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title: Reha-Antrag und Widerspruch (§ 40 SGB V) – Verfahren und Fristen
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topic: gesundheitsrecht
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# Reha-Antrag und Widerspruch (§ 40 SGB V) – Verfahren und Fristen

## Kurzantwort

Versicherte der gesetzlichen Krankenversicherung haben einen Anspruch auf **medizinische Rehabilitationsleistungen** nach **§ 40 SGB V**, wenn ambulante ärztliche Behandlung **nicht ausreicht**, um Behinderung oder Pflegebedürftigkeit abzuwenden, zu beseitigen, zu mindern, auszugleichen oder eine Verschlimmerung zu verhüten. Die Krankenkasse muss über den Antrag innerhalb von **drei Wochen** entscheiden — bei Einholung eines Gutachtens des MDK innerhalb von **fünf Wochen** (§ 13 Abs. 3a SGB V). Wird diese Frist **ohne ausreichende Mitteilung an den Versicherten** überschritten, gilt der Antrag als **genehmigt** (Genehmigungsfiktion). Gegen einen ablehnenden Bescheid kann innerhalb von **einem Monat Widerspruch** eingelegt werden (§ 84 SGG). Im Verhältnis zur Deutschen Rentenversicherung gilt der **Vorrang der Reha vor Rente** (§ 9 SGB VI).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage GKV-Reha | § 40 SGB V [gesetze-im-internet.de] |
| Rechtsgrundlage DRV-Reha | § 15 SGB VI iVm § 26 SGB IX |
| Voraussetzung GKV-Reha | Ambulante Behandlung reicht nicht aus, drohende Behinderung/Pflegebedürftigkeit |
| Antragsteller | Versicherter, ärztliche Verordnung empfehlenswert |
| Entscheidungsfrist Standard | 3 Wochen [§ 13 Abs. 3a SGB V] |
| Entscheidungsfrist mit MDK-Gutachten | 5 Wochen [§ 13 Abs. 3a SGB V] |
| Genehmigungsfiktion bei Fristversäumnis | Antrag gilt als genehmigt [§ 13 Abs. 3a Satz 6 SGB V] |
| Widerspruchsfrist | 1 Monat ab Bekanntgabe Bescheid [§ 84 SGG] |
| Klage Sozialgericht | 1 Monat nach Widerspruchsbescheid [§ 87 SGG] |
| Form Widerspruch | Schriftlich oder zur Niederschrift |
| Wahlrecht Einrichtung | Patient hat Wahlrecht, Mehrkosten ggf. selbst zu tragen [§ 40 Abs. 2 Satz 5 SGB V] |
| Zuzahlung Reha | 10 €/Tag, max. 42 Tage/Jahr [§ 40 Abs. 5 SGB V] |
| Zuzahlungsbefreiung Anschlussheilbehandlung | Max. 28 Tage/Jahr (Krankenhausanrechnung möglich) |
| Vorrang Reha vor Rente | § 9 SGB VI – Reha zur Vermeidung von Erwerbsminderungsrente |
| Sperrfrist Wiederholung Reha | Grundsätzlich 4 Jahre [§ 40 Abs. 3 SGB V] – Ausnahmen bei medizinischer Notwendigkeit |

## Geltungsbereich

§ 40 SGB V gilt für die **medizinische Rehabilitation** durch die gesetzliche Krankenversicherung. Für Berufstätige mit konkretem Bezug zur Erwerbsfähigkeit ist häufig die **Deutsche Rentenversicherung** zuständig (§ 9 SGB VI iVm § 26 SGB IX) — die Reha-Träger sind insoweit subsidiär aufeinander abgestimmt. Bei Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten ist die **Unfallversicherung** Träger (§§ 26 ff. SGB VII). Der Antrag kann formlos bei einem beliebigen Reha-Träger gestellt werden — die Träger sind verpflichtet, einen unzuständigen Antrag innerhalb von zwei Wochen weiterzuleiten (§ 14 SGB IX), so dass der Versicherte keine Nachteile durch Adressierung an den falschen Träger erleidet.

