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title: Transfer Impact Assessment (TIA) – Datentransfer-Folgenabschätzung (Art. 46 DSGVO, VO 2016/679) nach Schrems II (C-311/18)
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# Transfer Impact Assessment (TIA) – Datentransfer-Folgenabschätzung (Art. 46 DSGVO, VO 2016/679) nach Schrems II (C-311/18)

## Kurzantwort

Ein **Transfer Impact Assessment (TIA)** – deutsch **Datentransfer-Folgenabschätzung** – ist die verpflichtende **Einzelfallprüfung**, ob bei einer Übermittlung personenbezogener Daten in ein **Drittland** (Staat außerhalb EU/EWR ohne Angemessenheitsbeschluss) das Recht und die Praxis des Ziellandes ein **der EU im Wesentlichen gleichwertiges Schutzniveau** gewährleisten. Rechtlicher Auslöser ist das **Schrems-II-Urteil des EuGH vom 16. Juli 2020 (Rechtssache C-311/18, ECLI:EU:C:2020:559)**: Der Gerichtshof erklärte den **EU-US Privacy Shield für ungültig** und stellte klar, dass **Standardvertragsklauseln (SCC)** zwar gültig bleiben, der **Datenexporteur** aber **vor jeder Übermittlung** prüfen muss, ob der Importeur die Garantien im Drittland tatsächlich einhalten kann. Ist das nicht der Fall, sind **zusätzliche (ergänzende) Maßnahmen** zu ergreifen oder die Übermittlung ist **auszusetzen**.

Das TIA ist damit die praktische Umsetzung von **Art. 46 DSGVO** (Übermittlung vorbehaltlich geeigneter Garantien) in Verbindung mit der **Rechenschaftspflicht nach Art. 5 Abs. 2 DSGVO**: Die Prüfung muss **dokumentiert** werden. Methodische Grundlage sind die **Empfehlungen 01/2020 des Europäischen Datenschutzausschusses (EDSA/EDPB)** – angenommen am **10. November 2020**, finale Fassung (Version 2.0) vom **18. Juni 2021** –, die einen **6-Schritte-Ansatz** vorgeben. Seit dem **EU-US Data Privacy Framework (Angemessenheitsbeschluss (EU) 2023/1795 vom 10. Juli 2023)** entfällt das TIA für Übermittlungen an **DPF-zertifizierte** US-Empfänger; für alle übrigen Drittländer und nicht zertifizierte US-Importeure bleibt es Pflicht.

Wer ohne dokumentiertes TIA auf SCC-Basis in ein Drittland übermittelt, verstößt gegen **Kapitel V DSGVO** – das fällt in den **höheren Bußgeldrahmen des Art. 83 Abs. 5 DSGVO: bis zu 20 Mio. € oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes** (der höhere Wert gilt).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Was | Einzelfallprüfung des Schutzniveaus vor Drittlandübermittlung (Datentransfer-Folgenabschätzung) |
| Rechtsgrundlage | **Art. 46 DSGVO** i. V. m. **Art. 44** (allgemeiner Grundsatz) und **Art. 5 Abs. 2 DSGVO** (Rechenschaftspflicht) [VO 2016/679] |
| Auslösendes Urteil | **EuGH, 16.07.2020, C-311/18 „Schrems II"** (ECLI:EU:C:2020:559) |
| Kernaussage Schrems II | Privacy Shield **ungültig**; SCC **gültig**, aber **Einzelfallprüfung** durch Exporteur nötig |
| Methodik | **EDSA/EDPB-Empfehlungen 01/2020**, 6-Schritte-Ansatz |
| EDPB-Empfehlungen angenommen | **10. November 2020** (zur öffentlichen Konsultation) |
| EDPB-Empfehlungen final | **18. Juni 2021** (Version 2.0) |
| Wer muss prüfen | **Datenexporteur** (Verantwortlicher oder Auftragsverarbeiter in der EU/EWR) |
| Wann | **vor** der Übermittlung; danach **regelmäßige Neubewertung** |
| Verankerung in SCC | **Klausel 14** der SCC (Durchführungsbeschluss (EU) 2021/914) verlangt das TIA ausdrücklich |
| Dokumentationspflicht | ja – Nachweis gegenüber Aufsichtsbehörde (Art. 5 Abs. 2 DSGVO) |
| Ergänzende Maßnahmen | z. B. **starke Verschlüsselung**, Pseudonymisierung, „Split/Multi-Party-Processing" |
| Ausnahme US-Transfer | **kein TIA** bei Übermittlung an **DPF-zertifizierte** US-Empfänger (Beschluss (EU) 2023/1795) |
| Ausnahmen (ohne Garantien) | Art. 49 DSGVO (z. B. ausdrückliche Einwilligung, Vertragserfüllung) – nur eng, kein Dauerinstrument |
| Sanktionsrahmen | **bis 20 Mio. € oder 4 % des weltweiten Jahresumsatzes** [Art. 83 Abs. 5 DSGVO] |
| Beweislast | beim **Exporteur** (Rechenschaftspflicht) |

