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title: Reiserücktrittsversicherung – Wann sie zahlt, Selbstbehalt, Fristen (VVG, § 651h BGB)
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# Reiserücktrittsversicherung – Wann sie zahlt, Selbstbehalt, Fristen (VVG, § 651h BGB)

## Kurzantwort

Die **Reiserücktrittsversicherung** (genauer: Reiserücktrittskosten­versicherung) ist ein **privater Versicherungsvertrag** nach dem **Versicherungsvertragsgesetz (VVG)**. Sie erstattet die **Stornokosten**, die der Reiseveranstalter oder das Hotel bei einer Absage vor Reisebeginn berechnet — also die **Entschädigungspauschale nach § 651h Abs. 2 BGB** bzw. die vereinbarten Storno-AGB. Sie zahlt nur bei **versicherten Rücktrittsgründen**, die in den **Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB)** abschließend aufgezählt sind — typischerweise **unerwartete schwere Erkrankung, Unfall, Tod, Impfunverträglichkeit, Schwangerschaft, erheblicher Sachschaden am Eigentum oder unverschuldeter Arbeitsplatzverlust**. Sie ersetzt **kein allgemeines Widerrufs- oder Stornorecht**: Für die Reise selbst besteht **kein gesetzliches Widerrufsrecht** (§ 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB); die einmal wegen Krankheit anfallenden Stornokosten trägt ohne Versicherung der Reisende selbst. Für den **Versicherungsvertrag** gilt dagegen ein **14-tägiges Widerrufsrecht** (§ 8 VVG). Die konkreten Leistungen, Ausschlüsse, der **Selbstbehalt** (branchenüblich **20 %** bei ambulant behandelter Erkrankung) und die **Abschlussfristen** ergeben sich aus dem jeweiligen Tarif, **nicht aus dem Gesetz**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsnatur | Privater Versicherungsvertrag nach VVG |
| Was sie ersetzt | Stornokosten des Veranstalters/Hotels (§ 651h Abs. 2 BGB / Storno-AGB) |
| Versicherte Gründe | Abschließend in den AVB genannt (kein „freies" Rücktrittsrecht) |
| Typische Gründe | Unerwartete schwere Krankheit, Unfall, Tod, Impfunverträglichkeit, Schwangerschaft, Arbeitsplatzverlust, erheblicher Sachschaden |
| Selbstbehalt (branchenüblich) | 20 % bei ambulanter Behandlung; oft gegen Aufpreis abwählbar |
| Widerruf des Versicherungsvertrags | 14 Tage, Textform, ohne Begründung [§ 8 VVG] |
| Vorvertragliche Anzeigepflicht | Erfragte Gefahrumstände in Textform anzugeben [§ 19 VVG] |
| Folge Anzeigepflichtverletzung | Rücktritt/Kündigung/Vertragsanpassung des Versicherers [§ 19 Abs. 2–4 VVG] |
| Abschlussempfehlung | Direkt bei/nach Buchung; für vollen Schutz meist ≥ 30 Tage vor Reise |
| Wartezeit | Tarifabhängig; bei kurzfristigem Abschluss oft Wartezeit für Krankheitsfälle |
| Vorerkrankungen | Bereits bekannte/behandelte Leiden regelmäßig ausgeschlossen; Verschlechterung ggf. gedeckt |
| Reiseabbruchversicherung | Separate/kombinierte Leistung: erstattet Mehrkosten bei Abbruch während der Reise |
| Kein Widerruf der Reise | § 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB (Beherbergung/Reise mit fixem Datum) |
| Selbstverschulden | Nicht gedeckt (z. B. grob fahrlässig herbeigeführter Rücktrittsgrund) |
| Beweislast Rücktrittsgrund | Versicherungsnehmer (ärztliches Attest, Reiseunfähigkeit) |

## Geltungsbereich

Die Vorschriften des **VVG** gelten für den **Versicherungsvertrag** zwischen Reisendem und Versicherer. Der **Umfang der Leistung** — welche Rücktrittsgründe versichert sind, ob ein Selbstbehalt gilt, welche Fristen einzuhalten sind — richtet sich nach den **Allgemeinen Versicherungsbedingungen (AVB)** des jeweiligen Tarifs. Diese AVB unterliegen der **AGB-Kontrolle nach §§ 305 ff. BGB**. Die **Höhe der erstattungsfähigen Stornokosten** bemisst sich nach dem zugrundeliegenden Reise- oder Beherbergungsvertrag: bei Pauschalreisen nach der **Entschädigungspauschale des § 651h Abs. 2 BGB**, bei Einzel-Hotelbuchungen nach den Storno-AGB bzw. § 537 BGB analog.

## Wann zahlt die Versicherung?

Die Reiserücktrittsversicherung leistet nur, wenn ein **in den AVB genannter Grund** vorliegt und der Reisende dadurch **reiseunfähig** wird oder die Reise unzumutbar geworden ist. Branchenüblich versichert sind insbesondere:

- **Unerwartete schwere Erkrankung** — der Grund muss bei Vertragsschluss **nicht vorhersehbar** gewesen sein (z. B. Herzinfarkt, Schlaganfall, Knochenbruch, akute Infektion).
- **Unfall mit erheblicher Verletzung.**
- **Tod** des Versicherten oder eines nahen Angehörigen.
- **Impfunverträglichkeit** vor Reiseantritt.
- **Schwangerschaft** (bei Feststellung nach Buchung) und Schwangerschaftskomplikationen.
- **Unverschuldeter Verlust des Arbeitsplatzes** oder unerwarteter Wechsel aus Arbeitslosigkeit in ein Arbeitsverhältnis.
- **Erheblicher Sachschaden am Eigentum** (z. B. Wohnungsbrand, Einbruch, Hochwasser).

