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title: MiCA — Kryptowerte-Whitepaper: Inhalt, Notifizierung und Haftung (Art. 6–15)
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last_reviewed: 2026-07-16
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# MiCA — Kryptowerte-Whitepaper: Inhalt, Notifizierung und Haftung (Art. 6–15)

## Kurzantwort

Wer in der EU einen **anderen Kryptowert als einen vermögenswertereferenzierten Token (ART) oder E-Geld-Token (EMT)** öffentlich anbietet oder dessen Zulassung zum Handel beantragt, muss vorher ein **Kryptowerte-Whitepaper** erstellen, es der zuständigen Behörde **übermitteln** und **veröffentlichen** (Art. 4–9 der Verordnung (EU) 2023/1114 – MiCA/MiCAR). Anders als bei ART/EMT ist hier **keine behördliche Genehmigung** erforderlich: Die **BaFin genehmigt das Whitepaper nicht** (Art. 6 Abs. 3 MiCA), es genügt die Notifizierung. Das Whitepaper muss **spätestens 20 Arbeitstage vor der Veröffentlichung** bei der BaFin eingehen (Art. 8 MiCA; in Deutschland an whitepaper@bafin.de). Alle Angaben müssen **redlich, eindeutig und nicht irreführend** sein und dürfen keine wesentlichen Auslassungen enthalten (Art. 6 Abs. 2). Für falsche oder irreführende Whitepaper-Angaben haften Anbieter und Emittent zivilrechtlich (Art. 15). Die Pflicht gilt EU-weit seit dem **30. Dezember 2024**.

## Rechtsgrundlage

**Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA), Titel II (Art. 4–15)** regelt das öffentliche Angebot und die Zulassung zum Handel von Kryptowerten, die **weder ART noch EMT** sind (also insbesondere Utility-Token und die meisten „klassischen" Kryptowährungen im Primärangebot):

- **Art. 4 MiCA — Öffentliches Angebot:** Ein öffentliches Angebot solcher Kryptowerte ist nur zulässig, wenn der Anbieter eine juristische Person ist, ein Whitepaper erstellt (Art. 6), notifiziert (Art. 8) und veröffentlicht (Art. 9) hat und die Marketingmitteilungen (Art. 7) einhält. Art. 4 Abs. 2/3 nennt **Ausnahmen** von der Whitepaper-Pflicht.
- **Art. 5 MiCA — Zulassung zum Handel:** Parallele Pflichten, wenn eine Person die Zulassung zum Handel beantragt.
- **Art. 6 MiCA — Inhalt und Form des Whitepapers:** abschließender Pflichtkatalog (Angaben nach Anhang I), Grundsatz „redlich, eindeutig, nicht irreführend", Pflicht-Warnhinweise, verbindliche Zusammenfassung, Erklärung des Leitungsorgans und **maschinenlesbares Format**. **Abs. 3 stellt ausdrücklich klar, dass das Whitepaper vor der Übermittlung keiner behördlichen Genehmigung bedarf.**
- **Art. 7 MiCA — Marketingmitteilungen:** müssen als solche erkennbar, redlich und mit dem Whitepaper konsistent sein.
- **Art. 8 MiCA — Notifizierung an die zuständige Behörde:** Übermittlung mindestens **20 Arbeitstage vor Veröffentlichung**, samt Begründung, warum der Kryptowert kein ART/EMT ist und nicht aus dem Anwendungsbereich fällt, sowie Liste der Mitgliedstaaten, in denen angeboten wird.
- **Art. 9 MiCA — Veröffentlichung:** Whitepaper (und Marketingmitteilungen) sind auf der Website des Anbieters zu veröffentlichen und dort verfügbar zu halten.
- **Art. 12 MiCA — Änderung** eines veröffentlichten Whitepapers.
- **Art. 13 MiCA — Widerrufsrecht** der Kleinanleger.
- **Art. 14 MiCA — Pflichten** der Anbieter und Zulassungsantragsteller.
- **Art. 15 MiCA — Haftung** für das Kryptowerte-Whitepaper.

