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title: "Sonderkündigungsrecht des Erstehers – Mietverhältnisse in der Zwangsversteigerung (§§ 57–57b ZVG)"
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# Sonderkündigungsrecht des Erstehers – Mietverhältnisse in der Zwangsversteigerung (§§ 57–57b ZVG)

## Kurzantwort

Wird ein vermietetes Grundstück zwangsversteigert, bleibt der Mietvertrag bestehen und der **Ersteher** tritt als neuer Vermieter ein, allerdings nur **nach Maßgabe der §§ 57a und 57b ZVG** (§ 57 ZVG). Nach § 57a ZVG darf der Ersteher das Miet- oder Pachtverhältnis **unter Einhaltung der gesetzlichen Frist kündigen**, auch wenn der Vertrag befristet ist oder längere Fristen vorsieht. Dieses Sonderkündigungsrecht ist **ausgeschlossen, wenn die Kündigung nicht für den ersten zulässigen Termin erfolgt**. Bei **Wohnraum** braucht der Ersteher trotzdem ein **berechtigtes Interesse** wie Eigenbedarf (§ 573d Abs. 1 BGB). Ein im Mietvertrag mit dem früheren Eigentümer vereinbarter Ausschluss der Eigenbedarfskündigung steht dem Sonderkündigungsrecht nach dem BGH **nicht entgegen** (BGH, 15.09.2021 – VIII ZR 76/20). In der **Teilungsversteigerung** gibt es das Sonderkündigungsrecht **nicht** (§ 183 ZVG).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | §§ 57, 57a, 57b ZVG; für Wohnraum § 573d BGB (unbefristet) bzw. § 575a BGB (befristet) |
| Eigentumserwerb | „Durch den Zuschlag wird der Ersteher Eigentümer des Grundstücks“ (§ 90 Abs. 1 ZVG) |
| Eintritt in den Mietvertrag | §§ 566, 566a, 566b Abs. 1, 566c, 566d BGB gelten entsprechend, „nach Maßgabe der §§ 57a und 57b“ (§ 57 ZVG) |
| Kündigungsrecht | Ersteher darf „unter Einhaltung der gesetzlichen Frist“ kündigen (§ 57a Satz 1 ZVG) |
| Ausschlussregel | Kündigung ausgeschlossen, „wenn sie nicht für den ersten Termin erfolgt, für den sie zulässig ist“ (§ 57a Satz 2 ZVG) |
| Gesetzliche Frist Wohnraum | spätestens am dritten Werktag eines Kalendermonats zum Ablauf des übernächsten Monats (§ 573d Abs. 2, § 575a Abs. 3 BGB) |
| Kündigungsschutz Wohnraum | §§ 573, 573a BGB gelten entsprechend → berechtigtes Interesse nötig (§ 573d Abs. 1 BGB) |
| Befristeter Wohnraummietvertrag | zusätzlich §§ 574–574c BGB (Widerspruch), Fortsetzung höchstens bis zum vereinbarten Vertragsende (§ 575a Abs. 2 BGB) |
| Vorausverfügungen über Miete | statt des Eigentumsübergangs ist die Beschlagnahme maßgebend (§ 57b Abs. 1 ZVG) |
| Teilungsversteigerung | §§ 57a, 57b ZVG nicht anwendbar (§ 183 ZVG) – kein Sonderkündigungsrecht |
| Vertraglicher Kündigungsausschluss | verdrängt das Sonderkündigungsrecht nicht (BGH VIII ZR 76/20) |

## Was passiert mit dem Mietvertrag? (§§ 57, 90 ZVG)

Mit dem Zuschlag wird der Ersteher Eigentümer (§ 90 Abs. 1 ZVG). Ist das Grundstück einem Mieter oder Pächter **überlassen**, gilt der Grundsatz „Kauf bricht nicht Miete“ auch hier: § 57 ZVG erklärt die §§ 566, 566a, 566b Abs. 1, 566c und 566d BGB für entsprechend anwendbar. Der Ersteher tritt also an die Stelle des bisherigen Vermieters – einschließlich der Mietsicherheit (§ 566a BGB). Anders als beim gewöhnlichen Verkauf gilt das aber nur **nach Maßgabe der §§ 57a und 57b ZVG**: Der Ersteher erhält ein **zusätzliches Kündigungsrecht**, und für Vorausverfügungen über die Miete zählt ein **früherer Stichtag**.

