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title: "Rücktritt und Rückabwicklung nach §§ 346 ff. BGB — Rückgewähr, Nutzungen und Wertersatz"
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# Rücktritt und Rückabwicklung nach §§ 346 ff. BGB — Rückgewähr, Nutzungen und Wertersatz

## Kurzantwort

Der **Rücktritt** beseitigt den Vertrag nicht rückwirkend, sondern wandelt ihn in ein **Rückgewährschuldverhältnis** um. Nach **§ 346 Abs. 1 BGB** sind die empfangenen Leistungen zurückzugewähren und die **gezogenen Nutzungen** herauszugeben — beim Autokauf also Fahrzeug gegen Kaufpreis, zuzüglich einer Entschädigung für die gefahrenen Kilometer. Ist die Rückgabe unmöglich geworden, weil die Sache verbraucht, weiterveräußert, verarbeitet oder beschädigt wurde, tritt nach **§ 346 Abs. 2 BGB** **Wertersatz** an ihre Stelle; Maßstab ist die im Vertrag bestimmte **Gegenleistung**. **§ 346 Abs. 3 BGB** nimmt den Rücktrittsberechtigten davon in drei Fällen aus — vor allem dann, wenn er bei einem **gesetzlichen** Rücktrittsrecht die eigenübliche Sorgfalt gewahrt hat (§ 346 Abs. 3 Satz 1 Nr. 3 BGB); herauszugeben bleibt nur die verbleibende Bereicherung. Der Rücktritt selbst wird durch **empfangsbedürftige Erklärung** gegenüber dem anderen Teil ausgeübt (**§ 349 BGB**); die beiderseitigen Rückgewährpflichten sind **Zug um Zug** zu erfüllen (**§ 348 BGB**). Schadensersatz bleibt daneben möglich (**§ 325 BGB**).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Regelungsort | §§ 346–354 BGB, Buch 2, Abschnitt 3, Titel 5 „Rücktritt; Widerrufsrecht bei Verbraucherverträgen" |
| Fassung | Schuldrechtsmodernisierung, in Kraft seit 01.01.2002 |
| Rechtsnatur | Gestaltungsrecht — Umwandlung in ein Rückgewährschuldverhältnis, keine rückwirkende Vernichtung des Vertrags |
| Ausübung | einseitige empfangsbedürftige Erklärung gegenüber dem anderen Teil [§ 349 BGB], formfrei, bedingungsfeindlich |
| Widerruflichkeit | Die einmal zugegangene Rücktrittserklärung ist unwiderruflich |
| Grundpflicht | Rückgewähr der empfangenen Leistungen und Herausgabe gezogener Nutzungen [§ 346 Abs. 1 BGB] |
| Wertersatz | bei Unmöglichkeit der Rückgewähr nach der Natur des Erlangten, bei Verbrauch/Veräußerung/Belastung/Verarbeitung/Umgestaltung, bei Verschlechterung oder Untergang [§ 346 Abs. 2 S. 1 BGB] |
| Bemessung | die im Vertrag bestimmte Gegenleistung ist zugrunde zu legen [§ 346 Abs. 2 S. 2 BGB] |
| Privileg | bestimmungsgemäße Ingebrauchnahme bleibt außer Betracht [§ 346 Abs. 2 S. 1 Nr. 3 Halbs. 2 BGB] |
| Wegfall des Wertersatzes | drei Fälle des § 346 Abs. 3 S. 1 BGB; verbleibende Bereicherung ist herauszugeben [§ 346 Abs. 3 S. 2 BGB] |
| Sorgfaltsmaßstab | beim gesetzlichen Rücktrittsrecht nur eigenübliche Sorgfalt (diligentia quam in suis) [§§ 346 Abs. 3 S. 1 Nr. 3, 347 Abs. 1 S. 2 BGB] |
| Verwendungen | notwendige Verwendungen sind zu ersetzen, andere Aufwendungen nur bei Bereicherung [§ 347 Abs. 2 BGB] |
| Abwicklung | Zug um Zug, §§ 320, 322 BGB entsprechend [§ 348 BGB] |
| Schadensersatz | durch den Rücktritt nicht ausgeschlossen [§ 325 BGB]; bei Verletzung der Rückgewährpflicht §§ 280–283 BGB [§ 346 Abs. 4 BGB] |
| Mehrheit von Beteiligten | Rücktrittsrecht nur von allen und gegen alle [§ 351 BGB] |
| Grenze | Rücktritt unwirksam, wenn Leistungs- oder Nacherfüllungsanspruch verjährt ist und der Schuldner sich darauf beruft [§ 218 BGB] |
| Abgrenzung | Widerruf im Verbrauchervertrag richtet sich nach §§ 355, 357 BGB, nicht nach § 346 BGB |

