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title: Terminservicestelle und 116117 (§ 75 Abs. 1a SGB V) – Fristen, Überweisung mit Vermittlungscode und Krankenhaus-Ersatztermin 2026
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# Terminservicestelle und 116117 (§ 75 Abs. 1a SGB V) – Fristen, Überweisung mit Vermittlungscode und Krankenhaus-Ersatztermin 2026

## Kurzantwort

Gesetzlich Versicherte haben nach **§ 75 Abs. 1a SGB V** einen Anspruch darauf, dass die **Terminservicestelle (TSS)** ihrer Kassenärztlichen Vereinigung ihnen einen Behandlungstermin vermittelt. Die TSS ist Teil des **Patientenservice 116117** und muss **24 Stunden täglich an sieben Tagen in der Woche** unter der bundesweit einheitlichen Rufnummer erreichbar sein (§ 75 Abs. 1a Satz 2 SGB V). Zwei Fristen greifen ineinander und werden häufig verwechselt: Die TSS muss **innerhalb einer Woche** ab Kontaktaufnahme einen Termin **vermitteln** (Satz 3 Nr. 1), und die **Wartezeit auf den Termin selbst** darf **vier Wochen** nicht überschreiten – bei radiologischen Terminen **drei Wochen** (Satz 5). Nach § 2 Abs. 1 Satz 3 der Anlage 28 BMV-Ä läuft die Vier-Wochen-Wartezeit **nach Ablauf der Wochenfrist**. Für Facharzttermine ist grundsätzlich eine **Überweisung mit zwölfstelligem Vermittlungscode** nötig; **ausgenommen** sind Augenarzt und Frauenarzt, Fälle nach Krankenhaus-Ersteinschätzung sowie Akutfälle (Satz 4). Findet die TSS keinen Termin bei einer Vertragsarztpraxis, muss sie einen **ambulanten Behandlungstermin in einem zugelassenen Krankenhaus** anbieten (Satz 7). Kein Anspruch besteht bei **verschiebbaren Routineuntersuchungen und Bagatellerkrankungen** (Satz 8). Bei **Akutfällen** vermittelt die TSS auf Basis eines bundesweit einheitlichen, standardisierten **Ersteinschätzungsverfahrens** eine unmittelbare ärztliche Versorgung – der Termin muss spätestens **am Tag nach der Kontaktaufnahme** liegen (§ 9 Anlage 28 BMV-Ä).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 75 Abs. 1a SGB V – Sicherstellungsauftrag umfasst angemessene und zeitnahe Zurverfügungstellung [gesetze-im-internet.de] |
| Geltende Fassung § 75 SGB V | Krankenhausreformanpassungsgesetz vom 09.04.2026 (BGBl. I Nr. 98), in Kraft seit 15.04.2026 [dejure.org] |
| Ursprung des heutigen TSS-Regimes | Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) vom 06.05.2019 (BGBl. I S. 646), in Kraft 11.05.2019 |
| Träger der Terminservicestellen | Kassenärztliche Vereinigungen [§ 75 Abs. 1a Satz 2 SGB V] |
| Bundesweit einheitliche Rufnummer | 116117 (Patientenservice), zusätzlich online und per 116117-App [KBV] |
| Erreichbarkeit | 24 Stunden täglich an sieben Tagen in der Woche, spätestens seit 01.01.2020 [§ 75 Abs. 1a Satz 2 SGB V] |
| Vermittlungsfrist der TSS | Innerhalb einer Woche ab Tag der Kontaktaufnahme [§ 75 Abs. 1a Satz 3 Nr. 1 SGB V, § 2 Abs. 1 Satz 2 Anlage 28 BMV-Ä] |
| Maximale Wartezeit bis zum Termin | Vier Wochen [§ 75 Abs. 1a Satz 5 Halbsatz 1 SGB V] |
| Fristbeginn der Vier-Wochen-Wartezeit | Nach Ablauf der Wochenfrist [§ 2 Abs. 1 Satz 3 Anlage 28 BMV-Ä] |
| Maximale Wartezeit radiologischer Termin | Drei Wochen [§ 75 Abs. 1a Satz 5 Halbsatz 2 SGB V] |
