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title: "Minderjährige als Erben (§§ 1629, 1638–1644, 1851 BGB) – Vertretung der Eltern, familiengerichtliche Genehmigung, Ergänzungspfleger, Haftungsbeschränkung nach § 1629a BGB"
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# Minderjährige als Erben (§§ 1629, 1638–1644, 1851 BGB) – Vertretung der Eltern, familiengerichtliche Genehmigung, Ergänzungspfleger, Haftungsbeschränkung nach § 1629a BGB

## Kurzantwort

Auch ein **Kind** kann erben – sogar ein bereits gezeugtes, aber noch nicht geborenes (§ 1923 Abs. 2 BGB). Handeln muss für das Kind aber sein **gesetzlicher Vertreter**: Die elterliche Sorge umfasst die Vertretung, und die Eltern vertreten das Kind **gemeinschaftlich** (§ 1629 Abs. 1 BGB). Diese Vertretungsmacht hat zwei Schranken. Erstens sind die Eltern bei **Rechtsgeschäften zwischen ihnen und dem Kind** von der Vertretung ausgeschlossen (§ 1629 Abs. 2 S. 1 iVm § 1824 Abs. 1 Nr. 1 BGB); dann bestellt das Familiengericht einen **Ergänzungspfleger** (§ 1809 BGB) – der praktisch wichtigste Fall ist die **Erbauseinandersetzung**, bei der Elternteil und Kind gemeinsam Miterben sind. Zweitens brauchen die Eltern für die wichtigen erbrechtlichen Geschäfte die **Genehmigung des Familiengerichts**: § 1643 Abs. 1 BGB verweist auf die §§ 1850 bis 1854 BGB, und § 1851 Nr. 1 BGB nennt dort die **Ausschlagung einer Erbschaft oder eines Vermächtnisses**, den Verzicht auf Vermächtnis oder Pflichtteil sowie den **Auseinandersetzungsvertrag**. Zwei **Ausnahmen** stehen in § 1643 Abs. 3 BGB: Fällt dem Kind die Erbschaft erst **infolge der Ausschlagung eines vertretenden Elternteils** an, ist die Genehmigung nur nötig, wenn dieser Elternteil **neben dem Kind** berufen war; und ein **Auseinandersetzungsvertrag** sowie das Ausscheiden des Kindes aus der Erbengemeinschaft sind für Eltern **genehmigungsfrei**. Die sechswöchige **Ausschlagungsfrist** (§ 1944 Abs. 1 BGB) ist für das Kind kein Fallstrick: Die Ausschlagung wird gegenüber dem Nachlassgericht erklärt (§ 1945 Abs. 1 BGB), und für solche Erklärungen gegenüber einem Gericht **hemmt § 1858 Abs. 3 S. 3 BGB** (über § 1644 Abs. 3 BGB anwendbar) den Fristablauf **für die Dauer des Genehmigungsverfahrens**. Schuldet das Kind am Ende doch etwas, greift § 1629a BGB: Mit Eintritt der **Volljährigkeit** ist die Haftung für Verbindlichkeiten aus einem **Erwerb von Todes wegen** während der Minderjährigkeit **auf das dann vorhandene Vermögen beschränkt**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | §§ 1629, 1629a, 1638–1644, 1809, 1851 BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Erbfähigkeit des Kindes | keine Altersgrenze; auch der nasciturus gilt als vor dem Erbfall geboren [§ 1923 Abs. 2 BGB] |
| Wer handelt für das Kind | die Eltern als gesetzliche Vertreter, gemeinschaftlich [§ 1629 Abs. 1 S. 2 BGB] |
| Vertretungsausschluss | bei Rechtsgeschäften zwischen Elternteil (bzw. dessen Ehegatten oder Verwandten in gerader Linie) und Kind [§ 1629 Abs. 2 S. 1 iVm § 1824 Abs. 1 Nr. 1 BGB] |
| Folge des Ausschlusses | Ergänzungspflegschaft; Eltern müssen die Erforderlichkeit dem Familiengericht unverzüglich anzeigen [§ 1809 Abs. 1, 2 BGB] |