## Anspruchsgrundlage

**§ 346 Abs. 1 BGB** lautet: „Hat sich eine Vertragspartei vertraglich den Rücktritt vorbehalten oder steht ihr ein gesetzliches Rücktrittsrecht zu, so sind im Falle des Rücktritts die empfangenen Leistungen zurückzugewähren und die gezogenen Nutzungen herauszugeben."

Die Norm ist die **Anspruchsgrundlage für die Rückgewähr** — und zugleich die Rechtsfolgenanordnung des gesamten Rücktrittsrechts. Sie setzt ein **bestehendes Rücktrittsrecht** voraus, begründet es aber nicht. Das Rücktrittsrecht folgt entweder aus **Vereinbarung** (vertragliches Rücktrittsrecht, Rücktrittsvorbehalt) oder aus dem **Gesetz**, vor allem aus:

- **§ 323 BGB** — nicht oder nicht vertragsgemäß erbrachte Leistung, regelmäßig nach erfolglosem Ablauf einer **angemessenen Frist**;
- **§ 326 Abs. 5 BGB** — Ausschluss der Leistungspflicht nach § 275 BGB, hier **ohne** Fristsetzung;
- **§ 437 Nr. 2 BGB** — Mangel der Kaufsache, über §§ 440, 323, 326 Abs. 5 BGB;
- **§ 634 Nr. 3 BGB** — Mangel des Werks.

Dogmatisch ist der Rücktritt ein **Gestaltungsrecht**: Der Vertrag wird nicht vernichtet, sondern für die Zukunft in ein **Rückgewährschuldverhältnis** umgestaltet. Das ist der zentrale Unterschied zur **Anfechtung** (§ 142 Abs. 1 BGB), die den Vertrag von Anfang an nichtig macht und die Rückabwicklung ins **Bereicherungsrecht** (§ 812 Abs. 1 S. 1 Alt. 1 BGB) verweist. Weil der Vertrag als Rechtsgrund bestehen bleibt, gelten die vertraglich vereinbarten Werte fort — deshalb ordnet § 346 Abs. 2 S. 2 BGB an, dass die **vereinbarte Gegenleistung** die Berechnungsgrundlage des Wertersatzes bildet, und deshalb kann sich der Rückgewährschuldner **nicht** auf Entreicherung nach § 818 Abs. 3 BGB berufen.

Die **Ausübung** regelt **§ 349 BGB**: „Der Rücktritt erfolgt durch Erklärung gegenüber dem anderen Teil." Es handelt sich um eine einseitige, **empfangsbedürftige Willenserklärung**, die formfrei möglich ist, keiner Begründung bedarf und — als Gestaltungserklärung — grundsätzlich **bedingungsfeindlich** und nach Zugang **unwiderruflich** ist. Sind an einer Vertragsseite mehrere Personen beteiligt, kann das Rücktrittsrecht nach **§ 351 BGB** nur **von allen und gegen alle** ausgeübt werden.