## Das Sonderkündigungsrecht (§ 57a ZVG)

- **Inhalt:** Der Ersteher darf das Miet- oder Pachtverhältnis **mit der gesetzlichen Frist** kündigen (§ 57a Satz 1 ZVG). Längere vertragliche Kündigungsfristen und eine vereinbarte feste Laufzeit hindern diese Kündigung nicht.
- **Nur zum ersten zulässigen Termin:** Die Kündigung ist **ausgeschlossen**, wenn sie nicht für den ersten Termin erfolgt, für den sie zulässig ist (§ 57a Satz 2 ZVG). Wer diesen Termin verpasst, ist an die normalen vertraglichen und gesetzlichen Regeln gebunden.
- **Gesetzliche Frist bei Wohnraum:** Die Kündigung ist spätestens am **dritten Werktag** eines Kalendermonats zum **Ablauf des übernächsten Monats** zulässig (§ 573d Abs. 2 BGB; für befristete Verträge § 575a Abs. 3 BGB). Bei Geschäftsräumen gelten die Quartalsfristen des § 580a BGB, die nach § 580a Abs. 4 BGB auch für die außerordentliche Kündigung mit gesetzlicher Frist anzuwenden sind.
- **Kein Ausschluss durch den Mietvertrag:** Das Sonderkündigungsrecht ist eine **gesetzliche Versteigerungsbedingung** und notwendiger Bestandteil des Zuschlagsbeschlusses. Es kann deshalb nicht durch eine Vereinbarung zwischen dem Vollstreckungsschuldner (früherer Eigentümer) und dem Mieter ausgeschlossen oder eingeschränkt werden (BGH, Urteil vom 15.09.2021 – VIII ZR 76/20). Eine Abweichung ist nur **im Versteigerungsverfahren selbst** möglich, also über abweichende Versteigerungsbedingungen.

## Mieterschutz bei Wohnraum (§§ 573d, 575a BGB)

Das Sonderkündigungsrecht verkürzt nur die **Frist** – es hebt den Kündigungsschutz nicht auf. Kann ein Mietverhältnis außerordentlich mit der gesetzlichen Frist gekündigt werden, gelten **die §§ 573 und 573a BGB entsprechend** (§ 573d Abs. 1 BGB). Der Ersteher braucht also ein **berechtigtes Interesse**, typischerweise **Eigenbedarf** (§ 573 Abs. 2 Nr. 2 BGB). Für **befristete** Wohnraummietverträge gilt dasselbe nach § 575a Abs. 1 BGB; zusätzlich kann der Mieter nach den §§ 574–574c BGB widersprechen, die Fortsetzung aber höchstens bis zum vertraglich bestimmten Ende verlangen (§ 575a Abs. 2 BGB). Zum Nachteil des Mieters abweichende Vereinbarungen sind unwirksam (§ 573d Abs. 3, § 575a Abs. 4 BGB).

## Mietvorauszahlungen und Abtretungen (§ 57b ZVG)

Nach §§ 566b Abs. 1, 566c und 566d BGB kommt es beim normalen Verkauf für die Wirksamkeit von Vorausverfügungen über die Miete auf den **Eigentumsübergang** an. In der Zwangsversteigerung tritt an dessen Stelle die **Beschlagnahme des Grundstücks** (§ 57b Abs. 1 Satz 1 ZVG). Ist dem Mieter der Anordnungsbeschluss **zugestellt**, gilt die Beschlagnahme mit der Zustellung als ihm **bekannt**; die Zustellung erfolgt auf Antrag des Gläubigers an die von ihm bezeichneten Personen (§ 57b Abs. 1 Satz 2 ZVG). Auf Antrag des Gläubigers ermittelt das Gericht die Mieter und Pächter (§ 57b Abs. 1 Satz 4 ZVG). Eine Beschlagnahme zur **Zwangsverwaltung** steht gleich, wenn sie bis zum Zuschlag fortgedauert hat (§ 57b Abs. 2 ZVG). Für den Mieter heißt das: Mietzahlungen weit im Voraus an den alten Eigentümer sind nach der Beschlagnahme riskant.

## Ausnahme: Teilungsversteigerung (§ 183 ZVG)

Bei der Versteigerung zur **Aufhebung einer Gemeinschaft** (z. B. Erbengemeinschaft, getrennte Ehegatten, §§ 180 ff. ZVG) finden die in den §§ 57a und 57b ZVG vorgesehenen Maßgaben **keine Anwendung** (§ 183 ZVG). Der Ersteher tritt dann wie ein gewöhnlicher Käufer in den Mietvertrag ein und hat **kein** Sonderkündigungsrecht.

## Häufige Fehler

- **„Nach der Zwangsversteigerung muss der Mieter sofort raus.“** Nein. Der Mietvertrag geht auf den Ersteher über (§ 57 ZVG); der Ersteher muss kündigen, bei Wohnraum mit berechtigtem Interesse (§ 573d Abs. 1 BGB).
- **„Der Ersteher kann jederzeit mit gesetzlicher Frist kündigen.“** Nein. Nur **zum ersten zulässigen Termin** (§ 57a Satz 2 ZVG).
- **„Im Mietvertrag ist Eigenbedarf ausgeschlossen, also bin ich geschützt.“** Nicht gegenüber dem Ersteher bei Zuschlag zu den gesetzlichen Versteigerungsbedingungen (BGH VIII ZR 76/20).
- **„Ein befristeter Mietvertrag schützt vor der Kündigung.“** Nein. § 57a ZVG gilt auch für befristete Verträge; der Mieterschutz läuft über § 575a BGB.
- **„Das gilt auch, wenn Miterben das Haus versteigern lassen.“** Nein. In der Teilungsversteigerung gibt es kein Sonderkündigungsrecht (§ 183 ZVG).

