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title: Probezeit im Arbeitsvertrag – Höchstdauer, Kündigungsfrist und Kündigungsschutz
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# Probezeit im Arbeitsvertrag – Höchstdauer, Kündigungsfrist und Kündigungsschutz

## Kurzantwort

Die Probezeit ist in **§ 622 Absatz 3 BGB** geregelt und darf **höchstens sechs Monate** dauern. Während dieser vereinbarten Probezeit beträgt die Kündigungsfrist für beide Seiten **zwei Wochen** – ohne Bindung an den 15. oder das Monatsende. Der allgemeine Kündigungsschutz nach **§ 1 Absatz 1 KSchG** greift erst nach Ablauf der Wartezeit von **mehr als sechs Monaten** im Betrieb – die Begriffe „Probezeit" und „Wartezeit" sind aber rechtlich unabhängig voneinander. Bei **befristeten Arbeitsverhältnissen** muss die Probezeit nach **§ 15 Absatz 3 TzBfG** im Verhältnis zur Vertragsdauer und Art der Tätigkeit stehen. Für **Berufsausbildungsverhältnisse** gilt die Sonderregel des **§ 20 BBiG**: Probezeit mindestens einen, höchstens vier Monate.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage Arbeitsverhältnis | § 622 Absatz 3 BGB – Kündigungsfristen während einer vereinbarten Probezeit |
| Höchstdauer Probezeit (allgemein) | **6 Monate** (§ 622 Absatz 3 BGB) |
| Kündigungsfrist in der Probezeit | **2 Wochen**, beidseitig (§ 622 Absatz 3 BGB) |
| Zeitpunkt der Kündigung | zu **jedem Kalendertag** möglich – nicht an 15. oder Monatsende gebunden |
| Pflicht zur Vereinbarung | Probezeit muss **ausdrücklich** im Arbeitsvertrag (oder Tarifvertrag) vereinbart sein |
| Schriftform der Kündigung | § 623 BGB – Kündigung muss **schriftlich** erfolgen, elektronische Form (E-Mail/SMS) ausgeschlossen |
| Allgemeiner Kündigungsschutz | § 1 Absatz 1 KSchG – greift nach **mehr als 6 Monaten** ununterbrochener Betriebszugehörigkeit (Wartezeit) |
| Anwendbarkeit KSchG | nur in Betrieben mit **in der Regel mehr als 10 Arbeitnehmern** (§ 23 Absatz 1 KSchG) |
| Befristete Arbeitsverträge | § 15 Absatz 3 TzBfG – Probezeit muss **im Verhältnis** zur Vertragsdauer und Tätigkeitsart stehen |
| Berufsausbildung | § 20 BBiG – Probezeit **mindestens 1, höchstens 4 Monate** |
| Probezeitkündigung in der Ausbildung | § 22 Absatz 1 BBiG – während der Probezeit jederzeit ohne Frist möglich |
| Sonderkündigungsschutz Schwangere | § 17 MuSchG – gilt **auch in der Probezeit** ab Kenntnis der Schwangerschaft |
| Sonderkündigungsschutz Elternzeit | § 18 BEEG – gilt auch in der Probezeit ab Verlangen / Anmeldung |
| Sonderkündigungsschutz Schwerbehinderte | §§ 168 ff. SGB IX – Zustimmung des Integrationsamts **erst nach 6 Monaten** Beschäftigung erforderlich |
| Tarifabweichungen | § 622 Absatz 4 BGB – Tarifvertrag kann von Absatz 3 abweichen, auch zuungunsten des Arbeitnehmers |
| Pflichtangabe im Arbeitsvertrag | § 2 Absatz 1 Nr. 5 NachwG – Dauer der Probezeit ist niederzuschreiben |

## Höchstdauer und Kündigungsfrist (§ 622 Absatz 3 BGB)

Eine Probezeit darf nach § 622 Absatz 3 BGB **längstens sechs Monate** dauern. Während dieser vereinbarten Probezeit kann das Arbeitsverhältnis von beiden Seiten mit einer **Frist von zwei Wochen** gekündigt werden. Die 2-Wochen-Frist ist nicht an einen bestimmten Beendigungstermin (15. oder Monatsende) gebunden – die Kündigung kann zu **jedem Kalendertag** ausgesprochen werden, und das Arbeitsverhältnis endet 14 Tage nach Zugang.

