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title: Selbständiges Beweisverfahren (§§ 485 ff. ZPO)
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last_reviewed: 2026-08-14
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# Selbständiges Beweisverfahren (§§ 485 ff. ZPO)

## Kurzantwort

Das **selbständige Beweisverfahren** ist ein eigenständiges gerichtliches Verfahren, in dem **vor oder neben einem Prozess** Beweise erhoben werden – typischerweise durch ein **Sachverständigengutachten**. Es sichert Beweise, die sonst verloren gingen (etwa ein Bauzustand, der überbaut wird), und soll darüber hinaus **Prozesse vermeiden**.

**§ 485 Abs. 1 ZPO** erlaubt während oder außerhalb eines Streitverfahrens auf Antrag einer Partei die **Einnahme des Augenscheins**, die **Vernehmung von Zeugen** oder die **Begutachtung durch einen Sachverständigen**, wenn der Gegner **zustimmt** oder zu besorgen ist, dass das **Beweismittel verloren geht** oder seine Benutzung erschwert wird. Praktisch wichtiger ist **§ 485 Abs. 2 ZPO**: Ist ein Rechtsstreit noch **nicht anhängig**, kann eine Partei die **schriftliche Begutachtung durch einen Sachverständigen** beantragen, wenn sie ein **rechtliches Interesse** an der Feststellung (1.) des Zustands einer Person oder des Zustands oder Werts einer Sache, (2.) der **Ursache** eines Personenschadens, Sachschadens oder Sachmangels oder (3.) des **Aufwands für die Beseitigung** eines solchen Schadens oder Mangels hat. Ein rechtliches Interesse ist anzunehmen, wenn die Feststellung **der Vermeidung eines Rechtsstreits dienen kann** (§ 485 Abs. 2 Satz 2 ZPO) – die Hürde ist damit niedrig.