| Maximale Wartezeit psychotherapeutische Akutbehandlung | Zwei Wochen [§ 75 Abs. 1a Satz 15 SGB V, § 2a Abs. 2 Nr. 2 Anlage 28 BMV-Ä] |
| Akutfall-Termin | Spätestens am Tag nach Kontaktaufnahme und Einschätzung als TSS-Akutfall [§ 9 Anlage 28 BMV-Ä] |
| Überweisung für Facharzttermin | Grundsätzlich erforderlich; Nachweis über Vermittlungscode [§ 75 Abs. 1a Satz 4 SGB V, § 3 Abs. 1 Anlage 28 BMV-Ä] |
| Länge des Vermittlungscodes | Zwölfstellig, auf der Überweisung aufgedruckt [Verbraucherzentrale, KBV] |
| Ausnahmen von der Überweisungspflicht (Gesetz) | Augenarzt, Frauenarzt; Fälle nach Krankenhaus-Ersteinschätzung nach § 120 Abs. 3b SGB V; Akutfälle [§ 75 Abs. 1a Satz 4 Nr. 1–3 SGB V] |
| Weitere überweisungsfreie Fälle (BMV-Ä) | Hausarzt, Kinder- und Jugendarzt, Psychotherapeut [§ 3 Abs. 3 Anlage 28 BMV-Ä] |
| Psychotherapeutische Sprechstunde | Erstgespräch ohne Überweisung; für Akutbehandlung und Probatorik Formular PTV 11 mit Vermittlungscode [§ 2a Anlage 28 BMV-Ä] |
| Kein Anspruch bei | Verschiebbaren Routineuntersuchungen und Bagatellerkrankungen [§ 75 Abs. 1a Satz 8 SGB V, § 4 Abs. 1 Anlage 28 BMV-Ä] |
| Ausnahme von der Ausnahme | Termingebundene Gesundheitsuntersuchungen für Kinder ab U3 – hier gelten die Regelfristen [§ 75 Abs. 1a Satz 8 SGB V, § 4 Abs. 5 Anlage 28 BMV-Ä] |
| Definition Bagatellerkrankung | Zuwarten von mehr als vier Wochen hinnehmbar, ohne Verschlechterung oder Gefährdung des Behandlungserfolgs [§ 4 Abs. 4 Anlage 28 BMV-Ä] |
| Krankenhaus-Ersatztermin | Kein Vertragsarzttermin in der Frist: ambulanter Termin in zugelassenem Krankenhaus anzubieten [§ 75 Abs. 1a Satz 7 SGB V] |
| Frist für den Krankenhaus-Ersatztermin | Angebot innerhalb einer weiteren Woche [§ 2 Abs. 2 Anlage 28 BMV-Ä] |
| Freie Arztwahl beim Krankenhaus-Termin | Auch nicht an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmende zugelassene Krankenhäuser wählbar [§ 76 Abs. 1a Satz 1 SGB V] |
| Zumutbare Entfernung allgemeine fachärztliche Versorgung | Fahrzeit zum nächstgelegenen geeigneten Facharzt plus maximal 30 Minuten [§ 6 Abs. 1 Nr. 1 Anlage 28 BMV-Ä] |
| Zumutbare Entfernung spezialisierte/gesonderte Versorgung | Fahrzeit zum nächstgelegenen geeigneten Facharzt plus maximal 60 Minuten [§ 6 Abs. 1 Nr. 2 Anlage 28 BMV-Ä] |
| Kein Anspruch auf Wunscharzt | Versicherte haben keinen Anspruch auf Vermittlung eines Termins bei einem bestimmten Arzt [§ 5 Abs. 1 Satz 1 Anlage 28 BMV-Ä] |
| Meldepflicht der Praxen | Vertragsärzte sind verpflichtet, der TSS freie Termine zu melden [§ 75 Abs. 1a Satz 20 SGB V] |
| Videosprechstunden-Termine | Meldung an die TSS freiwillig [§ 75 Abs. 1a Satz 21 SGB V] |
| Ausgenommene Leistungsbereiche | Zahnärztliche Behandlung (§ 28 Abs. 2 SGB V) und Kieferorthopädie (§ 29 SGB V) [§ 75 Abs. 1a Satz 13 SGB V] |
| Kosten für Versicherte | Keine – Regelleistung der GKV, keine Zuzahlung, 116117 ist kostenfrei |
| Vergütungsanreiz Praxen | TSS-vermittelte Fälle extrabudgetär plus zeitgestaffelter Zuschlag 200/100/80/40 Prozent [KBV, EBM] |
| Hausarzt-Vermittlungsfall | GOP 03008/04008, 131 Punkte = 16,69 Euro [KBV, EBM] |
| Notruf-Abgrenzung | Bei lebensbedrohlichen Notfällen 112, nicht 116117 [KBV, Verbraucherzentrale] |

