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title: Testamentseröffnung (§ 348 FamFG) – Ablieferungspflicht (§ 2259 BGB), Ablauf, Kosten, Fristen
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# Testamentseröffnung (§ 348 FamFG) – Ablieferungspflicht (§ 2259 BGB), Ablauf, Kosten, Fristen

## Kurzantwort

Die **Testamentseröffnung** ist der amtliche Vorgang, mit dem das **Nachlassgericht** (Amtsgericht) eine **Verfügung von Todes wegen** – Testament, gemeinschaftliches Testament oder Erbvertrag – nach dem Tod des Erblassers öffnet, protokolliert und den Beteiligten bekannt gibt. Das Verfahren richtet sich seit dem **1. September 2009** nach den **§§ 348–351 FamFG**; die früheren **§§ 2260–2262, 2263a und 2264 BGB** sind durch das **FGG-Reformgesetz weggefallen**. Aus dem BGB gilt für diesen Bereich nur noch die **Ablieferungspflicht des § 2259 BGB** (jeder, der ein Testament besitzt, muss es nach dem Erbfall **unverzüglich** beim Nachlassgericht abliefern) sowie § 2263 BGB (Nichtigkeit eines Eröffnungsverbots). Das Gericht eröffnet die Verfügung, nimmt eine **Niederschrift** (Eröffnungsprotokoll) auf und gibt jedem Beteiligten den ihn betreffenden Inhalt **schriftlich** bekannt (§ 348 Abs. 3 FamFG). Ein förmlicher Eröffnungstermin ist **nicht mehr zwingend** – das Gericht *kann* einen Termin bestimmen (§ 348 Abs. 2 FamFG), in der Praxis erfolgt die Eröffnung meist ohne Anwesende. Für die Eröffnung fällt eine **wertunabhängige Festgebühr von 100 €** an (Nr. 12101 KV GNotKG). Die Eröffnung sagt **nichts über die Wirksamkeit** des Testaments aus; sie ist reine Verfahrenshandlung.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Verfahrensgrundlage | §§ 348–351 FamFG (seit 01.09.2009) |
| Zuständigkeit | Nachlassgericht = Amtsgericht am letzten gewöhnlichen Aufenthalt des Erblassers [§ 343 FamFG] |
| Ablieferungspflicht | Jeder Besitzer eines Testaments muss es unverzüglich abliefern (§ 2259 Abs. 1 BGB) |
| Weggefallene BGB-Normen | §§ 2260, 2261, 2262, 2263a, 2264 BGB (aufgehoben durch FGG-RG) |
| Verbliebene BGB-Normen | § 2259 (Ablieferung), § 2263 (Nichtigkeit eines Eröffnungsverbots) |
| Kern-Eröffnungsnorm | § 348 FamFG – Eröffnung durch das Nachlassgericht |
| Niederschrift | Über die Eröffnung ist eine Niederschrift aufzunehmen (§ 348 Abs. 1 S. 2 FamFG) |
| Verschlossenes Testament | In der Niederschrift ist festzustellen, ob der Verschluss unversehrt war (§ 348 Abs. 1 S. 3 FamFG) |
| Eröffnungstermin | Kann-Bestimmung – Termin ist nicht zwingend (§ 348 Abs. 2 FamFG) |
| Bekanntgabe | Schriftliche Mitteilung des betreffenden Inhalts an jeden Beteiligten (§ 348 Abs. 3 S. 1 FamFG) |
| Gemeinschaftliches Testament | Verfügungen des überlebenden Ehegatten werden nicht bekanntgegeben (§ 349 Abs. 1 FamFG) |
| Eröffnung durch anderes Gericht | Verwahrgericht eröffnet, leitet an das Nachlassgericht weiter (§ 350 FamFG) |
| 30-Jahre-Frist | Bei > 30 Jahren amtlicher Verwahrung: Prüfung, ob Erblasser noch lebt (§ 351 FamFG) |
| Gebühr Eröffnung | 100,00 € Festgebühr, wertunabhängig (Nr. 12101 KV GNotKG) |
| Zwang zur Ablieferung | Nachlassgericht kann Ablieferung durch Zwangsgeld erzwingen (§ 358 FamFG) |
| Wirkung | Reine Verfahrenshandlung – kein Nachweis der Wirksamkeit oder Erbenstellung |

## Geltungsbereich

Das Eröffnungsverfahren erfasst **jede Verfügung von Todes wegen**: das eigenhändige Testament (§ 2247 BGB), das notarielle (öffentliche) Testament (§ 2232 BGB), das gemeinschaftliche Testament von Ehegatten (§§ 2265 ff. BGB) und den Erbvertrag (§§ 2274 ff. BGB, über § 2300 BGB). Örtlich zuständig ist das **Nachlassgericht** – in Deutschland grundsätzlich das **Amtsgericht** (in Baden-Württemberg bis 2018 die staatlichen Notariate) – am **letzten gewöhnlichen Aufenthalt** des Erblassers (§ 343 FamFG). Befindet sich die Verfügung in **besonderer amtlicher Verwahrung** bei einem anderen Gericht, eröffnet dieses Verwahrgericht und übersendet die eröffnete Verfügung mit Protokoll an das Nachlassgericht (§ 350 FamFG).

