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title: "Terminsverlegung im Zivilprozess – Aufhebung, Verlegung und Vertagung (§ 227 ZPO)"
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# Terminsverlegung im Zivilprozess – Aufhebung, Verlegung und Vertagung (§ 227 ZPO)

## Kurzantwort

Ein Gerichtstermin im Zivilprozess kann nach **§ 227 Abs. 1 ZPO** nur **aus erheblichen Gründen** aufgehoben, verlegt oder vertagt werden. Kein erheblicher Grund ist nach dem Gesetz insbesondere das **bloße Einvernehmen der Parteien**, die **mangelnde Vorbereitung** einer Partei (ohne genügende Entschuldigung) und das **Ausbleiben** einer Partei, sofern sie nicht unverschuldet verhindert ist. Eignet sich der Termin für eine **Videoverhandlung (§ 128a ZPO)** und entfällt der Grund dadurch, **soll nicht verlegt werden**. Die Gründe sind auf Verlangen **glaubhaft zu machen** (Abs. 2). Für Termine **zwischen 1. Juli und 31. August** besteht ein **Anspruch auf Verlegung**, wenn der Antrag **binnen einer Woche** nach Zugang der Ladung gestellt wird – mit gesetzlichen Ausnahmen (Abs. 3). Über Aufhebung und Verlegung entscheidet der **Vorsitzende**, über die Vertagung das **Gericht**; die Entscheidung ist **unanfechtbar** (Abs. 5).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 227 ZPO – Terminsänderung |
| Drei Formen | Aufhebung (Termin entfällt), Verlegung (neuer Termin vor Beginn), Vertagung (begonnene Verhandlung wird fortgesetzt) (Abs. 1 S. 1) |
| Voraussetzung | erhebliche Gründe (Abs. 1 S. 1) |
| Kein erheblicher Grund | Ausbleiben/Ankündigung des Nichterscheinens (außer bei unverschuldeter Verhinderung), mangelnde Vorbereitung (außer bei genügender Entschuldigung), Einvernehmen der Parteien allein (Abs. 1 S. 2 Nr. 1–3) |
| Vorrang Video | Von einer Terminsänderung soll abgesehen werden, wenn der Termin als Videoverhandlung (§ 128a) oder Beweisaufnahme nach § 284 Abs. 2 möglich ist und der Grund dadurch entfällt (Abs. 1 S. 3) |
| Glaubhaftmachung | auf Verlangen des Vorsitzenden, für eine Vertagung auf Verlangen des Gerichts (Abs. 2) |
| Sommer-Verlegungsanspruch | Termin 1. Juli bis 31. August ist auf Antrag innerhalb einer Woche nach Zugang der Ladung/Terminsbestimmung zu verlegen – nicht bei Verkündungsterminen (Abs. 3 S. 1) |
| Ausnahmen vom Sommer-Anspruch | u. a. Arrest/einstweilige Verfügung, Wohnraum-Räumungs- und Fortsetzungssachen, Wechsel-/Scheckprozesse, Bausachen über Fortsetzung eines Baus, Zwangsvollstreckungsverfahren, Schiedsverfahrens-Vollstreckbarerklärung; außerdem bei besonderem Beschleunigungsbedarf (Abs. 3 S. 2, 3) |
| Inhalt des Antrags | soll sich dazu äußern, ob gegen eine Videoverhandlung Bedenken bestehen (Abs. 4) |
| Zuständigkeit | Aufhebung/Verlegung: Vorsitzender ohne mündliche Verhandlung; Vertagung: Gericht (Abs. 5 S. 1) |
| Begründung / Anfechtung | kurz zu begründen, unanfechtbar (Abs. 5 S. 2, 3) |
| Ladungsfrist | Anwaltsprozess mindestens eine Woche, sonst mindestens drei Tage (§ 217 ZPO) |

## Termine im Zivilprozess: wer sie bestimmt

Termine zur mündlichen Verhandlung werden **von Amts wegen** bestimmt; der Vorsitzende muss sie **unverzüglich** festsetzen (§ 216 Abs. 1, 2 ZPO). Auf **Sonntage, allgemeine Feiertage oder Sonnabende** dürfen Termine nur **in Notfällen** gelegt werden (§ 216 Abs. 3 ZPO). Zwischen der Zustellung der Ladung und dem Terminstag soll die **Ladungsfrist** liegen: im **Anwaltsprozess mindestens eine Woche**, in anderen Prozessen **mindestens drei Tage** (§ 217 ZPO).

