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# Öffentliches (notarielles) Testament (§ 2232 BGB) – Errichtung, amtliche Verwahrung, Kosten, Erbschein-Ersparnis

## Kurzantwort

Das öffentliche Testament – umgangssprachlich notarielles Testament – ist neben dem eigenhändigen Testament (§ 2247 BGB) die zweite ordentliche Testamentsform (§ 2231 BGB). Es wird zur Niederschrift eines Notars errichtet, und zwar auf zwei alternativen Wegen: entweder erklärt der Erblasser dem Notar mündlich seinen letzten Willen, oder er übergibt dem Notar eine Schrift mit der Erklärung, dass diese Schrift seinen letzten Willen enthalte (§ 2232 S. 1 BGB). Die übergebene Schrift darf offen oder verschlossen sein und muss nicht vom Erblasser selbst geschrieben sein (§ 2232 S. 2 BGB) – sie kann also getippt oder von einem Dritten verfasst sein. Der Notar soll die Niederschrift versiegeln und veranlassen, dass das Testament unverzüglich in besondere amtliche Verwahrung beim Nachlassgericht gebracht wird (§ 34 Abs. 1 BeurkG); außerdem meldet er es dem Zentralen Testamentsregister (§ 34a BeurkG). Die Beurkundungsgebühr beträgt beim Einzeltestament eine 1,0-Gebühr nach KV 21200 GNotKG aus dem Reinvermögen (§ 102 GNotKG) und deckt Beratung, Entwurf und Beurkundung ab. Praktisch wichtigster Vorteil: Das öffentliche Testament ersetzt in der Regel den Erbschein (§ 35 Abs. 1 S. 2 GBO) und ist deshalb im Ergebnis oft günstiger als ein privatschriftliches Testament. Achtung beim Widerruf: Wird das notarielle Testament aus der amtlichen Verwahrung zurückgenommen, gilt es als widerrufen (§ 2256 Abs. 1 BGB). Diese Seite gibt einen rechtlichen Überblick und ersetzt keine Beratung im Einzelfall.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 2232 BGB – Öffentliches Testament [gesetze-im-internet.de / dejure.org] |
| Einordnung | eine der zwei ordentlichen Testamentsformen: Niederschrift eines Notars oder eigenhändige Erklärung nach § 2247 BGB (§ 2231 BGB) |
| Errichtungsweg 1 | Erblasser erklärt dem Notar seinen letzten Willen (§ 2232 S. 1 Alt. 1 BGB) |
| Errichtungsweg 2 | Erblasser übergibt dem Notar eine Schrift mit der Erklärung, sie enthalte seinen letzten Willen (§ 2232 S. 1 Alt. 2 BGB) |
| Form der übergebenen Schrift | offen oder verschlossen; sie braucht nicht vom Erblasser geschrieben zu sein (§ 2232 S. 2 BGB) – maschinenschriftlich zulässig |
| Sonderfall Minderjährige | ab 16 Jahren testierfähig, aber nur notariell: Erklärung gegenüber dem Notar oder Übergabe einer offenen Schrift (§ 2229 Abs. 1, § 2233 Abs. 1 BGB) |
| Sonderfall Leseunfähige | wer Geschriebenes nicht lesen kann, kann nur durch Erklärung gegenüber dem Notar testieren (§ 2233 Abs. 2 BGB) |
| Verschließung | Niederschrift soll in einen Umschlag genommen und mit dem Prägesiegel verschlossen werden (§ 34 Abs. 1 S. 1 BeurkG) |
| Amtliche Verwahrung | der Notar soll die unverzügliche besondere amtliche Verwahrung veranlassen (§ 34 Abs. 1 S. 4 BeurkG) |
| Registrierung | Notar übermittelt die Verwahrangaben elektronisch und unverzüglich an das Zentrale Testamentsregister (§ 34a BeurkG) |
| Gebühr Einzeltestament | 1,0-Gebühr nach KV 21200 GNotKG; Beispiel: 50.000 € Reinvermögen → 165,00 € [notar.de / Bundesnotarkammer] |
| Gebühr gemeinschaftliches Testament / Erbvertrag | 2,0-Gebühr nach KV 21100 GNotKG; Beispiel: 90.000 € Reinvermögen → 492,00 € [notar.de / Bundesnotarkammer] |
| Geschäftswert | Wert des Vermögens; Verbindlichkeiten werden abgezogen, höchstens bis zur Hälfte des Vermögenswerts (§ 102 Abs. 1 GNotKG) |
| Gebührenumfang | die Beurkundungsgebühr deckt Beratung, Entwurf und Beurkundung ab [notar.de] |
| Gebühr amtliche Verwahrung | 75,00 € Pauschale bei Annahme (KV 12100 GNotKG), unabhängig vom Nachlasswert |
| Gebühr Testamentsregister | 12,50 € je Registrierung, wenn der Notar die Gebühr entgegennimmt; 15,50 €, wenn das ZTR direkt abrechnet [testamentsregister.de] |
| Erbschein-Ersparnis | öffentliches Testament + Eröffnungsniederschrift genügen im Grundbuchverfahren statt eines Erbscheins (§ 35 Abs. 1 S. 2 Hs. 1 GBO) |
| Grenze der Ersparnis | hält das Grundbuchamt die Erbfolge damit nicht für nachgewiesen, kann es den Erbschein verlangen (§ 35 Abs. 1 S. 2 Hs. 2 GBO) |
| Widerruf durch Rücknahme | die Rückgabe des notariellen Testaments aus der besonderen amtlichen Verwahrung gilt als Widerruf (§ 2256 Abs. 1 BGB) |
| Keine elektronische Urschrift | die Urschrift einer Verfügung von Todes wegen darf nicht nach § 56 BeurkG in die elektronische Form übertragen werden (§ 34 Abs. 4 BeurkG) – striktes Verbot |
| Elektronische Präsenzbeurkundung | über die Errichtung einer Verfügung von Todes wegen soll keine elektronische Niederschrift aufgenommen werden (§ 31 BeurkG) – Soll-Vorschrift, kein Wirksamkeitserfordernis; elektronische Präsenzbeurkundung allgemein möglich seit 29.12.2025 |

