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title: Berechnung des Pflichtteils (§§ 2310–2313, 2315, 2316 BGB) – Stichtag, Nachlassbewertung, Anrechnung, Ausgleichung und Stundung nach § 2331a BGB
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# Berechnung des Pflichtteils (§§ 2310–2313, 2315, 2316 BGB) – Stichtag, Nachlassbewertung, Anrechnung, Ausgleichung und Stundung nach § 2331a BGB

## Kurzantwort

Der Pflichtteil ist eine reine **Geldforderung** in Höhe der **Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils** (§ 2303 Abs. 1 Satz 2 BGB). Wie hoch dieser Betrag ausfällt, entscheiden drei Rechengrößen: die **Pflichtteilsquote**, der **Nachlasswert** und etwaige **Abzüge**. Für den Nachlasswert gilt ein strenger Stichtag: Maßgeblich sind **Bestand und Wert des Nachlasses zur Zeit des Erbfalls** (§ 2311 Abs. 1 Satz 1 BGB); der Wert ist, soweit erforderlich, **durch Schätzung** zu ermitteln, und eine vom Erblasser getroffene Wertbestimmung ist **nicht maßgebend** (§ 2311 Abs. 2 BGB). Für die Quote werden auch diejenigen mitgezählt, die enterbt wurden, ausgeschlagen haben oder für erbunwürdig erklärt sind – **nicht** aber, wer durch Erbverzicht ausgeschlossen ist (§ 2310 BGB). Zuwendungen zu Lebzeiten schlagen auf zwei getrennten Wegen durch: durch **Anrechnung** nach § 2315 BGB, die eine ausdrückliche Bestimmung **bei der Zuwendung** voraussetzt, und durch **Ausgleichung** nach § 2316 BGB, die auch ohne solche Bestimmung greift, wenn mehrere Abkömmlinge vorhanden sind. Zahlen muss der Erbe grundsätzlich sofort – der Anspruch entsteht mit dem Erbfall (§ 2317 Abs. 1 BGB) –, kann aber bei unbilliger Härte **Stundung** nach § 2331a BGB verlangen.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Höhe des Pflichtteils | **Hälfte des Wertes des gesetzlichen Erbteils** [§ 2303 Abs. 1 Satz 2 BGB] |
| Rechtsnatur | **Geldanspruch** gegen den Erben, keine Beteiligung am Nachlass in Natur [§ 2303 Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| **Bewertungsstichtag** | **Bestand und Wert des Nachlasses zur Zeit des Erbfalls** [§ 2311 Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Wertermittlung | „Der Wert ist, soweit erforderlich, durch **Schätzung** zu ermitteln.“ [§ 2311 Abs. 2 Satz 1 BGB] |
| Wertbestimmung des Erblassers | „Eine vom Erblasser getroffene Wertbestimmung ist **nicht maßgebend**.“ [§ 2311 Abs. 2 Satz 2 BGB] |
| Voraus des Ehegatten | Bei der Berechnung des Pflichtteils eines **Abkömmlings und der Eltern** bleibt der dem überlebenden Ehegatten gebührende **Voraus außer Ansatz** [§ 2311 Abs. 1 Satz 2 BGB, § 1932 BGB] |
| Landgut | Wird ein Landgut zum **Ertragswert** übernommen (§ 2049 BGB), ist der Ertragswert auch für die Pflichtteilsberechnung maßgebend – aber nur, wenn der übernehmende Erbe selbst zu den in § 2303 BGB genannten Personen gehört [§ 2312 Abs. 1, Abs. 3 BGB] |
| Aufschiebend bedingte Posten | Rechte und Verbindlichkeiten, die von einer **aufschiebenden Bedingung** abhängen, bleiben **außer Ansatz**; tritt die Bedingung ein, hat die der veränderten Rechtslage entsprechende **Ausgleichung** zu erfolgen [§ 2313 Abs. 1 Sätze 1 und 3 BGB] |
| Auflösend bedingte Posten | Kommen **als unbedingte** in Ansatz [§ 2313 Abs. 1 Satz 2 BGB] |
| Ungewisse und zweifelhafte Posten | Für **ungewisse oder unsichere Rechte** sowie für **zweifelhafte Verbindlichkeiten** gilt das Gleiche wie für aufschiebend bedingte [§ 2313 Abs. 2 Satz 1 BGB] |
| Mitwirkungspflicht des Erben | Der Erbe muss gegenüber dem Pflichtteilsberechtigten für die **Feststellung eines ungewissen** und die **Verfolgung eines unsicheren Rechts** sorgen, soweit es ordnungsmäßiger Verwaltung entspricht [§ 2313 Abs. 2 Satz 2 BGB] |
| Dingliche Belastung (Grundschuld) | Amtlicher Leitsatz: Dingliche Belastungen von Nachlassgegenständen bleiben als **zweifelhafte Verbindlichkeiten** nach § 2313 Abs. 2 Satz 1 BGB außer Ansatz, **wenn und solange ihre tatsächliche Verwirklichung unsicher ist**; das gilt auch, wenn sie eine Verbindlichkeit gegenüber einem Dritten absichert [BGH, Urteil vom 10.11.2010 – IV ZR 51/09, amtlicher Leitsatz] |
| Grabpflegekosten | Amtlicher Leitsatz: **Grabpflegekosten sind keine Nachlassverbindlichkeiten** im Sinne von § 1968 BGB; eine letztwillige **Auflage zur Grabpflege führt nicht zu einer Kürzung** des Pflichtteilsanspruchs [BGH, Urteil vom 26.05.2021 – IV ZR 174/20, amtliche Leitsätze 1 und 2] |
| Wertermittlung nach Verkauf | Amtlicher Leitsatz: Dem Wertermittlungsanspruch nach § 2314 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 2 BGB steht **nicht entgegen**, dass der Nachlassgegenstand vom Erben **nach dem Erbfall veräußert** wurde [BGH, Urteil vom 29.09.2021 – IV ZR 328/20, amtlicher Leitsatz] |
