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title: Reisepreiserhöhung bei Pauschalreisen (§§ 651f, 651g BGB) – Voraussetzungen, 8-%-Grenze, Preissenkung
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# Reisepreiserhöhung bei Pauschalreisen (§§ 651f, 651g BGB) – Voraussetzungen, 8-%-Grenze, Preissenkung

## Kurzantwort

Ein Reiseveranstalter darf den vereinbarten Reisepreis einer Pauschalreise **nach der Buchung nur unter engen Voraussetzungen einseitig erhöhen** (§ 651f Abs. 1 BGB). Erforderlich ist, dass **der Vertrag eine Preiserhöhung ausdrücklich vorsieht**, zugleich auf die **Pflicht zur Preissenkung** (§ 651f Abs. 4 BGB) hinweist und die **Berechnungsweise** angibt. Die Erhöhung darf sich außerdem **nur** aus drei abschließend genannten Gründen ergeben: gestiegene **Beförderungskosten** (Treibstoff/Energie), erhöhte **Steuern und Abgaben** (z. B. Touristenabgaben, Hafen- oder Flughafengebühren) oder geänderte **Wechselkurse**. Der Veranstalter muss den Reisenden **auf einem dauerhaften Datenträger** klar, verständlich und mit Berechnung unterrichten — **spätestens 20 Tage vor Reisebeginn** (§ 651f Abs. 1 S. 2, 3 BGB). Übersteigt die Erhöhung **8 % des Reisepreises**, kann der Veranstalter sie **nicht einseitig** durchsetzen; er muss sie dem Reisenden anbieten, der dann **annehmen oder kostenfrei zurücktreten** kann (§ 651g Abs. 1 BGB). Sinken die genannten Kosten, hat der Reisende umgekehrt einen **Anspruch auf Preissenkung** (§ 651f Abs. 4 BGB).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage Preiserhöhung | § 651f BGB (Änderungsvorbehalte; Preissenkung) [gesetze-im-internet.de] |
| Rechtsgrundlage 8-%-Grenze | § 651g BGB (Erhebliche Vertragsänderungen) [gesetze-im-internet.de] |
| In Kraft seit | 01.07.2018 (Drittes Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften, BGBl. I S. 2394) |
| Umsetzung | EU-Pauschalreiserichtlinie 2015/2302 |
| Einseitige Erhöhung nur, wenn | Vertrag sieht sie vor + Hinweis auf Preissenkung + Berechnungsangabe [§ 651f Abs. 1 Nr. 1 BGB] |
| Zulässige Erhöhungsgründe (abschließend) | Beförderungs-/Energiekosten, Steuern/Abgaben, Wechselkurse [§ 651f Abs. 1 Nr. 2 BGB] |
| Form der Unterrichtung | Dauerhafter Datenträger, klar/verständlich, mit Berechnung [§ 651f Abs. 1 S. 2 BGB] |
| Frist der Unterrichtung | Spätestens 20 Tage vor Reisebeginn [§ 651f Abs. 1 S. 3 BGB] |
| Grenze einseitige Erhöhung | 8 % des Reisepreises [§ 651g Abs. 1 S. 1 BGB] |
| Über 8 % | Nur Angebot; Reisender kann annehmen oder zurücktreten [§ 651g Abs. 1 S. 2 BGB] |
| Frist Angebot Preiserhöhung | Spätestens 20 Tage vor Reisebeginn [§ 651g Abs. 1 S. 4 BGB] |
| Fiktion bei Fristablauf | Angebot gilt als angenommen, wenn Reisender nicht reagiert [§ 651g Abs. 2 S. 3 BGB] |
| Ersatzreise | Veranstalter kann alternativ gleichwertige Ersatzreise anbieten [§ 651g Abs. 2 S. 1 BGB] |
| Rücktrittsfolgen | § 651h Abs. 1 S. 2 und Abs. 5 BGB entsprechend [§ 651g Abs. 3 S. 1 BGB] |
| Anspruch auf Preissenkung | Bei Sinken der Kosten/Abgaben/Wechselkurse [§ 651f Abs. 4 BGB] |
| Abzug Verwaltungsausgaben | Bei Erstattung zulässig, auf Verlangen nachzuweisen [§ 651f Abs. 4 S. 3, 4 BGB] |
| AGB-Kontrolle | § 308 Nr. 4, § 309 Nr. 1 BGB auf Vorbehalte nicht anwendbar [§ 651f Abs. 3 BGB] |

