---
title: Pflichtteilsergänzungsanspruch (§ 2325 BGB) – Schenkungen, Abschmelzung (10-Jahres-Frist), Niederstwertprinzip
slug: pflichtteilsergaenzung-2325-bgb
topic: erbrecht
legal_status: in_force
authority_level: A
valid_from: 2010-01-01
valid_to: null
last_reviewed: 2026-07-10
status: aktuell
license: CC-BY-4.0
url: https://nexvyra.de/fakten/pflichtteilsergaenzung-2325-bgb.md
wikidata_subjects: []
factcheck_status: ok
---

# Pflichtteilsergänzungsanspruch (§ 2325 BGB) – Schenkungen, Abschmelzung (10-Jahres-Frist), Niederstwertprinzip

## Kurzantwort

Wer einen Pflichtteilsberechtigten durch **Schenkungen zu Lebzeiten** übergehen will, kann dessen Anspruch nicht beliebig aushöhlen: Nach **§ 2325 BGB** kann der Pflichtteilsberechtigte verlangen, dass **Schenkungen des Erblassers dem Nachlass fiktiv hinzugerechnet werden** und der Pflichtteil sich um den Betrag erhöht, um den er dadurch höher ausfällt – der **Pflichtteilsergänzungsanspruch**. Berücksichtigt werden grundsätzlich Schenkungen der **letzten zehn Jahre** vor dem Erbfall, und zwar seit der Erbrechtsreform 2010 nicht mehr starr, sondern **abschmelzend („Pro-rata-" bzw. Abschmelzungsmodell)**: Eine Schenkung im letzten Jahr vor dem Tod zählt **voll (100 %)**, für jedes weitere Jahr **um ein Zehntel weniger** – nach zehn Jahren bleibt sie unberücksichtigt (§ 2325 Abs. 3 BGB). **Zwei wichtige Ausnahmen von der Frist:** Bei Schenkungen an den **Ehegatten** beginnt die Frist **erst mit Auflösung der Ehe** (regelmäßig also mit dem Tod), und wenn sich der Erblasser den **Genuss** des verschenkten Gegenstands vorbehält (z. B. **Vorbehaltsnießbrauch** an einer Immobilie), läuft die Frist gar nicht erst an.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 2325 BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Anspruchsinhalt | Erhöhung des Pflichtteils um den Betrag, um den er sich erhöht, wenn die Schenkung dem Nachlass hinzugerechnet wird (§ 2325 Abs. 1 BGB) |
| Anspruchsberechtigt | Pflichtteilsberechtigte nach § 2303 BGB (Abkömmlinge, Ehegatte/Lebenspartner, Eltern nur bei kinderlosem Erblasser) |
| Grundschuldner | die Erben (Nachlass); subsidiär der Beschenkte (§ 2329 BGB) |
| Zeitraum | grundsätzlich Schenkungen der letzten 10 Jahre vor dem Erbfall (§ 2325 Abs. 3 S. 2 BGB) |
| Abschmelzungsmodell (seit 01.01.2010) | 1. Jahr vor Erbfall: 100 %; je weiteres Jahr −1/10; nach 10 Jahren: 0 % (§ 2325 Abs. 3 S. 1 u. 2 BGB) |
| Rechtslage bis 31.12.2009 | starre Frist: innerhalb 10 Jahren voll, danach gar nicht – keine Pro-rata-Abschmelzung |
| Ehegattenschenkung | Frist beginnt nicht vor Auflösung der Ehe → beim Tod meist voll ergänzungspflichtig (§ 2325 Abs. 3 S. 3 BGB) |
| Fristbeginn „Leistung" | erfordert Genussverzicht; Vorbehaltsnießbrauch/umfassendes Wohnrecht hemmt den Fristbeginn (BGH, 27.04.1994 – IV ZR 132/93, BGHZ 125, 395) |
| Verbrauchbare Sachen (z. B. Geld) | Wert zur Zeit der Schenkung (§ 2325 Abs. 2 S. 1 BGB) |
| Andere Gegenstände (z. B. Immobilie) | Niederstwertprinzip: Wert zur Zeit des Erbfalls, höchstens Wert zur Zeit der Schenkung (§ 2325 Abs. 2 S. 2 BGB); Schenkungswert kaufkraftbereinigt |
| Pflichtteilsberechtigter ist selbst Erbe | Ergänzung dennoch möglich, soweit der Wert über die Hälfte hinausgeht (§ 2326 BGB) |
| Eigengeschenk des Berechtigten | wird dem Nachlass hinzugerechnet und zugleich auf die Ergänzung angerechnet (§ 2327 BGB) |
| Anspruch gegen den Beschenkten | wenn der Erbe nicht verpflichtet ist (kein/zu geringer Nachlass): Herausgabe nach Bereicherungsrecht; Beschenkter kann durch Zahlung abwenden (§ 2329 BGB) |
| Verjährung | Regelverjährung 3 Jahre (§§ 195, 199 BGB); Anspruch gegen Beschenkten (§ 2329) verjährt 3 Jahre ab Erbfall (§ 2332 BGB) |
| Was zählt nicht | Pflicht- und Anstandsschenkungen (§ 2330 BGB); echte entgeltliche Geschäfte |