## Anspruchsvoraussetzungen

**A. Der Anspruch aus § 346 Abs. 1 BGB** wird in vier Schritten geprüft:

1. **Wirksamer Vertrag.** Der Rücktritt setzt einen Vertrag voraus, der Bestand hat. Ist er nichtig oder wirksam angefochten, ist für § 346 BGB kein Raum; die Rückabwicklung läuft dann über §§ 812 ff. BGB.
2. **Rücktrittsgrund — vertraglich oder gesetzlich.** Beim häufigsten Fall, **§ 323 Abs. 1 BGB**, müssen kumulativ vorliegen: gegenseitiger Vertrag, **fällige** Leistung, Nicht- oder Schlechtleistung sowie der **erfolglose Ablauf einer angemessenen Frist** zur Leistung oder Nacherfüllung. Die Fristsetzung ist nur in den Fällen des **§ 323 Abs. 2 BGB** entbehrlich — ernsthafte und endgültige Erfüllungsverweigerung (Nr. 1), relatives Fixgeschäft (Nr. 2) oder besondere Umstände, die nach Interessenabwägung den sofortigen Rücktritt rechtfertigen (Nr. 3). Kommt nach der Art der Pflichtverletzung eine Fristsetzung nicht in Betracht, tritt an ihre Stelle die **Abmahnung** (§ 323 Abs. 3 BGB).
3. **Keine Ausschlussgründe.** Der Rücktritt ist ausgeschlossen bei **unerheblicher** Pflichtverletzung (§ 323 Abs. 5 S. 2 BGB), bei alleiniger oder weit überwiegender Verantwortlichkeit des Gläubigers oder bei Eintritt des vom Schuldner nicht zu vertretenden Umstands während des **Annahmeverzugs** (§ 323 Abs. 6 BGB), bei Erlöschen des Rücktrittsrechts nach Fristsetzung durch den anderen Teil (§ 350 BGB), bei möglicher und unverzüglich erklärter **Aufrechnung** des Schuldners (§ 352 BGB) sowie nach **§ 218 BGB**, wenn der Leistungs- oder Nacherfüllungsanspruch **verjährt** ist und der Schuldner sich darauf beruft.
4. **Rücktrittserklärung.** Die Erklärung nach § 349 BGB muss dem anderen Teil **zugehen**. Eine Begründung ist nicht erforderlich; der erklärte Rücktritt ist auch dann wirksam, wenn der Erklärende einen anderen als den tatsächlich gegebenen Grund nennt, sofern objektiv ein Rücktrittsrecht bestand.

**B. Der Wertersatzanspruch aus § 346 Abs. 2 BGB** setzt zusätzlich voraus:

1. **Bestehen der Rückgewähr- oder Herausgabepflicht** aus § 346 Abs. 1 BGB.
2. **Ein Tatbestand des § 346 Abs. 2 S. 1 BGB:** Die Rückgewähr oder Herausgabe ist **nach der Natur des Erlangten ausgeschlossen** (Nr. 1 — Dienstleistungen, Gebrauchsvorteile, Nutzung eines Darlehens); der Gegenstand wurde **verbraucht, veräußert, belastet, verarbeitet oder umgestaltet** (Nr. 2); der Gegenstand hat sich **verschlechtert** oder ist **untergegangen** (Nr. 3). Nach Nr. 3 Halbs. 2 bleibt die durch **bestimmungsgemäße Ingebrauchnahme** entstandene Verschlechterung außer Betracht — der Käufer schuldet also keinen Ersatz dafür, dass die Sache durch den vertragsgemäßen Gebrauch an Wert verloren hat.
3. **Berechnung.** Ist im Vertrag eine Gegenleistung bestimmt, ist **sie** der Berechnung zugrunde zu legen (§ 346 Abs. 2 S. 2 Halbs. 1 BGB). Beim Gebrauchsvorteil eines **Darlehens** kann nachgewiesen werden, dass der Wert des Gebrauchsvorteils niedriger war (Halbs. 2). In der Praxis wird der Nutzungswertersatz für Fahrzeuge zeitanteilig nach der linearen Formel *Bruttokaufpreis × gefahrene Kilometer ÷ erwartete Restlaufleistung* berechnet.
4. **Kein Ausschluss nach § 346 Abs. 3 S. 1 BGB:** Die Wertersatzpflicht entfällt, wenn sich der **zum Rücktritt berechtigende Mangel erst während der Verarbeitung oder Umgestaltung** gezeigt hat (Nr. 1); soweit der **Gläubiger** die Verschlechterung oder den Untergang **zu vertreten** hat oder der Schaden **bei ihm gleichfalls eingetreten** wäre (Nr. 2); oder wenn bei einem **gesetzlichen** Rücktrittsrecht die Verschlechterung oder der Untergang beim Berechtigten eingetreten ist, **obwohl dieser die eigenübliche Sorgfalt** beobachtet hat (Nr. 3). In allen drei Fällen ist nach **§ 346 Abs. 3 S. 2 BGB** die **verbleibende Bereicherung** herauszugeben.