Der große Vorteil: Das Ergebnis ist **im späteren Prozess verwertbar wie eine Beweisaufnahme vor dem Prozessgericht** (**§ 493 Abs. 1 ZPO**) – anders als ein selbst beauftragtes Privatgutachten, das nur qualifizierter Parteivortrag ist. Zugleich **hemmt** die Zustellung des Antrags die **Verjährung** (§ 204 Abs. 1 Nr. 7 BGB). Wer nach Abschluss der Beweiserhebung nicht klagt, riskiert allerdings, auf Antrag des Gegners eine **Frist zur Klageerhebung** gesetzt zu bekommen – und bei Fristversäumung die **Kosten des Gegners** tragen zu müssen (**§ 494a ZPO**).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | **§§ 485–494a ZPO** (Buch 2, Abschnitt 1, Titel 12) |
| Frühere Bezeichnung | „Beweissicherungsverfahren" (bis zur Reform 1990/2002) |
| Zulässige Beweismittel (§ 485 Abs. 1) | **Augenschein**, **Zeugenvernehmung**, **Sachverständigengutachten** |
| Voraussetzung Abs. 1 | **Zustimmung des Gegners** oder Besorgnis, dass das Beweismittel **verloren geht** oder seine Benutzung **erschwert** wird |
| Voraussetzung Abs. 2 (kein Prozess anhängig) | **rechtliches Interesse** an schriftlicher Begutachtung – Zustand/Wert, Schadensursache, Beseitigungsaufwand |
| Rechtliches Interesse | **anzunehmen**, wenn die Feststellung der **Vermeidung eines Rechtsstreits** dienen kann (§ 485 Abs. 2 Satz 2) |
| Wiederholte Begutachtung | nur unter den Voraussetzungen des **§ 412 ZPO** (§ 485 Abs. 3) |
| Zuständiges Gericht | **Prozessgericht**, wenn ein Rechtsstreit anhängig ist (§ 486 Abs. 1); sonst das für die **Hauptsache** zuständige Gericht (§ 486 Abs. 2) |
| Eilfall | bei **dringender Gefahr** auch das **Amtsgericht** am Ort der Person/Sache (§ 486 Abs. 3) |
| Antragsform | schriftlich oder **zu Protokoll der Geschäftsstelle** (§ 486 Abs. 4) |
| Antragsinhalt (§ 487) | Gegner, **Beweistatsachen**, Beweismittel/Zeugen, **Glaubhaftmachung** von Zulässigkeit und Zuständigkeit |
| Entscheidung | **Beschluss**; der stattgebende Beschluss ist **nicht anfechtbar** (§ 490 Abs. 2 Satz 2) |
| Durchführung | nach den allgemeinen Regeln für das jeweilige Beweismittel (§ 492 Abs. 1); Protokoll verbleibt beim anordnenden Gericht (§ 492 Abs. 2) |
| Gütetermin | Ladung zur **mündlichen Erörterung**, wenn eine **Einigung zu erwarten** ist; Vergleich zu Protokoll – auch per **Videokonferenz** (§ 492 Abs. 3 i. V. m. § 128a ZPO) |
| Verwertung im Prozess | steht der Beweisaufnahme **vor dem Prozessgericht gleich** (§ 493 Abs. 1) |
| Grenze der Verwertung | bei Säumnis des Gegners nur, wenn er **rechtzeitig geladen** war (§ 493 Abs. 2) |
| Unbekannter Gegner | Verfahren möglich; das Gericht bestellt einen **Vertreter** (§ 494) |
| Klagefrist | Anordnung auf Antrag nach Ende der Beweiserhebung, **ohne mündliche Verhandlung** (§ 494a Abs. 1) |
| Folge der Fristversäumung | Beschluss: Antragsteller trägt die **Kosten des Gegners**; **sofortige Beschwerde** möglich (§ 494a Abs. 2) |
| Verjährung | **Hemmung** ab Zustellung des Antrags (§ 204 Abs. 1 Nr. 7 BGB) |
| Parallelvorschriften | **§ 76 SGG**, **§ 98 VwGO**, **§ 82 FGO** verweisen auf die §§ 485 ff. ZPO |

## Wozu ein selbständiges Beweisverfahren?

Beweise altern schlecht. Ein Bauteil wird verkleidet, ein Unfallfahrzeug repariert, ein Wasserschaden getrocknet, ein hochbetagter Zeuge stirbt – und die Tatsache, auf die es später ankommt, lässt sich nicht mehr feststellen. Das selbständige Beweisverfahren erlaubt es, die Beweiserhebung **vorzuziehen**, ohne schon einen kompletten Prozess führen zu müssen.

Der zweite Zweck ist die **Streitvermeidung**. Seit der Reform zum 1. April 1991 heißt das Verfahren nicht mehr „Beweissicherungsverfahren", sondern „selbständiges Beweisverfahren": § 485 Abs. 2 ZPO lässt eine Begutachtung ausdrücklich auch dann zu, wenn gar **kein Beweisverlust droht** – es genügt, dass die Feststellung **der Vermeidung eines Rechtsstreits dienen kann**. In der Praxis einigen sich die Parteien häufig, sobald ein **gerichtlich bestellter, neutraler Sachverständiger** die Mängel und die Kosten ihrer Beseitigung beziffert hat.

Genau darin liegt der Unterschied zum **Privatgutachten**: Ein einseitig beauftragter Gutachter bietet nicht die Gewähr der Unabhängigkeit; sein Gutachten wird im Zivilprozess nicht als Beweismittel, sondern nur als **qualifizierter Parteivortrag** behandelt. Das Ergebnis des selbständigen Beweisverfahrens steht dagegen einer Beweisaufnahme vor dem Prozessgericht gleich (§ 493 Abs. 1 ZPO).