## Wozu dient § 2325 BGB?

Der **Pflichtteil** (§ 2303 BGB) sichert nahen Angehörigen eine Mindestbeteiligung am Nachlass in Höhe des **halben gesetzlichen Erbteils**. Bemessungsgrundlage ist der **Wert des Nachlasses beim Erbfall**. Ohne weitere Regelung könnte ein Erblasser diesen Anspruch leicht leerlaufen lassen, indem er sein Vermögen schon **zu Lebzeiten verschenkt** – beim Tod wäre der Nachlass dann klein oder leer. Genau das verhindert der **Pflichtteilsergänzungsanspruch**: Er rechnet Schenkungen dem realen Nachlass **fiktiv hinzu** und berechnet daraus einen zusätzlichen Geldanspruch. § 2325 BGB ergänzt damit den ordentlichen Pflichtteil und ist – neben dem Auskunftsanspruch – das zentrale Instrument gegen die „Aushöhlung" des Pflichtteils durch lebzeitige Zuwendungen.

Der Anspruch ist ein **reiner Geldanspruch** und steht demselben Personenkreis zu wie der Pflichtteil (§ 2303 BGB): Abkömmlingen, dem Ehegatten oder Lebenspartner und – nur wenn keine Abkömmlinge vorhanden sind – den Eltern.

## Das Abschmelzungsmodell (§ 2325 Abs. 3 BGB)

Seit der **Erbrechtsreform zum 1. Januar 2010** werden Schenkungen nicht mehr nach dem starren „Alles-oder-nichts"-Prinzip berücksichtigt, sondern **gleitend abgeschmolzen**. Maßgeblich ist der Zeitraum zwischen der **Leistung** der Schenkung und dem **Erbfall**:

- Schenkung **im letzten Jahr** vor dem Erbfall: zu **100 %** berücksichtigt
- für **jedes weitere volle Jahr**: jeweils **ein Zehntel weniger** (also 90 %, 80 %, 70 % … im zweiten, dritten, vierten Jahr usw.)
- nach **zehn abgelaufenen Jahren**: die Schenkung bleibt **vollständig unberücksichtigt**

**Beispiel:** Verschenkt der Erblasser ein Wertpapierdepot im Wert von 100.000 € und stirbt er **fünf Jahre und drei Monate** später, sind noch sechs „angefangene" Jahresstufen offen – berücksichtigt werden **60 %**, also 60.000 €, die dem Nachlass fiktiv hinzugerechnet werden.

Zur alten Rechtslage (Erbfälle **bis 31.12.2009**) galt keine Abschmelzung: Innerhalb der Zehnjahresfrist wurde die Schenkung **voll**, danach **gar nicht** angesetzt.

