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title: "Schadensersatz bei aufgehobenem vorläufig vollstreckbarem Urteil (§ 717 ZPO)"
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# Schadensersatz bei aufgehobenem vorläufig vollstreckbarem Urteil (§ 717 ZPO)

## Kurzantwort

Vollstreckt ein Kläger aus einem **vorläufig vollstreckbaren Urteil** und wird dieses Urteil später **aufgehoben oder abgeändert**, muss er dem Beklagten nach **§ 717 Abs. 2 Satz 1 ZPO** den **Schaden ersetzen**, der durch die **Vollstreckung** oder durch eine **zur Abwendung der Vollstreckung gemachte Leistung** entstanden ist. Der Beklagte kann den Anspruch **im anhängigen Rechtsstreit** geltend machen (Satz 2); dann gilt er als **zur Zeit der Zahlung oder Leistung rechtshängig**. Für **Berufungsurteile** nach **§ 708 Nr. 10 ZPO** gilt stattdessen eine **Erstattung nach Bereicherungsrecht** (Abs. 3).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 717 ZPO – Wirkungen eines aufhebenden oder abändernden Urteils |
| Wirkung auf die Vollstreckbarkeit | Sie tritt mit Verkündung des aufhebenden/abändernden Urteils insoweit außer Kraft, als aufgehoben oder abgeändert wird (Abs. 1) |
| Anspruch | Schadensersatz des Beklagten gegen den Kläger, wenn ein für vorläufig vollstreckbar erklärtes Urteil aufgehoben oder abgeändert wird (Abs. 2 S. 1) |
| Ersatzfähiger Schaden | Schaden durch die Vollstreckung oder durch eine zur Abwendung der Vollstreckung gemachte Leistung (Abs. 2 S. 1) |
| Verschulden | Der Wortlaut von Abs. 2 knüpft nicht an ein Verschulden des Klägers an |
| Geltendmachung | im anhängigen Rechtsstreit möglich (Abs. 2 S. 2), z. B. als Widerklage/Antrag |
| Rechtshängigkeit | Bei Geltendmachung gilt der Anspruch als zur Zeit der Zahlung oder Leistung rechtshängig (Abs. 2 S. 2 Halbsatz 2) |
| Ausnahme | Berufungsurteile nach § 708 Nr. 10 ZPO (außer Versäumnisurteile): kein Schadensersatz, sondern Erstattung des Gezahlten/Geleisteten nach den Regeln der ungerechtfertigten Bereicherung (Abs. 3) |
| Verwandte Normen | § 302 Abs. 4 S. 2–4 ZPO, § 600 Abs. 2 ZPO (Vorbehaltsurteile), § 945 ZPO (Arrest/einstweilige Verfügung) |

## Worum es geht

Ein Urteil kann **vorläufig vollstreckbar** sein, obwohl es noch nicht rechtskräftig ist (siehe [Vorläufige Vollstreckbarkeit (§§ 708–711 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vorlaeufige-vollstreckbarkeit-708-zpo.html)). Der Gläubiger kann dann **auf eigenes Risiko** vollstrecken. Wird das Urteil in der nächsten Instanz **aufgehoben oder abgeändert**, stellt sich die Frage, wer den Schaden trägt, den der Schuldner durch die vorzeitige Vollstreckung erlitten hat. **§ 717 ZPO** regelt das: Das Risiko der Vollstreckung trägt der **Gläubiger**.

## Absatz 1: Vollstreckbarkeit endet mit der Verkündung

Nach **§ 717 Abs. 1 ZPO** tritt die vorläufige Vollstreckbarkeit **mit der Verkündung** eines Urteils, das die Entscheidung in der Hauptsache oder die Vollstreckbarkeitserklärung **aufhebt oder abändert**, **insoweit außer Kraft**, als die Aufhebung oder Abänderung reicht. Aus dem ursprünglichen Urteil darf also nicht mehr weiter vollstreckt werden; bereits ergriffene Maßnahmen können nach den allgemeinen Regeln aufgehoben werden (zum Rechtsbehelf siehe [Vollstreckungserinnerung (§ 766 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vollstreckungserinnerung-766-zpo.html)).

## Absatz 2: Schadensersatz des Klägers

Wird ein für vorläufig vollstreckbar erklärtes Urteil **aufgehoben oder abgeändert**, ist der **Kläger** zum Ersatz des Schadens verpflichtet, der dem **Beklagten** entstanden ist

- **durch die Vollstreckung** des Urteils (z. B. Pfändung, Verwertung, Kosten der Vollstreckung), oder
- **durch eine zur Abwendung der Vollstreckung gemachte Leistung** (z. B. Zahlung oder Sicherheitsleistung, um der Vollstreckung zu entgehen).

