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title: Sofortige Beschwerde im Zivilprozess (§§ 567 ff. ZPO)
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# Sofortige Beschwerde im Zivilprozess (§§ 567 ff. ZPO)

## Kurzantwort

Die **sofortige Beschwerde** ist das Rechtsmittel gegen **Beschlüsse** – nicht gegen Urteile. Sie ist statthaft gegen **im ersten Rechtszug ergangene Entscheidungen der Amtsgerichte und Landgerichte**, wenn entweder **das Gesetz sie ausdrücklich vorsieht** oder es sich um eine **eine mündliche Verhandlung nicht erfordernde Entscheidung** handelt, **durch die ein das Verfahren betreffendes Gesuch zurückgewiesen worden ist** (§ 567 Abs. 1 Nr. 1 und 2 ZPO). Die Frist ist eine **Notfrist von zwei Wochen** ab **Zustellung**, spätestens fünf Monate nach Verkündung; eingelegt werden kann **beim Ausgangsgericht oder beim Beschwerdegericht** (§ 569 Abs. 1 ZPO). **Wichtig 2026:** Gegen **Kostenentscheidungen** ist die Beschwerde nur zulässig, wenn der Wert des Beschwerdegegenstands **300 Euro übersteigt** – dieser Wert wurde zum **1. Januar 2026 von 200 auf 300 Euro angehoben** (§ 567 Abs. 2 ZPO i. d. F. des Gesetzes vom 08.12.2025, BGBl. I Nr. 318); für Altfälle gilt nach **§ 47 EGZPO** weiter die 200-Euro-Grenze. Die Beschwerde hat **grundsätzlich keine aufschiebende Wirkung** – Ausnahme: Festsetzung eines **Ordnungs- oder Zwangsmittels** (§ 570 Abs. 1 ZPO); Ausgangsgericht und Beschwerdegericht können die Vollziehung aber aussetzen (§ 570 Abs. 2, 3 ZPO). Verfahrensbesonderheit: Das Ausgangsgericht prüft **zuerst selbst**, ob es der Beschwerde **abhilft** (**Abhilfeverfahren**, § 572 Abs. 1 ZPO); erst wenn es nicht abhilft, geht die Sache an das Beschwerdegericht. Eine **Begründung** ist ein **Soll**, keine Zulässigkeitsvoraussetzung (§ 571 Abs. 1 ZPO), und **neue Angriffs- und Verteidigungsmittel** sind zulässig (§ 571 Abs. 2 S. 1 ZPO). In der Zwangsvollstreckung öffnet **§ 793 ZPO** die sofortige Beschwerde generell gegen Entscheidungen, die **ohne mündliche Verhandlung ergehen können**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlagen | **§§ 567–573 ZPO** (Titel 1 „Sofortige Beschwerde"), **§ 793 ZPO** (Zwangsvollstreckung) |
| Angefochten werden | **Beschlüsse** (nicht Urteile – dort: Berufung/Revision) |
| Statthaftigkeit | Entscheidungen der **Amtsgerichte und Landgerichte im ersten Rechtszug**, wenn (1) **gesetzlich ausdrücklich bestimmt** oder (2) **ohne mündliche Verhandlung** ergangene Zurückweisung eines **das Verfahren betreffenden Gesuchs** (§ 567 Abs. 1) |
| **Kostenentscheidungen** | zulässig nur, wenn Wert des Beschwerdegegenstands **300 € übersteigt** (§ 567 Abs. 2) – **seit 01.01.2026**, zuvor 200 € |
