---
title: Nichtbeförderung & Überbuchung (Art. 4 VO 261/2004) – freiwilliger Verzicht, Ausgleich, Betreuung
slug: nichtbefoerderung-ueberbuchung-flug-261-2004
topic: reiserecht
legal_status: in_force
authority_level: A
valid_from: 2005-02-17
valid_to: null
last_reviewed: 2026-07-17
status: aktuell
license: CC-BY-4.0
url: https://nexvyra.de/fakten/nichtbefoerderung-ueberbuchung-flug-261-2004.md
wikidata_subjects: [Q1378014]
factcheck_status: ok
---

# Nichtbeförderung & Überbuchung (Art. 4 VO 261/2004) – freiwilliger Verzicht, Ausgleich, Betreuung

## Kurzantwort

Wird einem Fluggast trotz gültiger, bestätigter Buchung und rechtzeitigem Erscheinen am Flugsteig die Beförderung verweigert — der klassische Fall der **Überbuchung** —, greift **Artikel 4 der EU-Fluggastrechte-Verordnung 261/2004**. Das Luftfahrtunternehmen muss zunächst **Freiwillige** suchen, die gegen eine frei zu vereinbarende **Gegenleistung** auf ihren Platz verzichten (Art. 4 Abs. 1). Wer freiwillig verzichtet, erhält die vereinbarte Gegenleistung plus Erstattung oder Ersatzbeförderung nach Art. 8, hat aber **keinen** pauschalen Ausgleichsanspruch. Melden sich zu wenige Freiwillige, darf die Airline Fluggäste **gegen ihren Willen** zurücklassen — diese haben dann **sofort** Anspruch auf die pauschale **Ausgleichsleistung von 250 €, 400 € oder 600 €** (je nach Flugentfernung, Art. 7), zusätzlich auf **Betreuungsleistungen** (Essen, Getränke, ggf. Hotel; Art. 9) und **Unterstützung** (Erstattung binnen 7 Tagen oder Ersatzbeförderung; Art. 8). Anders als bei Annullierung oder Verspätung kann sich die Airline bei Nichtbeförderung **nicht** auf **außergewöhnliche Umstände** berufen — Überbuchung ist eine unternehmerische Entscheidung (EuGH C-22/11, Finnair). Der Begriff „Nichtbeförderung" erfasst nicht nur Überbuchung, sondern auch betriebliche Gründe (z. B. Umbuchung nach einem gestörten Vorflug).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Art. 4 Verordnung (EG) Nr. 261/2004 [eur-lex.europa.eu] |
| In Kraft seit | 17.02.2005 |
| Definition Nichtbeförderung | Weigerung, einen Fluggast zu befördern, obwohl er sich rechtzeitig eingefunden hat und keine vertretbaren Gründe vorliegen [Art. 2 lit. j] |
| Schritt 1: Freiwillige suchen | Airline muss zuerst Freiwillige gegen Gegenleistung zum Verzicht bewegen [Art. 4 Abs. 1] |
| Freiwilliger Verzicht | Gegenleistung (frei vereinbar) + Erstattung/Ersatzbeförderung nach Art. 8; kein Ausgleich nach Art. 7 |
| Unfreiwillige Nichtbeförderung | Sofortiger Ausgleichsanspruch nach Art. 7 [Art. 4 Abs. 3] |
| Ausgleich bis 1.500 km | 250 € [Art. 7 Abs. 1a] |
| Ausgleich innergemeinschaftlich über 1.500 km / sonstige 1.500–3.500 km | 400 € [Art. 7 Abs. 1b] |
| Ausgleich über 3.500 km | 600 € [Art. 7 Abs. 1c] |
| Kürzung um 50 % | Bei rechtzeitiger Ersatzbeförderung nach Art. 8 [Art. 7 Abs. 2] |
| Betreuungsleistungen | Mahlzeiten, Getränke, Kommunikation, ggf. Hotel + Transfer [Art. 9] |
| Unterstützungsleistungen | Erstattung Flugpreis binnen 7 Tagen ODER anderweitige Beförderung [Art. 8] |
| Kein Ausschluss durch außergewöhnliche Umstände | Überbuchung ist unternehmerisches Risiko [EuGH C-22/11 Finnair] |
| Nichtbeförderung auch aus betrieblichen Gründen | Nicht auf Überbuchung beschränkt [EuGH C-22/11 Finnair; C-321/11 Rodríguez Cachafeiro] |
| Rechtzeitiges Erscheinen | Spätestens 45 Min vor Abflug, sofern keine Zeit angegeben [Art. 3 Abs. 2a] |
| Vertretbare Gründe (kein Anspruch) | Gesundheit, allgemeine/betriebliche Sicherheit, unzureichende Reisedokumente [Art. 2 lit. j] |
| Geltungsbereich | EU-Abflug (alle Airlines) + EU-Ankunft mit EU-Airline [Art. 3] |
| Nationale Durchsetzungsstelle | Luftfahrt-Bundesamt (LBA) [lba.de] |
| Schlichtung | söp – Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr |
| Verjährung zivilrechtlicher Ansprüche | 3 Jahre [§ 195 BGB] |