## Vom Todesfall zur Eröffnung — Ablauf

**1. Sterbefallmitteilung und Testamentsregister.** Das Standesamt beurkundet den Sterbefall und meldet ihn elektronisch an das **Zentrale Testamentsregister (ZTR)** der Bundesnotarkammer. Ist dort eine Verfügung registriert, benachrichtigt das ZTR das **Verwahrgericht** und das zuständige **Nachlassgericht**. So gelangt eine amtlich verwahrte Verfügung automatisch in die Eröffnung.

**2. Ablieferung privat verwahrter Testamente (§ 2259 BGB).** Ein **zu Hause, im Bankschließfach oder beim Anwalt** aufbewahrtes Testament wird vom ZTR nicht erfasst. Wer ein solches Testament besitzt, ist **gesetzlich verpflichtet**, es nach Kenntnis vom Tod des Erblassers **unverzüglich** beim Nachlassgericht abzuliefern (§ 2259 Abs. 1 BGB) – auch dann, wenn er es für unwirksam oder widerrufen hält. Die Ablieferungspflicht trifft **jeden Besitzer**, unabhängig davon, ob er selbst begünstigt ist.

**3. Eröffnung durch das Gericht (§ 348 FamFG).** Sobald das Nachlassgericht vom Tod erfährt, eröffnet es die in seiner Verwahrung befindliche Verfügung. Über die Eröffnung wird eine **Niederschrift (Eröffnungsprotokoll)** aufgenommen; bei einem **verschlossenen** Testament wird vermerkt, ob der Verschluss unversehrt war (§ 348 Abs. 1 FamFG).

**4. Bekanntgabe an die Beteiligten (§ 348 Abs. 3 FamFG).** Jedem Beteiligten wird der **ihn betreffende Inhalt schriftlich** bekannt gegeben – heute der Regelfall. Ein **Eröffnungstermin** mit Ladung der Erben ist nur noch eine **Möglichkeit** (§ 348 Abs. 2 FamFG) und in der Praxis selten. Die Beteiligten erhalten regelmäßig eine **Kopie des eröffneten Testaments** und des Eröffnungsprotokolls.

**5. Weitere Verfahren.** Nach der Eröffnung kann ein **Erbschein** beantragt werden (§ 2353 BGB); bei notariellem Testament ist er gegenüber dem Grundbuchamt oft entbehrlich (§ 35 GBO). Wer sich übergangen fühlt, prüft **Pflichtteil** (§ 2303 BGB) oder eine **Anfechtung** (§§ 2078 ff. BGB).

## Besonderheiten beim gemeinschaftlichen Testament und Erbvertrag (§ 349 FamFG)

Bei einem **gemeinschaftlichen Testament** (z. B. Berliner Testament) werden bei der Eröffnung nach dem **ersten** Todesfall nur die Verfügungen des **verstorbenen** Ehegatten oder Lebenspartners bekannt gegeben; die trennbaren Verfügungen des **überlebenden** Ehegatten bleiben **verschlossen** und werden nicht mitgeteilt (§ 349 Abs. 1 FamFG). War das Testament in besonderer amtlicher Verwahrung, wird von den Verfügungen des Verstorbenen eine **beglaubigte Abschrift** gefertigt; das Original wird **wieder verschlossen** und zurück in Verwahrung gegeben (§ 349 Abs. 2 FamFG). Enthält das Testament nur Anordnungen zum Erbfall des Erstversterbenden – etwa die bloße gegenseitige Erbeinsetzung –, entfällt die Rückverwahrung (§ 349 Abs. 3 FamFG). Diese Regeln gelten für **Erbverträge entsprechend** (§ 349 Abs. 4 FamFG).

## Fristen

Für die Ablieferung gilt keine feste Tagesfrist, sondern das Merkmal **„unverzüglich"** – also ohne schuldhaftes Zögern (§ 2259 Abs. 1 BGB, vgl. § 121 BGB). Das Nachlassgericht **eröffnet zeitnah**, nachdem es Kenntnis vom Todesfall und von der Verfügung erlangt hat; eine gesetzliche Höchstfrist für die Eröffnung selbst besteht nicht. Eine Sonderregel gilt für **langjährig verwahrte** Verfügungen: Liegt eine Verfügung **seit mehr als 30 Jahren** in amtlicher Verwahrung, soll die verwahrende Stelle von Amts wegen ermitteln, ob der Erblasser noch lebt; lässt sich das nicht feststellen, ist die Verfügung zu eröffnen (§ 351 FamFG).

