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title: "Tatbestandsberichtigung und Urteilsergänzung (§§ 320, 321 ZPO)"
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# Tatbestandsberichtigung und Urteilsergänzung (§§ 320, 321 ZPO)

## Kurzantwort

Enthält der **Tatbestand** eines Urteils Unrichtigkeiten, **Auslassungen, Dunkelheiten oder Widersprüche**, die keine bloßen Schreib- oder Rechenfehler sind, kann die **Berichtigung des Tatbestandes** beantragt werden – **binnen zwei Wochen** ab Zustellung des vollständigen Urteils, spätestens **drei Monate nach Verkündung** (§ 320 Abs. 1 und 2 ZPO). Hat das Gericht einen geltend gemachten **Haupt- oder Nebenanspruch** oder den **Kostenpunkt** ganz oder teilweise **übergangen**, wird das Urteil auf Antrag durch eine **nachträgliche Entscheidung ergänzt**; auch dieser Antrag muss **binnen zwei Wochen ab Zustellung** gestellt werden (§ 321 Abs. 1 und 2 ZPO). Beide Anträge werden durch **Einreichung eines Schriftsatzes** gestellt. Gegen den Beschluss über die Tatbestandsberichtigung gibt es **kein Rechtsmittel** (§ 320 Abs. 3 ZPO).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Anlass | Unrichtigkeiten, Auslassungen, Dunkelheiten oder Widersprüche im Tatbestand, die nicht unter § 319 ZPO fallen |
| Antrag | erforderlich, durch Schriftsatz (Abs. 1) |
| Frist | 2 Wochen ab Zustellung des in vollständiger Form abgefassten Urteils; Antrag schon vor Fristbeginn möglich (Abs. 1, 2) |
| Ausschlussfrist | 3 Monate seit Verkündung (Abs. 2 Satz 3) |
| Verfahren | ohne Beweisaufnahme; nur die Richter, die am Urteil mitgewirkt haben (Abs. 3) |
| Rechtsmittel | keine Anfechtung des Beschlusses (Abs. 3 Satz 4) |
| Wirkung | keine Änderung des übrigen Urteils (Abs. 4) |
| Verwandte Normen | § 314 ZPO (Beweiskraft des Tatbestandes), § 319 ZPO (Schreib-/Rechenfehler) |

## Warum der Tatbestand so wichtig ist (§ 314 ZPO)

Der **Tatbestand** gibt das Vorbringen der Parteien wieder. Nach **§ 314 ZPO** liefert er **Beweis für das mündliche Parteivorbringen**; dieser Beweis kann **nur durch das Sitzungsprotokoll entkräftet** werden. Was im Tatbestand steht – oder fehlt –, prägt damit, wovon das Rechtsmittelgericht ausgeht. Wer meint, sein Vortrag sei falsch, unvollständig oder widersprüchlich wiedergegeben, muss deshalb rechtzeitig die **Berichtigung nach § 320 ZPO** beantragen. Ein Rechtsmittel ersetzt diesen Antrag nicht.

## Tatbestandsberichtigung: Voraussetzungen und Frist (§ 320 Abs. 1 und 2 ZPO)

Berichtigt werden können **Unrichtigkeiten** im Tatbestand, **die nicht unter § 319 ZPO fallen**, sowie **Auslassungen, Dunkelheiten oder Widersprüche**. Offenbare Schreib- und Rechenfehler werden dagegen jederzeit nach **§ 319 ZPO** berichtigt (siehe [Berichtigung des Urteils bei Schreib- und Rechenfehlern](https://nexvyra.de/fakten/urteilsberichtigung-319-zpo.html)).

Die Berichtigung muss **binnen einer zweiwöchigen Frist durch Einreichung eines Schriftsatzes** beantragt werden. Die Frist beginnt mit der **Zustellung des in vollständiger Form abgefassten Urteils**; der Antrag kann aber **schon vor Fristbeginn** gestellt werden. Unabhängig davon ist die Berichtigung **ausgeschlossen**, wenn sie nicht **binnen drei Monaten seit der Verkündung** des Urteils beantragt wird (§ 320 Abs. 2 ZPO).

## Tatbestandsberichtigung: Entscheidung (§ 320 Abs. 3 und 4 ZPO)

Das Gericht entscheidet **ohne Beweisaufnahme**. Mitwirken dürfen **nur die Richter, die bei dem Urteil mitgewirkt haben**. Ist ein Richter verhindert, gibt bei Stimmengleichheit die Stimme des **Vorsitzenden** und bei dessen Verhinderung die des **ältesten Richters** den Ausschlag. **Eine Anfechtung des Beschlusses findet nicht statt.** Der Berichtigungsbeschluss wird **auf dem Urteil und den Ausfertigungen vermerkt**; ergeht er in elektronischer Form (§ 130b ZPO), ist er in einem **gesonderten elektronischen Dokument** festzuhalten, das mit dem Urteil **untrennbar zu verbinden** ist.