## Was ist das öffentliche Testament?

**§ 2231 BGB** nennt zwei **ordentliche** Wege, ein Testament zu errichten: die **Niederschrift eines Notars** (Nr. 1) und die **eigenhändige Erklärung** nach § 2247 BGB (Nr. 2). Der erste Weg ist das **öffentliche Testament**, das § 2232 BGB näher ausgestaltet. Es ist eine **öffentliche Urkunde** und unterscheidet sich vom privatschriftlichen Testament vor allem in drei Punkten: Ein Notar **berät und formuliert**, das Testament wird **amtlich verwahrt und registriert**, und es hat im Rechtsverkehr eine **erhöhte Beweiskraft**.

Vom öffentlichen Testament zu unterscheiden sind die **außerordentlichen** Testamente – die **Nottestamente** der §§ 2249–2251 BGB –, die nur in einer echten Notlage errichtet werden dürfen und nach **drei Monaten** ihre Wirkung verlieren, wenn der Erblasser noch lebt (§ 2252 Abs. 1 BGB).

## Die zwei Errichtungswege des § 2232 BGB

Nach **§ 2232 S. 1 BGB** wird das Testament zur Niederschrift eines Notars errichtet, indem der Erblasser

1. **dem Notar seinen letzten Willen erklärt** (Erklärungstestament) – der Notar beurkundet die Erklärung, oder
2. **dem Notar eine Schrift übergibt** mit der Erklärung, dass die Schrift seinen letzten Willen enthalte (Übergabetestament).