Konkretisiert wird das Whitepaper durch die **Durchführungsverordnung (EU) 2024/2984** (Formulare, Formate und Mustertexte), die **Delegierte Verordnung (EU) 2025/421** (maschinenlesbare Daten) und die **Delegierte Verordnung (EU) 2025/422** (Nachhaltigkeitsindikatoren, Art. 6 Abs. 1 Buchst. j MiCA). MiCA ist als **Verordnung unmittelbar anwendbar**; das deutsche **Kryptomärkteaufsichtsgesetz (KMAG)** bestimmt die BaFin als zuständige Behörde.

## Anwendungsbereich / Wer ist betroffen

Ob eine Whitepaper-Pflicht besteht, ist in folgenden Schritten zu prüfen:

1. **Handelt es sich um einen Kryptowert, der weder ART noch EMT ist?** Für ART gilt der eigene Whitepaper-/Zulassungsweg nach Titel III (Art. 16–19), für EMT nach Titel IV (Art. 48–51). Titel II und damit diese Seite betrifft **alle sonstigen Kryptowerte** (z. B. Utility-Token).
2. **Liegt ein öffentliches Angebot in der Union oder ein Antrag auf Zulassung zum Handel vor?** Nur dann greift die Whitepaper-Pflicht (Art. 4/5).
3. **Greift eine Ausnahme nach Art. 4 Abs. 2/3 MiCA?** Kein Whitepaper ist u. a. erforderlich, wenn der Kryptowert **kostenlos** angeboten wird, automatisch als Belohnung für die Pflege einer DLT/die Validierung von Transaktionen (Mining/Staking-Rewards) entsteht, **einzigartig und nicht fungibel** ist (NFT), an **weniger als 150 Personen je Mitgliedstaat** angeboten wird, das Angebot über 12 Monate **1 Mio. EUR** nicht übersteigt oder sich **ausschließlich an qualifizierte Anleger** richtet. Auch in Ausnahmefällen bleiben die Grundpflichten (redliche Marketingmitteilungen, Missbrauchsverbot) zu beachten.
4. **Wer ist verpflichtet?** Der **Anbieter** (offeror), der Kryptowert-**Emittent**, soweit er nicht der Anbieter ist, oder die **Person, die die Zulassung zum Handel beantragt** bzw. der **Betreiber der Handelsplattform**.
5. **Zuständige Behörde in Deutschland:** die **BaFin** (Übermittlung an whitepaper@bafin.de).

## Pflichten und Rechtsfolgen

**Inhaltliche Anforderungen (Art. 6):** Das Whitepaper muss die in **Anhang I** aufgeführten Angaben enthalten — u. a. zu Anbieter/Emittent/Handelsplattformbetreiber, zum Projekt, zum öffentlichen Angebot, zu den mit dem Kryptowert verbundenen Rechten und Pflichten, zur zugrunde liegenden Technologie, zu den Risiken und zu **Nachhaltigkeitsindikatoren** (nachteilige Auswirkungen auf das Klima). Alle Angaben müssen **redlich, eindeutig und nicht irreführend** sein, dürfen keine wesentlichen Auslassungen aufweisen und sind in **knapper, verständlicher** Form vorzulegen. Das Whitepaper darf **keine Aussagen über den künftigen Wert** des Kryptowerts enthalten (Ausnahme: die zulässige Standard-Erklärung). Es muss eine klare Erklärung enthalten, dass der Kryptowert an Wert verlieren kann, nicht immer übertragbar/liquide ist und ggf. nicht unter Anleger- oder Einlagensicherung fällt. Zwingend sind außerdem eine **Erklärung des Leitungsorgans** (Richtigkeit und Vollständigkeit), eine **verständliche Zusammenfassung** mit Warnhinweis, das **Datum der Übermittlung**, ein Inhaltsverzeichnis und die Bereitstellung in einem **maschinenlesbaren Format**.

