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title: "Testamentsvollstrecker entlassen oder kündigen (§§ 2226, 2227 BGB) – wichtiger Grund, Antrag beim Nachlassgericht, Verfahren und Kosten"
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# Testamentsvollstrecker entlassen oder kündigen (§§ 2226, 2227 BGB) – wichtiger Grund, Antrag beim Nachlassgericht, Verfahren und Kosten

## Kurzantwort

Ein **Testamentsvollstrecker** kann sein Amt **jederzeit kündigen**; die Kündigung erfolgt durch Erklärung gegenüber dem **Nachlassgericht** (**§ 2226 BGB**). Gegen seinen Willen verliert er das Amt nur durch **Entlassung**: Das Nachlassgericht kann ihn **auf Antrag eines der Beteiligten** entlassen, wenn ein **wichtiger Grund** vorliegt – ein solcher Grund ist nach dem Gesetz **insbesondere grobe Pflichtverletzung oder Unfähigkeit zur ordnungsmäßigen Geschäftsführung** (**§ 2227 BGB**). Die Entlassung ist keine automatische Folge eines Fehlers: Das Gericht prüft den Einzelfall. Der Erblasser kann das Entlassungsrecht der Gerichte nicht ausschließen (BGH, Beschluss vom 16.05.2017 – IV ZB 25/16, zur Schiedsklausel). Daneben endet das Amt kraft Gesetzes mit dem **Tod** des Testamentsvollstreckers oder wenn die Ernennung nach § 2201 BGB unwirksam würde (**§ 2225 BGB**).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Kündigung durch den Testamentsvollstrecker | jederzeit möglich [§ 2226 Satz 1 BGB] |
| Form der Kündigung | Erklärung gegenüber dem Nachlassgericht [§ 2226 Satz 2 BGB] |
| Kündigung zur Unzeit | § 671 Abs. 2, 3 BGB entsprechend: Kündigung so, dass anderweitig Fürsorge getroffen werden kann; ohne wichtigen Grund zur Unzeit kündigen führt zum Schadensersatz [§ 2226 Satz 3 BGB] |
| Entlassung | durch das Nachlassgericht auf Antrag eines der Beteiligten [§ 2227 BGB] |
| Voraussetzung der Entlassung | wichtiger Grund [§ 2227 BGB] |
| Regelbeispiele für wichtigen Grund | grobe Pflichtverletzung; Unfähigkeit zur ordnungsmäßigen Geschäftsführung [§ 2227 BGB] |
| Amtsende kraft Gesetzes | Tod des Testamentsvollstreckers; Wegfall der Amtsfähigkeit nach § 2201 BGB [§ 2225 BGB] |
| Örtlich zuständiges Gericht | Nachlassgericht am letzten gewöhnlichen Aufenthalt des Erblassers [§ 343 Abs. 1 FamFG] |
| Wirksamwerden des Beschlusses | mit Bekanntgabe an den Beteiligten, für den er seinem wesentlichen Inhalt nach bestimmt ist [§ 40 Abs. 1 FamFG] |
| Rechtsmittel | Beschwerde [§ 58 Abs. 1 FamFG]; Frist grundsätzlich 1 Monat ab schriftlicher Bekanntgabe [§ 63 Abs. 1, 3 FamFG] |
| Einlegung der Beschwerde | bei dem Gericht, dessen Beschluss angefochten wird [§ 64 Abs. 1 FamFG] |
| Beschwerdeberechtigt | wer durch den Beschluss in seinen Rechten beeinträchtigt ist; bei zurückgewiesenem Antrag nur der Antragsteller [§ 59 Abs. 1, 2 FamFG] |
| Geschäftswert (Gerichtskosten) | 10 % des Nachlasswerts im Zeitpunkt des Erbfalls, Nachlassverbindlichkeiten nicht abgezogen [§ 65 GNotKG] |
| Akteneinsicht in die Kündigungserklärung | jedem, der ein rechtliches Interesse glaubhaft macht [§ 2228 BGB] |
| Schiedsklausel im Testament | schließt das Entlassungsverfahren vor dem Nachlassgericht nicht aus [BGH, 16.05.2017 – IV ZB 25/16] |