| Übergangsrecht | **§ 47 EGZPO**: alte Fassung (200 €) weiter, wenn die anzufechtende Entscheidung bis **31.12.2025** verkündet/der Geschäftsstelle übergeben oder die mündliche Verhandlung bis dahin geschlossen war |
| Frist | **Notfrist von zwei Wochen** (§ 569 Abs. 1 S. 1) – soweit nicht eine andere Frist bestimmt ist |
| Fristbeginn | **Zustellung** der Entscheidung, **spätestens** mit Ablauf von **fünf Monaten nach Verkündung** (§ 569 Abs. 1 S. 2) |
| Einlegung bei | **Ausgangsgericht ODER Beschwerdegericht** (§ 569 Abs. 1 S. 1) – Wahlrecht |
| Form | **Beschwerdeschrift** mit Bezeichnung der angefochtenen Entscheidung + Erklärung, dass Beschwerde eingelegt wird (§ 569 Abs. 2) |
| Protokollerklärung möglich | wenn 1. Rechtszug **kein Anwaltsprozess** war, die Beschwerde die **Prozesskostenhilfe** betrifft oder sie von **Zeuge/Sachverständigem/Drittem** (§§ 142, 144 ZPO) erhoben wird (§ 569 Abs. 3) |
| Begründung | **Soll**-Vorschrift, **keine** Begründungsfrist (§ 571 Abs. 1) |
| Neuer Vortrag | **zulässig** (§ 571 Abs. 2 S. 1); **nicht** rügefähig: unrichtige Bejahung der eigenen Zuständigkeit durch das Erstgericht (§ 571 Abs. 2 S. 2) |
| Präklusion | Fristsetzung durch Vorsitzenden/Beschwerdegericht möglich; verspätetes Vorbringen nur bei fehlender Verzögerung oder genügender Entschuldigung (§ 571 Abs. 3) |
| Aufschiebende Wirkung | **grundsätzlich keine**; Ausnahme: Festsetzung eines **Ordnungs- oder Zwangsmittels** (§ 570 Abs. 1) |
| Vollziehung aussetzen | durch **Ausgangsgericht** (§ 570 Abs. 2) und durch **Beschwerdegericht** per einstweiliger Anordnung (§ 570 Abs. 3) |
| **Abhilfeverfahren** | Ausgangsgericht hilft ab, wenn es die Beschwerde für begründet hält; sonst **unverzügliche Vorlage** an das Beschwerdegericht (§ 572 Abs. 1 S. 1) |
| Amtsprüfung | Beschwerdegericht prüft **von Amts wegen** Statthaftigkeit, Form und Frist; sonst **Verwerfung als unzulässig** (§ 572 Abs. 2) |
| Entscheidungsform | **Beschluss** (§ 572 Abs. 4) |
| Besetzung | **Einzelrichter**, wenn die angefochtene Entscheidung von einem **Einzelrichter oder Rechtspfleger** stammt; Übertragung auf die Kammer bei besonderen Schwierigkeiten oder grundsätzlicher Bedeutung (§ 568) |
| Weiteres Rechtsmittel | **Rechtsbeschwerde** zum BGH nur, wenn **gesetzlich bestimmt** oder vom Beschwerdegericht **zugelassen** (§ 574 Abs. 1) |
| Anwaltszwang | vor **LG und OLG** grundsätzlich ja (§ 78 Abs. 1 S. 1 ZPO); Ausnahmen über § 569 Abs. 3, § 571 Abs. 4 ZPO |
| Zwangsvollstreckung | **§ 793 ZPO**: sofortige Beschwerde gegen Entscheidungen, die **ohne mündliche Verhandlung** ergehen können |