| **Quotenberechnung** | Mitgezählt werden, wer **enterbt** ist, **ausgeschlagen** hat oder für **erbunwürdig** erklärt ist [§ 2310 Satz 1 BGB] |
| Erbverzicht | Wer durch **Erbverzicht** von der gesetzlichen Erbfolge ausgeschlossen ist, wird **nicht mitgezählt** – die Quoten der übrigen steigen [§ 2310 Satz 2 BGB] |
| **Anrechnung, § 2315** | Nur, was der Erblasser **bei der Zuwendung** mit der Bestimmung zugewendet hat, dass es auf den Pflichtteil angerechnet werden soll [§ 2315 Abs. 1 BGB] |
| Anrechnung – Rechenweg | Der Wert der Zuwendung wird dem Nachlass **hinzugerechnet**, die Quote auf den erhöhten Betrag angewandt und die Zuwendung dann **abgezogen** [§ 2315 Abs. 2 Satz 1 BGB] |
| Anrechnung – Wertzeitpunkt | Der Wert bestimmt sich nach der **Zeit, zu welcher die Zuwendung erfolgt ist** [§ 2315 Abs. 2 Satz 2 BGB] |
| **Ausgleichung, § 2316** | Der Pflichtteil eines Abkömmlings bestimmt sich nach dem, was **auf den gesetzlichen Erbteil unter Berücksichtigung der Ausgleichungspflichten bei der Teilung entfallen würde** – Voraussetzung: mehrere Abkömmlinge und ein ausgleichungspflichtiger Vorgang [§ 2316 Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Ausgleichungspflichtige Vorgänge | **Ausstattung** (§ 2050 Abs. 1 BGB), übermäßige **Zuschüsse und Ausbildungsaufwendungen** (§ 2050 Abs. 2 BGB), sonstige Zuwendungen **mit Ausgleichungsanordnung** (§ 2050 Abs. 3 BGB) sowie **Pflege- und Mitarbeitsleistungen** (§ 2057a BGB) |
| Erbverzicht bei § 2316 | Ein durch **Erbverzicht** ausgeschlossener Abkömmling bleibt bei der Ausgleichungsberechnung **außer Betracht** [§ 2316 Abs. 1 Satz 2 BGB] |
| Zusatzpflichtteil nach § 2316 Abs. 2 | Ist der Pflichtteilsberechtigte **Erbe** und ist sein Pflichtteil nach Absatz 1 höher als der hinterlassene Erbteil, kann er den **Mehrbetrag** von den Miterben verlangen – auch wenn der Erbteil die Hälfte des gesetzlichen Erbteils erreicht oder übersteigt [§ 2316 Abs. 2 BGB] |
| Ausstattung ist unentziehbar | Eine Zuwendung der in § 2050 Abs. 1 BGB bezeichneten Art (Ausstattung) kann der Erblasser **nicht zum Nachteil eines Pflichtteilsberechtigten** von der Berücksichtigung ausschließen [§ 2316 Abs. 3 BGB] |
| Anrechnung **und** Ausgleichung | Trifft beides auf dieselbe Zuwendung zu, kommt sie auf den Pflichtteil **nur mit der Hälfte des Wertes** zur Anrechnung [§ 2316 Abs. 4 BGB] |
| Entstehung des Anspruchs | **Mit dem Erbfall**; der Anspruch ist **vererblich und übertragbar** [§ 2317 Abs. 1, Abs. 2 BGB] |
| Verjährung | Regelmäßige Frist **drei Jahre** ab Schluss des Jahres der Entstehung und Kenntnis [§§ 195, 199 Abs. 1 BGB]; **kenntnisunabhängige Höchstfrist 30 Jahre** ab Entstehung für Ansprüche, die auf einem Erbfall beruhen [§ 199 Abs. 3a BGB] |
| **Stundung, § 2331a** | Der Erbe kann Stundung verlangen, wenn die sofortige Erfüllung des **gesamten** Anspruchs wegen der **Art der Nachlassgegenstände** eine **unbillige Härte** wäre – insbesondere bei Zwang zur Aufgabe des **Familienheims** oder zur Veräußerung eines Wirtschaftsguts, das die **wirtschaftliche Lebensgrundlage** bildet [§ 2331a Abs. 1 Satz 1 BGB] |
| Interessenabwägung | „Die Interessen des Pflichtteilsberechtigten sind **angemessen zu berücksichtigen**.“ [§ 2331a Abs. 1 Satz 2 BGB] |
| Zuständigkeit für die Stundung | Wird der Anspruch **nicht bestritten**: das **Nachlassgericht**; § 1382 Abs. 2 bis 6 BGB gilt entsprechend [§ 2331a Abs. 2 BGB] |
| Verzinsung bei Stundung | Eine gestundete Forderung hat der Schuldner **zu verzinsen**; über Höhe und Fälligkeit entscheidet das Gericht nach **billigem Ermessen** [§ 1382 Abs. 2, Abs. 4 BGB i. V. m. § 2331a Abs. 2 Satz 2 BGB] |
| Sicherheitsleistung | Das Gericht kann auf Antrag anordnen, dass der Schuldner für die gestundete Forderung **Sicherheit** zu leisten hat [§ 1382 Abs. 3 BGB i. V. m. § 2331a Abs. 2 Satz 2 BGB] |
| Abgrenzung Pflichtteilsergänzung | Schenkungen an **Dritte** laufen nicht über § 2311 BGB, sondern über den gesonderten Ergänzungsanspruch mit **Abschmelzung um ein Zehntel je Jahr** [§ 2325 Abs. 1, Abs. 3 BGB] |
| Eigengeschenk des Berechtigten | Ein eigenes Geschenk wird dem Nachlass hinzugerechnet **und** dem Berechtigten auf die Ergänzung angerechnet; ein nach § 2315 BGB anzurechnendes Geschenk wird auf den **Gesamtbetrag** aus Pflichtteil und Ergänzung angerechnet [§ 2327 Abs. 1 BGB] |
| Anstandsschenkungen | Auf Schenkungen, die einer **sittlichen Pflicht** oder einer auf den **Anstand** zu nehmenden Rücksicht entsprechen, finden die §§ 2325 bis 2329 BGB **keine Anwendung** [§ 2330 BGB] |
| Auskunft als Vorstufe | Ist der Pflichtteilsberechtigte **nicht Erbe**, schuldet der Erbe Auskunft über den **Bestand** des Nachlasses; die **Kosten fallen dem Nachlass zur Last** [§ 2314 Abs. 1 Satz 1, Abs. 2 BGB] |