## Geltungsbereich

Die §§ 2225 bis 2227 BGB gelten für jede Testamentsvollstreckung nach deutschem Erbrecht, unabhängig davon, ob der Testamentsvollstrecker im Testament, durch einen Dritten oder durch das Nachlassgericht bestimmt wurde. Zur Ernennung und zu den Aufgaben siehe die Seite zur [Testamentsvollstreckung (§§ 2197 ff. BGB)](/fakten/testamentsvollstreckung-2197-bgb.html). Diese Seite behandelt allein das **vorzeitige Ende des Amts**: Kündigung (§ 2226 BGB), Erlöschen (§ 2225 BGB) und Entlassung (§ 2227 BGB).

## Kündigung durch den Testamentsvollstrecker (§ 2226 BGB)

Das Amt ist freiwillig: Der Ernannte muss es nicht annehmen (§ 2202 BGB), und er kann es auch **nach der Annahme jederzeit niederlegen**. Die Kündigung ist gegenüber dem **Nachlassgericht** zu erklären (§ 2226 Satz 2 BGB), nicht gegenüber den Erben. Ein Grund muss nicht angegeben werden.

Über **§ 2226 Satz 3 BGB** gilt **§ 671 Abs. 2 und 3 BGB** entsprechend (Auftragsrecht). Das bedeutet:

- Der Testamentsvollstrecker darf nur in der Art kündigen, dass für die Besorgung der Geschäfte **anderweitig Fürsorge** getroffen werden kann, es sei denn, ein **wichtiger Grund** rechtfertigt die unzeitige Kündigung (§ 671 Abs. 2 Satz 1 BGB).
- Kündigt er ohne wichtigen Grund **zur Unzeit**, muss er den daraus entstehenden **Schaden ersetzen** (§ 671 Abs. 2 Satz 2 BGB).
- Liegt ein wichtiger Grund vor, darf er auch dann kündigen, wenn er auf das Kündigungsrecht **verzichtet** hat (§ 671 Abs. 3 BGB).

## Entlassung durch das Nachlassgericht (§ 2227 BGB)

### Wer kann den Antrag stellen?

Antragsberechtigt ist **„einer der Beteiligten"** (§ 2227 BGB). Gemeint sind die Personen, deren Rechte durch die Testamentsvollstreckung unmittelbar berührt werden, vor allem **Erben** (auch Miterben) und **Vermächtnisnehmer**. Ein Antrag setzt keine bestimmte Form oder Begründungsfrist voraus; das Gericht klärt den Sachverhalt von Amts wegen im Rahmen des FamFG-Verfahrens.

### Was ist ein wichtiger Grund?

Das Gesetz nennt zwei **Regelbeispiele**: **grobe Pflichtverletzung** und **Unfähigkeit zur ordnungsmäßigen Geschäftsführung** (§ 2227 BGB). Die Aufzählung ist nicht abschließend („insbesondere"). Typische Fallgruppen in der Praxis sind Verstöße gegen die zwingenden Pflichten nach §§ 2215, 2216, 2218 und 2219 BGB (siehe § 2220 BGB), etwa das Unterlassen des **Nachlassverzeichnisses** (§ 2215 BGB), eine nicht ordnungsmäßige Verwaltung (§ 2216 BGB) oder das **Verweigern der Rechnungslegung** (§ 2218 BGB).

Zur Rechnungslegung hat der Bundesgerichtshof entschieden (Beschluss vom 16.05.2017 – IV ZB 25/16): Ein wichtiger Grund kann vorliegen, wenn der Testamentsvollstrecker **trotz mehrfacher Aufforderung nicht Rechnung legt**. Die Entlassung ist aber **nicht zwingend**; das Gericht hat zu prüfen, ob überwiegende Gründe für einen Verbleib im Amt sprechen, und es ist regelmäßig **Verschulden** erforderlich – ein bloßer Rechtsirrtum des Testamentsvollstreckers reicht nicht. Diese Aussagen beruhen auf der veröffentlichten Beschlussbegründung; eine weitere Prüfung der obergerichtlichen Rechtsprechung zu einzelnen Fallgruppen (etwa Interessenkonflikte oder Zerwürfnis mit den Erben) ist offen.