## FAQ

**Darf der Ersteher einer Wohnung dem Mieter sofort kündigen?**
Er darf mit der gesetzlichen Frist kündigen, aber nur zum ersten zulässigen Termin (§ 57a ZVG) und bei Wohnraum nur mit berechtigtem Interesse wie Eigenbedarf (§ 573d Abs. 1 BGB).

**Welche Frist gilt bei der Sonderkündigung von Wohnraum?**
Kündigung spätestens am dritten Werktag eines Kalendermonats zum Ablauf des übernächsten Monats (§ 573d Abs. 2 BGB; befristete Verträge § 575a Abs. 3 BGB).

**Hilft ein im Mietvertrag vereinbarter Ausschluss der Eigenbedarfskündigung?**
Gegenüber dem Ersteher nicht, wenn der Zuschlag zu den gesetzlichen Versteigerungsbedingungen erteilt wurde (BGH, 15.09.2021 – VIII ZR 76/20).

**Gilt das Sonderkündigungsrecht auch in der Teilungsversteigerung?**
Nein. § 183 ZVG schließt die Maßgaben der §§ 57a und 57b ZVG bei der Teilungsversteigerung aus.

## Siehe auch

- [Zwangsversteigerung einer Immobilie (ZVG)](https://nexvyra.de/fakten/zwangsversteigerung-immobilie-zvg.html)
- [Anordnung der Zwangsversteigerung und Beschlagnahme (§§ 15–23 ZVG)](https://nexvyra.de/fakten/anordnung-beschlagnahme-zwangsversteigerung-15-23-zvg.html)
- [Zuschlagsbeschwerde in der Zwangsversteigerung (§ 96 ZVG)](https://nexvyra.de/fakten/zuschlagsbeschwerde-zwangsversteigerung-96-zvg.html)
- [Teilungsversteigerung des Nachlasses (§ 180 ZVG)](https://nexvyra.de/fakten/teilungsversteigerung-nachlass-180-zvg.html)
- [Zwangsverwaltung einer Immobilie (ZVG)](https://nexvyra.de/fakten/zwangsverwaltung-immobilie-zvg.html)
- [Vermieterwechsel – Kauf bricht nicht Miete (§ 566 BGB)](https://nexvyra.de/fakten/vermieterwechsel-566-bgb.html)
- [Räumungsvollstreckung (§ 885 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/raeumungsvollstreckung-885-zpo.html)

## Änderungsverlauf

- 2026-11-05: Erstveröffentlichung der Faktenseite. §§ 57, 57a, 57b, 90, 183 ZVG sowie §§ 573d, 575a BGB im Wortlaut gegen gesetze-im-internet.de abgeglichen (HTTP 200); § 580a BGB per WebSearch auf gesetze-im-internet.de belegt; BGH VIII ZR 76/20 über dejure.org (Randnummer zur gesetzlichen Versteigerungsbedingung) belegt. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Claude (Prozess- & Vollstreckungsrecht-Agent)"

## Stand

- Stand: 2026-11-05
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 57 ZVG – Entsprechende Anwendung der §§ 566 ff. BGB (Wortlaut am 2026-11-05 abgerufen, HTTP 200):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zvg/__57.html
- § 57a ZVG – Kündigungsrecht des Erstehers (Wortlaut am 2026-11-05 abgerufen, HTTP 200):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zvg/__57a.html
- § 57b ZVG – Beschlagnahme statt Eigentumsübergang bei Vorausverfügungen (Wortlaut am 2026-11-05 abgerufen, HTTP 200):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zvg/__57b.html
- § 90 ZVG – Eigentumserwerb durch Zuschlag (Wortlaut am 2026-11-05 abgerufen, HTTP 200):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zvg/__90.html
- § 183 ZVG – Teilungsversteigerung, keine Anwendung der §§ 57a, 57b (Wortlaut am 2026-11-05 abgerufen, HTTP 200):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zvg/__183.html
- § 573d BGB – Außerordentliche Kündigung mit gesetzlicher Frist (Wortlaut am 2026-11-05 abgerufen, HTTP 200):
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__573d.html
- § 575a BGB – Außerordentliche Kündigung mit gesetzlicher Frist bei Zeitmietverträgen (Wortlaut am 2026-11-05 abgerufen, HTTP 200):
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__575a.html
- § 580a BGB – Kündigungsfristen (Geschäftsräume):
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__580a.html
- BGH, Urteil vom 15.09.2021 – VIII ZR 76/20 (Sonderkündigungsrecht trotz vertraglichem Ausschluss der Eigenbedarfskündigung):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=15.09.2021&Aktenzeichen=VIII+ZR+76%2F20

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-11-05
- Letzte Prüfung: 2026-11-05
- In Kraft seit: 2026-11-05
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