**C. Der Nutzungswertersatz aus § 347 Abs. 1 BGB** setzt voraus, dass der Schuldner Nutzungen **entgegen den Regeln einer ordnungsmäßigen Wirtschaft nicht gezogen** hat, obwohl ihm das möglich gewesen wäre. Beim **gesetzlichen** Rücktrittsrecht ist auch hier nur die **eigenübliche Sorgfalt** geschuldet (§ 347 Abs. 1 S. 2 BGB).

## Rechtsfolgen

- **Rückgewähr in Natur.** Jede Partei gibt zurück, was sie empfangen hat. Der Anspruch ist auf **Rückgewähr**, nicht auf Herausgabe nach § 985 BGB gerichtet — das Eigentum geht durch den Rücktritt nicht automatisch zurück, es bedarf einer erneuten Übereignung.
- **Herausgabe gezogener Nutzungen.** Nutzungen sind Früchte und **Gebrauchsvorteile** (§ 100 BGB). Weil Gebrauchsvorteile ihrer Natur nach nicht herausgegeben werden können, schlägt die Pflicht über § 346 Abs. 2 S. 1 Nr. 1 BGB regelmäßig in **Wertersatz** um: Der Käufer zahlt Nutzungsentschädigung, der Verkäufer gibt die **Zinsen** auf den Kaufpreis heraus.
- **Wertersatz statt Rückgewähr.** Er tritt an die Stelle der Rückgabe, berechnet nach der **vereinbarten Gegenleistung**. Eine Entreicherungseinrede wie im Bereicherungsrecht gibt es **nicht** — abgesehen von den Privilegierungen des § 346 Abs. 3 BGB.
- **Wegfall des Wertersatzes mit Bereicherungsrest.** Greift § 346 Abs. 3 S. 1 BGB, schuldet der Berechtigte nur noch die **verbleibende Bereicherung** (§ 346 Abs. 3 S. 2 BGB) — etwa den Erlös aus dem Verkauf des Wracks oder eine erhaltene Versicherungsleistung.
- **Verwendungsersatz.** Gibt der Schuldner den Gegenstand zurück, leistet er Wertersatz oder ist seine Wertersatzpflicht nach § 346 Abs. 3 S. 1 Nr. 1 oder 2 BGB ausgeschlossen, sind ihm **notwendige Verwendungen** zu ersetzen; andere Aufwendungen nur, soweit der Gläubiger dadurch **bereichert** wird (§ 347 Abs. 2 BGB).
- **Zug-um-Zug-Abwicklung.** Die Rückgewährpflichten stehen im Gegenseitigkeitsverhältnis; §§ 320, 322 BGB gelten entsprechend (**§ 348 BGB**). Praktisch bedeutet das: Wer auf Rückzahlung klagt, erhält ein Urteil auf Zahlung **Zug um Zug** gegen Rückgabe der Sache, und der Gegner gerät nur bei Angebot der eigenen Leistung in Verzug.
- **Schadensersatz bleibt möglich.** **§ 325 BGB** stellt klar, dass der Rücktritt den Schadensersatzanspruch **nicht** ausschließt — Rücktritt und Schadensersatz statt der Leistung sind seit 2002 **kumulierbar**. Verletzt eine Partei ihre Rückgewährpflicht aus § 346 Abs. 1 BGB, haftet sie nach **§ 346 Abs. 4 BGB** i. V. m. **§§ 280 bis 283 BGB**.
- **Keine Rückwirkung.** Sicherungsrechte, Erfüllungsorte und Gerichtsstandsvereinbarungen des ursprünglichen Vertrags bleiben grundsätzlich bestehen; der Vertrag ist Rechtsgrund der bereits erfolgten Leistungen und der Rückabwicklung.