Der Wortlaut verlangt **kein Verschulden** des Klägers. Entscheidend ist, dass das Urteil, aus dem vollstreckt wurde, **keinen Bestand** hat. Zum Umfang des ersatzfähigen Schadens im Einzelnen gelten die allgemeinen Grundsätze des Schadensersatzrechts (siehe [Schadensersatz – Grundlagen im BGB](https://nexvyra.de/fakten/schadensersatz-grundlagen-bgb.html)).

### Geltendmachung im laufenden Verfahren

Der Beklagte **kann** den Anspruch **in dem anhängigen Rechtsstreit** geltend machen (Abs. 2 S. 2). Er muss nicht einen neuen Prozess beginnen. Wird der Anspruch geltend gemacht, gilt er als **zur Zeit der Zahlung oder Leistung rechtshängig geworden**. Das hat Folgen für **Prozesszinsen** (siehe [Prozesszinsen (§ 291 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/prozesszinsen-291-bgb.html)).

## Absatz 3: Berufungsurteile nach § 708 Nr. 10 ZPO

**Berufungsurteile in vermögensrechtlichen Streitigkeiten** sind nach **§ 708 Nr. 10 ZPO** ohne Sicherheitsleistung vorläufig vollstreckbar. Für sie – **mit Ausnahme der Versäumnisurteile** – gilt **Abs. 2 nicht** (§ 717 Abs. 3 S. 1 ZPO). Soweit ein solches Urteil aufgehoben oder abgeändert wird, ist der Kläger **auf Antrag des Beklagten** zur **Erstattung** des auf Grund des Urteils **Gezahlten oder Geleisteten** zu verurteilen (Abs. 3 S. 2). Die Erstattungspflicht richtet sich nach den Vorschriften über die **Herausgabe einer ungerechtfertigten Bereicherung** (Abs. 3 S. 3; siehe [Bereicherungsrecht (§ 812 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/bereicherungsrecht-812-bgb.html)). Wird der Antrag gestellt, gilt der Erstattungsanspruch als **zur Zeit der Zahlung oder Leistung rechtshängig**; die mit der Rechtshängigkeit nach bürgerlichem Recht verbundenen Wirkungen treten mit der Zahlung oder Leistung **auch dann** ein, wenn der Antrag **nicht** gestellt wird (Abs. 3 S. 4).

Der Unterschied ist praktisch groß: Bei Abs. 2 geht es um **Schadensersatz** (u. a. Folgeschäden), bei Abs. 3 nur um die **Rückgabe des Erlangten** nach Bereicherungsrecht.

## Abgrenzung zu verwandten Regelungen

- **Vorbehaltsurteile:** Ergibt sich im Nachverfahren, dass der Anspruch des Klägers unbegründet war, gelten **§ 302 Abs. 4 Satz 2 bis 4 ZPO** (Aufrechnung) bzw. über **§ 600 Abs. 2 ZPO** (Urkundenprozess) – mit **gleichlautender Schadensersatzpflicht** für Vollstreckung und Abwendungsleistung. Siehe [Vorbehaltsurteil (§§ 302, 599 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vorbehaltsurteil-302-599-zpo.html).
- **Arrest und einstweilige Verfügung:** Hier gilt die eigene Schadensersatzpflicht des **§ 945 ZPO**, wenn sich die Anordnung als **von Anfang an ungerechtfertigt** erweist oder nach § 926 Abs. 2 bzw. § 942 Abs. 3 ZPO aufgehoben wird. Siehe [Arrest und einstweilige Verfügung](https://nexvyra.de/fakten/arrest-einstweilige-verfuegung-zpo.html).
- **Sicherungsvollstreckung:** Wer nach § 720a ZPO ohne eigene Sicherheit vollstreckt, trägt dieses Risiko ebenfalls; siehe [Sicherungsvollstreckung (§ 720a ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/sicherungsvollstreckung-720a-zpo.html).

## Praxis: Risiko des Gläubigers

Wer aus einem **noch nicht rechtskräftigen** Urteil vollstreckt, sollte das Risiko kennen: Bleibt die Berufung des Gegners erfolgreich, kann der **Schadensersatzanspruch** nach § 717 Abs. 2 ZPO die Vorteile der frühen Vollstreckung aufzehren. Der Schuldner kann dagegen versuchen, die Vollstreckung vorab zu stoppen (siehe [Einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung (§§ 707, 719 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/einstweilige-einstellung-zwangsvollstreckung-707-719-zpo.html)) oder – falls er leistet – die Leistung **ausdrücklich zur Abwendung der Vollstreckung** erbringen, damit der Zusammenhang mit Abs. 2 erkennbar bleibt. Über Rechtsmittel informiert [Berufung und Revision im Zivilprozess](https://nexvyra.de/fakten/berufung-revision-zivilprozess.html).