## Geltungsbereich

Diese Seite betrifft die **Berechnung der Höhe** eines dem Grunde nach bestehenden Pflichtteilsanspruchs nach deutschem Erbrecht. Sie gilt für alle Erbfälle, auf die deutsches Erbrecht anwendbar ist – innerhalb der EU richtet sich das anwendbare Recht nach der EU-Erbrechtsverordnung (VO 650/2012), die grundsätzlich an den **letzten gewöhnlichen Aufenthalt** des Erblassers anknüpft.

Pflichtteilsberechtigt sind nach § 2303 BGB die **Abkömmlinge**, die **Eltern** und der **Ehegatte** des Erblassers, jeweils nur, wenn sie durch Verfügung von Todes wegen von der Erbfolge ausgeschlossen sind. Wer dem Grunde nach berechtigt ist, welche Quote gilt und wann der Anspruch entfällt, behandelt die Seite zum [Pflichtteil (§§ 2303 ff. BGB)](/fakten/pflichtteil-2303-bgb.html).

Die §§ 2310 bis 2313, 2315, 2316 und 2331a BGB stammen aus dem **ursprünglichen BGB** und sind seit dem 01.01.1900 in Kraft; § 2331a BGB wurde durch das Erbrechtsgleichstellungsgesetz und zuletzt durch das Gesetz zur Änderung des Erb- und Verjährungsrechts vom 24.09.2009 (in Kraft seit 01.01.2010) angepasst – seither ist bei unbestrittenem Anspruch das **Nachlassgericht** zuständig, und die Stundung ist nicht mehr auf pflichtteilsberechtigte Erben beschränkt. Der Wortlaut sämtlicher hier zitierter Vorschriften wurde am **31.08.2026** verbatim gegen `gesetze-im-internet.de` geprüft.

Nicht behandelt werden hier: die **erbschaftsteuerliche** Bewertung (dafür gelten die §§ 176–198 BewG, siehe „Siehe auch“), die Bewertung des Zugewinnausgleichs sowie die Frage, ob überhaupt ein Pflichtteilsanspruch besteht.

## Der Rechenweg in fünf Schritten

1. **Pflichtteilsquote bestimmen.** Zuerst wird der **gesetzliche Erbteil** ermittelt, den der Berechtigte ohne die letztwillige Verfügung erhalten hätte. Dabei zählen nach § 2310 Satz 1 BGB auch die Enterbten, die Ausschlagenden und die für erbunwürdig Erklärten mit; nur der durch **Erbverzicht** Ausgeschlossene fällt nach § 2310 Satz 2 BGB heraus. Die Pflichtteilsquote ist die **Hälfte** dieses Erbteils (§ 2303 Abs. 1 Satz 2 BGB).
2. **Aktivnachlass zum Todestag bewerten.** Maßgeblich sind Bestand und Wert **zur Zeit des Erbfalls** (§ 2311 Abs. 1 Satz 1 BGB), notfalls durch Schätzung (§ 2311 Abs. 2 Satz 1 BGB).
3. **Nachlassverbindlichkeiten abziehen.** Abgezogen werden die vom Erblasser herrührenden Schulden sowie die Erbfallschulden, insbesondere die **Bestattungskosten** nach § 1968 BGB. Bedingte, ungewisse und zweifelhafte Posten werden nach § 2313 BGB gesondert behandelt.
4. **Quote anwenden.** Der Nettonachlass wird mit der Pflichtteilsquote multipliziert.
5. **Anrechnung und Ausgleichung berücksichtigen.** Lebzeitige Zuwendungen werden nach § 2315 BGB (Anrechnung) und/oder § 2316 BGB (Ausgleichung) eingerechnet; treffen beide zu, greift die **Halbierungsregel** des § 2316 Abs. 4 BGB. Schenkungen an Dritte laufen dagegen über den gesonderten Ergänzungsanspruch nach § 2325 BGB.

## Stichtag: Bestand und Wert zur Zeit des Erbfalls

§ 2311 Abs. 1 Satz 1 BGB verankert ein striktes **Stichtagsprinzip**. Wörtlich: *„Der Berechnung des Pflichtteils wird der Bestand und der Wert des Nachlasses zur Zeit des Erbfalls zugrunde gelegt.“* Der Stichtag ist damit der **Todestag**, und zwar für beide Größen zugleich – für die Frage, **was** zum Nachlass gehört, und für die Frage, **wie viel** es wert ist.

Daraus folgt zweierlei, was in der Praxis regelmäßig verwechselt wird:

- **Spätere Wertveränderungen bleiben außen vor.** Steigt oder fällt der Wert einer Nachlassimmobilie nach dem Erbfall, ändert das an der Pflichtteilsberechnung nichts. Ein späterer Verkaufserlös ist kein eigener Bewertungsmaßstab; er kann allenfalls ein Indiz für den Wert am Todestag sein.
- **Der Wertermittlungsanspruch bleibt bestehen.** Der BGH hat mit Urteil vom 29.09.2021 – IV ZR 328/20 als amtlichen Leitsatz entschieden: *„Dem Anspruch des Pflichtteilsberechtigten auf Wertermittlung gemäß § 2314 Abs. 1 Satz 2 Halbsatz 2 BGB steht nicht der Umstand entgegen, dass der Nachlassgegenstand vom Erben nach dem Erbfall veräußert wurde.“* Der Erbe kann sich also nicht darauf zurückziehen, der Gegenstand sei nicht mehr da.

