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title: Sterilisation bei Betreuung (§ 1830 BGB) – Voraussetzungen, Sterilisationsbetreuer und betreuungsgerichtliche Genehmigung
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topic: gesundheitsrecht
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# Sterilisation bei Betreuung (§ 1830 BGB) – Voraussetzungen, Sterilisationsbetreuer und betreuungsgerichtliche Genehmigung

## Kurzantwort

Ein einwilligungsunfähiger volljähriger Mensch darf nur unter sehr engen Voraussetzungen sterilisiert werden. Kann der Betreute nicht selbst einwilligen, ist die Einwilligung eines eigens dafür bestellten **Sterilisationsbetreuers** nach **§ 1830 Abs. 1 BGB** nur zulässig, wenn **alle fünf** gesetzlichen Voraussetzungen erfüllt sind: Die Sterilisation entspricht dem **natürlichen Willen** des Betreuten, dieser wird **auf Dauer einwilligungsunfähig** bleiben, ohne die Sterilisation käme es voraussichtlich zu einer **Schwangerschaft**, aus dieser Schwangerschaft drohte eine **Gefahr für das Leben** oder eine schwerwiegende Gesundheitsbeeinträchtigung der schwangeren Person, die nicht zumutbar abwendbar wäre, und die Schwangerschaft lässt sich **nicht durch andere zumutbare Mittel** (z. B. Verhütung) verhindern. Die Einwilligung bedarf zwingend der **Genehmigung des Betreuungsgerichts**; die Sterilisation darf erst **zwei Wochen** nach Wirksamkeit der Genehmigung durchgeführt werden, und es ist stets die refertilisierbare Methode zu bevorzugen (§ 1830 Abs. 2 BGB). Für die Entscheidung über die Einwilligung ist stets ein **gesonderter Betreuer** allein für diese Aufgabe zu bestellen (§ 1817 Abs. 2 BGB). Die **Sterilisation Minderjähriger ist ausnahmslos verboten** (§ 1631c BGB). Eine Sterilisation gegen den natürlichen Willen (Zwangssterilisation) ist niemals zulässig. Die Vorschrift gilt seit dem **1. Januar 2023** und löste den bis 31.12.2022 geltenden § 1905 BGB a.F. ab.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage seit 01.01.2023 | § 1830 BGB [gesetze-im-internet.de] |
| Vorgängerregelung bis 31.12.2022 | § 1905 BGB a.F. (Betreuungsrechtsreform, Gesetz v. 04.05.2021, BGBl. I S. 882) |
| Voraussetzung 1 | Sterilisation entspricht dem natürlichen Willen des Betreuten [§ 1830 Abs. 1 Nr. 1 BGB] |
| Voraussetzung 2 | Betreuter bleibt auf Dauer einwilligungsunfähig [§ 1830 Abs. 1 Nr. 2 BGB] |
| Voraussetzung 3 | Ohne Sterilisation käme es voraussichtlich zu einer Schwangerschaft [§ 1830 Abs. 1 Nr. 3 BGB] |
| Voraussetzung 4 | Aus der Schwangerschaft drohte Lebensgefahr oder schwerwiegende Gesundheitsbeeinträchtigung, nicht zumutbar abwendbar [§ 1830 Abs. 1 Nr. 4 BGB] |
| Voraussetzung 5 | Schwangerschaft nicht durch andere zumutbare Mittel verhinderbar [§ 1830 Abs. 1 Nr. 5 BGB] |
| Alle fünf kumulativ | Ja – die Voraussetzungen müssen sämtlich vorliegen |
| Genehmigung | Zwingend durch das Betreuungsgericht [§ 1830 Abs. 2 Satz 1 BGB] |
| Wartefrist | Sterilisation erst 2 Wochen nach Wirksamkeit der Genehmigung [§ 1830 Abs. 2 Satz 2 BGB] |
| Methodenwahl | Stets Vorrang der refertilisierbaren Methode [§ 1830 Abs. 2 Satz 3 BGB] |
| Sterilisationsbetreuer | Gesonderter Betreuer allein für diese Aufgabe, auch neben bestehendem Betreuer [§ 1817 Abs. 2 BGB] |
| Verfahrenspfleger | Bestellung stets erforderlich, außer bei anwaltlicher Vertretung [§ 297 Abs. 5 FamFG] |
| Sachverständigengutachten | Vor Genehmigung förmliche Beweisaufnahme; medizinische, psychologische, soziale, sonderpädagogische und sexualpädagogische Gesichtspunkte [§ 297 Abs. 6 FamFG] |
| Sachverständiger ≠ Arzt | Sachverständiger und ausführender Arzt dürfen nicht personengleich sein [§ 297 Abs. 6 Satz 3 FamFG] |
| Persönliche Anhörung | Gericht muss Betroffenen persönlich anhören und Eindruck verschaffen [§ 297 Abs. 1 FamFG] |
| Minderjährige | Sterilisation ausnahmslos verboten [§ 1631c BGB] |
| Zwangssterilisation | Unzulässig – Sterilisation gegen natürlichen Willen ausgeschlossen [§ 1830 Abs. 1 Nr. 1 BGB] |
| Zuständigkeit | Richtervorbehalt – nicht auf Rechtspfleger übertragbar [§ 15 RPflG] |