## Zwei Fristfallen: Ehegatten und der „Genussverzicht"

Die Zehnjahresfrist wirkt in der Praxis oft nicht so schützend, wie sie klingt – wegen zweier Sonderregeln:

**1. Schenkungen an den Ehegatten (§ 2325 Abs. 3 S. 3 BGB).** Hier **beginnt die Frist erst mit Auflösung der Ehe**. Solange die Ehe besteht, läuft keine Frist. Weil die Ehe im Normalfall gerade durch den **Tod** des schenkenden Ehegatten endet, sind Schenkungen unter Eheleuten praktisch **zeitlich unbegrenzt** ergänzungspflichtig – auch wenn sie Jahrzehnte zurückliegen.

**2. Vorbehaltener Genuss (Nießbrauch/Wohnrecht).** Die Frist des § 2325 Abs. 3 BGB knüpft an die **„Leistung"** des verschenkten Gegenstands an. Nach ständiger Rechtsprechung des BGH liegt eine „Leistung" nicht schon mit der Eigentumsumschreibung im Grundbuch vor, sondern erst, wenn der Erblasser **auch den Genuss des Gegenstands im Wesentlichen aufgibt** (sog. **Genussverzicht**). Behält er sich einen **umfassenden Vorbehaltsnießbrauch** oder ein weitgehendes Wohnrecht vor, **läuft die Frist gar nicht erst an** – die Schenkung bleibt in voller Höhe ergänzungspflichtig (grundlegend BGH, Urteil vom 27.04.1994 – IV ZR 132/93, BGHZ 125, 395). Die verbreitete Gestaltung „Immobilie zu Lebzeiten verschenken, aber Nießbrauch behalten" spart deshalb zwar Erbschaftsteuer, setzt die Pflichtteilsfrist aber typischerweise **nicht** in Gang.

## Wie der verschenkte Gegenstand bewertet wird (§ 2325 Abs. 2 BGB)

- **Verbrauchbare Sachen** (insbesondere **Geld**) werden mit dem **Wert zur Zeit der Schenkung** angesetzt (§ 2325 Abs. 2 S. 1 BGB).
- **Alle anderen Gegenstände** (z. B. Immobilien, Wertpapiere) unterliegen dem **Niederstwertprinzip** (§ 2325 Abs. 2 S. 2 BGB): Angesetzt wird der **Wert zur Zeit des Erbfalls**, höchstens aber der **Wert zur Zeit der Schenkung**, falls dieser niedriger war. Der Schenkungswert wird dabei **inflationsbereinigt** (Kaufkraftvergleich) auf den Erbfallzeitpunkt hochgerechnet, damit reine Geldentwertung nicht zulasten des Berechtigten geht.

Praktische Folge: Ist eine verschenkte Immobilie seit der Schenkung im Wert **gestiegen**, gilt der niedrigere (indexierte) Schenkungswert; ist sie **gefallen**, gilt der niedrigere Erbfallwert. Der Berechtigte trägt so das Wertrisiko nach unten, der Beschenkte den Wertzuwachs nach oben.

## Wer haftet – Erbe oder Beschenkter?

Grundschuldner ist der **Erbe**: Der Ergänzungsanspruch richtet sich zunächst gegen den Nachlass. Reicht der Nachlass nicht aus – etwa weil fast alles verschenkt wurde – oder ist der Erbe selbst pflichtteilsberechtigt und müsste mehr als seinen eigenen Anteil zahlen, kann sich der Berechtigte nach **§ 2329 BGB** unmittelbar an den **Beschenkten** halten. Dieser muss das Geschenk nach Bereicherungsrecht **herausgeben**, kann die Herausgabe aber durch **Zahlung des fehlenden Betrags** abwenden.

