzen-850c-zpo.html)** dargestellt.

## Abführung an den Gläubiger (§ 835 ZPO)

Ist dem Gläubiger die gepfändete Forderung **zur Einziehung überwiesen** (§ 835 ZPO), hat der Arbeitgeber den **pfändbaren Teil** des Lohns **an den Gläubiger auszuzahlen** – regelmäßig **fortlaufend** zu den üblichen Lohnzahlungsterminen, solange die Pfändung besteht. Bei mehreren Pfändungen desselben Lohns entscheidet über die Reihenfolge das **Prioritätsprinzip**: Die **zeitlich frühere** Zustellung geht der späteren vor (§ 804 Abs. 3 ZPO). Reicht der pfändbare Betrag nicht für alle Gläubiger, werden die nachrangigen erst bedient, wenn der vorrangige befriedigt ist.

## Die Drittschuldnererklärung (§ 840 ZPO)

Auf **Verlangen des Gläubigers** hat der Arbeitgeber **binnen zwei Wochen**, von der Zustellung des Pfändungsbeschlusses an gerechnet, zu **erklären** (§ 840 Abs. 1 ZPO):

- **Nr. 1** – ob und inwieweit er die Forderung (den Lohnanspruch) **als begründet anerkennt** und zur **Zahlung bereit** ist;
- **Nr. 2** – ob und welche **Ansprüche andere Personen** an die Forderung erheben;
- **Nr. 3** – ob und wegen welcher Ansprüche die Forderung bereits **für andere Gläubiger gepfändet** ist.

Die weiteren Nummern des § 840 Abs. 1 ZPO (zu **Pfändungsschutzkonto** nach § 850k und **Gemeinschaftskonto** nach § 850l) betreffen die **Kontopfändung** und sind bei der reinen Lohnpfändung nicht einschlägig. Das **Verlangen** des Gläubigers muss in die **Zustellungsurkunde** aufgenommen bzw. bei elektronischer Zustellung mit dem Beschluss übermittelt werden; die Erklärung kann auch gegenüber dem Gerichtsvollzieher abgegeben werden (§ 840 Abs. 2 ZPO).

Die Drittschuldnererklärung ist **keine erzwingbare** Pflicht – der Gläubiger kann sie nicht per Zwangsvollstreckung durchsetzen. Ihre Verletzung ist jedoch **schadensersatzbewehrt** (siehe unten). Sie stellt **kein Anerkenntnis** der Forderung dar: Der Arbeitgeber kann später auch dann noch Einwendungen erheben, wenn er in der Erklärung Zahlungsbereitschaft angegeben hat.

## Haftung bei Falsch- oder Nichterklärung (§ 840 Abs. 2 ZPO)

Erfüllt der Arbeitgeber seine Erklärungspflicht **nicht, nicht rechtzeitig oder unrichtig**, **haftet er dem Gläubiger für den daraus entstehenden Schaden** (§ 840 Abs. 2 Satz 2 ZPO). Der Gläubiger ist so zu stellen, wie er bei **richtiger und rechtzeitiger** Erklärung stünde – ersatzfähig sind etwa **unnötige Prozess- und Rechtsverfolgungskosten**, die dem Gläubiger dadurch entstehen, dass er auf eine falsche Auskunft vertraut und beispielsweise erfolglos gegen den Drittschuldner klagt.

## Häufige Fehler

- **„Die Pfändung wird erst wirksam, wenn der Arbeitnehmer informiert ist."** Falsch. Die Pfändung wird mit der **Zustellung an den Arbeitgeber** (Drittschuldner) wirksam (§ 829 Abs. 3 ZPO).
- **„Ich kann den pfändbaren Lohn weiter an den Arbeitnehmer zahlen, solange nichts weiter passiert."** Nein. Das **Arrestatorium** verbietet die Auszahlung des pfändbaren Teils; eine trotzdem erfolgte Zahlung wirkt dem Gläubiger gegenüber **nicht befreiend** (§ 829 Abs. 1 ZPO).
- **„Die Drittschuldnererklärung ist ein Anerkenntnis der Forderung."** Nein. Sie ist eine reine **Auskunft** und begründet **keine** eigene Zahlungspflicht; Einwendungen bleiben möglich (§ 840 ZPO).
- **„Wenn ich die Erklärung nicht abgebe, passiert nichts – sie ist ja nicht erzwingbar."** Zwar nicht erzwingbar, aber **schadensersatzbewehrt**: Bei Nichterfüllung haftet der Arbeitgeber dem Gläubiger auf **Schadensersatz** (§ 840 Abs. 2 Satz 2 ZPO).
- **„Bei mehreren Pfändungen zahle ich anteilig an alle."** Nein. Es gilt das **Prioritätsprinzip** – der zeitlich frühere Gläubiger geht vor (§ 804 Abs. 3 ZPO).

## Siehe auch

- [Pfändungsfreigrenzen bei Lohnpfändung (§ 850c ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/pfaendungsfreigrenzen-850c-zpo.html)
- [Kontopfändung – Ablauf und Schutz (§§ 829, 833a ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/kontopfaendung-ablauf-zpo.html)
- [P-Konto – Pfändungsschutzkonto (§§ 850k, 899 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/p-konto-pfaendungsschutz-850k-zpo.html)
- [Vermögensauskunft / eidesstattliche Versicherung (§ 802c ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vermoegensauskunft-802c-zpo.html)
- [Gerichtliches Mahnverfahren (§§ 688 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/gerichtliches-mahnverfahren-688-zpo.html)




## Quellen

- § 829 ZPO – Pfändung einer Geldforderung (Arrestatorium/Inhibitorium, Wirksamkeit mit Zustellung): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__829.html
- § 835 ZPO – Überweisung einer Geldforderung (Einziehung, Auszahlung): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__835.html
- § 836 ZPO – Wirkung der Überweisung: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__836.html
- § 840 ZPO – Erklärungspflicht des Drittschuldners (Zwei-Wochen-Frist, Haftung): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__840.html
- § 850a ZPO – Unpfändbare Bezüge: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__850a.html
- § 850c ZPO – Pfändungsgrenzen für Arbeitseinkommen: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__850c.html
- § 850e ZPO – Berechnung des pfändbaren Arbeitseinkommens (Zusammenrechnung): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__850e.html
- § 804 ZPO – Pfändungspfandrecht (Prioritätsprinzip, Abs. 3): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__804.html
- BMJ – Zwangsvollstreckung und Pfändungsschutz (amtliche Übersicht): https://www.bmj.de/DE/Themen/FinanzenUndAnlegerschutz/ZwangsvollstreckungPfaendungsschutz/ZwangsvollstreckungPfaendungsschutz_node.html

## Änderungsverlauf

- 2026-07-25: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
## Stand

- Stand: 2026-07-25
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