## Wogegen die sofortige Beschwerde geht – und wogegen nicht

Die ZPO trennt die Rechtsmittel nach der **Entscheidungsform**:

- Gegen **Urteile** → **Berufung** (§ 511 ZPO) bzw. **Revision** (§ 542 ZPO).
- Gegen **Beschlüsse** → **sofortige Beschwerde** (§§ 567 ff. ZPO), anschließend ggf. **Rechtsbeschwerde** (§§ 574 ff. ZPO).

§ 567 Abs. 1 ZPO nennt zwei Wege in die Statthaftigkeit:

1. **Ausdrückliche gesetzliche Anordnung** (Nr. 1). Die ZPO verweist an vielen Stellen auf die §§ 567 ff. – etwa bei der Ablehnung eines Richters wegen Befangenheit (§ 46 Abs. 2), im Kostenfestsetzungsverfahren (§ 104 Abs. 3), bei Entscheidungen über **Prozesskostenhilfe** (§ 127 Abs. 2, 3), bei der Kostenentscheidung nach Erledigung der Hauptsache (§ 91a Abs. 2), bei der Klagerücknahme (§ 269 Abs. 5), bei der Zurückweisung des Mahnantrags (§ 691 Abs. 3), bei der Räumungsfrist (§ 721 Abs. 6) und – als Generalklausel für die Vollstreckung – in **§ 793 ZPO**.
2. **Zurückweisung eines Verfahrensgesuchs ohne mündliche Verhandlung** (Nr. 2). Erfasst sind Entscheidungen, die **keine mündliche Verhandlung erfordern** und mit denen ein **das Verfahren betreffendes Gesuch zurückgewiesen** wurde. Eine **stattgebende** Entscheidung fällt nicht darunter – dann fehlt es an der Zurückweisung.

**Nicht** über § 567 ZPO angreifbar sind Entscheidungen, die das Gesetz ausdrücklich für **unanfechtbar** erklärt – etwa der Beschluss über die einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung nach § 707 Abs. 2 S. 2 ZPO.

## Die 300-Euro-Grenze bei Kostenentscheidungen (§ 567 Abs. 2 ZPO)

Für Beschwerden **gegen Entscheidungen über Kosten** gilt eine Wertgrenze: Die Beschwerde ist nur zulässig, wenn der **Wert des Beschwerdegegenstands 300 Euro übersteigt**.

Diese Grenze ist **neu**. Sie wurde durch das *Gesetz zur Änderung des Zuständigkeitsstreitwerts der Amtsgerichte, zum Ausbau der Spezialisierung der Justiz in Zivilsachen sowie zur Änderung weiterer prozessualer Regelungen* vom **08.12.2025** (BGBl. I Nr. 318) mit Wirkung zum **1. Januar 2026** von **200 Euro auf 300 Euro** angehoben – im selben Gesetz, das auch die **Zuständigkeitsgrenze zwischen Amts- und Landgericht auf 10.000 Euro** angehoben hat.

**Übergangsrecht (§ 47 EGZPO):** Die bis einschließlich **31. Dezember 2025** geltende Fassung der §§ 511, 544 und 567 ZPO ist weiter anzuwenden, wenn

- die **anzufechtende Entscheidung** bis einschließlich 31.12.2025 **verkündet** oder – ohne Verkündung – **der Geschäftsstelle übergeben** worden ist, **oder**
- die **mündliche Verhandlung**, auf die die anzufechtende Entscheidung ergeht, bis einschließlich 31.12.2025 **geschlossen** war; im schriftlichen Verfahren tritt an diese Stelle der Zeitpunkt, bis zu dem Schriftsätze eingereicht werden konnten.

Praktisch heißt das: Bei Beschlüssen aus 2025 bleibt es bei **über 200 Euro**, bei Beschlüssen ab 2026 gilt **über 300 Euro**. Maßgeblich ist der Wert des **Beschwerdegegenstands** – also das wirtschaftliche Interesse an der Abänderung der Kostenentscheidung, nicht der Streitwert der Hauptsache.

## Frist und Form (§ 569 ZPO)

### Die Zwei-Wochen-Notfrist

Die sofortige Beschwerde ist – **soweit keine andere Frist bestimmt ist** – binnen einer **Notfrist von zwei Wochen** einzulegen (§ 569 Abs. 1 S. 1 ZPO). „Notfrist" bedeutet: Sie kann **weder verlängert noch verkürzt** werden; wird sie unverschuldet versäumt, kommt nur **Wiedereinsetzung in den vorigen Stand** (§§ 233 ff. ZPO) in Betracht.