## Geltungsbereich

Die §§ 651f, 651g BGB gelten für **Pauschalreisen** im Sinne des § 651a BGB, also die Zusammenstellung von mindestens zwei Reiseleistungen zu einem Gesamtpreis. Für **reine Einzelleistungen** (nur Flug, nur Hotel) gelten sie nicht; dort richtet sich eine Preisänderung nach dem jeweiligen Einzelvertrag und dem allgemeinen AGB-Recht (§§ 305 ff. BGB). Die Vorschriften setzen die **EU-Pauschalreiserichtlinie 2015/2302** um und gelten seit dem **1. Juli 2018**. Sie sind **halbzwingend** zugunsten des Reisenden: Nach § 651y BGB kann von ihnen nicht zum Nachteil des Reisenden abgewichen werden.

## Wann die einseitige Preiserhöhung wirksam ist — die vier Bedingungen

**Bedingung 1 — Vertraglicher Vorbehalt (§ 651f Abs. 1 Nr. 1 BGB).** Der Vertrag muss die Möglichkeit der Preiserhöhung ausdrücklich vorsehen. Er muss zugleich einen **Hinweis auf die Pflicht des Veranstalters zur Preissenkung** (Abs. 4) enthalten und **angeben, wie** Preisänderungen berechnet werden. Fehlt eine dieser Angaben, ist der Vorbehalt unwirksam.

**Bedingung 2 — Zulässiger Grund (§ 651f Abs. 1 Nr. 2 BGB).** Die Erhöhung muss sich **unmittelbar** aus einem nach Vertragsschluss eingetretenen Umstand ergeben, und zwar nur aus: (a) höheren **Beförderungskosten** wegen gestiegener Treibstoff-/Energiepreise, (b) erhöhten **Steuern und Abgaben** für vereinbarte Reiseleistungen (z. B. Touristenabgaben, Hafen- oder Flughafengebühren) oder (c) geänderten **Wechselkursen**. Andere Gründe (etwa gestiegene Personalkosten oder Kalkulationsfehler) rechtfertigen keine Erhöhung.

**Bedingung 3 — Ordnungsgemäße Unterrichtung (§ 651f Abs. 1 S. 2 BGB).** Der Veranstalter muss den Reisenden **auf einem dauerhaften Datenträger** (z. B. Brief, E-Mail, PDF) **klar und verständlich** über die Erhöhung und deren Gründe unterrichten und dabei die **Berechnung** mitteilen.

**Bedingung 4 — 20-Tage-Frist (§ 651f Abs. 1 S. 3 BGB).** Die Unterrichtung muss **spätestens 20 Tage vor Reisebeginn** erfolgen. Eine spätere Erhöhung ist unwirksam.

## Die 8-%-Grenze (§ 651g BGB)

Erhöhungen bis einschließlich **8 % des Reisepreises** kann der Veranstalter — bei Erfüllung der vier Bedingungen — **einseitig** durchsetzen; der Reisende muss zahlen. **Übersteigt** die vorbehaltene Erhöhung **8 % des Reisepreises**, darf der Veranstalter sie **nicht einseitig** vornehmen (§ 651g Abs. 1 S. 1 BGB). Er kann dem Reisenden die Erhöhung dann nur **anbieten** und ihm eine **angemessene Frist** setzen, innerhalb derer der Reisende entweder das **Angebot annimmt** oder den **Rücktritt** erklärt (§ 651g Abs. 1 S. 2 BGB). Das Angebot muss ebenfalls **spätestens 20 Tage vor Reisebeginn** vorliegen (§ 651g Abs. 1 S. 4 BGB).