Wird im Arbeitsvertrag eine **längere** Probezeit als sechs Monate vereinbart, ist die überschießende Dauer unwirksam. Ab dem siebten Monat gelten die allgemeinen Kündigungsfristen nach § 622 Absatz 1 BGB (4 Wochen zum 15. oder Monatsende), auch wenn der Arbeitsvertrag eine längere Probezeit vorsieht.

Ist im Arbeitsvertrag **keine** Probezeit ausdrücklich vereinbart, gilt von Beginn an die Grundfrist nach § 622 Absatz 1 BGB – die kurze 2-Wochen-Frist greift in diesem Fall nicht automatisch.

## Verhältnis zur Wartezeit des KSchG

Probezeit (§ 622 Absatz 3 BGB) und **Wartezeit des Kündigungsschutzgesetzes** (§ 1 Absatz 1 KSchG) sind zwei **getrennte** Rechtsinstitute:

- Die **Probezeit** ist eine **vertraglich vereinbarte** Phase mit verkürzter Kündigungsfrist.
- Die **Wartezeit** ist eine **gesetzliche** Schwelle für den allgemeinen Kündigungsschutz: Erst wenn das Arbeitsverhältnis **ohne Unterbrechung länger als sechs Monate** in demselben Betrieb oder Unternehmen bestanden hat, kann sich der Arbeitnehmer auf die soziale Rechtfertigung der Kündigung nach § 1 KSchG berufen.

Praktisch heißt das: Während der ersten sechs Monate – unabhängig davon, ob eine Probezeit vereinbart ist oder nicht – braucht der Arbeitgeber für eine ordentliche Kündigung **keinen** sozial gerechtfertigten Grund (Person, Verhalten, betriebsbedingt) anzugeben. Er muss aber gleichwohl die Mindeststandards beachten: Schriftform (§ 623 BGB), keine willkürliche oder sittenwidrige Kündigung (§§ 138, 242 BGB), kein Verstoß gegen das AGG und kein Eingriff in Sonderkündigungsschutz (z. B. § 17 MuSchG, § 18 BEEG).

Das KSchG findet zudem nur Anwendung in Betrieben mit **in der Regel mehr als zehn Arbeitnehmern** (§ 23 Absatz 1 KSchG, Kleinbetriebsklausel).

## Befristete Arbeitsverträge: Verhältnismäßigkeitsgebot (§ 15 Absatz 3 TzBfG)

Seit dem 1. August 2022 verlangt § 15 Absatz 3 TzBfG: Ist für ein befristetes Arbeitsverhältnis eine Probezeit vereinbart, muss diese **im Verhältnis** zur **erwarteten Dauer der Befristung** und zur **Art der Tätigkeit** stehen. Diese Vorgabe setzt Artikel 8 Absatz 2 der EU-Richtlinie 2019/1152 über transparente und verlässliche Arbeitsbedingungen um.

Eine starre Höchstdauer nennt § 15 Absatz 3 TzBfG nicht – Maßstab ist die **Verhältnismäßigkeit**:

- Bei einer Befristung von **6 Monaten** wäre eine Probezeit über die gesamte Vertragslaufzeit unverhältnismäßig.
- Bei einer Befristung von **24 Monaten** kann eine Probezeit bis zur gesetzlichen Höchstdauer von sechs Monaten zulässig sein.
- Bei besonders **anspruchsvollen Tätigkeiten** kann eine längere Erprobungszeit gerechtfertigt sein.

Eine unverhältnismäßig lange Probezeit ist auf das angemessene Maß zurückzuführen; die verkürzte Kündigungsfrist nach § 622 Absatz 3 BGB greift dann nur für diesen reduzierten Zeitraum.