Für den zweiten Weg stellt **§ 2232 S. 2 BGB** zwei praktisch wichtige Erleichterungen klar: Der Erblasser kann die Schrift **offen oder verschlossen** übergeben, und sie **braucht nicht von ihm geschrieben zu sein**. Anders als beim eigenhändigen Testament (§ 2247 BGB) muss der Text also **nicht handschriftlich** sein – er darf getippt, ausgedruckt oder von einer anderen Person verfasst worden sein. Entscheidend ist allein die **Übergabeerklärung** vor dem Notar. Wird die Schrift **verschlossen** übergeben, kennt der Notar ihren Inhalt nicht und kann ihn folglich auch nicht auf Wirksamkeit oder Widerspruchsfreiheit prüfen – der Beratungsvorteil des notariellen Testaments entfällt dann weitgehend.

## Sonderfälle: Minderjährige und leseunfähige Erblasser (§ 2233 BGB)

**§ 2233 BGB** schränkt die Wahlfreiheit zwischen den beiden Wegen für zwei Personengruppen ein:

- **Minderjährige** (nach § 2229 Abs. 1 BGB ab **16 Jahren** testierfähig, ohne Zustimmung des gesetzlichen Vertreters) können ein Testament **nur durch Erklärung gegenüber dem Notar oder durch Übergabe einer offenen Schrift** errichten (§ 2233 Abs. 1 BGB). Die verschlossene Übergabe ist ihnen verwehrt – ebenso das eigenhändige Testament, denn § 2247 Abs. 4 BGB setzt Volljährigkeit voraus. Für Minderjährige ist der Gang zum Notar damit der **einzige** Weg zu testieren.
- Wer nach eigenen Angaben oder nach Überzeugung des Notars **nicht imstande ist, Geschriebenes zu lesen**, kann das Testament **nur durch Erklärung** gegenüber dem Notar errichten (§ 2233 Abs. 2 BGB). Die Übergabe einer Schrift scheidet aus, weil der Erblasser deren Inhalt nicht selbst kontrollieren könnte.

## Testierfähigkeit: was der Notar prüft – und was das nicht beweist

Der Notar hat bei der Beurkundung von Amts wegen Feststellungen zur **Geschäfts- bzw. Testierfähigkeit** zu treffen (§ 28 BeurkG); Zweifel sind in der Niederschrift zu vermerken. Das ist ein realer Vorteil gegenüber dem privatschriftlichen Testament, weil ein neutraler Amtsträger den Erblasser im Errichtungszeitpunkt erlebt und dokumentiert.

Gleichwohl gilt: Der Vermerk des Notars ist **kein Beweis der Testierfähigkeit** und bindet das Nachlassgericht **nicht**. Wird die Testierfähigkeit später bestritten, klären die Gerichte sie eigenständig auf – regelmäßig durch **Sachverständigengutachten** (vgl. OLG Hamm, 15.11.2019 – 10 W 143/17). Die notarielle Beurkundung **erschwert** Angriffe auf das Testament, macht sie aber nicht unmöglich. Umgekehrt schützt § 27 BeurkG davor, dass ein Notar beurkundet, in dessen Testament er selbst oder ihm nahestehende Personen bedacht werden.

## Amtliche Verwahrung und Zentrales Testamentsregister

Nach **§ 34 Abs. 1 BeurkG** **soll** der Notar die Niederschrift in einen **Umschlag** nehmen, diesen mit dem **Prägesiegel verschließen**, den Erblasser und das Errichtungsdatum auf dem Umschlag bezeichnen und veranlassen, dass das Testament **unverzüglich in besondere amtliche Verwahrung** gebracht wird (§ 34 Abs. 1 S. 4 BeurkG). Zuständig ist das **Nachlassgericht** (Amtsgericht); in **Baden-Württemberg** bestehen historische Besonderheiten der notariellen Zuständigkeit. Für den **Erbvertrag** gilt das entsprechend, sofern die Vertragschließenden die amtliche Verwahrung nicht ausschließen – was im Zweifel anzunehmen ist, wenn der Erbvertrag mit einem anderen Vertrag in derselben Urkunde verbunden wird (§ 34 Abs. 2, 3 BeurkG).