## Häufige Fehler

- **Abs. 2 und Abs. 3 verwechseln:** Bei **Berufungsurteilen nach § 708 Nr. 10 ZPO** (außer Versäumnisurteile) gibt es **keinen Schadensersatz**, sondern nur Erstattung nach **Bereicherungsrecht**.
- **Verschulden prüfen wollen:** Der Wortlaut des § 717 Abs. 2 ZPO verlangt es nicht; es geht um das **Risiko aus der Vollstreckung**.
- **Neuen Prozess für nötig halten:** Der Anspruch kann **im anhängigen Rechtsstreit** geltend gemacht werden (Abs. 2 S. 2).
- **Freiwillige Zahlung nach Urteil:** Wer zahlt, **ohne** dass dies zur **Abwendung der Vollstreckung** geschieht, kann Probleme mit der Zuordnung zu Abs. 2 bekommen; die Leistung sollte erkennbar auf die drohende Vollstreckung erfolgen.
- **Verwandte Normen übersehen:** Bei Arrest/einstweiliger Verfügung greift **§ 945 ZPO**, nicht § 717 ZPO.

## Geltungsbereich

§ 717 ZPO gilt im **Zivilprozess nach der ZPO** für **vorläufig vollstreckbare Urteile**, die in der höheren Instanz aufgehoben oder abgeändert werden. Er ergänzt die Regeln zur vorläufigen Vollstreckbarkeit (§§ 708–720a ZPO).

## Ausnahmen

- **Berufungsurteile** nach § 708 Nr. 10 ZPO (außer Versäumnisurteile): **Bereicherungsrecht** statt Schadensersatz (§ 717 Abs. 3 ZPO).
- **Arrest und einstweilige Verfügung:** eigener Anspruch nach **§ 945 ZPO**.
- Die Vollstreckbarkeit endet nur **insoweit**, als das Urteil aufgehoben oder abgeändert wird (§ 717 Abs. 1 ZPO).

## Beispiel

Ein Landgericht verurteilt den Beklagten zur Zahlung von 50.000 Euro; das Urteil ist nur gegen Sicherheit vorläufig vollstreckbar. Der Kläger leistet die Sicherheit und lässt ein Konto pfänden; der Beklagte zahlt zusätzlich einen Teilbetrag, um die Verwertung abzuwenden. Das Oberlandesgericht hebt das Urteil später auf und weist die Klage ab. Der Beklagte kann vom Kläger nach **§ 717 Abs. 2 ZPO** den Schaden ersetzt verlangen, der ihm durch die Pfändung und die Abwendungsleistung entstanden ist – und diesen Anspruch **im laufenden Verfahren** geltend machen.

(Das Zahlenbeispiel ist frei gewählt und dient nur der Veranschaulichung.)

## Siehe auch

- [Vorläufige Vollstreckbarkeit (§§ 708–711 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vorlaeufige-vollstreckbarkeit-708-zpo.html)
- [Sicherungsvollstreckung (§ 720a ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/sicherungsvollstreckung-720a-zpo.html)
- [Einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung (§§ 707, 719 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/einstweilige-einstellung-zwangsvollstreckung-707-719-zpo.html)
- [Vorbehaltsurteil (§§ 302, 599 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vorbehaltsurteil-302-599-zpo.html)
- [Arrest und einstweilige Verfügung](https://nexvyra.de/fakten/arrest-einstweilige-verfuegung-zpo.html)
- [Prozesszinsen (§ 291 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/prozesszinsen-291-bgb.html)
- [Bereicherungsrecht (§ 812 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/bereicherungsrecht-812-bgb.html)
- [Kosten der Zwangsvollstreckung (§ 788 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/kosten-zwangsvollstreckung-788-zpo.html)

## Änderungsverlauf

- 2026-10-06 | Erstveröffentlichung. Wortlaut von §§ 717, 708, 302, 600, 945, 719 ZPO am 2026-10-06 per curl von gesetze-im-internet.de abgerufen (HTTP 200) und abgeglichen. Keine Euro-Werte aus Gesetz, keine Rechtsprechung zitiert; Zahlenbeispiel frei gewählt. Wikidata-Q-IDs Q206893, Q231695, Q25593566 am 2026-10-06 via Special:EntityData verifiziert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-10-06
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 717 ZPO – Wirkungen eines aufhebenden oder abändernden Urteils (Volltext geprüft am 2026-10-06, HTTP 200):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__717.html
- § 708 ZPO – Vorläufige Vollstreckbarkeit ohne Sicherheitsleistung (Nr. 10):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__708.html
- § 302 ZPO – Vorbehaltsurteil (Abs. 4):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__302.html
- § 600 ZPO – Nachverfahren:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__600.html
- § 945 ZPO – Schadensersatzpflicht (Arrest/einstweilige Verfügung):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__945.html
- § 719 ZPO – Einstweilige Einstellung bei Rechtsmittel und Einspruch:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__719.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-06
- Letzte Prüfung: 2026-10-06
- In Kraft seit: 2026-10-06
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