| Genehmigungspflicht allgemein | Eltern bedürfen der Genehmigung in den Fällen der §§ 1850–1854 BGB [§ 1643 Abs. 1 BGB] |
| Genehmigungspflichtige Erbgeschäfte | Ausschlagung von Erbschaft/Vermächtnis, Verzicht auf Vermächtnis oder Pflichtteil, Auseinandersetzungsvertrag, Verfügung über den Erbteil, Erb- und Pflichtteilsverzichtsvertrag [§ 1851 Nr. 1–3, 9 BGB] |
| Ausnahme Kettenausschlagung | keine Genehmigung, wenn der Anfall erst infolge der Ausschlagung des vertretenden Elternteils eintritt – es sei denn, der Elternteil war neben dem Kind berufen [§ 1643 Abs. 3 S. 1 BGB] |
| Ausnahme Auseinandersetzung | Auseinandersetzungsvertrag und Ausscheiden aus der Erbengemeinschaft sind für Eltern genehmigungsfrei [§ 1643 Abs. 3 S. 2 BGB] |
| Maßstab der Genehmigung | Erteilung, wenn das Geschäft dem Kindeswohl unter Berücksichtigung wirtschaftlicher Vermögensverwaltung nicht widerspricht [§ 1644 Abs. 1 BGB] |
| Adressat der Genehmigung | Erklärung nur gegenüber dem gesetzlichen Vertreter, nicht gegenüber dem Vertragspartner [§ 1855 iVm § 1644 Abs. 3 BGB] |
| Ausschlagungsfrist | 6 Wochen ab Kenntnis von Anfall und Berufungsgrund; 6 Monate bei Auslandsbezug [§ 1944 Abs. 1, 3 BGB] |
| Fristhemmung im Genehmigungsverfahren | der Ablauf einer gesetzlichen Frist ist während der Dauer des Genehmigungsverfahrens gehemmt [§ 1858 Abs. 3 S. 3 iVm § 1644 Abs. 3 BGB] |
| Form der Ausschlagung | Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht, zur Niederschrift oder öffentlich beglaubigt [§ 1945 Abs. 1 BGB] |
| Vermögenssorge ausgeschlossen | wenn der Erblasser letztwillig bestimmt, dass die Eltern das Vermögen nicht verwalten sollen [§ 1638 Abs. 1 BGB] |
| Verwaltungsanordnungen | Eltern haben Erworbenes nach den Anordnungen des Erblassers zu verwalten [§ 1639 Abs. 1 BGB] |
| Vermögensverzeichnis | Pflicht zur Verzeichnung und Einreichung beim Familiengericht; entfällt bis 15.000 € Erwerbswert [§ 1640 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB] |
| Geldanlage | nach den Grundsätzen einer wirtschaftlichen Vermögensverwaltung [§ 1642 BGB] |
| Schenkungsverbot | Eltern können in Vertretung des Kindes keine Schenkungen machen (Ausnahme: sittliche Pflicht/Anstand) [§ 1641 BGB] |
| Haftungsbeschränkung ab Volljährigkeit | Haftung für Verbindlichkeiten aus einem Erwerb von Todes wegen während der Minderjährigkeit beschränkt auf das bei Volljährigkeit vorhandene Vermögen [§ 1629a Abs. 1 S. 1 BGB] |
| Rechtsfolgenverweis | es gelten die Erbenhaftungsvorschriften der §§ 1990, 1991 BGB entsprechend [§ 1629a Abs. 1 S. 2 BGB] |
| Drei-Monats-Obliegenheit | wer nach Volljährigkeit nicht binnen 3 Monaten die Auseinandersetzung verlangt, gegen den wird vermutet, die Verbindlichkeit sei nach Volljährigkeit entstanden [§ 1629a Abs. 4 BGB] |
| Eigenes Testament des Kindes | erst ab vollendetem 16. Lebensjahr, ohne Zustimmung des gesetzlichen Vertreters [§ 2229 Abs. 1, 2 BGB] |
| Form dieses Testaments | nur Erklärung gegenüber dem Notar oder Übergabe einer offenen Schrift – kein eigenhändiges Testament [§ 2233 Abs. 1 BGB] |
| Erbschaftsteuer-Freibetrag Kind | 400.000 € je Elternteil [§ 16 Abs. 1 Nr. 2 ErbStG] |
| Erbschaftsteuer-Freibetrag Enkel | 200.000 € [§ 16 Abs. 1 Nr. 3 ErbStG] |