**Der Voraus des Ehegatten** (§ 1932 BGB – Haushaltsgegenstände und Hochzeitsgeschenke) bleibt nach § 2311 Abs. 1 Satz 2 BGB bei der Berechnung des Pflichtteils eines **Abkömmlings** und der **Eltern** außer Ansatz. Die Vorschrift betrifft ausdrücklich nur diese beiden Gruppen.

## Bewertung: Schätzung ja, Wertdiktat des Erblassers nein

§ 2311 Abs. 2 BGB gibt **kein** Bewertungsverfahren vor. Satz 1 ordnet lediglich an, dass der Wert *„soweit erforderlich, durch Schätzung zu ermitteln“* ist. Welches Verfahren im Einzelfall angemessen ist – bei Immobilien etwa Vergleichs-, Ertrags- oder Sachwertverfahren –, ist damit eine Frage der Beweiswürdigung; § 287 ZPO erlaubt dem Gericht insoweit eine Schätzung.

Satz 2 enthält eine für die Gestaltungspraxis zentrale Schranke: *„Eine vom Erblasser getroffene Wertbestimmung ist nicht maßgebend.“* Der Erblasser kann den Pflichtteil also **nicht** dadurch kleinrechnen, dass er im Testament einen niedrigen Wert für sein Grundstück oder sein Unternehmen festschreibt. Die einzige im Gesetz vorgesehene Ausnahme ist die **Landgutbewertung** nach § 2312 BGB: Wird ein Landgut nach § 2049 BGB zum **Ertragswert** übernommen, ist dieser auch für den Pflichtteil maßgeblich (§ 2312 Abs. 1 Satz 1 BGB). Hat der Erblasser einen anderen Übernahmepreis bestimmt, gilt dieser, *„wenn er den Ertragswert erreicht und den Schätzungswert nicht übersteigt“* (§ 2312 Abs. 1 Satz 2 BGB). Die Privilegierung greift nach § 2312 Abs. 3 BGB **nur**, wenn der übernehmende Erbe selbst zu den in § 2303 BGB bezeichneten pflichtteilsberechtigten Personen gehört.

## Was den Nachlass mindert – und was nicht

Abgezogen werden vom Aktivnachlass die **Erblasserschulden** (Verbindlichkeiten, die schon zu Lebzeiten bestanden) und die **Erbfallschulden**. Zu den Erbfallschulden zählt insbesondere die Pflicht zur Tragung der **Kosten der Beerdigung** nach § 1968 BGB.

Der BGH hat für die Abgrenzung zwei praktisch wichtige Punkte als amtliche Leitsätze festgehalten (Urteil vom 26.05.2021 – IV ZR 174/20):

1. *„Grabpflegekosten sind keine Nachlassverbindlichkeiten im Sinne von § 1968 BGB.“*
2. *„Eine in einer letztwilligen Verfügung enthaltene Auflage des Erblassers an die Erben zur Grabpflege führt nicht zu einer Kürzung eines Pflichtteilsanspruchs.“*

Die laufende Grabpflege mindert den Pflichtteil also nicht – und der Erblasser kann sie auch nicht über eine Auflage in eine pflichtteilsmindernde Position umwidmen. Das entspricht der Systematik der §§ 2318, 2324 BGB: Vermächtnisse und Auflagen sind gegenüber dem Pflichtteil nachrangig, nicht vorrangig.

Nicht abzugsfähig sind ferner die **Kosten der Nachlassabwicklung**, soweit sie erst nach dem Erbfall entstehen und nicht Erbfallschulden im engeren Sinne sind – etwa die Vergütung eines Testamentsvollstreckers, die auf einer Anordnung des Erblassers beruht. Umgekehrt fallen die Kosten des Nachlassverzeichnisses und der Wertermittlung nach § 2314 Abs. 2 BGB ausdrücklich **dem Nachlass** zur Last und mindern ihn damit.

## Bedingte, ungewisse und zweifelhafte Posten (§ 2313 BGB)

§ 2313 BGB löst das Problem, dass am Stichtag noch nicht feststeht, ob eine Position überhaupt zum Nachlass gehört. Die Regel ist zweistufig:

| Position | Behandlung am Stichtag | Norm |
|---|---|---|
| **aufschiebend bedingtes** Recht oder Verbindlichkeit | bleibt **außer Ansatz** | § 2313 Abs. 1 Satz 1 BGB |
| **auflösend bedingtes** Recht oder Verbindlichkeit | kommt **als unbedingtes** in Ansatz | § 2313 Abs. 1 Satz 2 BGB |
| **ungewisses oder unsicheres** Recht | wie aufschiebend bedingt: außer Ansatz | § 2313 Abs. 2 Satz 1 BGB |
| **zweifelhafte** Verbindlichkeit | wie aufschiebend bedingt: außer Ansatz | § 2313 Abs. 2 Satz 1 BGB |

Tritt die Bedingung später ein, ist die Rechnung nicht endgültig: Nach § 2313 Abs. 1 Satz 3 BGB *„hat die der veränderten Rechtslage entsprechende Ausgleichung zu erfolgen“* – der Pflichtteil wird also nachträglich korrigiert. Diese Nachkorrektur ist der eigentliche Kern der Vorschrift und wird in der Praxis oft übersehen.

Für **dingliche Belastungen** hat der BGH mit Urteil vom 10.11.2010 – IV ZR 51/09 als amtlichen Leitsatz entschieden: *„Bei der Berechnung des Pflichtteilsanspruchs bleiben dingliche Belastungen von Nachlassgegenständen (hier: Grundschuld) als zweifelhafte Verbindlichkeiten gemäß § 2313 Abs. 2 Satz 1 BGB bei der Nachlassbewertung außer Ansatz, wenn und solange ihre tatsächliche Verwirklichung unsicher ist. Das gilt auch dann, wenn die dingliche Belastung zur Absicherung der gegenüber einem Dritten bestehenden Verbindlichkeit bestellt wurde.“* Eine im Grundbuch eingetragene Grundschuld mindert den Nachlasswert also **nicht automatisch**; entscheidend ist, ob mit einer Inanspruchnahme ernsthaft zu rechnen ist.