Reagiert der Reisende innerhalb der Frist nicht, gilt das Angebot nach § 651g Abs. 2 S. 3 BGB als **angenommen** — Reisende sollten auf entsprechende Schreiben also aktiv reagieren. Der Veranstalter kann statt der Preiserhöhung auch eine **Ersatzreise** anbieten (§ 651g Abs. 2 S. 1 BGB). Tritt der Reisende zurück, gelten die Rücktrittsfolgen des § 651h Abs. 1 S. 2 und Abs. 5 BGB entsprechend — insbesondere die **Rückzahlung** des Reisepreises **ohne Entschädigung**, weil der Rücktritt hier gerade durch die Veranstalter-Änderung veranlasst ist (§ 651g Abs. 3 S. 1 BGB).

## Anspruch auf Preissenkung (§ 651f Abs. 4 BGB)

Sieht der Vertrag eine Preiserhöhung vor, ist die Klausel **spiegelbildlich**: Der Reisende kann eine **Senkung des Reisepreises verlangen**, wenn und soweit die in § 651f Abs. 1 S. 1 Nr. 2 genannten Preise, Abgaben oder Wechselkurse nach Vertragsschluss und vor Reisebeginn **sinken** und dies zu niedrigeren Kosten des Veranstalters führt. Hat der Reisende bereits mehr gezahlt, ist der **Mehrbetrag zu erstatten**. Der Veranstalter darf davon seine **tatsächlich entstandenen Verwaltungsausgaben** abziehen und muss deren Höhe auf Verlangen **nachweisen** (§ 651f Abs. 4 S. 3, 4 BGB).

## Häufige Fehler

- **„Der Veranstalter kann den Preis jederzeit frei erhöhen."** Falsch — eine einseitige Erhöhung ist nur bei ausdrücklichem Vertragsvorbehalt und ausschließlich aus den drei Gründen des § 651f Abs. 1 Nr. 2 BGB zulässig.
- **„Auch 15 % muss ich einfach zahlen."** Falsch — über 8 % des Reisepreises ist keine einseitige Erhöhung möglich; der Reisende kann das Angebot ablehnen und kostenfrei zurücktreten (§ 651g Abs. 1 BGB).
- **„Erhöhungen kurz vor Abflug sind wirksam."** Falsch — die Unterrichtung bzw. das Angebot muss spätestens 20 Tage vor Reisebeginn erfolgen (§§ 651f Abs. 1 S. 3, 651g Abs. 1 S. 4 BGB).
- **„Ich muss auf das Erhöhungsangebot nicht reagieren."** Riskant — schweigt der Reisende bis zum Fristablauf, gilt das Angebot nach § 651g Abs. 2 S. 3 BGB als angenommen.
- **„Preissenkungen gibt der Veranstalter nicht weiter."** Falsch — bei sinkenden Kosten besteht ein Anspruch auf Preissenkung (§ 651f Abs. 4 BGB); der Veranstalter darf nur nachgewiesene Verwaltungsausgaben abziehen.



## Quellen

- § 651f BGB – Änderungsvorbehalte; Preissenkung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651f.html
- § 651g BGB – Erhebliche Vertragsänderungen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651g.html
- § 651a BGB – Vertragstypische Pflichten beim Pauschalreisevertrag: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651a.html
- § 651h BGB – Rücktritt vor Reisebeginn: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651h.html
- § 651y BGB – Abweichende Vereinbarungen (halbzwingend): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651y.html
- Richtlinie (EU) 2015/2302 – Pauschalreiserichtlinie: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32015L2302

## Änderungsverlauf

- 2026-07-03: Erstveröffentlichung. Wortlaut §§ 651f, 651g BGB gegen gesetze-im-internet.de / dejure.org verifiziert (Fassung vom 01.07.2018, BGBl. I S. 2394). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-07-03
- Gültig ab: 2018-07-01 (Umsetzung Pauschalreiserichtlinie)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, EU-Richtlinie)
- Lizenz: CC BY 4.0