## Materielle Voraussetzungen (§ 1830 Abs. 1 BGB)

§ 1830 Abs. 1 BGB knüpft die Einwilligung des Sterilisationsbetreuers an **fünf kumulative** Voraussetzungen. Es reicht nicht aus, dass eine oder mehrere erfüllt sind – **alle** müssen vorliegen. Erste und zentrale Hürde ist der **natürliche Wille** (Nr. 1): Die Sterilisation muss dem natürlichen Willen des Betreuten entsprechen. Lehnt die betroffene Person den Eingriff erkennbar ab, ist eine Einwilligung ausgeschlossen; eine Sterilisation gegen den geäußerten natürlichen Willen (Zwangssterilisation) ist damit gesetzlich unmöglich.

Weiter muss der Betreute **auf Dauer einwilligungsunfähig** bleiben (Nr. 2) – eine nur vorübergehende Einwilligungsunfähigkeit genügt nicht. Es muss anzunehmen sein, dass es **ohne die Sterilisation zu einer Schwangerschaft kommen würde** (Nr. 3), und dass **infolge dieser Schwangerschaft eine Gefahr für das Leben oder die Gefahr einer schwerwiegenden Beeinträchtigung des körperlichen oder seelischen Gesundheitszustands der Schwangeren** zu erwarten wäre, die **nicht auf zumutbare Weise abgewendet** werden könnte (Nr. 4). Schließlich darf die **Schwangerschaft nicht durch andere zumutbare Mittel verhindert** werden können (Nr. 5) – vorrangig sind stets mildere Mittel wie geeignete Verhütung. Die Sterilisation ist damit **ultima ratio**.

## Sterilisationsbetreuer (§ 1817 Abs. 2 BGB)

Über die Einwilligung in eine Sterilisation darf nicht der reguläre Betreuer entscheiden. Nach **§ 1817 Abs. 2 BGB** ist für diese Entscheidung **stets ein gesonderter Betreuer** allein mit dem Aufgabenkreis Einwilligung in die Sterilisation zu bestellen – auch dann, wenn bereits ein Betreuer für andere Aufgaben bestellt ist. Dieser **Sterilisationsbetreuer** soll eine neutrale Außenperspektive einnehmen, weil die Einwilligung in eine Sterilisation eine besonders schwerwiegende, höchstpersönliche und faktisch unumkehrbare Entscheidung ist. Vorsorgebevollmächtigte können in eine Sterilisation grundsätzlich **nicht** wirksam einwilligen; die Entscheidung ist dem gerichtlich bestellten Sterilisationsbetreuer und der gerichtlichen Genehmigung vorbehalten.

## Verfahren und Genehmigung (§ 1830 Abs. 2 BGB, § 297 FamFG)

Die Einwilligung des Sterilisationsbetreuers wird erst mit der **Genehmigung des Betreuungsgerichts** wirksam (§ 1830 Abs. 2 Satz 1 BGB). Das Verfahren nach **§ 297 FamFG** ist besonders streng ausgestaltet: Das Gericht muss den Betroffenen **persönlich anhören** und sich einen persönlichen Eindruck verschaffen (Abs. 1). Die Bestellung eines **Verfahrenspflegers** ist **stets erforderlich**, sofern sich der Betroffene nicht anwaltlich vertreten lässt (Abs. 5). Vor der Genehmigung sind durch **förmliche Beweisaufnahme Sachverständigengutachten** einzuholen, die sich auf medizinische, psychologische, soziale, sonderpädagogische und sexualpädagogische Gesichtspunkte erstrecken; die Sachverständigen müssen den Betroffenen persönlich untersuchen oder befragen, und **Sachverständiger und ausführender Arzt dürfen nicht personengleich** sein (Abs. 6). Die Entscheidung ist dem Betroffenen stets selbst samt Gründen bekannt zu machen (Abs. 8). Die Genehmigung ist dem Richter vorbehalten und **nicht auf den Rechtspfleger übertragbar** (§ 15 RPflG).

Ist die Genehmigung erteilt und wirksam geworden, darf die Sterilisation **erst nach Ablauf von zwei Wochen** durchgeführt werden (§ 1830 Abs. 2 Satz 2 BGB). Bei der Durchführung ist **stets der Methode der Vorzug zu geben, die eine Refertilisierung zulässt** (§ 1830 Abs. 2 Satz 3 BGB).