Die Frist beginnt **mit der Zustellung** der Entscheidung, **spätestens** aber mit Ablauf von **fünf Monaten nach der Verkündung** des Beschlusses (§ 569 Abs. 1 S. 2 ZPO). Liegen die Voraussetzungen der **Nichtigkeits- oder Restitutionsklage** vor, kann die Beschwerde auch nach Fristablauf innerhalb der dafür geltenden Notfristen erhoben werden (§ 569 Abs. 1 S. 3 ZPO).

### Wo einlegen?

Anders als bei der Berufung besteht ein **Wahlrecht**: Die Beschwerde kann **beim Ausgangsgericht** („iudex a quo") **oder beim Beschwerdegericht** („iudex ad quem") eingelegt werden (§ 569 Abs. 1 S. 1 ZPO). Beides wahrt die Frist.

### Form

Die Beschwerde wird durch **Einreichung einer Beschwerdeschrift** eingelegt. Diese muss zwei Dinge enthalten (§ 569 Abs. 2 ZPO):

- die **Bezeichnung der angefochtenen Entscheidung** und
- die **Erklärung**, dass gegen diese Entscheidung Beschwerde eingelegt werde.

**Zu Protokoll der Geschäftsstelle** kann die Beschwerde eingelegt werden, wenn (§ 569 Abs. 3 ZPO)

1. der Rechtsstreit im ersten Rechtszug **nicht als Anwaltsprozess** zu führen ist oder war,
2. die Beschwerde die **Prozesskostenhilfe** betrifft oder
3. sie von einem **Zeugen, Sachverständigen oder Dritten** im Sinne der §§ 142, 144 ZPO erhoben wird.

Außerhalb dieser Fälle gilt der **Anwaltszwang** des § 78 Abs. 1 S. 1 ZPO: Vor Landgerichten und Oberlandesgerichten müssen sich die Parteien durch einen Rechtsanwalt vertreten lassen. Für eine sofortige Beschwerde zum OLG gegen einen Beschluss des Landgerichts ist daher regelmäßig ein Anwalt erforderlich – ein Punkt, an dem in der Praxis Beschwerden scheitern.

## Keine aufschiebende Wirkung (§ 570 ZPO)

Der Grundsatz ist streng: Die Beschwerde hat **nur dann aufschiebende Wirkung, wenn sie die Festsetzung eines Ordnungs- oder Zwangsmittels zum Gegenstand hat** (§ 570 Abs. 1 ZPO). In allen anderen Fällen bleibt die angefochtene Entscheidung zunächst wirksam und vollziehbar – die Einlegung allein stoppt nichts.

Zwei Ventile gibt es:

- Das **Gericht oder der Vorsitzende, dessen Entscheidung angefochten wird**, kann die **Vollziehung aussetzen** (§ 570 Abs. 2 ZPO).
- Das **Beschwerdegericht** kann vor seiner Entscheidung eine **einstweilige Anordnung** erlassen und insbesondere die Vollziehung der angefochtenen Entscheidung aussetzen (§ 570 Abs. 3 ZPO).

Wer eine Vollziehung verhindern will, muss also **ausdrücklich einen Aussetzungsantrag** stellen – am besten zusammen mit der Beschwerde.

## Begründung, neuer Vortrag und Präklusion (§ 571 ZPO)

§ 571 Abs. 1 ZPO formuliert bewusst weich: Die Beschwerde **soll** begründet werden. Eine **Begründungsfrist** wie bei der Berufung (§ 520 Abs. 2 ZPO) gibt es **nicht**; eine unbegründete Beschwerde ist deshalb **nicht unzulässig**. Praktisch bleibt eine Begründung natürlich der einzige Weg, das Abhilfeverfahren zu gewinnen.