Die Berichtigung betrifft **nur den Tatbestand**: Sie hat **keine Änderung des übrigen Teils des Urteils** zur Folge (§ 320 Abs. 4 ZPO). Tenor und Entscheidungsgründe bleiben unberührt.

## Urteilsergänzung: übergangene Ansprüche und Kosten (§ 321 Abs. 1 und 2 ZPO)

Die Urteilsergänzung schließt **Lücken in der Entscheidung**. Sie greift, wenn ein **Haupt- oder Nebenanspruch**, den eine Partei nach dem **ursprünglich festgestellten oder nachträglich berichtigten Tatbestand** geltend gemacht hat, oder wenn der **Kostenpunkt** bei der Endentscheidung **ganz oder teilweise übergangen** wurde. Dann ist das Urteil **auf Antrag durch nachträgliche Entscheidung zu ergänzen**.

Der Antrag muss **binnen zwei Wochen ab Zustellung des Urteils** durch **Schriftsatz** gestellt werden (§ 321 Abs. 2 ZPO). Der Verweis auf den „nachträglich berichtigten Tatbestand" zeigt, wie beide Vorschriften zusammenspielen: Steht ein Antrag nicht im Tatbestand, kann es nötig sein, **zuerst nach § 320 ZPO** den Tatbestand berichtigen zu lassen.

## Urteilsergänzung: Verfahren (§ 321 Abs. 3 und 4 ZPO)

- **Hauptanspruch übergangen:** Es ist ein **Termin zur mündlichen Verhandlung** anzuberaumen; dem Gegner wird mit der Ladung der Antragsschriftsatz zugestellt.
- **Nebenanspruch oder Kostenpunkt übergangen:** Das Gericht **kann ohne mündliche Verhandlung** entscheiden, wenn die Bedeutung der Sache keine mündliche Verhandlung erfordert; **§ 128 Abs. 2 Satz 2 ZPO** gilt entsprechend.
- **Gegenstand:** Eine mündliche Verhandlung betrifft **nur den nicht erledigten Teil** des Rechtsstreits (§ 321 Abs. 4 ZPO). Der bereits entschiedene Teil wird nicht neu verhandelt.

## Folgen für Berufung und Vollstreckung

Wird ein Urteil **innerhalb der Berufungsfrist** durch eine nachträgliche Entscheidung nach § 321 ZPO ergänzt, beginnt mit der **Zustellung der Ergänzungsentscheidung** die **Berufungsfrist auch für das zuerst ergangene Urteil von neuem**. Legt dieselbe Partei gegen beide Urteile Berufung ein, werden beide Berufungen **verbunden** (§ 518 ZPO; siehe [Berufung und Revision im Zivilprozess](https://nexvyra.de/fakten/berufung-revision-zivilprozess.html)).

Fehlt im Urteil die Entscheidung über die **vorläufige Vollstreckbarkeit**, gelten für die Ergänzung ebenfalls die Vorschriften des **§ 321 ZPO** (§ 716 ZPO; siehe [Vorläufige Vollstreckbarkeit](https://nexvyra.de/fakten/vorlaeufige-vollstreckbarkeit-708-zpo.html)).

## Häufige Fehler

- **Frist verpassen:** Beide Anträge haben eine **Zwei-Wochen-Frist**. Bei § 320 ZPO kommt die **absolute Grenze von drei Monaten ab Verkündung** hinzu – sie gilt auch dann, wenn das vollständige Urteil erst später zugestellt wird.
- **Tatbestandsfehler erst in der Berufung rügen:** Wegen der Beweiskraft des Tatbestandes (§ 314 ZPO) ist die Berichtigung nach § 320 ZPO der vorgesehene Weg; sie muss beim **Ausgangsgericht** beantragt werden.
- **§ 319 und § 320 verwechseln:** Offenbare Schreib- und Rechenfehler fallen unter § 319 ZPO (jederzeit). Inhaltliche Unrichtigkeiten, Lücken und Widersprüche im Tatbestand fallen unter § 320 ZPO (fristgebunden).
- **Übergangenen Antrag mit Berichtigung reparieren wollen:** Fehlt eine Entscheidung über einen gestellten Anspruch oder die Kosten, ist das ein Fall der **Ergänzung nach § 321 ZPO**, nicht der Berichtigung.
- **Beschwerde gegen den Tatbestandsberichtigungsbeschluss:** § 320 Abs. 3 ZPO schließt die Anfechtung ausdrücklich aus.