Hauptanwendungsfelder sind das **private Baurecht** (Mängel am Bauwerk, Kosten der Nachbesserung), das **Miet- und Wohnungseigentumsrecht** (Feuchtigkeit, Schimmel, Zustand bei Auszug), die **Arzthaftung** (Behandlungsfehler) sowie **Kfz- und Versicherungsschäden**.

## Voraussetzungen im Einzelnen (§ 485 ZPO)

### Variante 1: Beweissicherung (§ 485 Abs. 1 ZPO)

Während **oder außerhalb** eines Streitverfahrens kann auf Antrag einer Partei die **Einnahme des Augenscheins**, die **Vernehmung von Zeugen** oder die **Begutachtung durch einen Sachverständigen** angeordnet werden, wenn

- der **Gegner zustimmt** oder
- zu besorgen ist, dass das **Beweismittel verloren geht** oder seine **Benutzung erschwert** wird.

Diese Variante steht auch **während** eines laufenden Prozesses offen und erfasst als einziger Weg auch die **Zeugenvernehmung** – etwa bei hohem Alter oder schwerer Erkrankung eines Zeugen oder bei bevorstehendem Wegzug ins Ausland.

### Variante 2: Streitvermeidendes Gutachten (§ 485 Abs. 2 ZPO)

Ist ein Rechtsstreit **noch nicht anhängig**, kann eine Partei die **schriftliche Begutachtung durch einen Sachverständigen** beantragen, wenn sie ein **rechtliches Interesse** daran hat, dass festgestellt wird:

1. der **Zustand einer Person** oder der **Zustand oder Wert einer Sache**,
2. die **Ursache** eines Personenschadens, Sachschadens oder Sachmangels,
3. der **Aufwand für die Beseitigung** eines Personenschadens, Sachschadens oder Sachmangels.

Ein rechtliches Interesse ist **anzunehmen**, wenn die Feststellung der **Vermeidung eines Rechtsstreits** dienen kann (§ 485 Abs. 2 Satz 2 ZPO). Die Gerichte legen das weit aus; zurückgewiesen werden vor allem Anträge, die auf etwas anderes zielen als auf die drei genannten Feststellungen.

**Wichtige Grenzen:**

- Es geht ausschließlich um **Tatsachenfeststellung**, nicht um die Klärung von **Rechtsfragen**. Ein Gutachten zur Frage, ob ein Anspruch besteht, ist unzulässig.
- Der Bundesgerichtshof hat mit Beschluss vom **15.07.2025 – VIII ZB 69/24** entschieden, dass ein selbständiges Beweisverfahren zur Ermittlung der **ortsüblichen Vergleichsmiete** nicht statthaft ist.
- In **Arzthaftungssachen** können Behandlungsfehler und Aufklärungsfragen Gegenstand sein, aber nur, soweit es um tatsächliche Feststellungen geht (vgl. BGH, Beschluss vom 06.07.2020 – VI ZB 27/19).
- Ist eine **Begutachtung bereits gerichtlich angeordnet**, findet eine neue nur unter den Voraussetzungen des § 412 ZPO statt (§ 485 Abs. 3 ZPO).

## Antrag, Zuständigkeit und Ablauf

**Zuständiges Gericht (§ 486 ZPO):** Ist bereits ein Rechtsstreit **anhängig**, ist der Antrag beim **Prozessgericht** zu stellen (Abs. 1). Ist noch kein Rechtsstreit anhängig, entscheidet das Gericht, das nach dem Vortrag des Antragstellers **zur Entscheidung in der Hauptsache berufen wäre** (Abs. 2 Satz 1) – maßgeblich sind also Streitwert (§§ 23, 71 GVG) und Gerichtsstand (§§ 12 ff. ZPO). Auf die Unzuständigkeit dieses Gerichts kann sich der Antragsteller im **nachfolgenden Streitverfahren nicht berufen** (Abs. 2 Satz 2). Bei **dringender Gefahr** kann der Antrag auch beim Amtsgericht gestellt werden, in dessen Bezirk sich die zu vernehmende oder zu begutachtende Person bzw. die Sache befindet (Abs. 3). Der Antrag kann **vor der Geschäftsstelle zu Protokoll** erklärt werden (Abs. 4); vor dem Landgericht besteht im Übrigen Anwaltszwang (§ 78 ZPO).