## Sonderfall Berufsausbildung (§ 20 BBiG, § 22 BBiG)

Für **Berufsausbildungsverhältnisse** gilt nicht § 622 BGB, sondern das Berufsbildungsgesetz:

- Das Berufsausbildungsverhältnis **beginnt** mit einer Probezeit (§ 20 Satz 1 BBiG).
- Die Probezeit muss **mindestens einen Monat und darf höchstens vier Monate** dauern (§ 20 Satz 2 BBiG).
- Während der Probezeit kann das Berufsausbildungsverhältnis **jederzeit ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist** gekündigt werden – beidseitig (§ 22 Absatz 1 BBiG).
- Nach Ablauf der Probezeit kann der **Ausbildende** nur noch **aus wichtigem Grund ohne Einhalten einer Kündigungsfrist** kündigen (§ 22 Absatz 2 Nr. 1 BBiG); der **Auszubildende** kann mit einer **Frist von vier Wochen** kündigen (§ 22 Absatz 2 Nr. 2 BBiG).

## Geltungsbereich

§ 622 Absatz 3 BGB gilt für **alle Arbeitsverhältnisse** in Deutschland – unbefristete und (mit den Maßgaben des § 15 Absatz 3 TzBfG) befristete, in Voll- und Teilzeit, in Klein- und Großbetrieben, vom ersten Tag der Beschäftigung an. Voraussetzung für die verkürzte 2-Wochen-Frist ist allein die **wirksame Vereinbarung** einer Probezeit im Arbeitsvertrag, im Tarifvertrag oder durch Bezugnahmeklausel.

Nicht erfasst sind Berufsausbildungsverhältnisse (§§ 20, 22 BBiG, eigenes Regime), freie Dienstverhältnisse (§ 621 BGB) sowie Beamten- und Soldatenverhältnisse.

## Ausnahmen und Sonderkündigungsschutz

Auch in der Probezeit gelten besondere Schutzregelungen:

- **Mutterschutz (§ 17 MuSchG):** Die Kündigung einer Schwangeren ist **unzulässig**, sobald dem Arbeitgeber die Schwangerschaft bekannt ist oder innerhalb von zwei Wochen nach Zugang der Kündigung mitgeteilt wird – auch in der Probezeit.
- **Elternzeit (§ 18 BEEG):** Ab Anmeldung der Elternzeit (frühestens 8 Wochen vor Beginn) gilt der Sonderkündigungsschutz – ebenfalls unabhängig von Probezeit oder Wartezeit.
- **Schwerbehinderte Menschen (§ 173 Absatz 1 Nr. 1 SGB IX):** Das Zustimmungserfordernis des Integrationsamts greift **erst nach sechsmonatiger** Beschäftigungsdauer – in den ersten 6 Monaten ist die Kündigung ohne Zustimmung möglich.
- **Betriebsratsmitglieder (§ 15 KSchG):** Sonderkündigungsschutz besteht ab Übernahme des Mandats, auch in der Probezeit.
- **Verbot diskriminierender Kündigungen (§§ 1, 7 AGG):** Auch in der Probezeit darf keine Kündigung aus einem der acht geschützten Merkmale (Rasse, ethnische Herkunft, Geschlecht, Religion, Weltanschauung, Behinderung, Alter, sexuelle Identität) erfolgen.

## Häufige Fehler

- **„Probezeit = kein Kündigungsschutz":** Falsch. Allgemeiner Kündigungsschutz nach KSchG knüpft an die **Wartezeit** an, nicht an die Probezeit. Sonderkündigungsschutz greift teils sofort.
- **„Mündliche Probezeitkündigung":** Unwirksam. Auch in der Probezeit verlangt § 623 BGB die Schriftform; eine Kündigung per E-Mail, WhatsApp oder SMS ist formnichtig (§ 125 BGB).
- **„Die 2-Wochen-Frist gilt nur, wenn Probezeit ausdrücklich vereinbart ist."** Korrekt – ohne Vereinbarung greift sofort die Grundfrist von 4 Wochen zum 15. oder Monatsende (§ 622 Absatz 1 BGB).
- **„Probezeit kann beliebig verlängert werden":** Falsch. Die gesetzliche Obergrenze von sechs Monaten gilt zwingend (§ 622 Absatz 3 BGB). Eine Vertragsverlängerung um Monate „zur weiteren Erprobung" ist nicht zulässig.
- **„In der Probezeit kann fristlos gekündigt werden":** Falsch. Auch in der Probezeit gilt die 2-Wochen-Frist; fristlos darf nur aus wichtigem Grund gekündigt werden (§ 626 BGB).