## Antragsverfahren und Genehmigungsfiktion

Der **Antrag** sollte folgendes enthalten: ärztliches Attest oder Verordnung, beschreibung der gesundheitlichen Beeinträchtigung, Begründung warum ambulante Behandlung nicht ausreicht, Wunsch zur Form (ambulant/stationär) und ggf. Einrichtung. Die Krankenkasse hat nach **§ 13 Abs. 3a SGB V** eine **gesetzlich fixierte Entscheidungsfrist**:

- **3 Wochen** ohne Gutachten des Medizinischen Dienstes (MD/MDK)
- **5 Wochen** mit Gutachten — die Einholung muss dem Versicherten **schriftlich mitgeteilt** werden

Wenn die Krankenkasse die Frist überschreitet **ohne** den Versicherten über die Verzögerung und deren Grund schriftlich zu informieren, gilt der Antrag als **genehmigt** (Genehmigungsfiktion nach § 13 Abs. 3a Satz 6 SGB V). Diese Genehmigungsfiktion ist seit der BSG-Rechtsprechung (BSG, Urteil vom 26.05.2020 – B 1 KR 9/18 R) eng auszulegen, gilt aber als wirksames Mittel zur Beschleunigung.

## Widerspruchsverfahren

Wird der Antrag **abgelehnt**, hat der Versicherte **einen Monat ab Bekanntgabe** des Bescheids Zeit, **Widerspruch** einzulegen (§ 84 SGG). Der Widerspruch ist **schriftlich** an die Krankenkasse oder **zur Niederschrift** zu erklären. Begründung ist nicht zwingend, aber empfehlenswert — sie kann auch später nachgereicht werden. Wird der Widerspruch ebenfalls abgelehnt, ist innerhalb eines weiteren Monats Klage beim **Sozialgericht** möglich (§ 87 SGG). Das Klageverfahren ist für den Versicherten **gerichtskostenfrei** (§ 183 SGG); Anwaltskosten können nur bei Obsiegen erstattet werden. Es lohnt sich häufig, ärztliche Atteste mit konkreter Begründung der Reha-Notwendigkeit beizufügen — die Erfolgsquote bei begründeten Widersprüchen liegt nach Erhebungen der Patientenstellen bei 30 bis 50 %.

## Häufige Fehler

- **„Die Krankenkasse darf 3 Monate für die Entscheidung brauchen."** Falsch — § 13 Abs. 3a SGB V begrenzt auf 3 bzw. 5 Wochen. Überschreitung ohne Information führt zur Genehmigungsfiktion.
- **„Eine Anschlussheilbehandlung muss ich selbst beantragen."** Differenziert — die AHB wird typischerweise direkt vom Krankenhaussozialdienst initiiert, der den Antrag bei der Kasse stellt. Versicherte sollten dennoch im Krankenhaus aktiv darum bitten.
- **„Bei abgelehntem Widerspruch kann ich nicht mehr klagen."** Falsch — innerhalb eines Monats nach Widerspruchsbescheid ist Klage zum Sozialgericht möglich (§ 87 SGG), gerichtskostenfrei.
- **„Reha-Wahlrecht bedeutet, ich darf jede Klinik wählen."** Differenziert — der Patient hat das Wahlrecht (§ 40 Abs. 2 Satz 5 SGB V), aber bei **Mehrkosten** gegenüber der von der Kasse benannten Einrichtung muss er die Differenz selbst tragen.
- **„Reha ist nur alle 4 Jahre möglich."** Differenziert — die 4-Jahres-Sperrfrist (§ 40 Abs. 3 SGB V) gilt grundsätzlich, kann aber bei medizinischer Notwendigkeit durchbrochen werden.

## Quellen

- § 40 SGB V – Leistungen zur medizinischen Rehabilitation: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__40.html
- § 13 SGB V – Kostenerstattung und Genehmigungsfiktion: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__13.html
- § 9 SGB VI – Vorrang Reha vor Rente: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_6/__9.html
- § 14 SGB IX – Leistender Rehabilitationsträger: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_9_2018/__14.html
- §§ 84, 87 SGG – Widerspruch und Klagefrist: https://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__84.html
- BSG, Urteil vom 26.05.2020 – B 1 KR 9/18 R (Genehmigungsfiktion): https://www.bsg.bund.de/SharedDocs/Entscheidungen/DE/2020/2020_05_26_B_01_KR_09_18_R.html
- BMG – Reha-Leistungen Übersicht: https://www.bundesgesundheitsministerium.de/themen/krankenversicherung/

## Änderungsverlauf

- 2026-06-17: Erstveröffentlichung. Quellen § 40 SGB V, § 13 Abs. 3a SGB V (Genehmigungsfiktion), BSG B 1 KR 9/18 R verifiziert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-06-17
- Gültig ab: 1989-01-01 (GRG, § 40 SGB V)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (SGB V, SGB IX, SGG, BSG, BMG)
- Lizenz: CC BY 4.0