§ 2313 Abs. 2 Satz 2 BGB legt dem Erben zusätzlich eine **Handlungspflicht** auf: Er muss gegenüber dem Pflichtteilsberechtigten *„für die Feststellung eines ungewissen und für die Verfolgung eines unsicheren Rechts … sorgen, soweit es einer ordnungsmäßigen Verwaltung entspricht“*.

## Anrechnung nach § 2315 BGB

§ 2315 BGB betrifft Zuwendungen **an den Pflichtteilsberechtigten selbst**. Angerechnet wird nur, was der Erblasser *„durch Rechtsgeschäft unter Lebenden mit der Bestimmung zugewendet“* hat, *„dass es auf den Pflichtteil angerechnet werden soll“* (§ 2315 Abs. 1 BGB).

Drei Punkte sind entscheidend:

- **Zeitpunkt der Bestimmung.** Die Anrechnungsbestimmung muss **bei der Zuwendung** getroffen werden. Eine spätere einseitige Anordnung – etwa im Testament – reicht nach dem Wortlaut nicht; wer die Anrechnung will, muss sie im Übergabe- oder Schenkungsvertrag festhalten.
- **Rechenweg.** Anders als eine schlichte Kürzung wirkt die Anrechnung zweistufig: Der Wert der Zuwendung wird zunächst dem Nachlass **hinzugerechnet** (§ 2315 Abs. 2 Satz 1 BGB), auf die so erhöhte Masse wird die Pflichtteilsquote angewandt, und erst vom Ergebnis wird die Zuwendung in **voller Höhe** abgezogen. Das führt dazu, dass sich eine Anrechnung stärker auswirkt als der bloße Zuwendungsbetrag.
- **Wertzeitpunkt.** Für die Anrechnung gilt **nicht** der Todestag, sondern *„die Zeit, zu welcher die Zuwendung erfolgt ist“* (§ 2315 Abs. 2 Satz 2 BGB) – ein bewusster Bruch mit dem Stichtagsprinzip des § 2311 BGB.

Ist der Pflichtteilsberechtigte ein Abkömmling, gilt nach § 2315 Abs. 3 BGB die Vorschrift des § 2051 Abs. 1 BGB entsprechend: Fällt ein Abkömmling weg, muss der an seine Stelle tretende Abkömmling sich dessen Zuwendungen zurechnen lassen.

## Ausgleichung nach § 2316 BGB

§ 2316 BGB wirkt in eine andere Richtung als § 2315 BGB – und wird gerade deshalb häufig verwechselt. Nach § 2316 Abs. 1 Satz 1 BGB bestimmt sich der Pflichtteil eines Abkömmlings nach demjenigen, *„was auf den gesetzlichen Erbteil unter Berücksichtigung der Ausgleichungspflichten bei der Teilung entfallen würde“*. Voraussetzung ist, dass **mehrere Abkömmlinge** vorhanden sind und unter ihnen im Fall der gesetzlichen Erbfolge eine Zuwendung oder Leistungen der in § 2057a BGB bezeichneten Art auszugleichen wären.

Ausgleichungspflichtig sind:

- **Ausstattungen** im Sinne des § 1624 BGB (§ 2050 Abs. 1 BGB) – **ohne** dass es einer Anordnung bedarf, und der Erblasser kann sie nach § 2316 Abs. 3 BGB **nicht zum Nachteil eines Pflichtteilsberechtigten** ausschließen;
- **Zuschüsse als Einkünfte** und **Aufwendungen für die Berufsvorbildung**, soweit sie das den Vermögensverhältnissen des Erblassers entsprechende Maß überstiegen (§ 2050 Abs. 2 BGB);
- **andere Zuwendungen unter Lebenden**, aber nur bei ausdrücklicher Ausgleichungsanordnung im Zeitpunkt der Zuwendung (§ 2050 Abs. 3 BGB);
- **Pflege- und Mitarbeitsleistungen** eines Abkömmlings nach § 2057a BGB.

Anders als bei § 2315 BGB kann die Ausgleichung den Pflichtteil eines Abkömmlings also **erhöhen** – nämlich dann, wenn ein Geschwisterteil zu Lebzeiten eine ausgleichungspflichtige Zuwendung erhalten hat. Für den Wert gilt über § 2055 Abs. 2 BGB ebenfalls der **Zeitpunkt der Zuwendung**, nicht der Todestag.

§ 2316 Abs. 2 BGB regelt den Sonderfall, dass der Pflichtteilsberechtigte selbst **Erbe** ist: Übersteigt sein nach Absatz 1 berechneter Pflichtteil den Wert des hinterlassenen Erbteils, kann er den **Mehrbetrag** von den Miterben verlangen – und zwar ausdrücklich auch dann, *„wenn der hinterlassene Erbteil die Hälfte des gesetzlichen Erbteils erreicht oder übersteigt“*. Das ist ein eigener Zusatzpflichtteil neben dem des § 2305 BGB.

Trifft eine Zuwendung **beide** Vorschriften – ist sie also zugleich nach § 2316 Abs. 1 BGB auszugleichen und nach § 2315 BGB anzurechnen –, ordnet § 2316 Abs. 4 BGB eine **Halbierung** an: Sie kommt *„auf diesen nur mit der Hälfte des Wertes zur Anrechnung“*.

## Fälligkeit, Verjährung und Stundung

Der Pflichtteilsanspruch **entsteht mit dem Erbfall** (§ 2317 Abs. 1 BGB) und ist sofort fällig. Er ist **vererblich und übertragbar** (§ 2317 Abs. 2 BGB) – der Berechtigte kann ihn also abtreten oder verpfänden, und er geht bei dessen Tod auf seine eigenen Erben über.