Der Reisende muss den Grund **nachweisen** — regelmäßig durch ärztliches Attest über die Reiseunfähigkeit. Nach Eintritt des Grundes muss die Reise **unverzüglich** storniert werden (Schadenminderungspflicht), um die Stornokosten gering zu halten.

## Wann zahlt sie nicht?

- **Kein versicherter Grund.** Persönliche Verhinderung ohne AVB-Deckung (z. B. „keine Lust mehr", beruflicher Termin ohne Deckung) ist nicht versichert.
- **Bekannte Vorerkrankung.** Leiden, die bei Vertragsschluss bereits bestanden und behandelt wurden, sind regelmäßig ausgeschlossen; nur eine **unerwartete Verschlechterung** kann gedeckt sein — je nach Tarif.
- **Verletzung der Anzeigepflicht** (§ 19 VVG). Wer erfragte Gefahrumstände falsch oder unvollständig angibt, riskiert Rücktritt, Kündigung oder Vertragsanpassung des Versicherers.
- **Selbst herbeigeführter Grund** oder grobe Fahrlässigkeit (tarifabhängig).
- **Wartezeit nicht abgelaufen.** Bei kurzfristigem Abschluss sehen viele Tarife für Krankheitsfälle eine Wartezeit vor (Unfall meist sofort gedeckt).
- **Pandemie/„höhere Gewalt".** Allgemeine Reisewarnungen oder Pandemien sind **nur** gedeckt, wenn der Tarif dies ausdrücklich einschließt. Für Pauschalreisen greift bei außergewöhnlichen Umständen ohnehin der **kostenfreie Rücktritt nach § 651h Abs. 3 BGB** — dann entstehen keine Stornokosten, die die Versicherung ersetzen müsste.

## Reiserücktritt vs. Reiseabbruch

- **Reiserücktrittsversicherung:** greift **vor** Reisebeginn — erstattet die vom Veranstalter/Hotel berechneten **Stornokosten**.
- **Reiseabbruchversicherung:** greift **während** der Reise — erstattet **Mehrkosten** (z. B. verfallene Leistungen, zusätzliche Rückreisekosten) bei vorzeitigem Abbruch aus versichertem Grund.

Beide werden häufig als **Kombiprodukt** angeboten. Ob ein **Selbstbehalt** gilt und in welcher Höhe, ist Tariffrage.

## Häufige Fehler

- **„Bei Krankheit kann ich die Reise kostenlos stornieren."** Falsch — Krankheit fällt in die Risikosphäre des Reisenden. Ohne Reiserücktrittsversicherung trägt er die Stornokosten (§ 651h Abs. 2 BGB / Storno-AGB) selbst.
- **„Die Versicherung zahlt bei jedem Rücktrittsgrund."** Falsch — nur die in den AVB **abschließend** aufgezählten Gründe sind versichert.
- **„Ich kann die Police jederzeit widerrufen und Geld zurückbekommen."** Differenziert — für den Versicherungsvertrag gilt ein **14-tägiges Widerrufsrecht (§ 8 VVG)**; danach ist ein Rücktritt nur nach den Vertragsbedingungen möglich. Für die **Reise** selbst gibt es **kein** Widerrufsrecht (§ 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB).
- **„Vorerkrankungen sind mitversichert."** Meist falsch — bereits bekannte, behandelte Leiden sind regelmäßig ausgeschlossen; nur eine **unerwartete Verschlechterung** kann gedeckt sein.
- **„Ich muss keinen Selbstbehalt zahlen."** Kommt auf den Tarif an — branchenüblich sind **20 %** bei ambulant behandelter Erkrankung, oft gegen Aufpreis abwählbar.
- **„Je später ich abschließe, desto besser."** Riskant — für vollen Schutz sollte die Police direkt bei Buchung bzw. rechtzeitig vor Reisebeginn abgeschlossen werden; kurzfristiger Abschluss löst häufig eine **Wartezeit** für Krankheitsfälle aus.

## Quellen

- § 8 VVG – Widerrufsrecht des Versicherungsnehmers (14 Tage, Textform): https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/__8.html
- § 19 VVG – Anzeigepflicht; Rücktritt des Versicherers: https://www.gesetze-im-internet.de/vvg_2008/__19.html
- § 651h BGB – Rücktritt vor Reisebeginn, Entschädigungspauschale (Abs. 2), außergewöhnliche Umstände (Abs. 3): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651h.html
- § 312g BGB – Kein Widerrufsrecht bei Beherbergung/Reise mit fixem Datum (Abs. 2 Nr. 9): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__312g.html
- §§ 305–310 BGB – AGB-Kontrolle (gilt für Versicherungsbedingungen): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__305.html
- Stiftung Warentest – Reiserücktrittsversicherung, Basisinformationen: https://www.test.de/Reiseruecktrittsversicherung-5171444-0/
- Verbraucherzentrale Hamburg – Reiserücktrittsversicherung zahlt nicht immer: https://www.vzhh.de/themen/einkauf-reise-freizeit/urlaub-reise/reiseruecktrittsversicherung-zahlt-nicht-immer

## Änderungsverlauf

- 2026-07-09: Seite neu erstellt. Statutorische Anker (§ 8 VVG, § 19 VVG, § 651h Abs. 2/3 BGB, § 312g Abs. 2 Nr. 9 BGB) gegen gesetze-im-internet.de geprüft. Produkt-/Tarifangaben (Selbstbehalt 20 %, Rücktrittsgründe, Wartezeit) als branchenüblich/AVB-abhängig gekennzeichnet — daher factcheck_status=review_needed. | change_type=create reviewed_by="Andreas Warkentin"