Parallel übermittelt der Notar die Verwahrangaben **elektronisch und unverzüglich** an das **Zentrale Testamentsregister** der Bundesnotarkammer (**§ 34a BeurkG**). Dadurch ist sichergestellt, dass das Testament im Sterbefall **gefunden** und dem Nachlassgericht gemeldet wird – ein Vorteil, den ein zu Hause aufbewahrtes eigenhändiges Testament nicht hat.

**Wichtige Kehrseite:** Wird die in besondere amtliche Verwahrung genommene Urkunde dem Erblasser **zurückgegeben**, gilt das notarielle Testament als **widerrufen** (**§ 2256 Abs. 1 BGB**). Das ist bewusst so geregelt und unterscheidet das öffentliche Testament vom **eigenhändigen** Testament: Für ein nach § 2248 BGB hinterlegtes eigenhändiges Testament ist die Rückgabe **auf die Wirksamkeit ohne Einfluss** (§ 2256 Abs. 3 BGB). Wer sein notarielles Testament nur einmal ansehen möchte, sollte deshalb eine **Ausfertigung oder beglaubigte Abschrift** anfordern statt die Urschrift zurückzuholen.

## Kosten: Beurkundung, Verwahrung, Register

Die **Beurkundungsgebühr** richtet sich nach dem **Geschäftswert**. Nach **§ 102 Abs. 1 GNotKG** ist das bei einer Verfügung über den ganzen Nachlass der **Wert des Vermögens**; **Verbindlichkeiten** des Erblassers werden abgezogen, **jedoch nur bis zur Hälfte** des Vermögenswerts. Schulden senken die Gebühr also, aber gedeckelt.

- **Einzeltestament**: **1,0-Gebühr** nach **KV 21200 GNotKG**. Bei einem Reinvermögen von **50.000 €** sind das **165,00 €**.
- **Gemeinschaftliches Testament oder Erbvertrag**: **2,0-Gebühr** nach **KV 21100 GNotKG**. Bei einem Reinvermögen von **90.000 €** sind das **492,00 €**.

Die Gebühr deckt die **gesamte notarielle Leistung** ab – rechtliche Beratung, Entwurfsfertigung und Beurkundung. Hinzu kommen **Auslagen** (Dokumentenpauschale rund 0,15 € je Seite, Post/Telekommunikation), die **Umsatzsteuer** von derzeit 19 % sowie die Registergebühr.

Für die **Annahme in besondere amtliche Verwahrung** fällt beim Gericht eine **Pauschale von 75,00 €** an (**KV 12100 GNotKG**) – unabhängig davon, ob es um einen kleinen oder einen millionenschweren Nachlass geht. Die **Registrierung im Zentralen Testamentsregister** kostet **12,50 €**, wenn der Notar die Gebühr für das ZTR entgegennimmt, und **15,50 €**, wenn das Register unmittelbar mit der testierenden Person abrechnet; die Gebühr ist **einmalig**, umsatzsteuerfrei und deckt auch Berichtigungen, Folgeregistrierungen und die Benachrichtigung im Sterbefall ab. Bei einem gemeinschaftlichen Testament oder Erbvertrag fällt sie **je testierender Person** an, also zweimal.

## Der Kostenvorteil: das Testament ersetzt meist den Erbschein

Der wirtschaftlich entscheidende Punkt steht nicht im BGB, sondern in der **Grundbuchordnung**: Beruht die Erbfolge auf einer **in einer öffentlichen Urkunde enthaltenen Verfügung von Todes wegen**, genügt es, **die Verfügung und die Niederschrift über ihre Eröffnung** vorzulegen – **statt** eines Erbscheins (**§ 35 Abs. 1 S. 2 Hs. 1 GBO**). Beim privatschriftlichen Testament geht das nicht; dort ist für die **Grundbuchberichtigung** regelmäßig ein **Erbschein** erforderlich.