## Wer vertritt das erbende Kind? (§ 1629 BGB)

Ein Minderjähriger wird **automatisch Erbe** – die gesetzliche Erbfolge und eine letztwillige Verfügung fragen nicht nach dem Alter. § 1923 Abs. 1 BGB verlangt nur, dass der Erbe zur Zeit des Erbfalls lebt; nach Absatz 2 gilt sogar, **wer bereits gezeugt war**, als vor dem Erbfall geboren. Erbfähigkeit und Handlungsfähigkeit sind also zu trennen: Das Kind **wird** Erbe, kann aber nicht selbst **handeln**.

Das übernehmen die Eltern. Die elterliche Sorge umfasst die Vertretung des Kindes, und die Eltern vertreten **gemeinschaftlich** (§ 1629 Abs. 1 S. 1, 2 BGB). Ein Elternteil vertritt allein, soweit ihm die elterliche Sorge allein zusteht oder die Entscheidung nach § 1628 BGB übertragen wurde (§ 1629 Abs. 1 S. 3 BGB). Bei **Gefahr im Verzug** darf jeder Elternteil alle zum Wohl des Kindes notwendigen Rechtshandlungen vornehmen und muss den anderen unverzüglich unterrichten (§ 1629 Abs. 1 S. 4 BGB).

## Wenn die Eltern nicht vertreten dürfen – der Ergänzungspfleger (§ 1809 BGB)

Die Vertretungsmacht endet dort, wo die Interessen von Eltern und Kind kollidieren. § 1629 Abs. 2 S. 1 BGB verweist dafür auf § 1824 BGB: Vater und Mutter können das Kind **insoweit nicht vertreten**, als danach ein Betreuer von der Vertretung ausgeschlossen wäre. Nach § 1824 Abs. 1 Nr. 1 BGB betrifft das jedes **Rechtsgeschäft zwischen dem Vertreter, seinem Ehegatten oder einem Verwandten in gerader Linie einerseits und dem Vertretenen andererseits** – ausgenommen Geschäfte, die ausschließlich in der Erfüllung einer Verbindlichkeit bestehen. § 1824 Abs. 2 BGB stellt klar, dass § 181 BGB (Insichgeschäft) daneben unberührt bleibt.

Im Erbfall ist das der Regelfall, sobald **Elternteil und Kind gemeinsam Miterben** sind: Ein Auseinandersetzungs- oder Übertragungsvertrag zwischen ihnen ist ein Rechtsgeschäft im Sinne der Nr. 1. Dann bestellt das Familiengericht für diese Angelegenheit einen **Ergänzungspfleger** (§ 1809 Abs. 1 S. 1 BGB). Auf die Ergänzungspflegschaft sind die Vorschriften über die Vormundschaft entsprechend anzuwenden (§ 1813 Abs. 1 BGB). Wichtig ist die **Anzeigepflicht**: Wird eine Pflegschaft erforderlich, haben die Eltern dies dem Familiengericht **unverzüglich anzuzeigen** (§ 1809 Abs. 2 BGB).

Typische Konstellation: Der Vater stirbt, Mutter und zwei minderjährige Kinder sind Miterben. Die Mutter kann die Erbengemeinschaft **verwalten**, aber den Auseinandersetzungsvertrag nicht zugleich für sich und für die Kinder schließen. Häufig wird für **jedes** Kind ein eigener Ergänzungspfleger nötig, weil auch die Kinder untereinander gegenläufige Interessen haben können.