## Was ist Nichtbeförderung?

Eine **Nichtbeförderung** („denied boarding") im Sinne der Verordnung liegt vor, wenn ein Luftfahrtunternehmen sich weigert, einen Fluggast zu befördern, **obwohl** dieser
- über eine **bestätigte Buchung** verfügt,
- sich **rechtzeitig** zur Abfertigung und am Flugsteig eingefunden hat (spätestens 45 Minuten vor dem veröffentlichten Abflug, sofern keine andere Zeit angegeben wurde), und
- **keine vertretbaren Gründe** für die Verweigerung vorliegen.

Der häufigste Grund ist **Überbuchung**: Airlines verkaufen bewusst mehr Tickets als Sitzplätze vorhanden sind, um kurzfristige Stornierungen und No-Shows auszugleichen. Erscheinen zu viele Fluggäste, bleibt ein Teil am Boden.

**Nicht** als Nichtbeförderung gelten Fälle, in denen **vertretbare Gründe** vorliegen — etwa unzureichende Reisedokumente, Gründe der Gesundheit oder der allgemeinen und betrieblichen Sicherheit — oder wenn sich der Fluggast **verspätet** zum Check-in einfindet.

## Ablauf nach Art. 4: erst Freiwillige, dann Zwang

**Schritt 1 – Aufruf zum freiwilligen Verzicht (Art. 4 Abs. 1).** Zeichnet sich ab, dass nicht alle Fluggäste befördert werden können, muss die Airline **zuerst** Freiwillige suchen, die gegen eine **Gegenleistung** auf ihren Sitzplatz verzichten. Höhe und Art der Gegenleistung (z. B. Gutschein, Geldbetrag, Upgrade) sind **frei zwischen Fluggast und Airline zu vereinbaren**. Zusätzlich zur Gegenleistung erhalten Freiwillige die Unterstützungsleistungen nach Art. 8 — also **Erstattung** des Flugpreises **oder** eine **anderweitige Beförderung** zum Zielort.

Wichtig: Wer **freiwillig** verzichtet, hat **keinen** Anspruch auf die pauschale Ausgleichsleistung nach Art. 7. Fluggäste sollten deshalb genau prüfen, ob die angebotene Gegenleistung die entgangene Ausgleichszahlung (bis zu 600 €) aufwiegt.

**Schritt 2 – unfreiwillige Nichtbeförderung (Art. 4 Abs. 3).** Finden sich nicht genügend Freiwillige, darf die Airline Fluggäste **gegen ihren Willen** von der Beförderung ausschließen. Diese Fluggäste haben dann **sofort** Anspruch auf:
- die **Ausgleichsleistung** nach Art. 7 (250/400/600 €),
- **Unterstützungsleistungen** nach Art. 8 (Erstattung binnen 7 Tagen **oder** Ersatzbeförderung), und
- **Betreuungsleistungen** nach Art. 9 (Mahlzeiten, Erfrischungen, Kommunikation, bei Bedarf Hotel und Transfer).

## Höhe der Ausgleichsleistung (Art. 7)

Die Pauschale richtet sich allein nach der **Flugentfernung** (Großkreismethode) und ist unabhängig vom tatsächlichen Schaden:

- **250 €** bei Flügen bis **1.500 km**,
- **400 €** bei innergemeinschaftlichen Flügen über 1.500 km sowie bei allen sonstigen Flügen zwischen **1.500 und 3.500 km**,
- **600 €** bei allen übrigen Flügen (über 3.500 km, außereuropäisch).