Haben die Parteien einen Termin erhalten, ist er grundsätzlich **verbindlich**. § 227 ZPO regelt abschließend, wann davon abgewichen werden darf – und zwar in drei Varianten: Der Termin wird **aufgehoben** (ersatzlos oder mit späterer Neubestimmung), **verlegt** (vor Terminsbeginn auf einen anderen Tag) oder die bereits begonnene Verhandlung wird **vertagt**.

## Was ein „erheblicher Grund" ist – und was nicht (§ 227 Abs. 1 ZPO)

Das Gesetz definiert den erheblichen Grund nicht positiv, sondern nennt in Abs. 1 Satz 2 **drei Fälle, die regelmäßig nicht genügen**:

1. **Ausbleiben oder angekündigtes Nichterscheinen einer Partei** – es sei denn, das Gericht hält die Partei für **ohne Verschulden verhindert** (etwa durch Erkrankung).
2. **Mangelnde Vorbereitung einer Partei** – es sei denn, die Partei **entschuldigt** dies genügend.
3. **Das Einvernehmen der Parteien allein.** Dass sich beide Seiten auf eine Verlegung verständigen, reicht für sich genommen **nicht** aus.

Typische Gründe, die in der Praxis als erheblich vorgetragen werden, sind etwa eine **Erkrankung** der Partei oder des Prozessbevollmächtigten, eine **Terminskollision** des Anwalts oder ein bereits **gebuchter Urlaub**. Ob ein Grund im Einzelfall erheblich ist, entscheidet der Vorsitzende bzw. das Gericht nach den Umständen; einen Automatismus sieht das Gesetz außerhalb von Abs. 3 nicht vor.

## Vorrang der Videoverhandlung (§ 227 Abs. 1 Satz 3, Abs. 4 ZPO)

Seit der Ausweitung der Videoverhandlung verlangt § 227 ZPO, zuerst die Alternative zu prüfen: Von einer Terminsänderung **soll abgesehen werden**, wenn sich der Termin für eine **Videoverhandlung nach § 128a ZPO** oder eine **Beweisaufnahme nach § 284 Abs. 2 ZPO** eignet und der erhebliche Grund **dadurch entfällt** (Abs. 1 S. 3). Wer also etwa wegen einer weiten Anreise verhindert ist, muss damit rechnen, statt einer Verlegung per Video zugeschaltet zu werden.

Folgerichtig **soll jeder Verlegungsantrag** eine **Äußerung dazu enthalten, ob gegen eine Videoverhandlung Bedenken bestehen** (Abs. 4). Einzelheiten zur Videoverhandlung: siehe [Videoverhandlung im Zivilprozess (§ 128a ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/videoverhandlung-128a-zpo.html).

## Glaubhaftmachung (§ 227 Abs. 2 ZPO)

Die erheblichen Gründe sind **auf Verlangen des Vorsitzenden** – bei einer Vertagung **auf Verlangen des Gerichts** – **glaubhaft zu machen**. Glaubhaftmachung bedeutet nach § 294 ZPO, dass sich die Partei **aller Beweismittel** bedienen und auch zur **Versicherung an Eides statt** zugelassen werden kann; die Beweise müssen **sofort** erhoben werden können. In der Praxis wird bei Krankheit typischerweise ein **ärztliches Attest** vorgelegt.

## Der Sommer-Verlegungsanspruch (§ 227 Abs. 3 ZPO)

Für Termine in der Zeit **vom 1. Juli bis 31. August** gilt eine Besonderheit: Ein solcher Termin **ist auf Antrag zu verlegen**, wenn der Antrag **innerhalb einer Woche nach Zugang der Ladung oder Terminsbestimmung** gestellt wird. Ein erheblicher Grund muss dafür **nicht** dargelegt werden – es handelt sich um einen **Anspruch**, nicht um eine Ermessensentscheidung. **Termine zur Verkündung einer Entscheidung** sind davon ausgenommen.