## Geltungsbereich

Ein TIA ist erforderlich, wenn personenbezogene Daten aus der **EU/EWR** in ein **Drittland** übermittelt werden und die Übermittlung auf **geeignete Garantien nach Art. 46 DSGVO** gestützt wird – typischerweise **Standardvertragsklauseln (SCC)** oder **verbindliche interne Datenschutzvorschriften (Binding Corporate Rules, BCR)**.

Kein TIA ist nötig, wenn

- das Zielland über einen **Angemessenheitsbeschluss** der EU-Kommission nach **Art. 45 DSGVO** verfügt (z. B. Schweiz, Vereinigtes Königreich, Japan, Kanada – kommerzieller Bereich) oder
- der US-Empfänger nach dem **EU-US Data Privacy Framework** (Beschluss (EU) 2023/1795) **zertifiziert** ist; dann gilt für diese Übermittlung ein Angemessenheitsniveau.

Wichtig: Eine Übermittlung liegt bereits vor, wenn Daten für einen Dienstleister im Drittland **zugänglich** sind (Fernzugriff, Support, Cloud-Speicherung) – nicht erst beim physischen „Versenden". Auch **Unterauftragsverarbeiter** in Drittländern lösen die Prüfpflicht aus.

## Detail: Der 6-Schritte-Ansatz des EDSA (Empfehlungen 01/2020)

Der Europäische Datenschutzausschuss gibt für das TIA sechs Schritte vor:

1. **Kenntnis der eigenen Übermittlungen** – Daten-Mapping: Welche Daten gehen an wen, wohin, in welchem Umfang?
2. **Übermittlungsinstrument bestimmen** – Angemessenheitsbeschluss (Art. 45), geeignete Garantie (Art. 46, meist SCC/BCR) oder Ausnahme (Art. 49).
3. **Rechtslage und Praxis im Drittland bewerten** – bietet das Recht des Ziellandes ein **im Wesentlichen gleichwertiges** Schutzniveau, insbesondere mit Blick auf **Zugriffsrechte von Behörden/Nachrichtendiensten** und effektiven Rechtsschutz?
4. **Ergänzende Maßnahmen identifizieren** – falls das Schutzniveau nicht ausreicht: technische (z. B. Verschlüsselung mit ausschließlich EU-seitigem Schlüssel), vertragliche und organisatorische Maßnahmen.
5. **Maßnahmen umsetzen** – ggf. formale Verfahrensschritte (bei BCR/SCC-Anpassungen).
6. **Regelmäßige Neubewertung** – das Schutzniveau im Drittland fortlaufend überwachen und das TIA aktualisieren.

Kommt die Prüfung zu dem Ergebnis, dass auch mit ergänzenden Maßnahmen **kein gleichwertiges Schutzniveau** erreichbar ist, muss die Übermittlung **unterbleiben oder ausgesetzt** werden.

## Detail: Verhältnis zu SCC, DPF und Art. 49-Ausnahmen

Das TIA ersetzt die geeignete Garantie nicht, sondern ergänzt sie. **Klausel 14 der Standardvertragsklauseln** (Durchführungsbeschluss (EU) 2021/914) verpflichtet beide Parteien ausdrücklich, vor der Übermittlung zu prüfen und zu dokumentieren, ob die Klauseln im Drittland eingehalten werden können.

Für die **USA** hat der Angemessenheitsbeschluss **(EU) 2023/1795** die Lage vereinfacht: Übermittlungen an **DPF-zertifizierte** Empfänger gelten als angemessen und benötigen **kein TIA** und keine SCC. Für **nicht zertifizierte** US-Empfänger sowie **alle anderen Drittländer ohne Angemessenheitsbeschluss** bleibt das TIA verpflichtend.

Die **Ausnahmen des Art. 49 DSGVO** (z. B. ausdrückliche Einwilligung, Erforderlichkeit zur Vertragserfüllung) erlauben Übermittlungen ohne geeignete Garantien – aber nur **einzelfallbezogen, gelegentlich und eng ausgelegt**; sie taugen nach Auffassung des EDSA **nicht** als Grundlage für **regelmäßige, dauerhafte** Datenflüsse.