### Schiedsklausel im Testament

Der Erblasser kann den Streit um die Entlassung nicht einseitig im Testament einem **Schiedsgericht** zuweisen und so die staatlichen Gerichte ausschließen. Der BGH begründet dies damit, dass die Verfügungsbefugnis des Erblassers bei den Kernpflichten des Testamentsvollstreckers endet (§ 2220 BGB) und § 2227 BGB diese Pflichten verfahrensrechtlich absichert; die Entscheidung wirke zudem gegenüber allen Nachlassbeteiligten (BGH, Beschluss vom 16.05.2017 – IV ZB 25/16).

## Verfahren, Rechtsmittel und Kosten

**Zuständigkeit:** Das Nachlassgericht am letzten gewöhnlichen Aufenthalt des Erblassers (§ 343 Abs. 1 FamFG); bei fehlendem inländischem Aufenthalt gelten § 343 Abs. 2 und 3 FamFG.

**Entscheidung:** Das Gericht entscheidet durch **Beschluss**, der mit **Bekanntgabe** wirksam wird (§ 40 Abs. 1 FamFG).

**Beschwerde:** Gegen den Beschluss ist die **Beschwerde** statthaft (§ 58 Abs. 1 FamFG). Sie ist grundsätzlich **binnen eines Monats** einzulegen; die Frist beginnt mit der schriftlichen Bekanntgabe (§ 63 Abs. 1 und 3 FamFG). Eingelegt wird sie bei dem Gericht, dessen Beschluss angefochten wird (§ 64 Abs. 1 FamFG). Das Beschwerdegericht kann vor seiner Entscheidung eine **einstweilige Anordnung** erlassen und insbesondere die Vollziehung aussetzen (§ 64 Abs. 3 FamFG). Beschwerdeberechtigt ist, wer durch den Beschluss in seinen Rechten beeinträchtigt ist; wurde der Antrag zurückgewiesen, steht die Beschwerde nur dem Antragsteller zu (§ 59 FamFG).

**Kosten:** Der Geschäftswert für das Verfahren über die Entlassung beträgt **10 Prozent des Nachlasswerts** im Zeitpunkt des Erbfalls; Nachlassverbindlichkeiten werden nicht abgezogen (§ 65 GNotKG). Die Höhe der Gerichtsgebühr ergibt sich aus dem Kostenverzeichnis zum GNotKG und wurde hier nicht im Einzelnen geprüft.

## Folgen der Entlassung oder Kündigung

Mit Ende des Amts endet die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis des Testamentsvollstreckers; der Erbe erlangt die Verfügungsmacht über den Nachlass zurück, soweit nicht ein neuer Testamentsvollstrecker bestimmt wird. Ob und wie ein **Nachfolger** zu ernennen ist, richtet sich nach den Anordnungen im Testament und nach §§ 2198 bis 2200 BGB; Ersatzvollstrecker können im Testament vorgesehen werden. Für **Pflichtverletzungen während der Amtszeit** haftet der Testamentsvollstrecker unabhängig von der Entlassung nach **§ 2219 BGB** auf Schadensersatz gegenüber dem Erben und – soweit ein Vermächtnis zu vollziehen ist – dem Vermächtnisnehmer, wenn ihm ein Verschulden zur Last fällt.

