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title: Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts — Geldentschädigung und Schmerzensgeld nach §§ 253 Abs. 2, 823 BGB
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# Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts — Geldentschädigung und Schmerzensgeld nach §§ 253 Abs. 2, 823 BGB

## Kurzantwort

Wird das **allgemeine Persönlichkeitsrecht** (APR) verletzt — etwa durch unwahre Tatsachenbehauptungen, Schmähkritik, heimliche Bildaufnahmen oder die unbefugte Verwendung von Name oder Bild — kommt eine **Geldzahlung in immateriellem Umfang** in Betracht. Dabei sind **zwei verschiedene Ansprüche** streng zu unterscheiden: Das **Schmerzensgeld nach § 253 Abs. 2 BGB** setzt eine Verletzung von Körper, Gesundheit, Freiheit oder sexueller Selbstbestimmung voraus und greift bei einer bloßen Persönlichkeitsverletzung gerade **nicht**. Für die reine Verletzung des APR gewährt die Rechtsprechung stattdessen eine eigenständige **Geldentschädigung**, gestützt auf **Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 GG in Verbindung mit § 823 Abs. 1 BGB**. Diese Geldentschädigung setzt einen **schwerwiegenden Eingriff** voraus, der sich **nicht auf andere Weise** (z. B. durch Unterlassung, Widerruf oder Gegendarstellung) ausgleichen lässt.

## Anspruchsgrundlage

Das allgemeine Persönlichkeitsrecht ist als **„sonstiges Recht"** im Sinne des § 823 Abs. 1 BGB anerkannt; es wird verfassungsrechtlich aus **Art. 2 Abs. 1 in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1 GG** abgeleitet. Für den Ausgleich immaterieller Schäden bestehen zwei Wege:

- **Schmerzensgeld, § 253 Abs. 2 BGB:** Ein Anspruch auf billige Entschädigung in Geld auch für den **immateriellen Schaden** besteht nur, wenn wegen einer Verletzung des **Körpers, der Gesundheit, der Freiheit oder der sexuellen Selbstbestimmung** Schadensersatz zu leisten ist. Die bloße Verletzung des Persönlichkeitsrechts ist von dieser abschließenden Aufzählung **nicht** erfasst.
- **Geldentschädigung wegen APR-Verletzung:** Für schwerwiegende Persönlichkeitsverletzungen hat der Bundesgerichtshof ein eigenständiges, **richterrechtliches Rechtsinstitut** entwickelt (grundlegend „Leserbrief"-Entscheidung 1954, „Herrenreiter" 1958). Anspruchsgrundlage ist **§ 823 Abs. 1 BGB in Verbindung mit Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 GG**. Dieser Anspruch beruht auf dem Schutzauftrag der Verfassung und ist von § 253 Abs. 2 BGB unabhängig.

## Anspruchsvoraussetzungen

Für die **Geldentschädigung wegen Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts** prüft die Rechtsprechung:

1. **Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts.** Betroffen ist ein Ausschnitt des APR, etwa die Ehre, das Recht am eigenen Bild, das Recht am eigenen Wort, die Privatsphäre oder das Recht auf informationelle Selbstbestimmung.
2. **Rechtswidrigkeit.** Das APR ist ein **Rahmenrecht**; die Rechtswidrigkeit wird nicht indiziert, sondern durch eine **umfassende Güter- und Interessenabwägung** im Einzelfall positiv festgestellt (Persönlichkeitsschutz gegen Meinungs-, Presse- und Kunstfreiheit).
3. **Schwere des Eingriffs.** Erforderlich ist ein **hinreichend schwerer**, objektiv erheblicher Eingriff. Ob die Verletzung so schwer wiegt, dass sie eine Geldentschädigung rechtfertigt, ist nach den **gesamten Umständen des Einzelfalls** zu beurteilen — insbesondere nach **Bedeutung und Tragweite** des Eingriffs, **Anlass und Beweggrund** des Handelnden sowie dem **Grad des Verschuldens**.
4. **Kein anderweitiger Ausgleich.** Die Beeinträchtigung darf **nicht auf andere Weise befriedigend ausgeglichen** werden können. Vorrangig sind Ansprüche auf Unterlassung, Widerruf, Richtigstellung oder Gegendarstellung; erst wenn diese nicht ausreichen, kommt Geld in Betracht (Subsidiarität).
5. **Verschulden.** Der Anspruch setzt eine **schuldhafte** (vorsätzliche oder fahrlässige, § 276 BGB) Verletzung voraus.

Beim **Schmerzensgeld nach § 253 Abs. 2 BGB** ist demgegenüber allein maßgeblich, dass ein Schadensersatzanspruch **wegen Verletzung von Körper, Gesundheit, Freiheit oder sexueller Selbstbestimmung** besteht (etwa aus § 823 Abs. 1 BGB). Führt dieselbe Handlung sowohl zu einer Persönlichkeits- als auch zu einer **Gesundheitsverletzung**, ist die Gesundheitsbeeinträchtigung Gegenstand des Schmerzensgeldanspruchs; sie darf **nicht zusätzlich** herangezogen werden, um die Schwere der Persönlichkeitsverletzung zu begründen (BGH VI ZR 1370/20).