**Inhalt des Antrags (§ 487 ZPO):** Der Antrag muss enthalten

1. die **Bezeichnung des Gegners**,
2. die **Bezeichnung der Tatsachen**, über die Beweis erhoben werden soll,
3. die **Benennung der Zeugen** oder die Bezeichnung der übrigen nach § 485 ZPO zulässigen Beweismittel,
4. die **Glaubhaftmachung** der Tatsachen, die die Zulässigkeit des selbständigen Beweisverfahrens und die Zuständigkeit des Gerichts begründen sollen.

Der praktisch häufigste Fehler liegt bei Nr. 2: Die **Beweistatsachen** müssen konkret bezeichnet werden – bei Baumängeln also die einzelnen **Mangelerscheinungen** (Symptome) nach Ort und Erscheinungsbild, nicht bloß pauschal „das Haus ist mangelhaft".

**Entscheidung (§ 490 ZPO):** Das Gericht entscheidet durch **Beschluss**. Im stattgebenden Beschluss sind die **Tatsachen**, über die Beweis zu erheben ist, und die **Beweismittel** unter Benennung der Zeugen und Sachverständigen zu bezeichnen; dieser Beschluss ist **nicht anfechtbar** (§ 490 Abs. 2 Satz 2 ZPO). Wird der Antrag dagegen **zurückgewiesen**, ist nach der obergerichtlichen Rechtsprechung die **sofortige Beschwerde** statthaft (§§ 567 ff. ZPO).

**Ladung und Beweisaufnahme (§§ 491, 492 ZPO):** Der Gegner ist zu den Terminen zu laden. Die Beweisaufnahme erfolgt nach den für das jeweilige Beweismittel **allgemein geltenden Vorschriften** (§ 492 Abs. 1 ZPO) – beim Sachverständigenbeweis also nach §§ 402 ff. ZPO einschließlich des Rechts, **Ergänzungsfragen** zu stellen und die **mündliche Anhörung** des Sachverständigen zu beantragen. Das **Protokoll** über die Beweisaufnahme wird bei dem Gericht aufbewahrt, das sie angeordnet hat (§ 492 Abs. 2 ZPO).

**Erörterungstermin und Vergleich (§ 492 Abs. 3 ZPO):** Das Gericht **kann** die Parteien zur mündlichen Erörterung laden, wenn eine **Einigung zu erwarten** ist; ein Vergleich ist **zu gerichtlichem Protokoll** zu nehmen. Seit dem Videokonferenz-Gesetz vom 15.07.2024 (in Kraft seit 19.07.2024) gilt für diesen Termin **§ 128a ZPO** entsprechend, der Termin kann also per **Bild- und Tonübertragung** stattfinden. Ein solcher Prozessvergleich ist ein **Vollstreckungstitel** nach § 794 Abs. 1 Nr. 1 ZPO.

**Unbekannter Gegner (§ 494 ZPO):** Ist der Gegner unbekannt, kann das Verfahren gleichwohl durchgeführt werden; das Gericht bestellt einen Vertreter, der die Rechte des Gegners wahrnimmt.

## Wirkung im späteren Prozess (§ 493 ZPO)

**§ 493 Abs. 1 ZPO** ist die zentrale Norm: Beruft sich eine Partei im Rechtsstreit auf Tatsachen, über die selbständig Beweis erhoben worden ist, **steht die selbständige Beweiserhebung der Beweisaufnahme vor dem Prozessgericht gleich**. Das Gutachten muss also im Hauptprozess **nicht wiederholt** werden; es wird verwertet, als wäre es dort eingeholt worden. Beide Parteien können sich darauf berufen – auch die Partei, die das Verfahren nicht eingeleitet hat.