Das schlägt unmittelbar auf die Kosten durch. Die Bundesnotarkammer rechnet es so vor: Bei einem Wert von **100.000 €** kostet die **Aufnahme des Erbscheinsantrags** eine 1,0-Gebühr nach KV 23300 GNotKG in Höhe von **273,00 €**, und für die **Erteilung** des Erbscheins fällt beim Nachlassgericht **nochmals 273,00 €** an – zusammen **546,00 €**. Ein notarielles Testament, das den Erbschein ersetzt, hätte im selben Beispiel nur **273,00 €** ausgelöst. Der Gang zum Notar kann also **bis zu rund 50 %** der sonst anfallenden Kosten sparen – und zwar zusätzlich zum Beratungs- und Beweisvorteil.

**Aber:** Die Ersparnis ist **kein Automatismus**. Hält das **Grundbuchamt** die Erbfolge durch Testament und Eröffnungsniederschrift **nicht für nachgewiesen**, kann es die Vorlage eines **Erbscheins oder Europäischen Nachlasszeugnisses verlangen** (**§ 35 Abs. 1 S. 2 Hs. 2 GBO**). Das kommt vor allem dann in Betracht, wenn das Testament die Erben **nicht eindeutig** benennt, wenn es **auslegungsbedürftig** ist oder wenn die Erbfolge von **außerhalb der Urkunde liegenden Tatsachen** abhängt. Das öffentliche Testament spart den Erbschein also nur, wenn es **klar und aus sich heraus verständlich** formuliert ist – genau das ist die Leistung, für die die Beurkundungsgebühr anfällt.

Gegenüber **Banken** gilt § 35 GBO nicht unmittelbar; der BGH hat aber entschieden, dass ein Erbe seine Erbenstellung auch durch ein **eröffnetes eigenhändiges Testament** nachweisen kann und eine Bank nicht in jedem Fall auf einem Erbschein bestehen darf (BGH, 05.04.2016 – XI ZR 440/15).

## Papierform bleibt: keine Digitalisierung von Verfügungen von Todes wegen

Mit dem **Gesetz zur Einführung einer elektronischen Präsenzbeurkundung** (in Kraft seit **29.12.2025**) sind notarielle Beurkundungen weitgehend digital möglich geworden. Für **Verfügungen von Todes wegen** bleibt es aber praktisch bei der **Papierform** – allerdings aus zwei Vorschriften mit **unterschiedlicher Schärfe**, und die Unterscheidung ist wichtig:

- **§ 31 BeurkG** („Ausschluss der elektronischen Niederschrift") lautet im amtlichen Volltext: *„Über die Errichtung einer Verfügung von Todes wegen **soll** keine elektronische Niederschrift aufgenommen werden."* Das ist eine **Soll-Vorschrift** – eine Ordnungsvorschrift, die den Notar bindet, aber **kein Wirksamkeitserfordernis** für das Testament aufstellt. Eine dennoch elektronisch aufgenommene Niederschrift wäre eine Amtspflichtverletzung, nicht ohne Weiteres ein unwirksames Testament. Wer die Norm als schlichte „Bereichsausnahme" liest, liest sie zu grob.
- **§ 34 Abs. 4 BeurkG** ist dagegen ein **striktes Verbot**: Die **Urschrift** einer Verfügung von Todes wegen **darf nicht** nach § 56 BeurkG in die elektronische Form übertragen werden.

Zusammen bewirken beide Normen, dass Testamente und Erbverträge in Papier entstehen und in Papier bleiben. Das ist die notwendige Kehrseite der besonderen amtlichen Verwahrung: Verwahrt wird ein **physischer, versiegelter Umschlag**, und nur so funktionieren Rücknahme (§ 2256 BGB) und Eröffnung.