Sonderfälle:

- **§ 2326 BGB:** Ist der Pflichtteilsberechtigte **selbst Erbe**, kann er die Ergänzung insoweit verlangen, als der Wert des ihm Hinterlassenen die Hälfte seines gesetzlichen Erbteils nicht erreicht.
- **§ 2327 BGB:** Hat der Berechtigte **selbst ein Geschenk** vom Erblasser erhalten, wird dieses dem Nachlass hinzugerechnet und zugleich **auf seine Ergänzung angerechnet** (Selbstanrechnung).
- **§ 2330 BGB:** **Pflicht- und Anstandsschenkungen** (übliche Gelegenheitsgeschenke, sittlich gebotene Zuwendungen) lösen **keine** Ergänzung aus.

## Verjährung

Für den Ergänzungsanspruch gegen den **Erben** gilt die **regelmäßige Verjährung**: drei Jahre ab dem Schluss des Jahres, in dem der Berechtigte von Erbfall und beeinträchtigender Schenkung Kenntnis erlangt (§§ 195, 199 BGB). Für den subsidiären Anspruch gegen den **Beschenkten** nach § 2329 BGB bestimmt **§ 2332 BGB**, dass die Verjährung **mit dem Erbfall** beginnt (kenntnisunabhängig) und in drei Jahren abläuft.

## Häufige Fehler

- **„Nach 10 Jahren ist alles sicher."** Nicht bei **Ehegattenschenkungen** (Frist beginnt erst mit Auflösung der Ehe) und nicht bei **vorbehaltenem Nießbrauch/Wohnrecht** (Frist läuft gar nicht an, BGH IV ZR 132/93).
- **„Schenkung im 3. Jahr zählt nur zur Hälfte."** Falsch gerechnet – abgeschmolzen wird um **1/10 pro Jahr**: im 3. Jahr vor dem Erbfall noch **80 %**, nicht 50 %.
- **„Die Abschmelzung galt schon immer."** Nein – das **Pro-rata-Modell** gilt erst für Erbfälle **ab 01.01.2010**; davor war es „voll oder gar nicht".
- **„Geld und Immobilie werden gleich bewertet."** Falsch – **Geld** (verbrauchbare Sache) zählt mit dem **Schenkungswert**, die **Immobilie** nach dem **Niederstwertprinzip** (§ 2325 Abs. 2 BGB).
- **„Der Beschenkte ist außen vor."** Nein – reicht der Nachlass nicht, haftet der **Beschenkte** selbst nach § 2329 BGB.
- **„Ergänzung und Pflichtteil sind dasselbe."** Der Ergänzungsanspruch (§ 2325 BGB) ist ein **eigener Anspruch neben** dem ordentlichen Pflichtteil (§ 2303 BGB) und wird zusätzlich berechnet.

## Quellen

- § 2325 BGB – Pflichtteilsergänzungsanspruch bei Schenkungen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2325.html
- § 2326 BGB – Ergänzung über die Hälfte hinaus: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2326.html
- § 2327 BGB – Beschenkter Pflichtteilsberechtigter: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2327.html
- § 2329 BGB – Anspruch gegen den Beschenkten: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2329.html
- § 2330 BGB – Anstandsschenkungen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2330.html
- § 2332 BGB – Verjährung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2332.html
- § 2303 BGB – Pflichtteilsberechtigte; Höhe des Pflichtteils: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2303.html
- § 2325 BGB (dejure.org, mit Rechtsprechungsnachweisen): https://dejure.org/gesetze/BGB/2325.html
- BGH, Urteil vom 27.04.1994 – IV ZR 132/93 (BGHZ 125, 395; „Genussverzicht" beim Fristbeginn): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=27.04.1994&Aktenzeichen=IV%20ZR%20132/93
- Gesetz zur Änderung des Erb- und Verjährungsrechts vom 24.09.2009 (Abschmelzungsmodell seit 01.01.2010), BGBl. I 2009 S. 3142: https://www.bgbl.de/xaver/bgbl/start.xav?startbk=Bundesanzeiger_BGBl&jumpTo=bgbl109s3142.pdf