## Geltungsbereich

§§ 320, 321 ZPO gelten für **Urteile** im Anwendungsbereich der **Zivilprozessordnung**. Abgrenzung: Die **Verletzung des rechtlichen Gehörs** wird nicht über §§ 320, 321 ZPO, sondern über die **Anhörungsrüge nach § 321a ZPO** geltend gemacht (siehe [Anhörungsrüge im Zivilprozess](https://nexvyra.de/fakten/anhoerungsruege-321a-zpo.html)).

## Ausnahmen

- **Keine Änderung der Entscheidung über § 320 ZPO:** Die Tatbestandsberichtigung ändert **weder Tenor noch Entscheidungsgründe** (§ 320 Abs. 4 ZPO).
- **Keine Beweisaufnahme:** Über die Tatbestandsberichtigung wird **ohne Beweisaufnahme** entschieden (§ 320 Abs. 3 ZPO); maßgeblich ist die Erinnerung der mitwirkenden Richter und der Akteninhalt.
- **Keine neue Sachentscheidung über bereits Entschiedenes:** Die Ergänzung nach § 321 ZPO betrifft nur den **übergangenen, nicht erledigten Teil** (§ 321 Abs. 4 ZPO).

## Beispiel

Ein Kläger verlangt 8.000 € nebst Zinsen. Das Landgericht verurteilt den Beklagten zur Zahlung der 8.000 €, erwähnt die **Zinsen** aber weder im Tenor noch in den Gründen; im Tatbestand ist der Zinsantrag aufgeführt. Der Kläger beantragt **binnen zwei Wochen nach Zustellung** schriftlich die **Ergänzung des Urteils** um den Zinsanspruch (§ 321 ZPO). Weil es sich um einen **Nebenanspruch** handelt, kann das Gericht **ohne mündliche Verhandlung** entscheiden.

Fehlt der Zinsantrag dagegen schon **im Tatbestand**, muss der Kläger zunächst **binnen zwei Wochen** die **Berichtigung des Tatbestandes** beantragen (§ 320 ZPO), damit sein Ergänzungsantrag eine Grundlage hat. (Fiktives Beispiel; Beträge frei gewählt.)

## Siehe auch

- [Berichtigung des Urteils bei Schreib- und Rechenfehlern (§ 319 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/urteilsberichtigung-319-zpo.html)
- [Anhörungsrüge im Zivilprozess (§ 321a ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/anhoerungsruege-321a-zpo.html)
- [Rechtskraft eines Urteils (§ 322 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/rechtskraft-urteil-322-zpo.html)
- [Berufung und Revision im Zivilprozess (§§ 511, 542 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/berufung-revision-zivilprozess.html)
- [Vorläufige Vollstreckbarkeit (§§ 708 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vorlaeufige-vollstreckbarkeit-708-zpo.html)
- [Teilurteil und Grundurteil (§§ 301, 304 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/teilurteil-grundurteil-301-304-zpo.html)
- [Fristen im Zivilprozess (§§ 221–225 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/fristen-zivilprozess-221-225-zpo.html)

## Änderungsverlauf

- 2026-10-09 | Erstveröffentlichung. Wortlaut von §§ 314, 320, 321, 518 und 716 ZPO direkt auf den amtlichen Einzelnormseiten von gesetze-im-internet.de gelesen (Browser-Pane; web_fetch lieferte leere Seiten). Keine Rechtsprechung zitiert; Beträge im Beispiel fiktiv. Wikidata-Q-IDs: Q206893 (Zivilprozessordnung) und Q327000 (court decision), beide am 2026-10-09 per WebSearch auf wikidata.org bestätigt. Keine Duplizierung: urteilsberichtigung-319-zpo, anhoerungsruege-321a-zpo und berufung-revision-zivilprozess sind nur querverlinkt. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-10-09
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 320 ZPO – Berichtigung des Tatbestandes (Abs. 1–4, Wortlaut am 2026-10-09 auf der amtlichen Einzelnormseite gelesen):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__320.html
- § 321 ZPO – Ergänzung des Urteils (Abs. 1–4, Wortlaut am 2026-10-09 auf der amtlichen Einzelnormseite gelesen):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__321.html
- § 314 ZPO – Beweiskraft des Tatbestandes:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__314.html
- § 518 ZPO – Berufungsfrist bei Urteilsergänzung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__518.html
- § 716 ZPO – Ergänzung des Urteils (vorläufige Vollstreckbarkeit):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__716.html
- § 319 ZPO – Berichtigung des Urteils (nur zur Abgrenzung):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__319.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-09
- Letzte Prüfung: 2026-10-09
- In Kraft seit: 2026-10-09
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