## Geltungsbereich

§ 75 Abs. 1a SGB V verpflichtet die **Kassenärztlichen Vereinigungen**, den Sicherstellungsauftrag nicht nur inhaltlich, sondern auch **zeitlich** zu erfüllen: Die vertragsärztliche Versorgung muss **angemessen und zeitnah** zur Verfügung stehen. Instrument dafür sind die **Terminservicestellen**, organisatorisch eingebettet in den **Patientenservice 116117**, über den auch der ärztliche Bereitschaftsdienst läuft.

Anspruchsberechtigt sind **gesetzlich Krankenversicherte**. Der Anspruch richtet sich gegen die Kassenärztliche Vereinigung, nicht gegen die Krankenkasse und nicht gegen eine bestimmte Praxis. Ausdrücklich **nicht** erfasst sind nach § 75 Abs. 1a Satz 13 SGB V die **zahnärztliche Behandlung** (§ 28 Abs. 2 SGB V) und die **kieferorthopädische Behandlung** (§ 29 SGB V); § 1 der Anlage 28 BMV-Ä stellt das nochmals klar. Für die **psychotherapeutische Versorgung** (§ 28 Abs. 3 SGB V) gilt nach Satz 14 ein eigener, modifizierter Regelungskomplex.

Die gesetzlichen Vorgaben werden im **Bundesmantelvertrag-Ärzte** konkretisiert: maßgeblich ist die **Anlage 28 BMV-Ä** (Vereinbarung über die Einrichtung von Terminservicestellen und die Vermittlung von Arztterminen vom 27.08.2019 in der Fassung vom 06.12.2021, in Kraft seit 01.01.2022), abgeschlossen zwischen **KBV** und **GKV-Spitzenverband**.

## Die vier Aufgaben der Terminservicestelle

§ 75 Abs. 1a Satz 3 SGB V weist der TSS in der seit **15.04.2026** geltenden Fassung vier Aufgaben zu:

1. **Behandlungstermin vermitteln** – innerhalb einer Woche bei einem Leistungserbringer nach § 95 Abs. 1 Satz 1 SGB V (zugelassene Ärzte, MVZ, ermächtigte Ärzte und Einrichtungen).
2. **Hausarztsuche unterstützen** – bei der Suche nach einem Hausarzt, den Versicherte nach § 76 Abs. 3 Satz 2 SGB V wählen möchten.
3. **Telemedizin-Angebote vermitteln** – Unterstützung bei der Suche nach einem Angebot zur Versorgung mit telemedizinischen Leistungen.
4. **Akutfälle steuern** – auf Grundlage eines bundesweit einheitlichen, standardisierten **Ersteinschätzungsverfahrens** eine unmittelbare ärztliche Versorgung in der **medizinisch gebotenen Versorgungsebene**, in geeigneten Fällen auch als **telefonische ärztliche Konsultation**.

**Redaktioneller Hinweis zur Nummerierung:** Die Akutfall-Vermittlung steht im geltenden Normtext in **Nummer 4**. Mehrere Verweise sind der Verschiebung nicht gefolgt und zeigen weiterhin auf „Absatz 1a Satz 3 Nummer 3": § 75 Abs. 7 Satz 1 Nr. 5 und Nr. 6 SGB V, § 76 Abs. 1a Satz 1 Halbsatz 2 SGB V sowie § 9 der Anlage 28 BMV-Ä. Für die Rechtsanwendung ist die **Akutfall-Regelung** gemeint; die Verweise sind entsprechend zu lesen.

## Die zwei Fristen – Wochenfrist und Wartezeit

Die häufigste Fehlvorstellung ist, „innerhalb von vier Wochen einen Termin zu bekommen" bedeute, der Termin liege spätestens vier Wochen nach dem Anruf. Tatsächlich sind es **zwei aufeinanderfolgende Fristen**:

- **Wochenfrist (Vermittlungsfrist):** Nach § 75 Abs. 1a Satz 3 Nr. 1 SGB V hat die TSS **innerhalb einer Woche** einen Behandlungstermin zu vermitteln. § 2 Abs. 1 Satz 2 der Anlage 28 BMV-Ä stellt klar, dass diese Frist **am Tag der Kontaktaufnahme** des Versicherten bei der TSS beginnt.
- **Wartezeit auf den Termin:** Nach § 75 Abs. 1a Satz 5 SGB V darf die Wartezeit auf den Behandlungstermin **vier Wochen** nicht überschreiten; bei einem **radiologischen** Behandlungstermin sind es **drei Wochen**. § 2 Abs. 1 Satz 3 der Anlage 28 BMV-Ä konkretisiert: Die Wartezeit läuft **nach Ablauf der Wochenfrist**.