## Praktische Hinweise

Wer ein öffentliches Testament errichten will, sollte den Weg der **mündlichen Erklärung** oder der **offenen Schrift** wählen, wenn er die Beratungsleistung des Notars tatsächlich nutzen möchte – bei **verschlossener Übergabe** beurkundet der Notar den letzten Willen, ohne ihn geprüft zu haben. Damit der spätere **Erbschein entbehrlich** bleibt (§ 35 Abs. 1 S. 2 GBO), sollten die Erben **namentlich und eindeutig** benannt und Bedingungen vermieden werden, deren Eintritt sich nicht aus der Urkunde selbst ergibt. Die **Urschrift** sollte in der amtlichen Verwahrung bleiben – eine Rücknahme wirkt als **Widerruf** (§ 2256 Abs. 1 BGB); für den Hausgebrauch genügt eine **beglaubigte Abschrift**. Ändern sich die Verhältnisse, ist ein **neues notarielles Testament** der saubere Weg, weil das spätere Testament das frühere insoweit aufhebt, als es ihm widerspricht (§ 2258 BGB). Für **Minderjährige ab 16 Jahren** und für Erblasser, die **Geschriebenes nicht lesen** können, ist das notarielle Testament nach § 2233 BGB ohnehin der einzige bzw. der vorgeschriebene Weg. Diese Seite ersetzt keine Rechtsberatung im Einzelfall.

## Häufige Fehler

- **„§ 31 BeurkG verbietet die elektronische Beurkundung eines Testaments."** Nicht in dieser Schärfe. § 31 BeurkG ist eine **Soll-Vorschrift**; sie bindet den Notar, stellt aber kein Wirksamkeitserfordernis für die Verfügung auf. Das strikte Verbot steht in **§ 34 Abs. 4 BeurkG** und betrifft die nachträgliche Übertragung der **Urschrift** in die elektronische Form.
- **„Ein getipptes Testament ist unwirksam."** Beim **eigenhändigen** Testament ja (§ 2247 BGB verlangt Handschrift), beim **notariellen Übergabetestament** nein: § 2232 S. 2 BGB stellt ausdrücklich klar, dass die übergebene Schrift nicht vom Erblasser geschrieben sein muss.
- **„Das notarielle Testament spart den Erbschein immer."** Nein. § 35 Abs. 1 S. 2 Hs. 2 GBO erlaubt dem Grundbuchamt, den Erbschein trotzdem zu verlangen, wenn es die Erbfolge durch Testament und Eröffnungsniederschrift nicht für nachgewiesen hält.
- **„Ich hole die Urschrift kurz aus der Verwahrung und bringe sie zurück."** Die Rückgabe aus der besonderen amtlichen Verwahrung gilt nach § 2256 Abs. 1 BGB als **Widerruf** – und zwar endgültig. Beim eigenhändigen hinterlegten Testament ist das anders (§ 2256 Abs. 3 BGB).
- **„Der Notar hat die Testierfähigkeit festgestellt, also ist sie bewiesen."** Der Vermerk nach § 28 BeurkG bindet das Nachlassgericht nicht; die Testierfähigkeit wird im Streitfall eigenständig aufgeklärt.