**Neue Angriffs- und Verteidigungsmittel** dürfen vorgebracht werden (§ 571 Abs. 2 S. 1 ZPO) – die Beschwerdeinstanz ist also eine **volle zweite Tatsacheninstanz**. Eine Ausnahme nennt § 571 Abs. 2 S. 2 ZPO: Die Beschwerde kann **nicht** darauf gestützt werden, dass das Gericht des ersten Rechtszuges **seine Zuständigkeit zu Unrecht angenommen** hat.

Zur Verfahrensbeschleunigung kann der Vorsitzende oder das Beschwerdegericht eine **Frist für das Vorbringen** setzen. Wird sie versäumt, ist das Vorbringen nur zuzulassen, wenn seine Zulassung nach freier Überzeugung des Gerichts **die Erledigung nicht verzögern** würde oder die Partei die **Verspätung genügend entschuldigt**; der Entschuldigungsgrund ist auf Verlangen **glaubhaft zu machen** (§ 571 Abs. 3 ZPO).

## Das Abhilfeverfahren (§ 572 ZPO)

Der auffälligste Unterschied zur Berufung: Die sofortige Beschwerde geht **nicht sofort** in die nächste Instanz.

1. **Abhilfeprüfung.** Erachtet das Gericht oder der Vorsitzende, dessen Entscheidung angefochten wird, die Beschwerde für **begründet**, so **hat es ihr abzuhelfen**; andernfalls ist die Beschwerde **unverzüglich dem Beschwerdegericht vorzulegen** (§ 572 Abs. 1 S. 1 ZPO). § 318 ZPO (Bindung an das eigene Urteil) bleibt unberührt (S. 2).
2. **Zulässigkeitsprüfung.** Das Beschwerdegericht prüft **von Amts wegen**, ob die Beschwerde **an sich statthaft** und ob sie in der **gesetzlichen Form und Frist** eingelegt ist. Fehlt eines dieser Erfordernisse, wird die Beschwerde **als unzulässig verworfen** (§ 572 Abs. 2 ZPO).
3. **Begründetheit.** Erachtet das Beschwerdegericht die Beschwerde für begründet, kann es dem Ausgangsgericht die **erforderliche Anordnung übertragen**, statt selbst zu entscheiden (§ 572 Abs. 3 ZPO).
4. **Form.** Die Entscheidung über die Beschwerde ergeht **durch Beschluss** (§ 572 Abs. 4 ZPO).

Das Abhilfeverfahren ist kein Formalismus: Ein erheblicher Teil der sofortigen Beschwerden erledigt sich bereits hier, weil das Ausgangsgericht seine eigene Entscheidung korrigiert.

## Besetzung des Beschwerdegerichts (§ 568 ZPO)

Das Beschwerdegericht entscheidet **durch eines seiner Mitglieder als Einzelrichter**, wenn die angefochtene Entscheidung von einem **Einzelrichter oder einem Rechtspfleger** erlassen wurde (§ 568 S. 1 ZPO).

Der Einzelrichter **überträgt** das Verfahren der vollen Kammer bzw. dem Senat, wenn (§ 568 S. 2 ZPO)

1. die Sache **besondere Schwierigkeiten** tatsächlicher oder rechtlicher Art aufweist oder
2. die Rechtssache **grundsätzliche Bedeutung** hat.

Auf eine erfolgte oder unterlassene Übertragung kann ein **Rechtsmittel nicht gestützt** werden (§ 568 S. 3 ZPO). Wird aber die vorgeschriebene Besetzung verfehlt – etwa entscheidet die Kammer, obwohl der Einzelrichter originär zuständig war –, liegt darin nach der BGH-Rechtsprechung ein Verfahrensfehler.