**Kürzung um 50 % (Art. 7 Abs. 2).** Bietet die Airline eine **anderweitige Beförderung** an, deren Ankunftszeit die planmäßige Ankunft nur um bis zu 2 Stunden (bis 1.500 km), 3 Stunden (innergemeinschaftlich über 1.500 km / 1.500–3.500 km) bzw. 4 Stunden (übrige Flüge) überschreitet, darf sie die Ausgleichsleistung um **50 %** kürzen (also auf 125/200/300 €).

## Kein „außergewöhnliche Umstände"-Einwand bei Überbuchung

Anders als bei **Annullierung** (Art. 5 Abs. 3) und großer **Verspätung** kann sich die Airline bei **Nichtbeförderung wegen Überbuchung** **nicht** auf **außergewöhnliche Umstände** berufen, um den Ausgleich zu verweigern. Der EuGH hat im Urteil **Finnair ./. Lassooy (C-22/11, 4.10.2012)** klargestellt: Der Begriff „Nichtbeförderung" ist **weit** zu verstehen und erfasst nicht nur die Überbuchung aus wirtschaftlichen Gründen, sondern auch die Verweigerung aus **betrieblichen Gründen** (z. B. wenn Passagiere eines gestörten Vorflugs umgebucht werden). Außergewöhnliche Umstände auf einem **früheren** Flug rechtfertigen keine entschädigungsfreie Nichtbeförderung auf einem **späteren** Flug.

Im Urteil **Rodríguez Cachafeiro ./. Iberia (C-321/11, 4.10.2012)** entschied der EuGH zudem: Auch wer bei einer einheitlichen Buchung mit Anschlussflug zurückgelassen wird, weil die Airline wegen einer selbst verursachten Verspätung des Erstflugs fälschlich mit seinem Nichterscheinen rechnete, wird „nicht befördert" und hat Anspruch auf Ausgleich.

## Durchsetzung

Ansprüche sind **zuerst gegenüber dem ausführenden Luftfahrtunternehmen** geltend zu machen. Reagiert die Airline nicht oder nicht ausreichend, bestehen mehrere Wege:
- **Schlichtung** über die **söp – Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr** (für den Fluggast kostenfrei); für nicht angeschlossene Airlines die behördliche Schlichtungsstelle beim **Bundesamt für Justiz**.
- **Klage- oder Mahnverfahren** vor den Zivilgerichten; das Bundesministerium der Justiz bietet unter service.justiz.de/fluggastrechte einen Online-Dienst zur digitalen Klage an.

Das **Luftfahrt-Bundesamt (LBA)** ist die **nationale Durchsetzungs- und Beschwerdestelle**. Es überwacht die Einhaltung der Verordnung im Wege der gewerberechtlichen Aufsicht, setzt aber **keine** individuellen zivilrechtlichen Ansprüche durch. Die **Verjährung** zivilrechtlicher Ansprüche richtet sich nach deutschem Recht — regelmäßig **3 Jahre** (§ 195 BGB).

## Abgrenzung

Diese Seite behandelt speziell die **Nichtbeförderung/Überbuchung** nach Art. 4. Für die allgemeinen Fluggastrechte bei **Verspätung und Annullierung** siehe die Seite „Fluggastrechte (EU-VO 261/2004)"; für den Wegfall des Ausgleichs bei **außergewöhnlichen Umständen** siehe die entsprechende Themenseite. Gepäckschäden sind **nicht** in VO 261/2004, sondern im **Montrealer Übereinkommen** geregelt.





## Quellen

- Verordnung (EG) Nr. 261/2004, Art. 2 lit. j, Art. 3, Art. 4, Art. 7, Art. 8, Art. 9 – https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=celex:32004R0261 (Autorität A)
- Luftfahrt-Bundesamt (LBA), FAQ Annullierung, Verspätung und Nichtbeförderung – https://www.lba.de/DE/Fluggastrechte/FAQFluggastrechte/FAQ_DeniedBoarding/FAQ_node.html (nationale Durchsetzungsstelle)
- EuGH, Urteil vom 04.10.2012, C-22/11 (Finnair Oyj ./. Timy Lassooy), ECLI:EU:C:2012:604 – https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:62011CJ0022 (Autorität A)
- EuGH, Urteil vom 04.10.2012, C-321/11 (Germán Rodríguez Cachafeiro u. a. ./. Iberia) – https://curia.europa.eu/juris/liste.jsf?num=C-321/11 (Autorität A)
- § 195 BGB (Regelmäßige Verjährungsfrist) – https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__195.html (Autorität A)

## Änderungsverlauf

- 2026-07-17: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"