## Änderungsverlauf

- 2026-09-14: Faktencheck-Nachlauf, **freigegeben – mit einer inhaltlichen Korrektur**. Der einzige Hinderungsgrund vom 13.09.2026 (Fassung des § 31 BeurkG nicht amtlich verifizierbar) ist aufgelöst: Die Einzelnorm ist auf `gesetze-im-internet.de` wieder abrufbar und wurde am 14.09.2026 über den In-App-Browser **verbatim gegengelesen** – § 31 BeurkG trägt die Überschrift „Ausschluss der elektronischen Niederschrift" und lautet vollständig: „Über die Errichtung einer Verfügung von Todes wegen **soll** keine elektronische Niederschrift aufgenommen werden." Die amtliche Inhaltsübersicht des BeurkG führt ihn unter „Besonderheiten für Verfügungen von Todes wegen" als geltend; die frühere Anzeige „weggefallen" ist überholt. **Korrektur:** Die Kernfaktenzeile stellte § 31 BeurkG als Bereichsausnahme dar („Verfügungen von Todes wegen sind vom Anwendungsbereich … ausgenommen"). Das ist zu scharf – § 31 BeurkG ist eine **Soll-Vorschrift** und damit eine den Notar bindende Ordnungsvorschrift, **kein Wirksamkeitserfordernis** für die Verfügung. Das strikte Verbot („darf nicht") steht allein in **§ 34 Abs. 4 BeurkG** und betrifft die Übertragung der **Urschrift** in die elektronische Form. Kernfaktenzeile berichtigt, der Abschnitt „Papierform bleibt" auf die zweistufige Begründung umgestellt und der Unterschied ausdrücklich benannt; der bisherige Abschnitt „Prüfhinweis" ist durch einen Abschnitt „Häufige Fehler" ersetzt, der die Verwechslung als ersten Punkt aufnimmt. Ebenfalls in diesem Lauf am amtlichen Volltext gegengelesen: **§ 34 Abs. 1 bis 4 BeurkG** verbatim – Prägesiegel und Aufschrift nach Abs. 1 S. 1 bis 3, unverzügliche besondere amtliche Verwahrung nach Abs. 1 S. 4, Erbvertragsregel mit Zweifelsregel nach Abs. 2 und 3, Verbot der elektronischen Übertragung nach Abs. 4; die Seite gibt alle vier Absätze korrekt wieder. Das Inkrafttreten der **elektronischen Präsenzbeurkundung am 29.12.2025** ist über die Bundesnotarkammer (Meldung zum Start am Tag des Inkrafttretens) und das BMJV-Gesetzgebungsverfahren doppelt belegt – **Autoritätsniveau B**, weil der Verkündungstext selbst in diesem Lauf nicht abgerufen wurde. Quellenzeile zu § 31 BeurkG von dejure.org auf den amtlichen Volltext umgestellt, drei Quellen ergänzt. Keine der Gebühren- und Wertangaben (KV 21200, 21100, 12100, 23300 GNotKG, § 102 GNotKG, ZTR 12,50/15,50 €) musste geändert werden. Frontmatter steht jetzt auf ok, last_reviewed 2026-09-14. | change_type=factcheck field="factcheck_status" old="review_needed" new="ok" reviewed_by="Nexvyra-Faktenchecker (Freigabe-Aufholer 14.09.2026)"
- 2026-09-13: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Wortlaut der §§ 2231, 2232, 2233 BGB und des § 34 BeurkG live gegen dejure.org verifiziert; § 2256 Abs. 1/Abs. 3 BGB (Rücknahme = Widerruf nur beim notariellen Testament) geprüft; Gebühren (KV 21200 1,0 = 165,00 € bei 50.000 €; KV 21100 2,0 = 492,00 € bei 90.000 €; KV 23300 273,00 € + 273,00 €) gegen notar.de (Bundesnotarkammer) und § 102 GNotKG geprüft; Verwahrpauschale KV 12100 = 75,00 € und ZTR-Gebühren 12,50 €/15,50 € gegen testamentsregister.de abgeglichen. Offener Punkt: Fassung des § 31 BeurkG nicht amtlich verifizierbar → factcheck_status=review_needed. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Quellen