## Danach: die Rechtsbeschwerde (§ 574 ZPO)

Gegen die Beschwerdeentscheidung gibt es **keinen automatischen weiteren Rechtszug**. Die **Rechtsbeschwerde** zum Bundesgerichtshof ist gegen einen Beschluss nur statthaft, wenn (§ 574 Abs. 1 S. 1 ZPO)

1. dies **im Gesetz ausdrücklich bestimmt** ist oder
2. das **Beschwerdegericht**, das Berufungsgericht oder das OLG im ersten Rechtszug sie **in dem Beschluss zugelassen** hat.

In den Fällen der gesetzlichen Statthaftigkeit ist die Rechtsbeschwerde zusätzlich nur zulässig, wenn die Rechtssache **grundsätzliche Bedeutung** hat oder **Rechtsfortbildung bzw. Sicherung einer einheitlichen Rechtsprechung** eine Entscheidung erfordern (§ 574 Abs. 2 ZPO). Das Rechtsbeschwerdegericht ist an eine erfolgte **Zulassung gebunden** (§ 574 Abs. 3 S. 2 ZPO). Vor dem BGH besteht **Anwaltszwang durch einen beim BGH zugelassenen Rechtsanwalt** (§ 78 Abs. 1 S. 3 ZPO).

## Sofortige Beschwerde in der Zwangsvollstreckung (§ 793 ZPO)

Für das Vollstreckungsverfahren enthält **§ 793 ZPO** eine eigene Generalklausel: *„Gegen Entscheidungen, die im Zwangsvollstreckungsverfahren ohne mündliche Verhandlung ergehen können, findet sofortige Beschwerde statt."*

Typische Anwendungsfälle:

- Entscheidung des Vollstreckungsgerichts über eine **Vollstreckungserinnerung** nach § 766 ZPO,
- Entscheidung über einen Antrag auf **Vollstreckungsschutz** nach § 765a ZPO,
- Entscheidungen über **Pfändungs- und Überweisungsbeschlüsse** sowie über Anträge nach § 850c ff. ZPO,
- Entscheidungen des Rechtspflegers im Vollstreckungsverfahren (über § 11 RPflG).

Die §§ 567 ff. ZPO gelten dabei entsprechend – also **Zwei-Wochen-Notfrist**, **Abhilfeverfahren** und **keine aufschiebende Wirkung**, soweit es nicht um Ordnungs- oder Zwangsmittel geht.

## Anschlussbeschwerde (§ 567 Abs. 3 ZPO)

Der **Beschwerdegegner** kann sich der Beschwerde **anschließen** – und zwar selbst dann, wenn er auf die Beschwerde **verzichtet** hat oder die **Beschwerdefrist bereits verstrichen** ist (§ 567 Abs. 3 S. 1 ZPO). Die Anschließung ist damit ein wirksames Gegengewicht, wenn eine Entscheidung beide Seiten teilweise belastet.

Sie ist allerdings **akzessorisch**: Die Anschließung **verliert ihre Wirkung**, wenn die Beschwerde **zurückgenommen** oder **als unzulässig verworfen** wird (§ 567 Abs. 3 S. 2 ZPO).