## Rechtsfolgen

Sind die Voraussetzungen erfüllt, hat der Verletzte einen Anspruch auf **Zahlung eines Geldbetrags**. Bei der Geldentschädigung wegen APR-Verletzung steht — anders als beim klassischen Schmerzensgeld — regelmäßig der **Genugtuungs- und Präventionsgedanke** im Vordergrund: Die Zahlung soll dem Verletzten Genugtuung verschaffen und zugleich künftige Verletzungen **abschrecken** (Prävention). Deshalb kann bei rücksichtsloser Zwangskommerzialisierung der Persönlichkeit (z. B. durch Boulevardmedien) auch der **erzielte Gewinn** in die Bemessung einfließen. Die Höhe bestimmt der Tatrichter nach **billigem Ermessen** anhand aller Umstände; sie reicht von wenigen tausend bis zu mehreren hunderttausend Euro in besonders schweren Fällen. Der Anspruch auf Geldentschädigung ist **höchstpersönlich** und nach der Rechtsprechung **nicht vererblich** (BGH VI ZR 261/16). Er unterliegt der **Regelverjährung** von drei Jahren (§§ 195, 199 BGB).

## Praxisbeispiel

In der Entscheidung **BGH, Urteil vom 12. März 2024 — VI ZR 1370/20** stellte der VI. Zivilsenat die Systematik klar: Die Geldentschädigung wegen Verletzung des allgemeinen Persönlichkeitsrechts ist ein **besonderes Rechtsinstitut**, das auf dem Schutzauftrag aus **Art. 1 und Art. 2 Abs. 1 GG** beruht und **von dem Schmerzensgeld nach § 253 Abs. 2 BGB zu unterscheiden** ist. Der Senat betonte: Eine schuldhafte APR-Verletzung begründet einen Geldentschädigungsanspruch nur, wenn es sich um einen **schwerwiegenden Eingriff** handelt **und** die Beeinträchtigung **nicht in anderer Weise befriedigend ausgeglichen** werden kann. Ob die Verletzung hinreichend schwer wiegt, lässt sich **nur aufgrund der gesamten Umstände des Einzelfalls** beurteilen — mit Blick auf Bedeutung und Tragweite des Eingriffs sowie Anlass, Beweggrund und Verschuldensgrad des Handelnden. Führt die verletzende Handlung **zugleich zu einer Gesundheitsbeeinträchtigung**, muss diese über einen **Schmerzensgeldanspruch** geltend gemacht werden und darf nicht doppelt zur Begründung der Schwere der Persönlichkeitsverletzung dienen.

## Verwandte Normen

- **§ 823 Abs. 1 BGB** — deliktische Grundnorm; das APR ist hier als „sonstiges Recht" geschützt.
- **§ 253 Abs. 2 BGB** — Schmerzensgeld bei Verletzung von Körper, Gesundheit, Freiheit oder sexueller Selbstbestimmung.
- **Art. 1 Abs. 1, Art. 2 Abs. 1 GG** — verfassungsrechtliche Wurzel des allgemeinen Persönlichkeitsrechts.
- **§ 22, § 23 KunstUrhG** — Recht am eigenen Bild (Einwilligungserfordernis und Ausnahmen).
- **§ 1004 BGB analog, § 823 BGB** — Unterlassungs- und Beseitigungsanspruch als vorrangiger Ausgleich.
- **§§ 195, 199 BGB** — Regelverjährung von drei Jahren.
- **§ 254 BGB** — Mitverschulden, das den Anspruch mindern kann.





## Quellen

- § 823 BGB — Schadensersatzpflicht (gesetze-im-internet.de, amtlicher Volltext): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__823.html
- § 253 BGB — Immaterieller Schaden / Schmerzensgeld (gesetze-im-internet.de): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__253.html
- BGH, Urteil vom 12.03.2024 — VI ZR 1370/20 (Geldentschädigung wegen APR-Verletzung; Abgrenzung zu § 253 Abs. 2 BGB; Verwertung heimlicher Videoüberwachung)
- BGH, Urteil vom 23.05.2017 — VI ZR 261/16 (keine Vererblichkeit des Geldentschädigungsanspruchs; „Helmut-Kohl-Tonbänder")
- § 253 BGB, Permalink-Fallback: https://dejure.org/gesetze/BGB/253.html
- § 823 BGB, Permalink-Fallback: https://dejure.org/gesetze/BGB/823.html

## Änderungsverlauf

- 2026-07-21: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
## Stand

- Stand: 2026-07-21
- Gültig ab: 2002-01-01
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (gesetze-im-internet.de, BGH-Rechtsprechung)
- Lizenz: CC BY 4.0