## Praxisbeispiel

**BGH, Urteil vom 13.11.2024 – VIII ZR 168/23** (Rückabwicklung eines Kaufvertrags über eine Leasingsache): Ein Leasinggeber hatte das später mangelhafte Objekt beim Lieferanten gekauft und — wie im Leasinggeschäft üblich — seine kaufrechtlichen Gewährleistungsansprüche an den Leasingnehmer abgetreten. Der Leasingnehmer erklärte daraufhin den mangelbedingten Rücktritt und verlangte vom Lieferanten die Rückzahlung des Kaufpreises. Der Lieferant hielt dem einen eigenen **Wertersatzanspruch** aus § 346 Abs. 2 S. 1 BGB entgegen und rechnete auf.

Der VIII. Zivilsenat ließ das nicht zu. Nach dem ersten amtlichen Leitsatz richtet sich der Wertersatzanspruch des Lieferanten (Verkäufers) aus § 346 Abs. 2 S. 1 BGB **auch bei der leasingtypischen Abtretungskonstruktion grundsätzlich nicht gegen den Leasingnehmer, sondern gegen den Leasinggeber als Käufer**. Die Abtretung überträgt die **Gewährleistungsansprüche**, nicht die Stellung als Vertragspartei des Rückgewährschuldverhältnisses. Nach dem zweiten Leitsatz ist **§ 406 BGB** zugunsten des Lieferanten grundsätzlich **nicht anwendbar**, wenn dieser den Kaufvertrag in Kenntnis der leasingtypischen Abtretungskonstruktion mit dem Leasinggeber geschlossen hat; die **Aufrechnung** (§ 387 BGB) mit dem Wertersatzanspruch gegen den vom Leasingnehmer geltend gemachten Kaufpreisrückzahlungsanspruch scheitert dann an der fehlenden **Gegenseitigkeit** der Forderungen. Die Entscheidung zeigt den praktisch wichtigsten Konstruktionsfehler bei der Rückabwicklung im Dreiecksverhältnis: Wer einen Anspruch **abtritt**, macht den Zessionar nicht zum Schuldner der Gegenansprüche aus dem Rückgewährschuldverhältnis.

**Zur Rücktrittsvoraussetzung der Fristsetzung — BGH, Verfahren VIII ZR 313/25** (Lieferung von Corona-Schutzmasken, Verhandlungstermin am 16.09.2026, Pressemitteilung Nr. 082/2026 vom 12.05.2026): Die Bundesrepublik Deutschland hatte im Open-House-Verfahren des Frühjahrs 2020 Schutzmasken bestellt, die Lieferung kam nicht zustande, und sie erklärte **ohne vorherige Fristsetzung** den Rücktritt. Das Oberlandesgericht Köln verneinte einen wirksamen Rücktritt nach § 323 Abs. 1 BGB: Die Fristsetzung sei nicht entbehrlich gewesen, weil die auf ein absolutes Fixgeschäft gerichtete Vertragsklausel als Allgemeine Geschäftsbedingung bereits wegen **Intransparenz** (§ 307 Abs. 1 S. 2 BGB) unwirksam sei und die vollständige Freistellung des Verwenders vom Fristsetzungserfordernis auch im kaufmännischen Verkehr eine **unangemessene Benachteiligung** darstelle (§ 307 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB); ein **relatives Fixgeschäft** im Sinne des § 323 Abs. 2 Nr. 2 BGB hätten die Parteien auch außerhalb der Klauseln nicht vereinbart. Das Verfahren ist beim BGH anhängig; eine Revisionsentscheidung lag am 21.09.2026 noch nicht vor. Der Fall illustriert die praktische Kernregel: **Ohne Fristsetzung kein Rücktritt** — und damit auch kein Rückgewährschuldverhältnis nach §§ 346 ff. BGB.