## Häufige Fehler

- **„Die Beschwerde stoppt die Entscheidung."** Nein. Aufschiebende Wirkung gibt es nur bei **Ordnungs- oder Zwangsmitteln** (§ 570 Abs. 1 ZPO). Sonst muss ein **Aussetzungsantrag** nach § 570 Abs. 2 oder 3 ZPO gestellt werden.
- **„Ich habe einen Monat Zeit."** Nein. Die Notfrist beträgt **zwei Wochen** (§ 569 Abs. 1 S. 1 ZPO) – nicht einen Monat wie bei der Berufung (§ 517 ZPO).
- **„Bei Kosten gilt die 200-Euro-Grenze."** Nur noch für Altfälle. Seit **01.01.2026** muss der Beschwerdegegenstand **300 Euro übersteigen** (§ 567 Abs. 2 ZPO); für Entscheidungen bis 31.12.2025 gilt über § 47 EGZPO weiter die alte Fassung.
- **„Ich muss beim Beschwerdegericht einlegen."** Nicht zwingend – die Einlegung **beim Ausgangsgericht** wahrt die Frist ebenso (§ 569 Abs. 1 S. 1 ZPO).
- **„Ohne Begründung ist die Beschwerde unzulässig."** Nein. § 571 Abs. 1 ZPO ist eine **Soll**-Vorschrift ohne Begründungsfrist. Inhaltlich ist eine Begründung trotzdem der Schlüssel zum Erfolg.
- **„Ich kann rügen, dass das Amtsgericht gar nicht zuständig war."** Nicht mit der Beschwerde: § 571 Abs. 2 S. 2 ZPO schließt diese Rüge ausdrücklich aus.
- **„Vor dem OLG kann ich mich selbst vertreten."** Regelmäßig nicht. Es gilt der **Anwaltszwang** nach § 78 Abs. 1 S. 1 ZPO, soweit nicht § 569 Abs. 3 ZPO greift.
- **„Gegen die Beschwerdeentscheidung geht es automatisch zum BGH."** Nein. Die **Rechtsbeschwerde** setzt gesetzliche Statthaftigkeit oder **Zulassung** voraus (§ 574 Abs. 1 ZPO).

## Siehe auch

- [Berufung und Revision im Zivilprozess](/fakten/berufung-revision-zivilprozess.html)
- [Sachliche Zuständigkeit Amts-/Landgericht (§§ 23, 71 GVG)](/fakten/sachliche-zustaendigkeit-ag-lg-gvg.html)
- [Kostenfestsetzungsbeschluss (§§ 103, 104 ZPO)](/fakten/kostenfestsetzungsbeschluss-103-zpo.html)
- [Prozesskostenhilfe (§§ 114 ff. ZPO)](/fakten/prozesskostenhilfe-114-zpo.html)
- [Vollstreckungserinnerung (§ 766 ZPO)](/fakten/vollstreckungserinnerung-766-zpo.html)
- [Vollstreckungsschutz (§ 765a ZPO)](/fakten/vollstreckungsschutz-765a-zpo.html)
- [Einstweilige Einstellung der Zwangsvollstreckung (§§ 707, 719 ZPO)](/fakten/einstweilige-einstellung-zwangsvollstreckung-707-719-zpo.html)
- [Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (§§ 233 ff. ZPO)](/fakten/wiedereinsetzung-vorigen-stand-233-zpo.html)
- [Gerichtskosten & Streitwert (GKG)](/fakten/gerichtskosten-streitwert-gkg.html)
