**Verjährung:** Seit dem 01.01.2010 gilt kein erbrechtlicher Sondertatbestand mehr; maßgeblich ist die regelmäßige Verjährung von **drei Jahren** nach § 195 BGB, beginnend mit dem Schluss des Jahres, in dem der Anspruch entstanden ist und der Berechtigte von den anspruchsbegründenden Umständen Kenntnis erlangt hat oder ohne grobe Fahrlässigkeit hätte erlangen müssen (§ 199 Abs. 1 BGB). Kenntnisunabhängig greift die **30-Jahres-Grenze** des § 199 Abs. 3a BGB für Ansprüche, die auf einem Erbfall beruhen. Für den Anspruch gegen den Beschenkten nach § 2329 BGB beginnt die Frist abweichend **mit dem Erbfall** (§ 2332 Abs. 1 BGB).

**Stundung nach § 2331a BGB:** Der Erbe kann Stundung verlangen, wenn die sofortige Erfüllung des **gesamten** Anspruchs *„für den Erben wegen der Art der Nachlassgegenstände eine unbillige Härte wäre, insbesondere wenn sie ihn zur Aufgabe des Familienheims oder zur Veräußerung eines Wirtschaftsguts zwingen würde, das für den Erben und seine Familie die wirtschaftliche Lebensgrundlage bildet“* (§ 2331a Abs. 1 Satz 1 BGB). Die Interessen des Berechtigten sind dabei angemessen zu berücksichtigen (Satz 2).

Verfahrensrechtlich gilt: Wird der Anspruch **nicht bestritten**, entscheidet das **Nachlassgericht**; § 1382 Abs. 2 bis 6 BGB gilt entsprechend (§ 2331a Abs. 2 BGB). Über diese Verweisung folgt insbesondere, dass der Erbe die gestundete Forderung **verzinsen** muss (§ 1382 Abs. 2 BGB), dass das Gericht **Sicherheitsleistung** anordnen kann (§ 1382 Abs. 3 BGB) und dass eine rechtskräftige Entscheidung bei wesentlicher Änderung der Verhältnisse **aufgehoben oder geändert** werden kann (§ 1382 Abs. 6 BGB). Ist über den Pflichtteil bereits ein Rechtsstreit anhängig, kann der Stundungsantrag nur in diesem Verfahren gestellt werden (§ 1382 Abs. 5 BGB).

## Ausnahmen

- **Landgut (§ 2312 BGB).** Einzige gesetzliche Ausnahme vom Verkehrswertprinzip: Bewertung zum **Ertragswert**, aber nur unter den Voraussetzungen des § 2312 Abs. 1 und Abs. 3 BGB. Hinterlässt der Erblasser nur **einen** Erben, kann er nach § 2312 Abs. 2 BGB anordnen, dass der Ertragswert der Pflichtteilsberechnung zugrunde gelegt wird.
- **Voraus (§ 2311 Abs. 1 Satz 2 BGB).** Bleibt nur bei der Berechnung des Pflichtteils von **Abkömmlingen und Eltern** außer Ansatz – nicht bei dem eines anderen Ehegatten.
- **Erbverzicht (§ 2310 Satz 2 BGB).** Der Verzichtende zählt bei der Quotenbildung nicht mit; das **erhöht** die Quoten der übrigen Pflichtteilsberechtigten. Auch bei § 2316 Abs. 1 Satz 2 BGB bleibt er außer Betracht.
- **Anstands- und Pflichtschenkungen (§ 2330 BGB).** Auf sie finden die §§ 2325 bis 2329 BGB keine Anwendung – sie lösen also keine Pflichtteilsergänzung aus.
- **Gütergemeinschaft (§ 2331 BGB).** Eine Zuwendung aus dem Gesamtgut gilt grundsätzlich als von **jedem Ehegatten zur Hälfte** gemacht; für Abkömmlinge nur eines Ehegatten und in Ersatzfällen gilt sie als von diesem Ehegatten gemacht.
- **Keine Anrechnung ohne Bestimmung.** Fehlt die Bestimmung nach § 2315 Abs. 1 BGB im Zeitpunkt der Zuwendung, findet **keine** Anrechnung statt – auch wenn der Erblasser sie später gewollt hat.

## Häufige Fehler

- **Den Verkaufserlös statt des Todestagswerts ansetzen.** § 2311 Abs. 1 Satz 1 BGB stellt auf den Erbfall ab. Ein späterer Verkauf ersetzt die Bewertung nicht – und beseitigt nach BGH IV ZR 328/20 auch nicht den Wertermittlungsanspruch.
- **Den Steuerwert für den Verkehrswert halten.** Die Bewertung nach den §§ 176–198 BewG dient der **Erbschaftsteuer**. Für den Pflichtteil gibt § 2311 Abs. 2 Satz 1 BGB nur „Schätzung“ vor; ein Steuerbescheid ist kein Bewertungsgutachten.
- **Eine im Testament genannte Wertangabe akzeptieren.** § 2311 Abs. 2 Satz 2 BGB erklärt sie ausdrücklich für **nicht maßgebend**.
- **Jede eingetragene Grundschuld abziehen.** Nach BGH IV ZR 51/09 bleiben dingliche Belastungen als zweifelhafte Verbindlichkeiten außer Ansatz, solange ihre Verwirklichung unsicher ist – die Eintragung allein genügt nicht.
- **Grabpflegekosten in Abzug bringen.** Sie sind nach BGH IV ZR 174/20 keine Nachlassverbindlichkeit nach § 1968 BGB, und eine Grabpflege-Auflage kürzt den Pflichtteil nicht.
- **Anrechnung und Ausgleichung gleichsetzen.** § 2315 BGB **mindert** den Pflichtteil des Beschenkten und setzt eine Bestimmung bei der Zuwendung voraus; § 2316 BGB kann den Pflichtteil eines Abkömmlings auch **erhöhen** und greift bei Ausstattungen ohne jede Anordnung.
- **Die Bestimmung nach § 2315 BGB nachschieben.** Wer die Anrechnung erst im Testament anordnet, hat nach dem Wortlaut des § 2315 Abs. 1 BGB nichts erreicht.
- **Bei doppeltem Tatbestand voll anrechnen.** § 2316 Abs. 4 BGB halbiert den Anrechnungswert, wenn dieselbe Zuwendung zugleich auszugleichen ist.
- **Ausgeschlagene oder Enterbte aus der Quote herausrechnen.** § 2310 Satz 1 BGB zählt sie ausdrücklich mit; nur der Erbverzichtende fällt heraus.
- **Die Nachkorrektur nach § 2313 Abs. 1 Satz 3 BGB vergessen.** Tritt die aufschiebende Bedingung ein, ist der Pflichtteil neu auszugleichen.
- **Stundung mit Erlass verwechseln.** § 2331a BGB verschiebt nur die Fälligkeit; über § 1382 Abs. 2 BGB ist die gestundete Forderung zu **verzinsen**.