## Verbot bei Minderjährigen (§ 1631c BGB)

Die Sterilisation Minderjähriger ist **ausnahmslos verboten**. Nach **§ 1631c BGB** können die **Eltern nicht** in eine Sterilisation des Kindes einwilligen, und **auch das Kind selbst kann nicht** einwilligen. § 1830 BGB betrifft daher ausschließlich **volljährige** einwilligungsunfähige Menschen unter Betreuung. Für einwilligungsfähige Erwachsene gilt § 1830 BGB nicht – sie entscheiden über eine Sterilisation selbst; einer betreuungsgerichtlichen Genehmigung bedarf es dann nicht.

## Häufige Fehler

- **„Der normale Betreuer kann in die Sterilisation einwilligen."** Falsch – nach § 1817 Abs. 2 BGB muss stets ein **gesonderter Sterilisationsbetreuer** allein für diese Aufgabe bestellt werden.
- **„Eine Vorsorgevollmacht reicht für die Sterilisation."** Falsch – Bevollmächtigte können in eine Sterilisation grundsätzlich nicht wirksam einwilligen; erforderlich sind gerichtlich bestellter Sterilisationsbetreuer und betreuungsgerichtliche Genehmigung.
- **„Es genügt, wenn einige der Voraussetzungen vorliegen."** Falsch – die fünf Voraussetzungen des § 1830 Abs. 1 BGB müssen **kumulativ** erfüllt sein.
- **„Nach der Genehmigung kann sofort sterilisiert werden."** Falsch – die Sterilisation darf erst **zwei Wochen** nach Wirksamkeit der Genehmigung erfolgen (§ 1830 Abs. 2 Satz 2 BGB).
- **„Man kann gegen den Willen des Betreuten sterilisieren, wenn es medizinisch sinnvoll ist."** Falsch – die Sterilisation muss dem **natürlichen Willen** entsprechen (§ 1830 Abs. 1 Nr. 1 BGB); eine Zwangssterilisation ist ausgeschlossen.
- **„Auch bei Minderjährigen ist eine Sterilisation mit Elterneinwilligung möglich."** Falsch – § 1631c BGB verbietet die Sterilisation Minderjähriger ausnahmslos.
- **„Der Rechtspfleger entscheidet über die Genehmigung."** Falsch – es besteht Richtervorbehalt (§ 15 RPflG); die Entscheidung ist dem Richter vorbehalten.
- **„Ein einziges Gutachten des behandelnden Arztes reicht."** Falsch – erforderlich ist eine förmliche Beweisaufnahme mit Sachverständigengutachten; Sachverständiger und ausführender Arzt dürfen nicht dieselbe Person sein (§ 297 Abs. 6 FamFG).

## Quellen

- § 1830 BGB – Sterilisation: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1830.html
- § 1830 BGB – Sterilisation (dejure.org, Volltext und Rechtsprechung): https://dejure.org/gesetze/BGB/1830.html
- § 1817 BGB – Umfang der Betreuung; Sterilisationsbetreuer (Abs. 2): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1817.html
- § 1631c BGB – Verbot der Sterilisation Minderjähriger: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__1631c.html
- § 297 FamFG – Sterilisation (Verfahren): https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__297.html
- § 297 FamFG – Sterilisation (dejure.org, Volltext): https://dejure.org/gesetze/FamFG/297.html
- § 15 RPflG – Betreuungssachen (Richtervorbehalt): https://www.gesetze-im-internet.de/rpflg_1969/__15.html
- Gesetz zur Reform des Vormundschafts- und Betreuungsrechts v. 04.05.2021, BGBl. I S. 882: https://dejure.org/BGBl/2021/BGBl._I_S._882

## Änderungsverlauf

- 2026-07-12: Erstveröffentlichung. Voraussetzungen (§ 1830 Abs. 1 Nr. 1–5 BGB), Genehmigung, 2-Wochen-Wartefrist und Refertilisierungs-Vorrang (§ 1830 Abs. 2 BGB) verbatim gegen dejure.org-Reproduktion (BGB § 1830) geprüft; Verfahren (persönliche Anhörung, stets Verfahrenspfleger, förmliche Beweisaufnahme mit Sachverständigengutachten, Sachverständiger ≠ ausführender Arzt) gegen § 297 FamFG (dejure.org) belegt. Sterilisationsbetreuer nach § 1817 Abs. 2 BGB und Verbot bei Minderjährigen nach § 1631c BGB ergänzt. Fassung aufgrund Betreuungsrechtsreform (Gesetz v. 04.05.2021, BGBl. I S. 882), in Kraft seit 01.01.2023, Nachfolgeregelung des § 1905 BGB a.F. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

Rechtsstand: 12. Juli 2026. § 1830 BGB und § 297 FamFG gelten in der Fassung der Betreuungsrechtsreform (in Kraft seit 01.01.2023). Der frühere § 1905 BGB a.F. ist zum 31.12.2022 weggefallen und wird nicht mehr verlinkt.