## Quellen

- § 567 ZPO – Sofortige Beschwerde; Anschlussbeschwerde (Statthaftigkeit Abs. 1 Nr. 1 und 2; Kostenentscheidungen nur bei Beschwerdewert über 300 Euro Abs. 2 – Fassung des Gesetzes vom 08.12.2025, BGBl. I Nr. 318, in Kraft ab 01.01.2026; Anschlussbeschwerde Abs. 3): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__567.html
- § 568 ZPO – Originärer Einzelrichter (Einzelrichterzuständigkeit bei Entscheidungen von Einzelrichter/Rechtspfleger; Übertragung bei besonderen Schwierigkeiten oder grundsätzlicher Bedeutung; kein Rechtsmittel auf die Übertragung stützbar): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__568.html
- § 569 ZPO – Frist und Form (Notfrist von zwei Wochen, Einlegung beim Ausgangs- oder Beschwerdegericht Abs. 1 S. 1; Fristbeginn mit Zustellung, spätestens fünf Monate nach Verkündung Abs. 1 S. 2; Beschwerdeschrift Abs. 2; Protokollerklärung Abs. 3): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__569.html
- § 570 ZPO – Aufschiebende Wirkung; einstweilige Anordnungen (aufschiebende Wirkung nur bei Ordnungs-/Zwangsmitteln Abs. 1; Aussetzung durch Ausgangsgericht Abs. 2; einstweilige Anordnung des Beschwerdegerichts Abs. 3): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__570.html
- § 571 ZPO – Begründung, Präklusion, Ausnahmen vom Anwaltszwang (Soll-Begründung Abs. 1; neue Angriffs-/Verteidigungsmittel und Ausschluss der Zuständigkeitsrüge Abs. 2; Präklusion Abs. 3; Protokollerklärung Abs. 4): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__571.html
- § 572 ZPO – Gang des Beschwerdeverfahrens (Abhilfe und unverzügliche Vorlage Abs. 1; Amtsprüfung von Statthaftigkeit, Form und Frist, Verwerfung als unzulässig Abs. 2; Übertragung der Anordnung Abs. 3; Entscheidung durch Beschluss Abs. 4): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__572.html
- § 574 ZPO – Rechtsbeschwerde; Anschlussrechtsbeschwerde (Statthaftigkeit nur bei gesetzlicher Bestimmung oder Zulassung Abs. 1; grundsätzliche Bedeutung/Rechtsfortbildung Abs. 2; Bindung an die Zulassung Abs. 3): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__574.html
- § 793 ZPO – Sofortige Beschwerde (im Zwangsvollstreckungsverfahren gegen Entscheidungen, die ohne mündliche Verhandlung ergehen können): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__793.html
- § 78 ZPO – Anwaltsprozess (Anwaltszwang vor Landgerichten und Oberlandesgerichten Abs. 1 S. 1; beim BGH zugelassener Rechtsanwalt Abs. 1 S. 3): https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__78.html
- § 47 EGZPO – Übergangsvorschrift zum Gesetz zur Änderung des Zuständigkeitsstreitwerts der Amtsgerichte (§§ 511, 544, 567 ZPO in der bis 31.12.2025 geltenden Fassung weiter anwendbar bei Verkündung/Übergabe an die Geschäftsstelle oder Schluss der mündlichen Verhandlung bis 31.12.2025): https://www.gesetze-im-internet.de/zpoeg/__47.html
- § 47 EGZPO – Normtext und Änderungsnachweis mit Fundstelle BGBl. I Nr. 318 vom 08.12.2025 (dejure.org-Permalink): https://dejure.org/gesetze/EGZPO/47.html
- Gesetz zur Änderung des Zuständigkeitsstreitwerts der Amtsgerichte, zum Ausbau der Spezialisierung der Justiz in Zivilsachen sowie zur Änderung weiterer prozessualer Regelungen vom 08.12.2025, BGBl. I Nr. 318 (Anhebung des Beschwerdewerts in § 567 Abs. 2 ZPO von 200 auf 300 Euro, in Kraft 01.01.2026): https://dejure.org/BGBl/2025/BGBl._I_Nr._318
- BGH, Beschluss vom 23.04.2024 – VIII ZB 75/23 (Verfahrensfehler, wenn das Beschwerdegericht durch die Zivilkammer statt durch den originären Einzelrichter nach § 568 ZPO entscheidet): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=VIII%20ZB%2075/23
- OLG Frankfurt, Beschluss vom 04.05.2026 – 3 W 13/26 (Anwaltszwang für die sofortige Beschwerde gegen einen den Verfügungsantrag zurückweisenden Beschluss des Landgerichts): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Text=3%20W%2013/26

## Änderungsverlauf

- 2026-08-23: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Wortlaut der §§ 567–572, 574, 78, 793 ZPO und des § 47 EGZPO gegen die amtliche Fassung auf gesetze-im-internet.de bzw. den dejure.org-Normtext gegengeprüft. Zentrale Neuerung 2026: Anhebung des Beschwerdewerts bei Kostenentscheidungen von 200 auf 300 Euro (§ 567 Abs. 2 ZPO) durch das Gesetz vom 08.12.2025, BGBl. I Nr. 318, mit Übergangsregelung in § 47 EGZPO. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"
## Stand

- Stand: 2026-08-23
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