- § 2232 BGB – Öffentliches Testament:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2232.html
- § 2231 BGB – Ordentliche Testamente:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2231.html
- § 2233 BGB – Sonderfälle (Minderjährige, Leseunfähige):
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2233.html
- § 2229 BGB – Testierfähigkeit Minderjähriger, Testierunfähigkeit:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2229.html
- § 2247 BGB – Eigenhändiges Testament:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2247.html
- § 2256 BGB – Widerruf durch Rücknahme des Testaments aus der amtlichen Verwahrung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2256.html
- § 2258 BGB – Widerruf durch ein späteres Testament:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2258.html
- § 2232 BGB (dejure.org, Wortlaut + Rechtsprechung, Fassung seit 01.08.2002):
  https://dejure.org/gesetze/BGB/2232.html
- § 2231 BGB (dejure.org, Wortlaut):
  https://dejure.org/gesetze/BGB/2231.html
- § 2233 BGB (dejure.org, Wortlaut):
  https://dejure.org/gesetze/BGB/2233.html
- § 34 BeurkG – Verschließung, Verwahrung (inkl. Abs. 4: keine Übertragung in elektronische Form):
  https://www.gesetze-im-internet.de/beurkg/__34.html
- § 34 BeurkG (dejure.org, Wortlaut, Fassung seit 01.01.2022):
  https://dejure.org/gesetze/BeurkG/34.html
- § 34a BeurkG – Mitteilungs- und Ablieferungspflichten (Meldung an das Zentrale Testamentsregister):
  https://www.gesetze-im-internet.de/beurkg/__34a.html
- § 28 BeurkG – Feststellungen über die Geschäftsfähigkeit:
  https://www.gesetze-im-internet.de/beurkg/__28.html
- § 27 BeurkG – Begünstigte Personen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/beurkg/__27.html
- § 31 BeurkG – Ausschluss der elektronischen Niederschrift (amtlicher Volltext, am 14.09.2026 verbatim gegengelesen):
  https://www.gesetze-im-internet.de/beurkg/__31.html
- BeurkG – amtliche Inhaltsübersicht (führt § 31 unter „Besonderheiten für Verfügungen von Todes wegen" als geltend):
  https://www.gesetze-im-internet.de/beurkg/index.html
- Bundesnotarkammer – Start der elektronischen Präsenzbeurkundung am 29.12.2025:
  https://www.bnotk.de/aktuelles/details/start-der-elektronischen-praesenzbeurkundung
- BMJV – Gesetzgebungsverfahren „Gesetz zur Einführung einer elektronischen Präsenzbeurkundung":
  https://www.bmjv.de/SharedDocs/Gesetzgebungsverfahren/DE/2025_Elektronische_Praesenzbeurkundung.html
- § 35 GBO – Nachweis der Erbfolge (öffentliches Testament + Eröffnungsniederschrift statt Erbschein):
  https://www.gesetze-im-internet.de/gbo/__35.html
- § 102 GNotKG – Erbrechtliche Angelegenheiten (Geschäftswert; Abzug von Verbindlichkeiten bis zur Hälfte):
  https://www.gesetze-im-internet.de/gnotkg/__102.html
- GNotKG – Gesamttext mit Kostenverzeichnis (Anlage 1: KV 12100, 21100, 21200, 23300):
  https://www.gesetze-im-internet.de/gnotkg/BJNR258610013.html
- Bundesnotarkammer, notar.de – Notarkosten-Beispiele (Einzeltestament 1,0 KV 21200 = 165,00 € bei 50.000 €; gemeinschaftliches Testament/Erbvertrag 2,0 KV 21100 = 492,00 € bei 90.000 €; Erbscheinsantrag KV 23300 = 273,00 €, Erteilung nochmals 273,00 €):
  https://www.notar.de/themen/notarkosten/beispiele
- Bundesnotarkammer, Zentrales Testamentsregister – Registerkosten (12,50 € / 15,50 €, einmalig, keine USt, je testierender Person):
  https://www.testamentsregister.de/testamentsregister/registerkosten
- OLG Hamm, 15.11.2019 – 10 W 143/17 (Sachverständigengutachten zur Testierunfähigkeit trotz notarieller Beurkundung):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Hamm&Datum=15.11.2019&Aktenzeichen=10%20W%20143%2F17
- OLG München, 26.01.2022 – 31 Wx 441/21 (Neuerrichtung nach Widerruf eines notariellen Testaments):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20M%C3%BCnchen&Datum=26.01.2022&Aktenzeichen=31%20Wx%20441%2F21
- OLG Hamburg, 30.05.2022 – 2 W 100/21 (Nachweis eines unauffindbaren notariellen Testaments):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Hamburg&Datum=30.05.2022&Aktenzeichen=2%20W%20100%2F21
- OLG Karlsruhe, 24.02.2022 – 14 W 6/22 (Rückgabe eines gemeinschaftlichen öffentlichen Testaments aus der besonderen amtlichen Verwahrung):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Karlsruhe&Datum=24.02.2022&Aktenzeichen=14%20W%206%2F22
- BGH, 05.04.2016 – XI ZR 440/15 (Nachweis des Erbrechts gegenüber der Bank durch eröffnetes eigenhändiges Testament):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=05.04.2016&Aktenzeichen=XI%20ZR%20440%2F15

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-09-14
- Letzte Prüfung: 2026-09-14
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