## Verwandte Normen

- **§ 218 BGB** — Unwirksamkeit des Rücktritts bei verjährtem Leistungs- oder Nacherfüllungsanspruch, wenn der Schuldner sich darauf beruft.
- **§ 275 BGB** — Ausschluss der Leistungspflicht; öffnet über § 326 Abs. 5 BGB den Rücktritt ohne Fristsetzung.
- **§ 320 BGB** — Einrede des nicht erfüllten Vertrags; über § 348 S. 2 BGB auf das Rückgewährschuldverhältnis anwendbar.
- **§ 323 BGB** — Rücktritt wegen nicht oder nicht vertragsgemäß erbrachter Leistung; wichtigstes gesetzliches Rücktrittsrecht.
- **§ 325 BGB** — Schadensersatz und Rücktritt schließen einander **nicht** aus.
- **§ 326 BGB** — Befreiung von der Gegenleistung; Abs. 4 verweist für die Rückforderung auf §§ 346–348 BGB, Abs. 5 gewährt den Rücktritt ohne Fristsetzung.
- **§ 346 BGB** — Wirkungen des Rücktritts; Rückgewähr, Nutzungsherausgabe, Wertersatz und dessen Wegfall.
- **§ 347 BGB** — Nutzungen und Verwendungen nach Rücktritt; eigenübliche Sorgfalt beim gesetzlichen Rücktrittsrecht.
- **§ 348 BGB** — Erfüllung Zug um Zug; §§ 320, 322 BGB entsprechend.
- **§ 349 BGB** — Erklärung des Rücktritts; empfangsbedürftige Gestaltungserklärung.
- **§ 350 BGB** — Erlöschen des vertraglichen Rücktrittsrechts nach Fristsetzung durch den anderen Teil.
- **§ 351 BGB** — Unteilbarkeit des Rücktrittsrechts bei mehreren Beteiligten.
- **§ 352 BGB** — Unwirksamkeit des Rücktritts bei unverzüglich erklärter Aufrechnung.
- **§§ 355, 357 BGB** — Widerrufsrecht bei Verbraucherverträgen; eigenständiges Rückabwicklungsregime mit 14-Tage-Frist, verdrängt § 346 BGB.
- **§ 437 Nr. 2 BGB** — Rücktritt des Käufers bei Mängeln, über §§ 440, 323, 326 Abs. 5 BGB.
- **§ 441 BGB** — Minderung als Alternative zum Rücktritt; dieselben Voraussetzungen, aber ohne Erheblichkeitsschwelle.
- **§ 634 Nr. 3 BGB** — Rücktritt des Bestellers beim Werkvertrag.
- **§ 812 BGB** — Ungerechtfertigte Bereicherung; Abgrenzung: Rückabwicklung nach Anfechtung oder Nichtigkeit, mit Entreicherungseinrede nach § 818 Abs. 3 BGB.
- **§ 651h BGB** — Rücktritt vor Reisebeginn beim Pauschalreisevertrag; abschließende Sonderregelung.