Der Anspruch besteht **nicht** in folgenden Sachen (Abs. 3 S. 2):

- **Arrestsachen** sowie Sachen, die eine **einstweilige Verfügung** oder **einstweilige Anordnung** betreffen,
- Streitigkeiten wegen **Überlassung, Benutzung, Räumung oder Herausgabe von Räumen** oder wegen **Fortsetzung des Mietverhältnisses über Wohnraum** nach §§ 574 bis 574b BGB,
- **Wechsel- oder Scheckprozesse**,
- **Bausachen**, wenn über die **Fortsetzung eines angefangenen Baues** gestritten wird,
- Streitigkeiten wegen **Überlassung oder Herausgabe einer Sache** an eine Person, bei der die Sache **nicht der Pfändung unterworfen** ist,
- **Zwangsvollstreckungsverfahren**,
- Verfahren der **Vollstreckbarerklärung** oder zur Vornahme richterlicher Handlungen **im Schiedsverfahren**.

Es genügt, wenn **nur einer von mehreren Ansprüchen** unter eine Ausnahme fällt. Zusätzlich ist dem Antrag **nicht zu entsprechen**, wenn das Verfahren **besonderer Beschleunigung** bedarf (Abs. 3 S. 3).

## Entscheidung und Rechtsschutz (§ 227 Abs. 5 ZPO)

Über **Aufhebung und Verlegung** entscheidet der **Vorsitzende ohne mündliche Verhandlung**; über die **Vertagung** einer bereits begonnenen Verhandlung entscheidet das **Gericht**. Die Entscheidung ist **kurz zu begründen** und **unanfechtbar**.

Wird ein berechtigter Verlegungsantrag abgelehnt und erscheint die Partei deshalb nicht, schützt die ZPO an anderer Stelle: Das Gericht **vertagt** die Verhandlung über einen Antrag auf **Versäumnisurteil**, wenn es die Partei für **ohne ihr Verschulden am Erscheinen verhindert** hält oder die Ladungsfrist zu kurz bemessen war (§ 337 ZPO). War die Partei **nicht ordnungsgemäß, insbesondere nicht rechtzeitig geladen**, ist der Antrag auf Versäumnisurteil zurückzuweisen (§ 335 Abs. 1 Nr. 2 ZPO). Gegen ein ergangenes Versäumnisurteil bleibt der **Einspruch** (siehe [Versäumnisurteil](https://nexvyra.de/fakten/versaeumnisurteil-330-zpo.html)).

## Häufige Fehler

- **„Wir sind uns doch einig":** Das Einvernehmen beider Parteien ist **allein kein** erheblicher Grund (Abs. 1 S. 2 Nr. 3). Der Antrag braucht einen eigenständigen Grund.
- **Sommerfrist verpasst:** Der Anspruch aus Abs. 3 setzt einen Antrag **binnen einer Woche nach Zugang** der Ladung voraus. Danach bleibt nur der allgemeine Weg über „erhebliche Gründe".
- **Video ignoriert:** Ein Antrag ohne Äußerung zur Videoverhandlung (Abs. 4) und ein Grund, der sich per Video erledigen ließe, führen oft zur Ablehnung (Abs. 1 S. 3).
- **Auf Bewilligung vertraut, nicht erschienen:** Solange der Termin nicht **ausdrücklich** aufgehoben oder verlegt ist, gilt er. Wer ohne Entscheidung fernbleibt, riskiert ein **Versäumnisurteil**.
- **Beschwerde eingelegt:** Die Entscheidung nach § 227 ZPO ist **unanfechtbar** (Abs. 5 S. 3).
- **Sommer-Anspruch in Eilsachen erwartet:** In Arrest-, einstweiligen Verfügungs-, Wohnraum-Räumungs- und Zwangsvollstreckungssachen gibt es ihn **nicht**.

## Geltungsbereich

§ 227 ZPO gilt für **Termine in allen Zivilprozessen** nach der ZPO, vor Amts- und Landgerichten sowie in den Rechtsmittelinstanzen. Im **arbeitsgerichtlichen Urteilsverfahren erster Instanz** gelten die ZPO-Vorschriften über das Verfahren vor den Amtsgerichten entsprechend; ausdrücklich **keine Anwendung** finden dort jedoch der **Sommer-Verlegungsanspruch** (§ 227 Abs. 3 S. 1 ZPO) sowie die **Video-Vorrangregeln** des § 227 Abs. 1 S. 3 und Abs. 4 ZPO (§ 46 Abs. 2 S. 2 ArbGG).

