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title: Reiseveranstalter-Insolvenz und Reisesicherungsfonds (DRSF, § 651r BGB) – Erstattung, Sicherungsschein, Rückholung
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# Reiseveranstalter-Insolvenz und Reisesicherungsfonds (DRSF, § 651r BGB) – Erstattung, Sicherungsschein, Rückholung

## Kurzantwort

Wird ein **Reiseveranstalter zahlungsunfähig oder insolvent**, sind die **Vorauszahlungen der Pauschalreisenden** sowie die **Kosten der Rückbeförderung** gesetzlich abgesichert (**§ 651r BGB**). Seit dem **01.11.2021** übernimmt für Veranstalter mit einem absicherungspflichtigen Umsatz von **mindestens 10 Mio. € (ohne USt.)** im letzten abgeschlossenen Geschäftsjahr der **Deutsche Reisesicherungsfonds (DRSF)** diese Absicherung; kleinere Veranstalter sichern sich über den DRSF oder über einen Versicherer/eine Bank ab. Der Veranstalter darf **Zahlungen vor Reiseende nur verlangen und annehmen, wenn er dem Reisenden einen Sicherungsschein übergeben hat** (**§ 651t BGB**). Kommt es zur Insolvenz, erstattet der Absicherer den **vollen gezahlten Reisepreis** der ausgefallenen Pauschalreise und organisiert – bei bereits angetretener Reise – die **Rückholung**. Die frühere **Haftungshöchstgrenze von 110 Mio. € pro Geschäftsjahr** (altes Versicherungssystem) gilt für DRSF-abgesicherte Veranstalter **nicht mehr** — der Fonds haftet vollumfänglich. Rechtsgrundlagen: **§§ 651r–651t BGB**, **Reisesicherungsfondsgesetz (RSG)** und **Reisesicherungsfondsverordnung (RSFV)**, in Umsetzung der **EU-Pauschalreiserichtlinie 2015/2302**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage Insolvenzschutz | § 651r BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Zahlungssicherung / Sicherungsschein | § 651t BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Spezialgesetz Fonds | Reisesicherungsfondsgesetz (RSG) |
| Verordnung | Reisesicherungsfondsverordnung (RSFV) |
| EU-Grundlage | Pauschalreiserichtlinie (EU) 2015/2302, Art. 17 |
| Absicherer (Pflicht) | Deutscher Reisesicherungsfonds GmbH (DRSF) |
| DRSF operativ seit | 01.11.2021 |
| Aufsichtsbehörde | Bundesministerium der Justiz (BMJ), ggf. Bundesamt für Justiz |
| Pflicht zum DRSF ab Umsatz | ≥ 10 Mio. € ohne USt. (letztes abgeschl. Geschäftsjahr) |
| Veranstalter < 10 Mio. € Umsatz | Wahl: DRSF oder Versicherer/Kreditinstitut |
| Abgesichert | Gezahlter Reisepreis (Vorauszahlung) + Rückbeförderung |
| Nicht abgesichert | Reine Einzelleistungen (Hotel/Flug allein), Reiserücktritts­versicherung, Umbuchungsgebühren |
| Sicherungsschein Gültigkeit | Ab Buchungsdatum, unabhängig vom Reisedatum |
| Frühere Haftungsobergrenze | 110 Mio. €/Geschäftsjahr (altes System) — für DRSF entfallen |
| Zielkapital DRSF | 750 Mio. € (planmäßig bis Okt. 2027, faktisch früher erreicht) |
| Entgelt Veranstalter (Umsatzanteil) | 0,5 % ab 01.11.2025 (zuvor 0,75 % ab 01.09.2025) |
| Sicherheitsleistung Veranstalter | 5–9 % des Umsatzes (Regelsatz 7 %) |
| Verjährung Ansprüche Reisender | 2 Jahre [§ 651j BGB] |

## Geltungsbereich

Der Insolvenzschutz des § 651r BGB gilt für **Pauschalreisen** (§ 651a BGB) und – eingeschränkt – für **verbundene Reiseleistungen** (§ 651w BGB). Er greift, wenn der Veranstalter **zahlungsunfähig** wird und deshalb Reiseleistungen ausfallen. Abgesichert sind zwei Dinge: die **bereits geleisteten Zahlungen** des Reisenden (Anzahlung, Restzahlung) und – falls die Reise schon angetreten ist – die **notwendige Rückbeförderung** an den Wohnort (Repatriierung).