## Änderungsverlauf

- 2026-09-21: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Normtexte der §§ 218, 323, 325, 346, 347, 348, 349, 350, 351, 352, 357, 437, 474 BGB am 21.09.2026 auf gesetze-im-internet.de im In-App-Browser volltextverifiziert; BGH-Pressemitteilung Nr. 082/2026 am 21.09.2026 per web_fetch von bundesgerichtshof.de abgerufen; amtliche Leitsätze zu BGH VIII ZR 168/23 geprüft; Wikidata-Q-ID Q479208 (Rücktritt, dewiki-Sitelink „Rücktritt (Zivilrecht)") über Special:EntityData verifiziert und in AGENT_GUIDE.md nachgetragen. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Nexvyra-BGB-Bot"

## Stand

- Stand: 2026-09-21
- Gültig ab: 2002-01-01
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- Primärquelle: § 346 BGB — Wirkungen des Rücktritts, gesetze-im-internet.de:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__346.html
- Primärquelle: § 347 BGB — Nutzungen und Verwendungen nach Rücktritt, gesetze-im-internet.de:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__347.html
- Primärquelle: § 348 BGB — Erfüllung Zug-um-Zug, gesetze-im-internet.de:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__348.html
- Primärquelle: § 349 BGB — Erklärung des Rücktritts, gesetze-im-internet.de:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__349.html
- Primärquelle: § 350 BGB — Erlöschen des Rücktrittsrechts nach Fristsetzung, gesetze-im-internet.de:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__350.html
- Primärquelle: § 351 BGB — Unteilbarkeit des Rücktrittsrechts, gesetze-im-internet.de:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__351.html
- Primärquelle: § 352 BGB — Aufrechnung nach Nichterfüllung, gesetze-im-internet.de:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__352.html
- Primärquelle: § 323 BGB — Rücktritt wegen nicht oder nicht vertragsgemäß erbrachter Leistung, gesetze-im-internet.de:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__323.html
- Primärquelle: § 325 BGB — Schadensersatz und Rücktritt, gesetze-im-internet.de:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__325.html
- Primärquelle: § 218 BGB — Unwirksamkeit des Rücktritts, gesetze-im-internet.de:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__218.html
- Primärquelle: § 437 BGB — Rechte des Käufers bei Mängeln, gesetze-im-internet.de:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__437.html
- Primärquelle: § 357 BGB — Rechtsfolgen des Widerrufs von außerhalb von Geschäftsräumen geschlossenen Verträgen und Fernabsatzverträgen, gesetze-im-internet.de:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__357.html
- Permalink-Fallback: § 346 BGB, dejure.org:
  https://dejure.org/gesetze/BGB/346.html
- Permalink-Fallback: § 323 BGB, dejure.org:
  https://dejure.org/gesetze/BGB/323.html
- Rechtsprechung: BGH, Urteil vom 13.11.2024 – VIII ZR 168/23 (Wertersatz nach § 346 Abs. 2 S. 1 BGB bei Rückabwicklung eines Kaufvertrags über eine Leasingsache; amtliche Leitsätze), Entscheidungsdatenbank des Bundesgerichtshofs:
  https://juris.bundesgerichtshof.de/cgi-bin/rechtsprechung/document.py?Gericht=bgh&Art=en&nr=139999&pos=0&anz=1
- Rechtsprechung: BGH, Pressemitteilung Nr. 082/2026 vom 12.05.2026 — Verhandlungstermine am 16.09.2026 in Sachen VIII ZR 131/24, VIII ZR 152/24, VIII ZR 36/25 und VIII ZR 313/25 (Lieferung von Corona-Schutzmasken; Rücktritt nach § 323 Abs. 1 BGB ohne vorherige Fristsetzung, § 323 Abs. 2 Nr. 2 BGB), bundesgerichtshof.de:
  https://www.bundesgerichtshof.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2026/2026082.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-09-21
- Letzte Prüfung: 2026-09-21
- In Kraft seit: 2002-01-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