**Grenze (§ 493 Abs. 2 ZPO):** War der Gegner in einem Termin des selbständigen Beweisverfahrens **nicht erschienen**, darf das Ergebnis nur benutzt werden, wenn er **rechtzeitig geladen** war. Die ordnungsgemäße Ladung ist damit Voraussetzung der Verwertbarkeit.

**Verjährungshemmung:** Die **Zustellung des Antrags** auf Durchführung des selbständigen Beweisverfahrens **hemmt die Verjährung** des Anspruchs (§ 204 Abs. 1 Nr. 7 BGB). Die Hemmung endet sechs Monate nach der **Beendigung** des Verfahrens (§ 204 Abs. 2 BGB) – regelmäßig also sechs Monate nach Ablauf einer angemessenen Frist zur Stellungnahme zum Gutachten. Für kurze Gewährleistungsfristen im Bau- und Kaufrecht ist das ein wichtiger, aber zeitlich begrenzter Schutz.

## Kosten und die Klagefrist des § 494a ZPO

Das selbständige Beweisverfahren enthält **keine eigene Kostengrundentscheidung**. Kommt es später zum Hauptsacheprozess und decken sich die Streitgegenstände, umfasst die dortige **Kostenentscheidung auch die Kosten des Beweisverfahrens** – wer den Hauptprozess verliert, trägt sie also mit. Vorschusspflichtig ist im Verfahren selbst zunächst der **Antragsteller**.

Bleibt die Hauptsacheklage aus, greift **§ 494a ZPO**:

- **Absatz 1:** Ist ein Rechtsstreit **nicht anhängig**, hat das Gericht nach **Beendigung der Beweiserhebung** auf Antrag **ohne mündliche Verhandlung** anzuordnen, dass der Antragsteller **binnen einer zu bestimmenden Frist Klage zu erheben** hat.
- **Absatz 2:** Kommt der Antragsteller dieser Anordnung **nicht nach**, hat das Gericht auf Antrag durch Beschluss auszusprechen, dass er die dem **Gegner entstandenen Kosten** zu tragen hat. Die Entscheidung unterliegt der **sofortigen Beschwerde**.

Der Antrag nach § 494a ZPO ist damit das Druckmittel des Gegners: Wer ein Beweisverfahren betreibt und danach untätig bleibt, kann auf den Kosten des Gegners sitzen bleiben. Zu Einzelfragen – etwa der Wirkung einer verspätet erhobenen Hauptsacheklage – liegt umfangreiche Rechtsprechung vor (u. a. BGH, Beschluss vom 09.10.2025 – V ZB 67/24; BGH, Beschluss vom 23.07.2025 – VII ZB 26/23).

**Anwaltskosten:** Für das selbständige Beweisverfahren entsteht eine eigene **Verfahrensgebühr** nach dem RVG. Stimmen Parteien und Gegenstand mit dem späteren Hauptsacheverfahren überein, wird die im Beweisverfahren entstandene Verfahrensgebühr auf die des Hauptsacheverfahrens **angerechnet**; doppelte Gebühren fallen insoweit nicht an. Die **Gerichtskosten** richten sich nach dem GKG; der **Streitwert** bemisst sich regelmäßig nach dem Interesse an den beantragten Feststellungen – bei Baumängeln typischerweise nach den voraussichtlichen **Mangelbeseitigungskosten**.