## Die familiengerichtliche Genehmigung (§ 1643 iVm § 1851 BGB)

Seit dem Inkrafttreten der Reform des Vormundschafts- und Betreuungsrechts am **01.01.2023** ist die Genehmigungssystematik neu gefasst. § 1643 Abs. 1 BGB verweist die Eltern pauschal auf die Fälle, in denen ein **Betreuer nach den §§ 1850 bis 1854 BGB** der Genehmigung des Betreuungsgerichts bedarf, „soweit sich nicht aus den Absätzen 2 bis 5 etwas anderes ergibt“. Die erbrechtlichen Fälle stehen in **§ 1851 BGB**; für Kinder besonders relevant sind:

- **Nr. 1** – Ausschlagung einer **Erbschaft** oder eines **Vermächtnisses**, Verzicht auf die Geltendmachung eines Vermächtnisses oder **Pflichtteilsanspruchs** sowie **Auseinandersetzungsvertrag**,
- **Nr. 2** – Rechtsgeschäft, durch das das Kind zu einer Verfügung über eine ihm angefallene Erbschaft, seinen künftigen gesetzlichen Erbteil oder seinen künftigen Pflichtteil verpflichtet wird,
- **Nr. 3** – Verfügung über den **Erbteil** oder Vereinbarung über das **Ausscheiden** aus der Erbengemeinschaft,
- **Nr. 9** – Abschluss oder Aufhebung eines **Erb- oder Pflichtteilsverzichtsvertrags** (§§ 2346, 2351 BGB) sowie eines **Zuwendungsverzichtsvertrags** (§ 2352 BGB).

Der Maßstab steht in § 1644 Abs. 1 BGB: Das Familiengericht **erteilt** die Genehmigung, wenn das Rechtsgeschäft dem **Wohl des Kindes** unter Berücksichtigung der Grundsätze einer wirtschaftlichen Vermögensverwaltung **nicht widerspricht**. Das ist eine negative Formulierung – das Gericht sucht nicht die beste denkbare Gestaltung, sondern prüft, ob das Geschäft dem Kindeswohl zuwiderläuft.

Verfahrensrechtlich gelten über § 1644 Abs. 3 BGB die §§ 1855 bis 1856 Abs. 2 sowie die §§ 1857 und 1858 BGB entsprechend. Daraus folgt unter anderem: Die Genehmigung kann **nur gegenüber den Eltern** erklärt werden (§ 1855 BGB); bei einem ohne Genehmigung geschlossenen **Vertrag** hängt die Wirksamkeit von der nachträglichen Genehmigung ab, die dem Vertragspartner erst mit **Mitteilung durch die Eltern** gegenüber wirksam wird (§ 1856 Abs. 1 BGB). Wird der Vertragspartner aufgefordert, gilt die Genehmigung als verweigert, wenn sie nicht bis zum Ablauf des **zweiten Monats** nach Empfang der Aufforderung mitgeteilt wird (§ 1856 Abs. 2 BGB). Ist das Kind zwischenzeitlich **volljährig** geworden, tritt seine eigene Genehmigung an die Stelle der gerichtlichen (§ 1644 Abs. 3 S. 2 BGB).

## Die beiden Ausnahmen des § 1643 Abs. 3 BGB

Zwei praktisch wichtige Entlastungen stehen ausdrücklich im Gesetz und werden häufig übersehen.

**Erstens die Kettenausschlagung.** Tritt der Anfall einer Erbschaft oder eines Vermächtnisses an das Kind **erst infolge der Ausschlagung eines Elternteils** ein, der das Kind allein oder gemeinsam mit dem anderen Elternteil vertritt, ist die Genehmigung **abweichend von § 1851 Nr. 1 BGB** nur dann erforderlich, wenn der Elternteil **neben dem Kind berufen** war (§ 1643 Abs. 3 S. 1 BGB). Der typische Fall eines überschuldeten Nachlasses – Elternteil schlägt aus, dadurch rücken die Kinder nach, für die Kinder wird ebenfalls ausgeschlagen – läuft damit **ohne** familiengerichtliche Genehmigung. Die Ausnahme greift jedoch nicht, wenn Elternteil und Kind von Anfang an **nebeneinander** berufen waren, etwa als Miterben.