In der Summe kann zwischen Anruf und Facharzttermin also rechtmäßig ein Zeitraum von rund **fünf Wochen** liegen. Für die **psychotherapeutische Akutbehandlung** gilt eine verkürzte Grenze: Die Wartezeit darf nach § 75 Abs. 1a Satz 15 SGB V **zwei Wochen** nicht überschreiten. Im **Akutfall** muss der vermittelte Termin nach § 9 der Anlage 28 BMV-Ä spätestens **am Tag nach** der Kontaktaufnahme und der Einschätzung als TSS-Akutfall stattfinden.

## Überweisung und Vermittlungscode

Für die Vermittlung eines **Facharzttermins** muss nach § 75 Abs. 1a Satz 4 SGB V grundsätzlich eine **Überweisung** vorliegen. Die Überweisung trägt einen **zwölfstelligen Vermittlungscode** (in der Praxis auch „Dringlichkeitscode" genannt), den die überweisende Praxis aufbringt. Ohne diesen Code findet keine Vermittlung nach den Regelfristen statt.

**Das Gesetz nennt drei Ausnahmen** (§ 75 Abs. 1a Satz 4 Nr. 1–3 SGB V):

1. Termine bei einem **Augenarzt** oder **Frauenarzt**,
2. Fälle, in denen nach vorheriger ambulanter Notfallbehandlung im Krankenhaus die **Ersteinschätzung nach § 120 Abs. 3b SGB V** einen ärztlichen Behandlungsbedarf, aber keine sofortige Behandlungsnotwendigkeit ergeben hat,
3. die Vermittlung in **Akutfällen**.

**Die Anlage 28 BMV-Ä erweitert den Kreis:** Nach § 3 Abs. 3 bedarf es keiner Überweisung, wenn ein Termin bei einem **Augenarzt, Frauenarzt, Hausarzt, Kinder- und Jugendarzt oder Psychotherapeuten** beansprucht wird. Diese Erweiterung stützt sich auf die Öffnungsklausel in § 75 Abs. 1a Satz 12 SGB V, wonach im Bundesmantelvertrag ergänzende Regelungen zu weiteren Ausnahmen von der Überweisungspflicht getroffen werden können.

**Psychotherapie:** Für das **Erstgespräch** in der psychotherapeutischen Sprechstunde (§ 11 Psychotherapie-Richtlinie) ist **keine Überweisung** erforderlich. Für eine daraus folgende **Akutbehandlung** (§ 13 Psychotherapie-Richtlinie) oder **probatorische Sitzungen** (§ 12 Psychotherapie-Richtlinie) verlangt § 2a Abs. 2 der Anlage 28 BMV-Ä die **individuelle Patienteninformation PTV 11** mit entsprechender Empfehlung. Diese Bescheinigung ist **nicht** erforderlich, wenn Patientinnen und Patienten aus stationärer Krankenhausbehandlung (§ 39 SGB V) oder rehabilitativer Behandlung (§ 40 Abs. 1 oder 2 SGB V) entlassen wurden.

## Wenn kein Termin gefunden wird: der Krankenhaus-Ersatztermin

Kann die TSS innerhalb der Frist **keinen** Termin bei einem Leistungserbringer nach § 95 Abs. 1 Satz 1 SGB V vermitteln, muss sie nach § 75 Abs. 1a Satz 7 SGB V einen **ambulanten Behandlungstermin in einem zugelassenen Krankenhaus** anbieten. § 2 Abs. 2 der Anlage 28 BMV-Ä setzt dafür eine **weitere Woche** an. Für die ambulante Behandlung im Krankenhaus gelten dann die Bestimmungen über die vertragsärztliche Versorgung (§ 75 Abs. 1a Satz 9 SGB V).