## Häufige Fehler

- **„Ich lasse erst einmal einen eigenen Gutachter kommen."** Ein Privatgutachten ist im Zivilprozess **kein Beweismittel**, sondern qualifizierter Parteivortrag. Nur die gerichtliche Beweiserhebung nach §§ 485 ff. ZPO steht der Beweisaufnahme vor dem Prozessgericht gleich (§ 493 Abs. 1 ZPO).
- **„Ich beantrage ein Gutachten dazu, ob der Handwerker haftet."** Unzulässig. Gegenstand sind **Tatsachen** – Zustand, Wert, Schadensursache, Beseitigungsaufwand (§ 485 Abs. 2 ZPO) –, nicht die rechtliche Bewertung.
- **„Ich schreibe einfach ‚das Bauwerk ist mangelhaft'."** Der Antrag muss die **Beweistatsachen bezeichnen** (§ 487 Nr. 2 ZPO). Bei Baumängeln sind die einzelnen **Mangelsymptome** konkret zu beschreiben; zu pauschale Anträge werden zurückgewiesen.
- **„Ohne drohenden Beweisverlust geht gar nichts."** Falsch, seit 1991. Für die schriftliche Begutachtung nach § 485 Abs. 2 ZPO genügt ein **rechtliches Interesse**; es ist anzunehmen, wenn die Feststellung der **Vermeidung eines Rechtsstreits** dienen kann.
- **„Das Beweisverfahren stoppt die Verjährung dauerhaft."** Nein. Es tritt nur eine **Hemmung** ein (§ 204 Abs. 1 Nr. 7 BGB), die **sechs Monate nach Beendigung** des Verfahrens endet (§ 204 Abs. 2 BGB). Danach läuft die Frist weiter.
- **„Nach dem Gutachten habe ich beliebig Zeit für die Klage."** Nicht unbedingt. Der Gegner kann eine **Klagefrist** erwirken; wird sie versäumt, trägt der Antragsteller dessen **Kosten** (§ 494a ZPO).
- **„Gegen den Beweisbeschluss lege ich Beschwerde ein."** Der **stattgebende** Beschluss ist **nicht anfechtbar** (§ 490 Abs. 2 Satz 2 ZPO). Nur die **Zurückweisung** des Antrags ist mit der sofortigen Beschwerde angreifbar.
- **„Der Gegner muss nicht dabei sein."** Doch – jedenfalls muss er **geladen** werden. War er nicht erschienen, ist das Ergebnis nur verwertbar, wenn die Ladung **rechtzeitig** erfolgt ist (§ 493 Abs. 2 ZPO).
- **„Das gibt es nur im Zivilprozess."** Nein. **§ 76 SGG**, **§ 98 VwGO** und **§ 82 FGO** verweisen für die Sozial-, Verwaltungs- und Finanzgerichtsbarkeit auf die §§ 485 ff. ZPO.

## Siehe auch

- [Klageerhebung im Zivilprozess (§§ 253 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/klageerhebung-zivilprozess-253-zpo.html)
- [Sachliche Zuständigkeit von Amts- und Landgericht (§§ 23, 71 GVG)](https://nexvyra.de/fakten/sachliche-zustaendigkeit-ag-lg-gvg.html)
- [Örtliche Zuständigkeit und Gerichtsstand im Zivilprozess (§§ 12 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/oertliche-zustaendigkeit-gerichtsstand-zpo.html)
- [Gerichtskosten & Streitwert im Zivilprozess (GKG)](https://nexvyra.de/fakten/gerichtskosten-streitwert-gkg.html)
- [Prozesskostenhilfe (§§ 114 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/prozesskostenhilfe-114-zpo.html)
- [Prozessvergleich (§ 794 Abs. 1 Nr. 1 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/prozessvergleich-794-zpo.html)
- [Arrest und einstweilige Verfügung (§§ 916, 935, 940 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/arrest-einstweilige-verfuegung-zpo.html)
- [Verjährung von Forderungen (§§ 195, 199 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/verjaehrung-forderungen-195-199-bgb.html)
- [Zustellung im Zivilprozess (§§ 166 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/zustellung-zivilprozess-166-zpo.html)