## Beispiel

Eine Arbeitnehmerin tritt am **1. Februar 2026** eine Stelle an. Im Arbeitsvertrag ist eine Probezeit von 6 Monaten vereinbart. Der Arbeitgeber kündigt am **18. Mai 2026** schriftlich; die Kündigung geht der Arbeitnehmerin am **19. Mai 2026** zu. Die 2-Wochen-Frist läuft ab Zugang. Das Arbeitsverhältnis endet damit am **2. Juni 2026** – innerhalb der Probezeit und damit ohne dass es der sozialen Rechtfertigung nach § 1 KSchG bedarf (Wartezeit noch nicht erfüllt).

Hätte der Arbeitgeber erst am **3. August 2026** gekündigt (also nach Ablauf der sechsmonatigen Probezeit **und** der KSchG-Wartezeit), gälten die Grundfrist nach § 622 Absatz 1 BGB **und** die Anforderungen an die soziale Rechtfertigung nach § 1 KSchG (in Betrieben > 10 Arbeitnehmer).

## Quellen

- gesetze-im-internet.de – § 622 BGB (Kündigungsfristen bei Arbeitsverhältnissen, Absatz 3 Probezeit): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__622.html
- gesetze-im-internet.de – § 623 BGB (Schriftform der Kündigung): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__623.html
- gesetze-im-internet.de – § 1 KSchG (Sozial ungerechtfertigte Kündigungen, Wartezeit): https://www.gesetze-im-internet.de/kschg/__1.html
- gesetze-im-internet.de – Kündigungsschutzgesetz (Gesamtgesetz): https://www.gesetze-im-internet.de/kschg/BJNR004990951.html
- gesetze-im-internet.de – § 15 TzBfG (Ende des befristeten Arbeitsvertrags, Absatz 3 Probezeit-Verhältnismäßigkeit): https://www.gesetze-im-internet.de/tzbfg/__15.html
- gesetze-im-internet.de – § 2 NachwG (Pflicht zur Niederschrift, u. a. Probezeit-Dauer): https://www.gesetze-im-internet.de/nachwg/__2.html
- gesetze-im-internet.de – § 20 BBiG (Probezeit in der Berufsausbildung): https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/__20.html
- gesetze-im-internet.de – § 22 BBiG (Kündigung im Berufsausbildungsverhältnis): https://www.gesetze-im-internet.de/bbig_2005/__22.html
- BMAS – Kündigungsschutz (Themenseite Bundesministerium für Arbeit und Soziales): https://www.bmas.de/DE/Arbeit/Arbeitsrecht/Arbeitnehmerrechte/Kuendigungsschutz/kuendigungsschutz.html
- BMAS – Broschüre „Kündigungsschutz – Alles was Sie wissen sollten" (A163, PDF): https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/a163-kuendigungsschutz.pdf
- BMAS – Broschüre „Arbeitsrecht – Informationen für Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer" (A711, PDF): https://www.bmas.de/SharedDocs/Downloads/DE/Publikationen/a711-arbeitsrecht.pdf
- BMAS – Nachweisgesetz (Themenseite): https://www.bmas.de/DE/Service/Gesetze-und-Gesetzesvorhaben/nachweisgesetz.html

## Änderungsverlauf

- 2026-05-29: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Quellen-URLs gegen amtliche Stellen (gesetze-im-internet.de, BMAS) gegengeprüft und mit curl auf HTTP 200 getestet. Frontmatter mit `legal_status: in_force`, `authority_level: A`, `wikidata_subjects: [Q628967, Q165728, Q20819988]` gesetzt.

## Stand

- Stand: 2026-05-29
- Gültig ab: 1993-10-15 (Fassung des § 622 BGB; Probezeit-Konzept besteht seit Kündigungsfristengesetz 1993)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (gesetze-im-internet.de, BMAS)
- Lizenz: CC BY 4.0