**Zweitens die Auseinandersetzung.** „Ein Auseinandersetzungsvertrag und eine Vereinbarung, mit der das Kind aus einer Erbengemeinschaft ausscheidet, bedarf keiner Genehmigung“ (§ 1643 Abs. 3 S. 2 BGB). Hier weicht das Elternrecht bewusst vom Betreuungsrecht ab, wo § 1851 Nr. 1 und Nr. 3 BGB beides erfassen. **Der Vertretungsausschluss bleibt davon unberührt**: Sind Elternteil und Kind gemeinsam Miterben, ist für den Vertrag weiterhin ein **Ergänzungspfleger** erforderlich – nur die gerichtliche Genehmigung entfällt. Genehmigungsfreiheit und Vertretungsmacht sind zwei getrennte Fragen.

## Ausschlagung für ein minderjähriges Kind – Frist und Hemmung

Die Ausschlagungsfrist beträgt **sechs Wochen** und beginnt, wenn der Erbe von Anfall und Berufungsgrund **Kenntnis** erlangt (§ 1944 Abs. 1, Abs. 2 S. 1 BGB); bei letztwilliger Berufung nicht vor Bekanntgabe der Verfügung durch das Nachlassgericht (§ 1944 Abs. 2 S. 2 BGB). Sie beträgt **sechs Monate**, wenn der Erblasser seinen letzten Wohnsitz nur im Ausland hatte oder der Erbe sich bei Fristbeginn im Ausland aufhält (§ 1944 Abs. 3 BGB). Bei einem Minderjährigen kommt es auf die **Kenntnis der gesetzlichen Vertreter** an, nicht auf die des Kindes.

Die Ausschlagung erfolgt durch **Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht**, zur Niederschrift des Gerichts oder in **öffentlich beglaubigter Form** (§ 1945 Abs. 1 BGB) – in der Praxis meist beim Notar. Da es sich um ein **einseitiges Rechtsgeschäft gegenüber einem Gericht** handelt, greift bei Genehmigungsbedarf § 1858 Abs. 3 BGB (über § 1644 Abs. 3 BGB): Die Wirksamkeit hängt von der nachträglichen Genehmigung ab, das Geschäft wird mit **Rechtskraft der Genehmigung** wirksam – und entscheidend: **„Der Ablauf einer gesetzlichen Frist wird während der Dauer des Genehmigungsverfahrens gehemmt“** (§ 1858 Abs. 3 S. 3 BGB). Die Hemmung endet mit Rechtskraft des Beschlusses über die Erteilung der Genehmigung (S. 4). Das Betreuungs- bzw. Familiengericht teilt die Erteilung dem Nachlassgericht nach Rechtskraft mit.

Praktische Konsequenz: Die **Ausschlagungserklärung selbst** muss innerhalb der sechs Wochen beim Nachlassgericht eingehen; die **Genehmigung** darf danach nachgereicht werden, weil der Fristlauf für die Dauer des Verfahrens gehemmt ist. Wer wartet, bis die Genehmigung vorliegt, und erst dann ausschlägt, riskiert den Fristablauf.

## Verwaltung des ererbten Vermögens (§§ 1638–1642 BGB)

Solange das Kind minderjährig ist, verwalten die Eltern das ererbte Vermögen – aber nicht frei.