**Flankierend erweitert § 76 Abs. 1a SGB V die freie Arztwahl:** In den Fällen des § 75 Abs. 1a Satz 7 SGB V können Versicherte auch **zugelassene Krankenhäuser in Anspruch nehmen, die nicht an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmen** – ebenso bei Vermittlung in eine Notfallambulanz im Akutfall. Die Inanspruchnahme umfasst nach § 76 Abs. 1a Satz 2 SGB V auch **weitere auf den Termin folgende notwendige Behandlungen**, die den Behandlungserfolg sichern oder festigen. Nach § 7 Abs. 1 Satz 4 der Anlage 28 BMV-Ä kann das Krankenhaus dafür in der Regel **sechs Wochen** ab dem ersten Termin ambulant weiterbehandeln, beschränkt auf das Fachgebiet der Überweisung; nach Vermittlung in eine Notfallambulanz sind es nach § 7 Abs. 1b höchstens **sieben Tage**.

**Ausgenommen** ist der Krankenhaus-Ersatztermin nach § 75 Abs. 1a Satz 8 SGB V bei **verschiebbaren Routineuntersuchungen** – nicht jedoch bei **termingebundenen Gesundheitsuntersuchungen für Kinder** – sowie bei **Bagatellerkrankungen** und vergleichbaren Fällen. In diesen Fällen ist nach Satz 10 ein Termin **in einer angemessenen Frist** zu vermitteln.

## Was zumutbar ist – und was Versicherte nicht verlangen können

§ 75 Abs. 1a Satz 6 SGB V verlangt eine **zumutbare Entfernung** zwischen Wohnort und vermitteltem Arzt. § 6 der Anlage 28 BMV-Ä definiert Zumutbarkeit über den **Zeitbedarf bei Nutzung öffentlicher Verkehrsmittel**:

| Versorgungsebene | Zumutbarer Zeitaufschlag | Beispiel-Arztgruppen |
|---|---|---|
| Hausärztliche und allgemeine fachärztliche Versorgung | Fahrzeit zum nächsten erreichbaren geeigneten Facharzt **plus maximal 30 Minuten** | Allgemeinmedizin, Augenärzte, Frauenärzte, Chirurgen, Hautärzte, HNO, Nervenärzte, Kinder- und Jugendärzte, Orthopäden, Urologen, Psychotherapeuten |
| Spezialisierte fachärztliche Versorgung | Fahrzeit **plus maximal 60 Minuten** | Anästhesisten, Kinder- und Jugendpsychiater, fachärztlich tätige Internisten, Radiologen |
| Gesonderte fachärztliche Versorgung | Fahrzeit **plus maximal 60 Minuten** | Humangenetiker, Neurochirurgen, Nuklearmediziner, Strahlentherapeuten, Physikalische und Rehabilitations-Mediziner, Transfusionsmediziner |

Die Kassenärztlichen Vereinigungen dürfen die Zeitvorgaben nach § 6 Abs. 2 der Anlage 28 BMV-Ä auch durch **Kilometerangaben** abbilden, solange die Zeitgrenzen gewahrt bleiben. Nach § 6 Abs. 5 sind zusätzlich die **individuelle Mobilität**, die örtlichen Verhältnisse und die öffentliche Verkehrsanbindung zu berücksichtigen; ein Hinweis auf **eingeschränkte Mobilität** kann bei der Kontaktaufnahme angegeben werden (§ 3 Abs. 1 und 3 Anlage 28 BMV-Ä).

**Kein Anspruch auf den Wunscharzt:** § 5 Abs. 1 Satz 1 der Anlage 28 BMV-Ä stellt klar, dass Versicherte **keinen Anspruch auf Vermittlung eines Termins bei einem bestimmten Arzt** haben. Können sie einen angebotenen Termin nicht wahrnehmen und teilen sie das im oder zeitnah nach dem Erstkontakt mit, **soll** die TSS einen weiteren Termin anbieten. Für probatorische Sitzungen sieht § 5 Abs. 1 Satz 3 zusätzlich einen **Therapeutenwechsel** vor, wenn es an der persönlichen Passung und damit an einer tragfähigen Arbeitsbeziehung gefehlt hat.

## Warum Praxen mitmachen: Vergütung und Meldepflicht

Nach § 75 Abs. 1a Satz 20 SGB V sind Vertragsärzte **verpflichtet**, der Terminservicestelle **freie Termine zu melden**. Termine für **Videosprechstunden** dürfen nach Satz 21 **freiwillig** gemeldet werden.