**Verfahren (Art. 8/9):** Der Verpflichtete übermittelt das Whitepaper **mindestens 20 Arbeitstage vor der Veröffentlichung** an die BaFin, zusammen mit einer Begründung, warum der Kryptowert **kein ART/EMT** ist und nicht nach Art. 2 aus dem Anwendungsbereich fällt, sowie einer Liste der betroffenen Mitgliedstaaten. Eine **Genehmigung erfolgt nicht** (Art. 6 Abs. 3). Anschließend ist das Whitepaper spätestens zu Beginn des Angebots bzw. der Zulassung **auf der Website** zu veröffentlichen und dort verfügbar zu halten. Die ESMA führt ein **öffentliches Interims-Register** der notifizierten Whitepaper.

**Widerruf (Art. 13):** Kleinanlegern, die einen sonstigen Kryptowert **direkt beim Anbieter** oder bei einem für ihn platzierenden CASP erwerben, steht ein **Widerrufsrecht von 14 Kalendertagen** ohne Kosten und Begründung zu (nicht bei Handel auf einer Handelsplattform).

**Rechtsfolgen bei Verstoß:** Wird ohne (ordnungsgemäßes) Whitepaper angeboten, kann die BaFin das Angebot **untersagen oder aussetzen**. Nach **Art. 15 MiCA** haften Anbieter, Emittent bzw. Zulassungsantragsteller und ihr Leitungsorgan **zivilrechtlich** gegenüber Inhabern für Schäden, die durch **unvollständige, unredliche oder irreführende** Whitepaper-Angaben entstehen; die Haftung kann vertraglich nicht ausgeschlossen werden. Hinzu kommen die **Sanktionen** nach Titel VII MiCA i. V. m. dem KMAG. Für sonstige Token, deren **Zulassung zum Handel** beantragt wurde, gelten zudem ab dem Zeitpunkt der Beantragung die **Marktmissbrauchsregeln** (Art. 86 ff. MiCA).

## Fristen und Übergangsregelungen

- **Geltung der Whitepaper-Regeln (Titel II):** seit **30. Dezember 2024** (Art. 149 Abs. 1 MiCA).
- **Vorlauffrist:** Übermittlung an die BaFin **mindestens 20 Arbeitstage vor Veröffentlichung** (Art. 8 Abs. 1 MiCA).
- **Marktmissbrauchsregeln:** greifen bei beantragter Handelszulassung **bereits ab dem Antrag** (Art. 86 ff. MiCA; BaFin-Hinweis).
- **Durchführungs-/Delegierte Rechtsakte:** Durchführungs-VO (EU) 2024/2984 (Formulare/Formate, in Kraft), Delegierte VO (EU) 2025/421 (maschinenlesbare Daten) und Delegierte VO (EU) 2025/422 (Nachhaltigkeitsindikatoren) — bei der Whitepaper-Erstellung anzuwenden.
- **Übergang für Altangebote:** Kryptowerte, die vor dem 30.12.2024 rechtmäßig öffentlich angeboten wurden, genießen nach Art. 143 Abs. 2 MiCA Erleichterungen; wird ihre Zulassung zum Handel danach beantragt, ist gleichwohl ein Whitepaper nach Titel II erforderlich.

## Praxisbeispiel

Ein deutsches Blockchain-Startup will einen **Utility-Token** herausgeben, mit dem Nutzer später Rechenleistung auf seiner Plattform bezahlen können, und diesen öffentlich in Deutschland, Österreich und den Niederlanden anbieten. Da der Token **weder ein ART noch ein EMT** ist und das Angebot die Ausnahmeschwellen des Art. 4 Abs. 2 (z. B. 1-Mio.-EUR-Grenze) überschreitet, muss das Startup ein **Kryptowerte-Whitepaper** nach Art. 6 erstellen. Zur Erstellung kann es das von der BaFin empfohlene **Excel-Tool der ESMA („MiCA White Paper Taxonomy 2025")** nutzen, um das maschinenlesbare Format sicherzustellen. Es übermittelt das Whitepaper **spätestens 20 Arbeitstage vor der geplanten Veröffentlichung** an **whitepaper@bafin.de**, fügt die Begründung bei, warum kein ART/EMT vorliegt, und listet die drei Zielländer auf. Die **BaFin genehmigt das Whitepaper nicht** (Art. 6 Abs. 3), prüft aber die formale Vollständigkeit; das notifizierte Whitepaper erscheint im **ESMA-Interims-Register**. Kleinanleger, die den Token in den ersten 14 Tagen direkt beim Startup kaufen, können ihren Kauf **widerrufen** (Art. 13).