- **Ausschluss durch den Erblasser:** Die Vermögenssorge erstreckt sich **nicht** auf Vermögen, das das Kind von Todes wegen erwirbt, wenn der Erblasser letztwillig bestimmt hat, dass die Eltern es nicht verwalten sollen (§ 1638 Abs. 1 BGB). Das erfasst auch Surrogate – was das Kind aufgrund eines zu diesem Vermögen gehörenden Rechts oder als Ersatz erwirbt (§ 1638 Abs. 2 BGB). Ist nur **ein** Elternteil ausgeschlossen, verwaltet der andere und vertritt das Kind insoweit (§ 1638 Abs. 3 BGB).
- **Verwaltungsanordnungen:** Was das Kind von Todes wegen erwirbt, haben die Eltern nach den **Anordnungen** zu verwalten, die letztwillig getroffen wurden (§ 1639 Abs. 1 BGB).
- **Vermögensverzeichnis:** Die Eltern müssen das von Todes wegen erworbene Vermögen **verzeichnen**, das Verzeichnis mit der Versicherung der Richtigkeit und Vollständigkeit versehen und beim **Familiengericht einreichen** (§ 1640 Abs. 1 BGB). Bei Haushaltsgegenständen genügt der Gesamtwert. Die Pflicht **entfällt**, wenn der Wert des Erwerbs **15.000 €** nicht übersteigt oder der Erblasser etwas anderes angeordnet hat (§ 1640 Abs. 2 BGB). Bei fehlendem oder ungenügendem Verzeichnis kann das Gericht die Aufnahme durch Behörde oder **Notar** anordnen (§ 1640 Abs. 3 BGB).
- **Geldanlage:** Das der Verwaltung unterliegende Geld ist nach den Grundsätzen einer **wirtschaftlichen Vermögensverwaltung** anzulegen, soweit es nicht für Ausgaben bereitzuhalten ist (§ 1642 BGB).
- **Schenkungsverbot:** Die Eltern können in Vertretung des Kindes **keine Schenkungen** vornehmen; ausgenommen sind Schenkungen, durch die einer **sittlichen Pflicht** oder einer auf den **Anstand** zu nehmenden Rücksicht entsprochen wird (§ 1641 BGB).

## Haftungsbeschränkung mit Eintritt der Volljährigkeit (§ 1629a BGB)

§ 1629a BGB ist die Schutznorm gegen den „Start ins Erwachsenenleben mit Schulden“. Die Haftung für Verbindlichkeiten, die die Eltern im Rahmen ihrer Vertretungsmacht begründet haben **oder die aufgrund eines während der Minderjährigkeit erfolgten Erwerbs von Todes wegen entstanden sind**, beschränkt sich auf den **Bestand des bei Eintritt der Volljährigkeit vorhandenen Vermögens** (§ 1629a Abs. 1 S. 1 BGB). Dasselbe gilt für Verbindlichkeiten aus zustimmungspflichtigen Geschäften nach §§ 107, 108, 111 BGB und aus Geschäften, für die die Eltern eine familiengerichtliche Genehmigung erhalten haben.

Beruft sich der volljährig Gewordene auf die Beschränkung, finden die **Erbenhaftungsvorschriften der §§ 1990, 1991 BGB entsprechende Anwendung** (§ 1629a Abs. 1 S. 2 BGB) – also die Dürftigkeitseinrede mit Herausgabe des Nachlasses nach den Vorschriften über die Herausgabe einer ungerechtfertigten Bereicherung.

**Ausgenommen** sind Verbindlichkeiten aus dem selbständigen Betrieb eines Erwerbsgeschäfts, zu dem der Minderjährige nach § 112 BGB ermächtigt war, und Verbindlichkeiten aus Rechtsgeschäften, die **allein der Befriedigung persönlicher Bedürfnisse** dienten (§ 1629a Abs. 2 BGB). Rechte gegen **Mitschuldner und Mithaftende** sowie Sicherheiten bleiben unberührt (§ 1629a Abs. 3 BGB).

Für Erben besonders wichtig ist **Absatz 4**: Verlangt das volljährig gewordene Mitglied einer **Erbengemeinschaft** nicht binnen **drei Monaten** nach Eintritt der Volljährigkeit die **Auseinandersetzung** des Nachlasses, ist im Zweifel anzunehmen, dass die aus diesem Verhältnis herrührende Verbindlichkeit **nach** Eintritt der Volljährigkeit entstanden ist – sie fällt dann also **nicht** unter die Haftungsbeschränkung. Zusätzlich wird vermutet, dass das gegenwärtige Vermögen bereits bei Eintritt der Volljährigkeit vorhanden war. Wer mit 18 Jahren in einer Erbengemeinschaft steckt, hat damit eine **Drei-Monats-Obliegenheit**.

