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title: Unabdingbarkeit des Pauschalreiserechts (§ 651y BGB) – halbzwingendes Recht, Umgehungsverbot, unwirksame Reisebedingungen
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# Unabdingbarkeit des Pauschalreiserechts (§ 651y BGB) – halbzwingendes Recht, Umgehungsverbot, unwirksame Reisebedingungen

## Kurzantwort

**§ 651y BGB** macht das gesamte Pauschalreiserecht der **§§ 651a–651x BGB** zu **halbzwingendem Recht**: Von diesen Vorschriften darf, soweit nichts anderes bestimmt ist, **nicht zum Nachteil des Reisenden abgewichen werden** (Satz 1). **Satz 2** ergänzt ein **Umgehungsverbot** – die Vorschriften gelten auch dann, wenn sie „durch anderweitige Gestaltungen umgangen werden". Praktisch heißt das: Eine Klausel in Reisebedingungen, die dem Reisenden weniger gibt als das Gesetz, ist **unwirksam**, und zwar unabhängig davon, ob sie in AGB steht oder individuell ausgehandelt wurde. **Zugunsten** des Reisenden darf dagegen jederzeit abgewichen werden – Kulanzregelungen, längere Fristen oder höhere Erstattungen sind zulässig. „Soweit nichts anderes bestimmt ist" verweist auf die Stellen, an denen das Gesetz eine vertragliche Gestaltung **ausdrücklich erlaubt**: die Entschädigungspauschale beim Rücktritt (§ 651h Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 BGB), der Preiserhöhungsvorbehalt (§ 651f Abs. 1 BGB) und die Haftungsbeschränkung auf den dreifachen Reisepreis (§ 651p Abs. 1 BGB). **Gar nicht** anwendbar ist das Pauschalreiserecht – und damit auch § 651y BGB – auf die drei in **§ 651a Abs. 5 BGB** ausgenommenen Vertragstypen (Gelegenheitsreisen, Tagesreisen bis 500 €, Geschäftsreisen auf Rahmenvertragsbasis). Die Vorschrift wurde durch das **Dritte Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften** vom 17.07.2017 (BGBl. I S. 2394) eingefügt und gilt seit dem **01.07.2018**.

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 651y BGB – Abweichende Vereinbarungen [dejure.org, Normtext] |
| Erfasster Regelungsbereich | Untertitel 4: §§ 651a–651x BGB [§ 651y Satz 1 BGB] |
| Charakter der Vorschrift | halbzwingend (einseitig zwingend zugunsten des Reisenden) [§ 651y Satz 1 BGB] |
| Abweichung zum Nachteil des Reisenden | unzulässig [§ 651y Satz 1 BGB] |
| Abweichung zugunsten des Reisenden | zulässig [§ 651y Satz 1 BGB – Umkehrschluss] |
| Umgehungsverbot | Vorschriften gelten auch bei „anderweitigen Gestaltungen" [§ 651y Satz 2 BGB] |
| Erfasste Vereinbarungsformen | AGB **und** Individualvereinbarung [§ 651y Satz 1 BGB] |
| In Kraft seit | 01.07.2018 (Drittes Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften vom 17.07.2017) [BGBl. I S. 2394] |
| Unionsrechtlicher Hintergrund | Reisende dürfen auf ihre Rechte aus der Richtlinie nicht verzichten [Erwägungsgrund 46 RL (EU) 2015/2302] |
| Ausdrücklich zugelassene Abweichung 1 | Entschädigungspauschale beim Rücktritt [§ 651h Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 BGB] |
| Ausdrücklich zugelassene Abweichung 2 | Preiserhöhungsvorbehalt, Grenze 8 % [§ 651f Abs. 1 BGB, § 651g Abs. 1 BGB] |
| Ausdrücklich zugelassene Abweichung 3 | Haftungsbeschränkung auf dreifachen Reisepreis [§ 651p Abs. 1 BGB] |
| Ausdrücklich zugelassene Abweichung 4 | Einbeziehung kurzer Gastschul-/Praktikumsaufenthalte durch Vereinbarung [§ 651u Abs. 1 Satz 2 BGB] |
| Bereichsausnahme Gelegenheitsreisen | nicht gewerbsmäßig, begrenzter Personenkreis [§ 651a Abs. 5 Nr. 1 BGB] |
| Bereichsausnahme Tagesreisen | unter 24 Stunden, ohne Übernachtung, Reisepreis bis 500 € [§ 651a Abs. 5 Nr. 2 BGB] |
| Bereichsausnahme Geschäftsreisen | Rahmenvertrag mit unternehmerisch handelndem Reisenden [§ 651a Abs. 5 Nr. 3 BGB] |
| Rechtsfolge einer Verstoßklausel | Unwirksamkeit; Vertrag bleibt im Übrigen wirksam [§ 306 Abs. 1, 2 BGB] |
| Zusätzlicher Prüfmaßstab in AGB | Inhaltskontrolle [§ 307 Abs. 1, Abs. 2 Nr. 1 BGB] |
| Berufung des Verwenders auf eigene unwirksame AGB | ausgeschlossen [BGH, 04.12.1997 – VII ZR 187/96] |
| Kollektive Durchsetzung | Unterlassungsanspruch bei Verstoß gegen §§ 651a ff. BGB [§ 2 Nr. 1 UKlaG] |
| Auslandsbezug (Insolvenzsicherung) | Sonderanknüpfung für Drittstaaten-Veranstalter [Art. 46c EGBGB] |
| Zeitpunkt der Unwirksamkeit | ex tunc – die Klausel entfaltet von Anfang an keine Wirkung [§ 306 Abs. 1 BGB] |