Wirtschaftlich flankiert wird die Meldepflicht über den EBM: Praxen erhalten für einen TSS-vermittelten Fall alle Untersuchungen und Behandlungen des Quartals im jeweiligen Arztgruppenfall **extrabudgetär**, also in voller Höhe, zuzüglich eines **zeitgestaffelten extrabudgetären Zuschlags** zur Versicherten-, Grund- oder Konsiliarpauschale:

| Kennzeichen | Zuschlag | Voraussetzung |
|---|---|---|
| A | 200 Prozent | Termin spätestens am Folgetag, wenn die Ersteinschätzung der TSS die Dringlichkeit bestätigt hat (TSS-Akutfall) |
| B | 100 Prozent | Termin spätestens am 4. Tag |
| C | 80 Prozent | Termin spätestens am 14. Tag |
| D | 40 Prozent | Termin spätestens am 35. Tag |

Vermittelt die **Hausarztpraxis** selbst einen dringenden Facharzttermin, rechnet sie den **Hausarztvermittlungsfall** über die GOP **03008** beziehungsweise **04008** ab – **131 Punkte** entsprechend **16,69 Euro**. Voraussetzung ist ein Termin spätestens am **4. Kalendertag** nach Feststellung der Behandlungsnotwendigkeit oder – bei medizinischer Besonderheit des Einzelfalls – spätestens am **35. Kalendertag**; ab dem **24. Tag** ist eine medizinische Begründung in der Abrechnung anzugeben. Für die Hausarztvermittlung ist **kein Dringlichkeitscode** erforderlich, wohl aber eine Überweisung.

Ergänzend müssen grundversorgende und der wohnortnahen Patientenversorgung zugehörige Fachärzte **fünf Stunden pro Woche offene Sprechstunde** ohne vorherige Terminvereinbarung anbieten (bei vollem Versorgungsauftrag); diese Leistungen werden bis zu **17,5 Prozent der Arztgruppenfälle** extrabudgetär vergütet.

## Häufige Fehler

- **„Nach spätestens vier Wochen habe ich meinen Facharzttermin."** Differenziert – die Vier-Wochen-Grenze des § 75 Abs. 1a Satz 5 SGB V betrifft die **Wartezeit**, die nach § 2 Abs. 1 Satz 3 der Anlage 28 BMV-Ä erst **nach Ablauf der einwöchigen Vermittlungsfrist** läuft. Realistisch sind bis zu rund fünf Wochen zwischen Anruf und Termin.
- **„Die 116117 vermittelt mir jeden Arzttermin, den ich will."** Falsch – es besteht **kein Anspruch auf Vermittlung bei einem bestimmten Arzt** (§ 5 Abs. 1 Satz 1 Anlage 28 BMV-Ä), und bei **Routineuntersuchungen und Bagatellerkrankungen** greifen die Regelfristen gar nicht (§ 75 Abs. 1a Satz 8 SGB V).
- **„Für jeden Termin über die 116117 brauche ich eine Überweisung mit Code."** Falsch – für **Augen- und Frauenarzt** sowie in Akutfällen sieht schon das Gesetz Ausnahmen vor (§ 75 Abs. 1a Satz 4 SGB V), und § 3 Abs. 3 der Anlage 28 BMV-Ä nimmt zusätzlich **Hausarzt, Kinder- und Jugendarzt und Psychotherapeuten** aus.
- **„Ohne Code vermittelt die 116117 trotzdem innerhalb von vier Wochen."** Falsch – außerhalb der Ausnahmefälle ist der **Nachweis des Vermittlungsanspruchs** über den Vermittlungscode Voraussetzung (§ 3 Abs. 1 Anlage 28 BMV-Ä). Ohne Code entfällt die fristgebundene Facharztvermittlung.
- **„Die 116117 ist die Notrufnummer für dringende Fälle."** Falsch – bei **lebensbedrohlichen Notfällen** gilt die **112**. Die 116117 führt Akutfälle über ein standardisiertes Ersteinschätzungsverfahren in die medizinisch gebotene Versorgungsebene (§ 75 Abs. 1a Satz 3 Nr. 4 SGB V).
- **„Auch beim Zahnarzt und beim Kieferorthopäden hilft die Terminservicestelle."** Falsch – § 75 Abs. 1a Satz 13 SGB V nimmt Behandlungen nach § 28 Abs. 2 SGB V (zahnärztlich) und § 29 SGB V (kieferorthopädisch) ausdrücklich aus; § 1 der Anlage 28 BMV-Ä wiederholt das.
- **„Wenn die TSS nichts findet, habe ich Pech gehabt."** Falsch – dann ist ein **ambulanter Behandlungstermin in einem zugelassenen Krankenhaus** anzubieten (§ 75 Abs. 1a Satz 7 SGB V), und § 76 Abs. 1a SGB V erweitert dafür die freie Arztwahl auf Krankenhäuser außerhalb der vertragsärztlichen Versorgung.
- **„Der vermittelte Arzt muss der nächstgelegene sein."** Falsch – zumutbar ist nach § 6 Abs. 1 der Anlage 28 BMV-Ä die Fahrzeit zum nächsten erreichbaren geeigneten Facharzt **plus 30 beziehungsweise 60 Minuten**.
- **„Der Termin über die TSS kostet extra."** Falsch – die Vermittlung ist für Versicherte **kostenfrei**; sie ist Teil des Sicherstellungsauftrags der Kassenärztlichen Vereinigungen.