**Nicht** vom Insolvenzschutz erfasst sind **reine Einzelleistungen**: eine allein gebuchte Hotelübernachtung oder ein allein gebuchter Flug ist keine Pauschalreise und fällt nicht unter § 651r BGB. Für Flüge greift statt­dessen ggf. das Fluggastrecht (EU 261/2004), das jedoch **keine** Insolvenzabsicherung gegen Airline-Pleiten bietet. Ebenfalls nicht erstattungsfähig sind typischerweise die Kosten einer **Reiserücktrittsversicherung**, **CO₂-Kompensationen** und **Umbuchungsgebühren**.

Für **verbundene Reiseleistungen** (Vermittlung zweier separater Verträge im selben Buchungsvorgang bzw. binnen 24 Stunden, § 651w BGB) besteht nur ein **eingeschränkter** Schutz: abgesichert sind an den insolventen Vermittler geleistete Vorauszahlungen, eine geschuldete Rückbeförderung sowie der Schutz vor **Doppelzahlung**, wenn Leistungserbringer ihr Geld nicht erhalten haben.

## So funktioniert der Insolvenzschutz — Schritt für Schritt

**Schritt 1 — Sicherungsschein bei Buchung (§ 651t BGB).** Der Veranstalter darf Zahlungen vor Reiseende **nur** fordern und annehmen, wenn er dem Reisenden einen **Sicherungsschein** übergeben hat und der Insolvenzschutz besteht. Der Sicherungsschein nennt den Absicherer (bei Pflichtveranstaltern den DRSF), die Sicherungsscheinnummer und die Art der Reise. Er gilt **ab dem Buchungsdatum**, unabhängig davon, wann die Reise angetreten wird. Fehlt der Sicherungsschein, muss der Reisende **nicht** vorauszahlen.

**Schritt 2 — Insolvenz tritt ein.** Meldet der Veranstalter Insolvenz an, werden die betroffenen Reisen storniert. Der Absicherer übernimmt: Reisende, die noch nicht abgereist sind, erhalten ihre **gezahlten Beträge zurück**; Reisende am Urlaubsort erhalten – soweit nötig – Unterkunft bis zur Rückreise und die **Rückbeförderung**.

**Schritt 3 — Erstattungsantrag.** Der DRSF kontaktiert anspruchsberechtigte Reisende in der Regel aktiv (E-Mail/Post), sobald der Veranstalter die Buchungsdaten übermittelt hat. Wer nicht kontaktiert wird, kann sich über das **Registrierungsportal** des DRSF anmelden. Benötigt werden Buchungsbestätigung, Zahlungsnachweise und ggf. Vollmachten von Mitreisenden. Erstattet wird der **volle Preis der Pauschalreisebuchung**.

**Schritt 4 — Restforderungen zur Insolvenztabelle.** Deckt die Absicherung nicht alles ab – etwa vor Ort zusätzlich gebuchte Ausflüge oder eine Reiserücktritts­versicherung –, können solche Restforderungen im **Insolvenzverfahren** des Veranstalters angemeldet werden.

## Warum der Fonds entstand — Lehre aus Thomas Cook

Bis 2021 mussten Reiseveranstalter ihre Kundengelder über **private Versicherer oder Banken** absichern, deren Haftung gesetzlich auf **110 Mio. € pro Geschäftsjahr** begrenzt war. Bei der **Thomas-Cook-Insolvenz 2019** reichte diese gedeckelte Summe nicht aus, um alle Ansprüche zu erfüllen — die Bundesregierung sprang aus Vertrauensschutzgründen ein. Als Konsequenz schuf der Gesetzgeber mit dem **Reisesicherungsfondsgesetz** einen zentralen Fonds. Der DRSF baut ein **Zielkapital von 750 Mio. €** auf (planmäßig bis Oktober 2027, faktisch früher erreicht) und haftet – anders als das alte System – **ohne feste Obergrenze** vollumfänglich, auch bei gleichzeitiger Insolvenz eines großen und eines mittleren Veranstalters. In der Praxis bewährte sich der Fonds bereits bei mehreren Insolvenzen, darunter die **FTI Group** (2024).