## Quellen

- § 485 ZPO – Zulässigkeit (Abs. 1 Beweissicherung, Abs. 2 rechtliches Interesse, Abs. 3 Verweis auf § 412): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__485.html
- § 486 ZPO – Zuständiges Gericht (Prozessgericht, Hauptsachegericht, Eilzuständigkeit, Protokollantrag): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__486.html
- § 487 ZPO – Inhalt des Antrages (Gegner, Beweistatsachen, Beweismittel, Glaubhaftmachung): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__487.html
- § 490 ZPO – Entscheidung über den Antrag (Beschluss; stattgebender Beschluss nicht anfechtbar): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__490.html
- § 491 ZPO – Ladung des Gegners: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__491.html
- § 492 ZPO – Beweisaufnahme (Abs. 3: Erörterungstermin und Vergleich, § 128a entsprechend): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__492.html
- § 493 ZPO – Benutzung im Prozess (Gleichstellung mit der Beweisaufnahme vor dem Prozessgericht): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__493.html
- § 494 ZPO – Unbekannter Gegner: https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__494.html
- § 494a ZPO – Frist zur Klageerhebung (Abs. 2: Kostenbeschluss, sofortige Beschwerde): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__494a.html
- § 412 ZPO – Neues Gutachten (Voraussetzung einer erneuten Begutachtung, § 485 Abs. 3 ZPO): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__412.html
- § 128a ZPO – Verhandlung im Wege der Bild- und Tonübertragung (für den Erörterungstermin): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__128a.html
- § 794 ZPO – Weitere Vollstreckungstitel (Abs. 1 Nr. 1: Vergleich, auch im Erörterungstermin nach § 492 Abs. 3): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__794.html
- § 204 BGB – Hemmung der Verjährung durch Rechtsverfolgung (Abs. 1 Nr. 7: selbständiges Beweisverfahren; Abs. 2: Ende der Hemmung): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__204.html
- § 76 SGG – Beweissicherungsverfahren (Verweis auf §§ 485 ff. ZPO): https://www.gesetze-im-internet.de/sgg/__76.html
- § 98 VwGO – Vorschriften über die Beweisaufnahme (Verweis auf §§ 485 ff. ZPO): https://www.gesetze-im-internet.de/vwgo/__98.html
- § 82 FGO – Beweisaufnahme (Verweis auf §§ 485 ff. ZPO): https://www.gesetze-im-internet.de/fgo/__82.html
- dejure.org – § 485 ZPO im Volltext (Permalink): https://dejure.org/gesetze/ZPO/485.html
- dejure.org – § 494a ZPO im Volltext (Permalink): https://dejure.org/gesetze/ZPO/494a.html
- dejure.org – BGH, Beschluss vom 15.07.2025 – VIII ZB 69/24 (kein selbständiges Beweisverfahren zur ortsüblichen Vergleichsmiete): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=15.07.2025&Aktenzeichen=VIII%20ZB%2069/24
- dejure.org – BGH, Beschluss vom 23.07.2025 – VII ZB 26/23 (Reichweite des Kostenbeschlusses nach § 494a Abs. 2 ZPO): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=23.07.2025&Aktenzeichen=VII%20ZB%2026/23

## Änderungsverlauf

- 2026-08-14: Erstveröffentlichung der Faktenseite; §§ 485, 486, 487, 490, 492, 493, 494a ZPO im Wortlaut gegen gesetze-im-internet.de bzw. den dejure.org-Permalink verifiziert (Fassung § 492 Abs. 3 aufgrund des Videokonferenz-Gesetzes vom 15.07.2024, BGBl. 2024 I Nr. 237, in Kraft seit 19.07.2024); Wikidata-Q-ID Q2267876 („Selbständiges Beweisverfahren", jurisdiction Deutschland) neu verifiziert und in content/AGENT_GUIDE.md ergänzt, Q206893 und Q206914 aus der geprüften Guide-Tabelle übernommen. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-08-14
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