## Ausnahmen

- **Verkündungstermine** fallen nicht unter den Sommer-Verlegungsanspruch (Abs. 3 S. 1).
- **Eil- und Vollstreckungssachen** sind vom Sommer-Anspruch ausgenommen (Abs. 3 S. 2 Nr. 1–8).
- **Besonderer Beschleunigungsbedarf** schließt den Sommer-Anspruch aus (Abs. 3 S. 3).

## Beispiel

Eine Klägerin erhält am **2. Juni** die Ladung zu einem Termin vor dem Amtsgericht am **15. Juli** in einem Streit um eine Kaufpreisforderung. Sie stellt am **6. Juni** – also binnen einer Woche nach Zugang – einen Verlegungsantrag nach § 227 Abs. 3 ZPO und erklärt, dass gegen eine Videoverhandlung keine Bedenken bestehen. Da der Termin im Zeitraum 1. Juli bis 31. August liegt und keine Ausnahme greift, **muss** der Vorsitzende verlegen; eine Begründung des Antrags ist nicht erforderlich.

Wäre es dagegen um die **Räumung einer Wohnung** gegangen, hätte die Klägerin keinen Sommer-Anspruch gehabt (Abs. 3 S. 2 Nr. 2) und einen **erheblichen Grund** nach Abs. 1 darlegen und auf Verlangen glaubhaft machen müssen.

## Siehe auch

- [Videoverhandlung im Zivilprozess (§ 128a ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/videoverhandlung-128a-zpo.html)
- [Fristen im Zivilprozess (§§ 221–226 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/fristen-zivilprozess-221-225-zpo.html)
- [Versäumnisurteil (§§ 330 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/versaeumnisurteil-330-zpo.html)
- [Aussetzung und Unterbrechung des Verfahrens (§§ 148 ff., 239 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/aussetzung-unterbrechung-verfahren-148-239-zpo.html)
- [Wiedereinsetzung in den vorigen Stand (§§ 233 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/wiedereinsetzung-vorigen-stand-233-zpo.html)
- [Zustellung im Zivilprozess (§§ 166 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/zustellung-zivilprozess-166-zpo.html)
- [Arrest und einstweilige Verfügung (§§ 916, 935, 940 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/arrest-einstweilige-verfuegung-zpo.html)

## Änderungsverlauf

- 2026-10-04 | Erstveröffentlichung. Wortlaut von §§ 227, 216, 217, 335, 337 ZPO am 2026-10-04 per curl von gesetze-im-internet.de abgerufen (HTTP 200, `<title>` „§ … ZPO - Einzelnorm") und im Body abgeglichen; § 294 ZPO und § 46 ArbGG ebenfalls im Volltext abgeglichen (HTTP 200). Keine Euro-Werte, keine Rechtsprechung zitiert. Wikidata-Q-IDs Q206893, Q206914, Q7099379 am 2026-10-04 via Special:EntityData verifiziert. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-10-04
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 227 ZPO – Terminsänderung (Abs. 1–5 im Volltext geprüft am 2026-10-04):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__227.html
- § 216 ZPO – Terminsbestimmung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__216.html
- § 217 ZPO – Ladungsfrist:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__217.html
- § 294 ZPO – Glaubhaftmachung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__294.html
- § 335 ZPO – Unzulässigkeit einer Versäumnisentscheidung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__335.html
- § 337 ZPO – Vertagung von Amts wegen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__337.html
- § 128a ZPO – Videoverhandlung (Bezugsnorm zu § 227 Abs. 1 S. 3, Abs. 4):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__128a.html
- § 46 ArbGG – Grundsatz (Abs. 2 S. 2: § 227 Abs. 1 S. 3, Abs. 3 S. 1 und Abs. 4 ZPO im arbeitsgerichtlichen Urteilsverfahren nicht anwendbar):
  https://www.gesetze-im-internet.de/arbgg/__46.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-04
- Letzte Prüfung: 2026-10-04
- In Kraft seit: 2026-10-04
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