## Häufige Fehler

- **„SCC unterschreiben reicht."** Nein – nach Schrems II und Klausel 14 der SCC ist zusätzlich ein **dokumentiertes TIA** nötig. Ohne diese Prüfung ist die Drittlandübermittlung rechtswidrig.
- **„Für US-Dienste brauche ich immer ein TIA."** Nicht mehr, wenn der Anbieter **DPF-zertifiziert** ist (Beschluss (EU) 2023/1795). Prüfen Sie die Zertifizierung auf der offiziellen DPF-Liste; für nicht zertifizierte Empfänger bleibt das TIA Pflicht.
- **„Ein TIA macht man einmal."** Nein – Art. 46 DSGVO und der EDSA verlangen eine **regelmäßige Neubewertung**, da sich Rechtslage und Praxis im Drittland ändern können.
- **„Die Einwilligung nach Art. 49 löst alles."** Nein – Art. 49 ist eine **eng begrenzte Ausnahme** für Einzelfälle, kein Ersatz für Garantien bei laufenden Datenflüssen.
- **„Cloud-Speicherung in der EU = kein Drittlandbezug."** Nicht zwingend – wenn ein außereuropäischer Mutterkonzern oder Support-Team **Zugriff** hat, liegt bereits eine Übermittlung vor.













## Quellen

- Verordnung (EU) 2016/679 (DSGVO) – Art. 44–49 (Kapitel V: Übermittlungen an Drittländer), Volltext (EUR-Lex):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32016R0679#d1e4691-1-1
- EuGH, Urteil v. 16.07.2020, C-311/18 „Schrems II" (Ungültigkeit Privacy Shield, Prüfpflicht bei SCC) – amtlicher Volltext (EUR-Lex, CELEX:62018CJ0311):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:62018CJ0311
- EuGH, 16.07.2020, C-311/18 (Schrems II) – Rechtsprechungsnachweis (dejure.org):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=EuGH&Datum=16.07.2020&Aktenzeichen=C-311%2F18
- Europäischer Datenschutzausschuss (EDSA/EDPB) – Empfehlungen 01/2020 zu Maßnahmen, die Übermittlungswerkzeuge ergänzen (6-Schritte-Ansatz):
  https://www.edpb.europa.eu/our-work-tools/our-documents/recommendations/recommendations-012020-measures-supplement-transfer_de
- Durchführungsbeschluss (EU) 2021/914 (Standardvertragsklauseln, Klausel 14 = TIA), Volltext (EUR-Lex, CELEX:32021D0914):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32021D0914
- Durchführungsbeschluss (EU) 2023/1795 vom 10. Juli 2023 (EU-US Data Privacy Framework), Volltext (EUR-Lex, CELEX:32023D1795):
  https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32023D1795
- Europäische Kommission – Internationale Datenübermittlungen (Angemessenheit, SCC, DPF):
  https://commission.europa.eu/law/law-topic/data-protection/international-dimension-data-protection_de
- BfDI – Internationaler Datenverkehr / Drittlandsübermittlung (Grundlagen):
  https://www.bfdi.bund.de/DE/Fachthemen/Inhalte/Europa-Internationales/Internationaler_Datentransfer.html

## Änderungsverlauf

- 2026-07-25: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Transfer Impact Assessment (TIA/Datentransfer-Folgenabschätzung) als Einzelfall-Prüfpflicht nach Art. 46 i. V. m. Art. 5 Abs. 2 und Art. 44 DSGVO (VO 2016/679) dargestellt; rechtlicher Auslöser EuGH C-311/18 „Schrems II" (16.07.2020, ECLI:EU:C:2020:559, Privacy Shield ungültig, SCC gültig mit Einzelfallprüfung) über EUR-Lex (CELEX:62018CJ0311) und dejure.org-Permalink verankert; 6-Schritte-Methodik der EDSA/EDPB-Empfehlungen 01/2020 (angenommen 10.11.2020, finale Version 2.0 vom 18.06.2021) aufgenommen; Verhältnis zu SCC-Klausel 14 (Durchführungsbeschluss (EU) 2021/914) und EU-US Data Privacy Framework (Beschluss (EU) 2023/1795) sowie Art. 49-Ausnahmen erläutert; Bußgeldrahmen Art. 83 Abs. 5 DSGVO (bis 20 Mio. € / 4 %). factcheck_status=review_needed, da TIA auf interpretativer EDSA-Leitlinie beruht und keine einheitliche gesetzliche Frist trägt. | change_type=initial_publication reviewed_by="Andreas Warkentin" field="topic_lifecycle" new="published"

## Stand

- Stand: 2026-07-25
- Gültig ab: 2020-07-16 (EuGH-Urteil C-311/18 „Schrems II")
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (EUR-Lex, EuGH, EU-Kommission, EDSA/EDPB, BfDI)
- Lizenz: CC BY 4.0