## Beispiel

*Die folgende Rechnung ist eine Anwendung der zitierten Normen auf einen konstruierten Sachverhalt; Werte und Quoten sind frei gewählt.*

Der Erblasser hinterlässt **zwei Kinder** A und B, keinen Ehegatten. Testamentarisch setzt er B zum **Alleinerben** ein; A ist enterbt. Der Nachlass besteht aus einer Immobilie mit einem Verkehrswert **am Todestag** von 480.000 € und einem Bankguthaben von 20.000 €. Auf der Immobilie lastet eine **Grundschuld über 100.000 €**, die eine Verbindlichkeit eines Dritten absichert; eine Inanspruchnahme ist nicht ersichtlich. Die **Beerdigungskosten** betragen 8.000 €, die **Grabpflege** für 20 Jahre wurde vom Erblasser per Auflage angeordnet und mit 12.000 € kalkuliert. A hatte bei der Existenzgründung 2019 vom Erblasser **50.000 €** erhalten, im Schenkungsvertrag ausdrücklich **mit Anrechnungsbestimmung** nach § 2315 BGB.

**Schritt 1 – Quote.** Zwei Kinder, keine Ehegatte: gesetzlicher Erbteil des A = 1/2 (§ 1924 Abs. 1, Abs. 4 BGB). A ist enterbt, B zählt mit (§ 2310 Satz 1 BGB). Pflichtteilsquote = 1/2 × 1/2 = **1/4** (§ 2303 Abs. 1 Satz 2 BGB).

**Schritt 2 – Aktivnachlass.** 480.000 € + 20.000 € = **500.000 €** (§ 2311 Abs. 1 Satz 1 BGB).

**Schritt 3 – Abzüge.**

| Position | Betrag | Behandlung |
|---|---|---|
| Beerdigungskosten | −8.000 € | Erbfallschuld, abzugsfähig [§ 1968 BGB] |
| Grabpflege (Auflage) | 0 € | **nicht** abzugsfähig [BGH IV ZR 174/20, Leitsätze 1 und 2] |
| Grundschuld 100.000 € | 0 € | zweifelhafte Verbindlichkeit, außer Ansatz, solange Verwirklichung unsicher [§ 2313 Abs. 2 Satz 1 BGB; BGH IV ZR 51/09] |

Nettonachlass = 500.000 € − 8.000 € = **492.000 €**.

**Schritt 4 – Anrechnung nach § 2315 BGB.** Der Zuwendungswert von 50.000 € (Wert **im Zeitpunkt der Zuwendung**, § 2315 Abs. 2 Satz 2 BGB) wird dem Nachlass hinzugerechnet: 492.000 € + 50.000 € = 542.000 €. Darauf die Quote: 542.000 € × 1/4 = 135.500 €. Davon wird die Zuwendung in voller Höhe abgezogen: 135.500 € − 50.000 € = **85.500 €**.

**Ergebnis:** A hat gegen B einen Pflichtteilsanspruch von **85.500 €**.

**Kontrollrechnung ohne Anrechnung:** 492.000 € × 1/4 = 123.000 €. Die Anrechnung von 50.000 € reduziert den Anspruch also um 37.500 €, nicht um 50.000 € – das ist die Folge des zweistufigen Rechenwegs des § 2315 Abs. 2 BGB.

**Abwandlung:** Wären die 50.000 € eine **Ausstattung** im Sinne des § 2050 Abs. 1 BGB gewesen und zugleich mit Anrechnungsbestimmung versehen, hätte § 2316 Abs. 4 BGB gegriffen: Anrechnung nur mit der **Hälfte** des Wertes, also mit 25.000 €.

## Siehe auch

- [Pflichtteil (§§ 2303 ff. BGB)](/fakten/pflichtteil-2303-bgb.html) – wer berechtigt ist, Quoten, Überblick
- [Auskunftsanspruch des Pflichtteilsberechtigten (§ 2314 BGB)](/fakten/auskunftsanspruch-pflichtteil-2314-bgb.html) – Nachlassverzeichnis und Wertermittlung als Vorstufe der Berechnung
- [Pflichtteilsergänzungsanspruch (§ 2325 BGB)](/fakten/pflichtteilsergaenzung-2325-bgb.html) – Schenkungen an Dritte und die Zehn-Jahres-Abschmelzung
- [Beschränkungen und Beschwerungen des Erbteils (§ 2306 BGB)](/fakten/pflichtteil-beschraenkungen-2306-bgb.html) – wann der als Erbe eingesetzte Pflichtteilsberechtigte ausschlagen sollte
- [Ausgleichung unter Abkömmlingen (§§ 2050–2056 BGB)](/fakten/ausgleichung-abkoemmlinge-2050-bgb.html) – die Ausgleichung in der Erbengemeinschaft, auf die § 2316 BGB verweist
- [Ausgleichung für Pflegeleistungen (§ 2057a BGB)](/fakten/ausgleichung-pflegeleistungen-2057a-bgb.html) – der über § 2316 Abs. 1 BGB pflichtteilsrelevante Pflegeausgleich
- [Bestattungskosten (§ 1968 BGB)](/fakten/bestattungskosten-1968-bgb.html) – die abzugsfähige Erbfallschuld
- [Landgut zum Ertragswert (§ 2049 BGB, § 2312 BGB)](/fakten/landgut-ertragswert-2049-2312-bgb.html) – die Sonderbewertung im Detail
- [Immobilienbewertung für die Erbschaftsteuer (§§ 176–198 BewG)](/fakten/immobilienbewertung-erbschaftsteuer-bewg.html) – die davon zu trennende steuerliche Bewertung
- [Erbverzicht (§§ 2346–2352 BGB)](/fakten/erbverzicht-2346-bgb.html) – warum der Verzichtende bei der Quote herausfällt
- [Pflichtteilsentziehung (§§ 2333–2337 BGB)](/fakten/pflichtteilsentziehung-2333-bgb.html) – wenn der Anspruch schon dem Grunde nach entfällt