## Typische Fehler

- **„Wir kündigen dem Testamentsvollstrecker einfach."** Falsch – nur der **Testamentsvollstrecker selbst** kann kündigen (§ 2226 BGB). Erben und Vermächtnisnehmer können seine Entlassung nur beim **Nachlassgericht** beantragen (§ 2227 BGB).
- **„Jeder Fehler führt zur Entlassung."** Falsch – erforderlich ist ein **wichtiger Grund**; das Gericht wägt ab, und regelmäßig muss ein Verschulden vorliegen (BGH, 16.05.2017 – IV ZB 25/16).
- **„Der Erblasser kann die Entlassung im Testament ausschließen oder einem Schiedsgericht übertragen."** Falsch – das Entlassungsrecht nach § 2227 BGB lässt sich nicht einseitig abbedingen (BGH, 16.05.2017 – IV ZB 25/16; vgl. § 2220 BGB).
- **„Der Testamentsvollstrecker kann zur Unzeit ohne Folgen kündigen."** Falsch – ohne wichtigen Grund besteht bei Kündigung zur Unzeit eine Schadensersatzpflicht (§ 2226 Satz 3 BGB i. V. m. § 671 Abs. 2 BGB).
- **„Die Beschwerde muss bei der nächsthöheren Instanz eingelegt werden."** Falsch – sie wird bei dem Gericht eingelegt, dessen Beschluss angefochten wird (§ 64 Abs. 1 FamFG).

## Verwandte Themen

- [Testamentsvollstreckung (§§ 2197 ff. BGB)](/fakten/testamentsvollstreckung-2197-bgb.html)
- [Nachlassgericht – örtliche Zuständigkeit (§ 343 FamFG)](/fakten/nachlassgericht-zustaendigkeit-343-famfg.html)
- [Erbschein (§ 2353 BGB)](/fakten/erbschein-2353-bgb.html)

## Änderungsverlauf

- 2026-10-13: Erstveröffentlichung. Normtexte der §§ 2201, 2216, 2218, 2219, 2225–2228, 671 BGB, §§ 40, 58, 59, 63, 64, 343 FamFG und § 65 GNotKG am 13.10.2026 gegen gesetze-im-internet.de geprüft. BGH IV ZB 25/16 über gesetze.co gelesen; die dejure.org-Seite bestätigte die Entscheidung nicht. Deshalb factcheck_status review_needed. | change_type=new_page reviewed_by="Nexvyra Erbrecht-Agent"

## Stand

- Stand: 2026-10-13
- Gültig ab: 1900-01-01 (Inkrafttreten BGB; Fassung geprüft am 13.10.2026)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, FamFG, GNotKG)
- factcheck_status: review_needed (BGH-Entscheidung nicht über dejure.org verifizierbar; Gerichtsgebühr nicht geprüft)
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 2225 BGB – Erlöschen des Amts des Testamentsvollstreckers:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2225.html
- § 2226 BGB – Kündigung durch den Testamentsvollstrecker:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2226.html
- § 2227 BGB – Entlassung des Testamentsvollstreckers:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2227.html
- § 2228 BGB – Akteneinsicht:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2228.html
- § 671 BGB – Widerruf; Kündigung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__671.html
- § 2201 BGB – Unwirksamkeit der Ernennung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2201.html
- § 2216 BGB – Ordnungsmäßige Verwaltung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2216.html
- § 2218 BGB – Rechtsverhältnis zum Erben; Rechnungslegung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2218.html
- § 2219 BGB – Haftung des Testamentsvollstreckers:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2219.html
- § 343 FamFG – Örtliche Zuständigkeit:
  https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__343.html
- § 40 FamFG – Wirksamwerden:
  https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__40.html
- § 58 FamFG – Statthaftigkeit der Beschwerde:
  https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__58.html
- § 59 FamFG – Beschwerdeberechtigte:
  https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__59.html
- § 63 FamFG – Beschwerdefrist:
  https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__63.html
- § 64 FamFG – Einlegung der Beschwerde:
  https://www.gesetze-im-internet.de/famfg/__64.html
- § 65 GNotKG – Ernennung und Entlassung von Testamentsvollstreckern:
  https://www.gesetze-im-internet.de/gnotkg/__65.html
- BGH, Beschluss vom 16.05.2017 – IV ZB 25/16 (dejure.org):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=16.05.2017&Aktenzeichen=IV%20ZB%2025/16
- BGH, Beschluss vom 16.05.2017 – IV ZB 25/16 (Volltext):
  https://gesetze.co/urteile/IV_ZB_25-16

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-13
- Letzte Prüfung: 2026-10-13
- In Kraft seit: 1900-01-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