## Kann ein Minderjähriger selbst ein Testament errichten?

Ja, aber erst spät und nur in einer Form. Ein Minderjähriger kann ein Testament **erst errichten, wenn er das 16. Lebensjahr vollendet hat** (§ 2229 Abs. 1 BGB). Er braucht dafür **nicht die Zustimmung** seines gesetzlichen Vertreters (§ 2229 Abs. 2 BGB) – die Errichtung ist höchstpersönlich. § 2229 Abs. 3 BGB ist weggefallen.

Die Form ist eingeschränkt: Ist der Erblasser minderjährig, kann er das Testament **nur durch Erklärung gegenüber dem Notar oder durch Übergabe einer offenen Schrift** errichten (§ 2233 Abs. 1 BGB). Ein **eigenhändiges Testament** nach § 2247 BGB scheidet also aus, ebenso die Übergabe einer **verschlossenen** Schrift. Unter 16 ist jede Testamentserrichtung ausgeschlossen; ein gleichwohl errichtetes Testament ist unwirksam.

## Steuerliche Einordnung

Der Erbschaftsteuer-Freibetrag richtet sich nach dem Verwandtschaftsverhältnis, nicht nach dem Alter: Kinder – und Kinder verstorbener Kinder – haben einen Freibetrag von **400.000 €**, Enkel von **200.000 €**, Ehegatten und Lebenspartner von **500.000 €** (§ 16 Abs. 1 Nr. 1–3 ErbStG). Der Freibetrag besteht **je Elternteil**, so dass ein Kind von Vater und Mutter zusammen 800.000 € steuerfrei erwerben kann. Hinzu kommt der besondere Versorgungsfreibetrag für Kinder nach § 17 Abs. 2 ErbStG, der altersabhängig gestaffelt ist.

## Häufige Irrtümer

- **„Ein Kind kann gar nicht erben.“** Falsch – es gibt keine Altersgrenze; nach § 1923 Abs. 2 BGB erbt sogar der bereits gezeugte **nasciturus**. Nur handeln kann das Kind nicht selbst.
- **„Für jede erbrechtliche Erklärung brauche ich das Familiengericht.“** Nein – § 1643 Abs. 3 BGB nimmt die **Kettenausschlagung** (wenn der Elternteil nicht neben dem Kind berufen war) und den **Auseinandersetzungsvertrag** ausdrücklich aus.
- **„Ohne Ergänzungspfleger geht bei der Auseinandersetzung nichts, und deshalb braucht es auch die Genehmigung.“** Zwei verschiedene Fragen: Der **Vertretungsausschluss** (§ 1629 Abs. 2 iVm § 1824 BGB) besteht, die **Genehmigungspflicht** für den Auseinandersetzungsvertrag jedoch nicht (§ 1643 Abs. 3 S. 2 BGB).
- **„Ich muss erst die Genehmigung abwarten und dann ausschlagen.“** Riskant – die **Erklärung** gehört innerhalb der sechs Wochen zum Nachlassgericht; für die **Genehmigung** ist der Fristlauf ohnehin gehemmt (§ 1858 Abs. 3 S. 3 BGB).
- **„Die Rechtsgrundlage ist § 1850 BGB.“** Nicht für Erbschaften – § 1850 BGB betrifft Grundstücke und Schiffe. Die erbrechtlichen Geschäfte stehen in **§ 1851 BGB**; die alten Nummern (§ 1643 Abs. 2, § 1822 BGB a. F.) gelten seit dem **01.01.2023** nicht mehr.
- **„Mit 18 haftet mein Kind für alle Nachlassschulden unbeschränkt.“** Nein – § 1629a Abs. 1 BGB beschränkt die Haftung auf das bei Volljährigkeit vorhandene Vermögen. Aber: In der Erbengemeinschaft läuft die **Drei-Monats-Frist** des § 1629a Abs. 4 BGB.
- **„Mein 16-jähriges Kind kann ein handschriftliches Testament schreiben.“** Nein – zulässig ist nur die Erklärung gegenüber dem **Notar** oder die Übergabe einer **offenen** Schrift (§ 2233 Abs. 1 BGB).
- **„Ich muss jedes geerbte Vermögen beim Familiengericht anzeigen.“** Nur oberhalb von **15.000 €** – darunter entfällt das Vermögensverzeichnis (§ 1640 Abs. 2 Nr. 1 BGB).