## Quellen

- § 2311 BGB – Wert des Nachlasses: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2311.html
- § 2310 BGB – Berechnung des Erbteils: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2310.html
- § 2312 BGB – Wert eines Landguts: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2312.html
- § 2313 BGB – Berücksichtigung bedingter, ungewisser oder unsicherer Rechte: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2313.html
- § 2314 BGB – Auskunftspflicht des Erben: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2314.html
- § 2315 BGB – Anrechnung einer Zuwendung auf den Pflichtteil: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2315.html
- § 2316 BGB – Ausgleichungspflicht: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2316.html
- § 2317 BGB – Entstehung und Übertragbarkeit des Pflichtteilsanspruchs: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2317.html
- § 2303 BGB – Pflichtteilsberechtigte, Höhe des Pflichtteils: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2303.html
- § 2305 BGB – Zusatzpflichtteil: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2305.html
- § 2306 BGB – Beschränkungen und Beschwerungen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2306.html
- § 2318 BGB – Pflichtteilslast bei Vermächtnissen und Auflagen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2318.html
- § 2324 BGB – Abweichende Anordnungen des Erblassers: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2324.html
- § 2325 BGB – Pflichtteilsergänzungsanspruch bei Schenkungen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2325.html
- § 2327 BGB – Beschenkter Pflichtteilsberechtigter: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2327.html
- § 2330 BGB – Anstandsschenkungen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2330.html
- § 2331 BGB – Zuwendungen aus dem Gesamtgut: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2331.html
- § 2331a BGB – Stundung des Pflichtteils: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2331a.html
- § 2332 BGB – Verjährung des Anspruchs gegen den Beschenkten: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2332.html
- § 1382 BGB – Stundung (entsprechend anwendbar über § 2331a Abs. 2 BGB): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1382.html
- § 1932 BGB – Voraus des Ehegatten: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1932.html
- § 1968 BGB – Beerdigungskosten: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1968.html
- § 2049 BGB – Übernahme eines Landguts: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2049.html
- § 2050 BGB – Ausgleichungspflicht der Abkömmlinge: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2050.html
- § 2051 BGB – Ausgleichung bei Wegfall eines Abkömmlings: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2051.html
- § 2055 BGB – Durchführung der Ausgleichung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2055.html
- § 2057a BGB – Ausgleichung für besondere Leistungen eines Abkömmlings: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2057a.html
- § 195 BGB – Regelmäßige Verjährungsfrist: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__195.html
- § 199 BGB – Beginn der regelmäßigen Verjährungsfrist, Höchstfristen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__199.html
- BGH, Urteil vom 10.11.2010 – IV ZR 51/09 (dingliche Belastung als zweifelhafte Verbindlichkeit, § 2313 Abs. 2 Satz 1 BGB; amtlicher Volltext): https://www.rechtsprechung-im-internet.de/jportal/?quelle=jlink&docid=KORE308932010&psml=bsjrsprod.psml&max=true
- BGH, Urteil vom 10.11.2010 – IV ZR 51/09 (dejure.org-Permalink): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=10.11.2010&Aktenzeichen=IV%20ZR%2051/09
- BGH, Urteil vom 26.05.2021 – IV ZR 174/20 (Grabpflegekosten sind keine Nachlassverbindlichkeiten; amtlicher Volltext): https://www.rechtsprechung-im-internet.de/jportal/?quelle=jlink&docid=KORE301562021&psml=bsjrsprod.psml&max=true
- BGH, Urteil vom 26.05.2021 – IV ZR 174/20 (dejure.org-Permalink): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=26.05.2021&Aktenzeichen=IV%20ZR%20174/20
- BGH, Urteil vom 29.09.2021 – IV ZR 328/20 (Wertermittlung trotz Veräußerung des Nachlassgegenstands; amtlicher Volltext): https://www.rechtsprechung-im-internet.de/jportal/?quelle=jlink&docid=KORE311622021&psml=bsjrsprod.psml&max=true
- BGH, Urteil vom 29.09.2021 – IV ZR 328/20 (dejure.org-Permalink): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=29.09.2021&Aktenzeichen=IV%20ZR%20328/20

## Änderungsverlauf

- 2026-08-31: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Die Wortlaute der §§ 195, 199, 1382, 1932, 1968, 2049, 2050, 2051, 2053, 2054, 2055, 2056, 2057, 2057a, 2303, 2305, 2306, 2310, 2311, 2312, 2313, 2314, 2315, 2316, 2317, 2318, 2319, 2320, 2321, 2322, 2323, 2324, 2325, 2327, 2330, 2331, 2331a und 2332 BGB wurden am 31.08.2026 verbatim gegen gesetze-im-internet.de geprüft (alle Abrufe HTTP 200). Die amtlichen Leitsätze von BGH IV ZR 51/09 (10.11.2010), BGH IV ZR 174/20 (26.05.2021) und BGH IV ZR 328/20 (29.09.2021) stammen aus der amtlichen Entscheidungs-XML von rechtsprechung-im-internet.de; Aktenzeichen und Entscheidungsdatum wurden nach dem Entpacken gegen die XML-Felder abgeglichen und zusätzlich im Body des Permalinks verifiziert. | change_type=initial_publication field=“topic_lifecycle“ new=“published“ reviewed_by=“Nexvyra Erbe-Bot“

## Stand

- Stand: 2026-08-31
- Gültig ab: 1900-01-01
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