## Häufige Fehler

- **„Bei Airline-Pleite bekomme ich mein Geld über den Reisesicherungsfonds zurück."** Falsch — § 651r BGB und der DRSF sichern **Pauschalreisen** ab, nicht allein gebuchte Flüge. Bei reiner Airline-Insolvenz gibt es keinen vergleichbaren gesetzlichen Fonds.
- **„Ich muss die volle Anzahlung leisten, auch ohne Sicherungsschein."** Falsch — § 651t BGB verbietet dem Veranstalter, Zahlungen vor Reiseende **ohne** Übergabe des Sicherungsscheins zu verlangen. Ohne Sicherungsschein besteht keine Vorauszahlungspflicht.
- **„Der Sicherungsschein gilt nur, wenn ich ihn mit auf die Reise nehme."** Falsch — der Schutz besteht kraft Gesetzes ab Buchung; das Mitführen ist nicht erforderlich. Maßgeblich ist das **Buchungsdatum**, nicht das Reisedatum.
- **„Auch meine Reiserücktrittsversicherung und Umbuchungsgebühren werden erstattet."** In der Regel falsch — erstattet wird der **Reisepreis** der ausgefallenen Pauschalreise; Kosten für Reiserücktritts­versicherung, CO₂-Kompensation und Umbuchungen sind typischerweise ausgenommen.
- **„Die Haftung ist wie früher auf 110 Mio. € gedeckelt."** Überholt — die 110-Mio.-€-Grenze betraf das **alte** Versicherungssystem. Für DRSF-abgesicherte Veranstalter gilt sie **nicht mehr**; der Fonds erfüllt Ansprüche vollumfänglich.



## Quellen

- § 651r BGB – Insolvenzsicherung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651r.html
- § 651s BGB – Absicherung durch anerkannte Einrichtung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651s.html
- § 651t BGB – Zahlungen; Sicherungsschein: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651t.html
- § 651w BGB – Verbundene Reiseleistungen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651w.html
- Reisesicherungsfondsgesetz (RSG): https://www.gesetze-im-internet.de/rsg/BJNR211410021.html
- Reisesicherungsfondsverordnung (RSFV): https://www.gesetze-im-internet.de/rsfv/BJNR234910021.html
- Richtlinie (EU) 2015/2302 (Pauschalreiserichtlinie), Art. 17: https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32015L2302
- DRSF – FAQs (Absicherungspflicht ab 10 Mio. €, Entgelt, Sicherungsschein): https://drsf.reise/faqs/
- DRSF – Erstattungsprozess: https://drsf.reise/erstattungsprozess/

## Änderungsverlauf

- 2026-07-02: Erstveröffentlichung. Kernnormen §§ 651r–651t, 651w BGB sowie RSG und RSFV gegen gesetze-im-internet.de verifiziert; DRSF-Rahmendaten (Umsatzschwelle 10 Mio. €, Sicherungsschein, Erstattungsumfang, Wegfall der 110-Mio.-€-Grenze) gegen drsf.reise geprüft. Entgeltsätze (0,75 %/0,5 %) und Zielkapital 750 Mio. € nach amtlichen bzw. Fonds-Angaben; künftige Entgeltanpassungen bleiben zu beobachten. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-07-02
- Gültig ab: 2021-11-01 (Aufnahme der Geschäftstätigkeit des DRSF)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, RSG/RSFV, EU-Richtlinie; DRSF als beauftragte Einrichtung)
- Lizenz: CC BY 4.0