## Verwandte Normen

- **Art. 3 Abs. 1 Nr. 6/7 MiCA** — Definitionen ART und EMT (Abgrenzung des Anwendungsbereichs)
- **Art. 4–5 MiCA** — Bedingungen für öffentliches Angebot / Zulassung zum Handel
- **Art. 16–19, 48–51 MiCA** — abweichende Whitepaper-Regime für ART bzw. EMT
- **Art. 86–92 MiCA** — Verbot von Insiderhandel und Marktmanipulation
- **Durchführungs-VO (EU) 2024/2984; Delegierte VO (EU) 2025/421 und 2025/422** — technische Standards zum Whitepaper
- **KMAG** — deutsche Begleitregelung (BaFin-Zuständigkeit, Sanktionen)





## Quellen

- Verordnung (EU) 2023/1114 (MiCA, Volltext, Titel II Art. 4–15):
  https://eur-lex.europa.eu/eli/reg/2023/1114/oj/deu
- BaFin — Kryptoinstitute / Emittenten sonstiger Token (Whitepaper-Pflicht, 20 Arbeitstage, whitepaper@bafin.de, keine Genehmigung nach Art. 6 Abs. 3):
  https://www.bafin.de/DE/unternehmen-maerkte/aufsicht/kryptoinstitute/kryptoinstitute_node.html
- BaFin — Merkblatt Kryptowerte-Dienstleistungen nach MiCAR (mb_250103):
  https://www.bafin.de/SharedDocs/Veroeffentlichungen/DE/Merkblatt/mb_250103_Kryptowerte_Dienstl.html
- Durchführungsverordnung (EU) 2024/2984 (Formulare, Formate und Mustertexte für Kryptowerte-Whitepaper):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202402984
- Delegierte Verordnung (EU) 2025/421 (maschinenlesbare Daten):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=OJ:L_202500421
- ESMA — MiCA White Paper Taxonomy 2025 (Erstellungs-Tool) und Interim MiCA Register:
  https://www.esma.europa.eu/esmas-activities/digital-finance-and-innovation/markets-crypto-assets-regulation-mica
- Kryptomärkteaufsichtsgesetz (KMAG):
  https://www.gesetze-im-internet.de/kmag/

## Stand

- **Stand:** 16.07.2026
- **Gültig ab:** 30.12.2024 (Titel II MiCA, Art. 149 Abs. 1)
- **Rechtsstatus:** in Kraft (in_force)
- **Quellenautorität:** A (eur-lex.europa.eu, bafin.de, gesetze-im-internet.de)
- **Lizenz:** CC-BY-4.0

## Änderungsverlauf

- 2026-07-16: Erstveröffentlichung. Inhalt und Form des Whitepapers (Art. 6, inkl. „redlich/eindeutig/nicht irreführend", maschinenlesbares Format, keine Genehmigung nach Abs. 3), Notifizierung mit 20-Arbeitstage-Vorlauf (Art. 8), Veröffentlichung (Art. 9), Widerrufsrecht 14 Tage (Art. 13) und Haftung (Art. 15) gegen Verordnung (EU) 2023/1114 (eur-lex) und die BaFin-Seite „Kryptoinstitute / Emittenten sonstiger Token" geprüft. Neu aufgenommen: konkretisierende Rechtsakte Durchführungs-VO (EU) 2024/2984 und Delegierte VO (EU) 2025/421 sowie das ESMA-Erstellungstool (Abgrenzung zur bestehenden MiCA-Übersichtsseite). | change_type=new_topic reviewed_by="Andreas Warkentin"