## Änderungsverlauf

- 2026-09-21: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Alle Normtexte am 21.09.2026 gegen den amtlichen konsolidierten Volltext auf gesetze-im-internet.de geprüft (§§ 1629, 1629a, 1638–1644, 1809, 1813, 1824, 1851, 1855–1858, 1923, 1944, 1945, 2229, 2233 BGB, § 16 ErbStG). Genehmigungssystematik durchgehend in der seit dem 01.01.2023 geltenden Fassung zitiert – nicht nach § 1643 Abs. 2, § 1822 BGB a. F. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

Rechtsstand: 21.09.2026. Alle Paragrafenangaben beziehen sich auf die seit der Reform des Vormundschafts- und Betreuungsrechts (in Kraft seit 01.01.2023) geltende Fassung des BGB. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall; bei Erbauseinandersetzungen mit minderjährigen Beteiligten ist die frühzeitige Einbindung von Notar und Familiengericht üblich.

## Quellen

- § 1629 BGB – Vertretung des Kindes, Vertretungsausschluss nach § 1824:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1629.html
- § 1629a BGB – Beschränkung der Minderjährigenhaftung, Drei-Monats-Regel:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1629a.html
- § 1638 BGB – Beschränkung der Vermögenssorge durch letztwillige Anordnung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1638.html
- § 1639 BGB – Anordnungen des Erblassers oder Zuwendenden:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1639.html
- § 1640 BGB – Vermögensverzeichnis, 15.000-Euro-Grenze:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1640.html
- § 1641 BGB – Schenkungsverbot der Eltern:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1641.html
- § 1642 BGB – Anlegung von Geld:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1642.html
- § 1643 BGB – Genehmigungsbedürftige Rechtsgeschäfte, Ausnahmen in Absatz 3:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1643.html
- § 1644 BGB – Ergänzende Vorschriften, Genehmigungsmaßstab, Verweis auf §§ 1855–1858:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1644.html
- § 1809 BGB – Ergänzungspflegschaft und Anzeigepflicht:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1809.html
- § 1813 BGB – Anwendung des Vormundschaftsrechts auf Pflegschaften:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1813.html
- § 1824 BGB – Ausschluss der Vertretungsmacht:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1824.html
- § 1851 BGB – Genehmigung für erbrechtliche Rechtsgeschäfte:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1851.html
- § 1855 BGB – Erklärung der Genehmigung nur gegenüber dem Vertreter:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1855.html
- § 1856 BGB – Nachträgliche Genehmigung, Zwei-Monats-Regel:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1856.html
- § 1858 BGB – Einseitiges Rechtsgeschäft, Hemmung der gesetzlichen Frist:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1858.html
- § 1923 BGB – Erbfähigkeit, nasciturus:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1923.html
- § 1944 BGB – Ausschlagungsfrist:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1944.html
- § 1945 BGB – Form der Ausschlagung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1945.html
- § 2229 BGB – Testierfähigkeit Minderjähriger:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2229.html
- § 2233 BGB – Sonderfälle der Testamentserrichtung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2233.html
- § 16 ErbStG – Freibeträge:
  https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__16.html
- § 17 ErbStG – Besonderer Versorgungsfreibetrag:
  https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__17.html
- § 1643 BGB (dejure.org, mit Rechtsprechungsnachweisen):
  https://dejure.org/gesetze/BGB/1643.html
- § 1629a BGB (dejure.org, mit Rechtsprechungsnachweisen):
  https://dejure.org/gesetze/BGB/1629a.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-09-21
- Letzte Prüfung: 2026-09-21
- In Kraft seit: 2023-01-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