## Quellen

- § 75 SGB V – Inhalt und Umfang der Sicherstellung (gesetze-im-internet.de): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__75.html
- § 75 SGB V – Inhalt und Umfang der Sicherstellung (dejure.org, Volltext und Änderungshistorie, Fassung ab 15.04.2026): https://dejure.org/gesetze/SGB_V/75.html
- § 76 SGB V – Freie Arztwahl (gesetze-im-internet.de): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__76.html
- § 76 SGB V – Freie Arztwahl (dejure.org): https://dejure.org/gesetze/SGB_V/76.html
- § 95 SGB V – Teilnahme an der vertragsärztlichen Versorgung: https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__95.html
- § 120 SGB V – Vergütung ambulanter Krankenhausleistungen (Ersteinschätzung nach Abs. 3b): https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__120.html
- KBV / GKV-Spitzenverband – Anlage 28 BMV-Ä, Vereinbarung über die Einrichtung von Terminservicestellen und die Vermittlung von Arztterminen (Fassung vom 06.12.2021, in Kraft 01.01.2022): https://www.kbv.de/documents/infothek/rechtsquellen/bundesmantelvertrag/anlage-28-terminservicestellen/Anlage_28_Terminservicestellen.pdf
- KBV – Terminvermittlung: Bereitstellung und Buchung der Termine, Abrechnung und Vergütung: https://www.kbv.de/praxis/praxisfuehrung/terminvermittlung
- KBV – Terminservicestellen: Evaluation (Zahlen und Fakten): https://www.kbv.de/infothek/zahlen-und-fakten/gesundheitsdaten/statistik-terminservicestellen
- KBV – Dossier Patientenservice 116117: https://www.kbv.de/positionen/dossiers/notfallversorgung/patientenservice-116117
- Verbraucherzentrale – Termin beim Facharzt nach 4 Wochen: So vermittelt Sie die Nummer 116 117: https://www.verbraucherzentrale.de/wissen/gesundheit-pflege/aerztinnen-und-kliniken/termin-beim-facharzt-nach-4-wochen-so-vermittelt-sie-die-nummer-116-117-12494
- Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) vom 06.05.2019, BGBl. I S. 646: https://dejure.org/BGBl/2019/BGBl._I_S._646
- Krankenhausreformanpassungsgesetz vom 09.04.2026, BGBl. I Nr. 98: https://dejure.org/BGBl/2026/BGBl._I_Nr._98

## Änderungsverlauf

- 2026-08-22: Erstveröffentlichung. Normtext § 75 Abs. 1a und § 76 Abs. 1a SGB V verbatim gegen dejure.org geprüft (geltende Fassung § 75 SGB V aufgrund Krankenhausreformanpassungsgesetz vom 09.04.2026, BGBl. I Nr. 98, in Kraft 15.04.2026). Fristen, Überweisungsausnahmen, Zumutbarkeitsgrenzen und Krankenhaus-Ersatztermin gegen Anlage 28 BMV-Ä (Fassung 06.12.2021) verifiziert; Vergütungsstaffel und GOP 03008/04008 gegen kbv.de. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-08-22
- Gültig ab: 2019-05-11 (TSVG, heutige Fassung des § 75 Abs. 1a SGB V)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (SGB V, Bundesmantelvertrag-Ärzte Anlage 28, KBV, GKV-Spitzenverband)
- Lizenz: CC BY 4.0