## Kosten

Für die Eröffnung einer Verfügung von Todes wegen erhebt das Nachlassgericht eine **Festgebühr von 100,00 €** (Nr. 12101 KV GNotKG). Die Gebühr ist **wertunabhängig** – sie richtet sich nicht nach dem Nachlasswert – und fällt **nur einmal** an, auch wenn mehrere Testamente desselben Erblassers zugleich eröffnet werden. Hinzu kommen **Auslagen** (Porto, Schreibauslagen für Abschriften). Die Eröffnungsgebühr ist von der (wertabhängigen) **Erbscheinsgebühr** zu unterscheiden, die nur bei einem gesonderten Erbscheinsantrag entsteht.

## Häufige Fehler

- **„Die Testamentseröffnung entscheidet über die Wirksamkeit."** Falsch – die Eröffnung ist eine **reine Verfahrenshandlung**. Das Gericht prüft dabei **nicht**, ob das Testament formgültig oder der Erblasser testierfähig war. Streit darüber wird gesondert geklärt.
- **„Ich muss mein Elternteil-Testament nicht abgeben, es ist ja unwirksam."** Falsch – die **Ablieferungspflicht** nach § 2259 BGB trifft **jeden Besitzer** unabhängig von der vermuteten (Un-)Wirksamkeit; die Nichtablieferung kann Schadensersatz auslösen und mit **Zwangsgeld** durchgesetzt werden (§ 358 FamFG).
- **„Zur Eröffnung müssen alle Erben geladen werden."** Überholt – der frühere Pflichttermin ist entfallen. Nach § 348 Abs. 2 FamFG *kann* das Gericht einen Termin bestimmen; der Regelfall ist die **schriftliche** Bekanntgabe (§ 348 Abs. 3 FamFG).
- **„Rechtsgrundlage ist § 2260 BGB."** Überholt – **§§ 2260–2262, 2263a und 2264 BGB sind weggefallen** (FGG-Reformgesetz, in Kraft seit 01.09.2009). Maßgeblich ist heute **§ 348 FamFG**; aus dem BGB gelten nur noch § 2259 (Ablieferung) und § 2263 (Nichtigkeit eines Eröffnungsverbots).
- **„Beim Berliner Testament erfahre ich sofort alles."** Differenziert – beim gemeinschaftlichen Testament werden nach dem ersten Todesfall nur die Verfügungen des **Verstorbenen** bekannt gegeben; die trennbaren Verfügungen des überlebenden Ehegatten bleiben **verschlossen** (§ 349 FamFG).
- **„Die Eröffnung kostet ein Vielfaches je nach Nachlasswert."** Falsch – die Eröffnungsgebühr ist eine **wertunabhängige Festgebühr von 100 €** (Nr. 12101 KV GNotKG); wertabhängig ist erst der **Erbschein**.



## Quellen

- § 2259 BGB – Ablieferungspflicht: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2259.html
- § 348 FamFG – Eröffnung von Verfügungen von Todes wegen durch das Nachlassgericht: https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__348.html
- § 349 FamFG – Besonderheiten bei der Eröffnung von gemeinschaftlichen Testamenten und Erbverträgen: https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__349.html
- § 350 FamFG – Eröffnung der Verfügung von Todes wegen durch ein anderes Gericht: https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__350.html
- § 351 FamFG – Eröffnungsfrist für Verfügungen von Todes wegen: https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__351.html
- § 358 FamFG – Zwang zur Ablieferung von Testamenten: https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__358.html
- § 343 FamFG – Örtliche Zuständigkeit (Nachlassgericht): https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__343.html
- § 2263 BGB – Nichtigkeit eines Verbots der Testamentseröffnung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2263.html
- § 2300 BGB – Anwendung der §§ 2259, 2263 auf Erbverträge: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2300.html
- Nr. 12101 KV GNotKG – Gebühr für die Eröffnung einer Verfügung von Todes wegen (100 €): https://www.gesetze-im-internet.de/gnotkg/anlage_1.html
- § 2259 BGB (dejure.org, Normtext-Spiegel): https://dejure.org/gesetze/BGB/2259.html
- § 348 FamFG (dejure.org, Normtext-Spiegel): https://dejure.org/gesetze/FamFG/348.html
- Zentrales Testamentsregister der Bundesnotarkammer: https://www.testamentsregister.de/

## Änderungsverlauf

- 2026-07-26: Erstveröffentlichung der Faktenseite, alle Quellen-URLs gegen amtliche Stellen gegengeprüft, Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects). | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"