## Der Wortlaut

> „¹Von den Vorschriften dieses Untertitels darf, soweit nichts anderes bestimmt ist, nicht zum Nachteil des Reisenden abgewichen werden. ²Die Vorschriften dieses Untertitels finden, soweit nichts anderes bestimmt ist, auch Anwendung, wenn sie durch anderweitige Gestaltungen umgangen werden." (§ 651y BGB)

Die Vorschrift wurde durch das **Dritte Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften vom 17.07.2017** (BGBl. I S. 2394) neu in das BGB eingefügt und ist am **01.07.2018** in Kraft getreten – gemeinsam mit dem gesamten neu gefassten Untertitel 4 (§§ 651a–651y BGB).

„Dieser Untertitel" ist **Untertitel 4 des Titels 9 im Abschnitt 8 des Buches 2 des BGB**: „Pauschalreisevertrag, Reisevermittlung und Vermittlung verbundener Reiseleistungen", also die **§§ 651a bis 651y BGB**. Erfasst sind damit nicht nur die Pflichten des Reiseveranstalters, sondern auch die Vorschriften über den **Reisevermittler** (§ 651v BGB), über **verbundene Reiseleistungen** (§ 651w BGB) und über die **Haftung für Buchungsfehler** (§ 651x BGB).

## Was „halbzwingend" bedeutet

§ 651y Satz 1 BGB wirkt **in nur eine Richtung**:

- **Nach unten gesperrt:** Jede Regelung, die den Reisenden schlechter stellt als das Gesetz, ist unwirksam. Beispiele: eine Verkürzung der Verjährung unter zwei Jahre (§ 651j BGB), ein Ausschluss der Minderung (§ 651m BGB), ein Ausschluss der Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit (§ 651n Abs. 2 BGB) oder eine Klausel, die die Mängelanzeige an eine Ausschlussfrist bindet, die § 651o BGB nicht vorsieht.
- **Nach oben offen:** Regelungen **zugunsten** des Reisenden sind zulässig und bleiben wirksam. Ein Veranstalter darf eine dreijährige Verjährungsfrist, kostenfreie Umbuchungen oder großzügigere Stornostaffeln versprechen – daran ist er gebunden.

Anders als §§ 305 ff. BGB unterscheidet § 651y BGB **nicht zwischen AGB und Individualvereinbarung**. Auch eine ausgehandelte Einzelabrede kann das Schutzniveau der §§ 651a–651x BGB nicht unterschreiten. Das ist der entscheidende Unterschied zur allgemeinen AGB-Kontrolle, die nach § 305 Abs. 1 Satz 3 BGB gerade nicht für Individualabreden gilt.

Ebenfalls unerheblich ist, ob der Reisende **Verbraucher** ist. § 651y BGB knüpft an den Begriff des „Reisenden" an, nicht an § 13 BGB. Wer als Unternehmer eine Pauschalreise bucht, ohne dass ein Rahmenvertrag im Sinne des § 651a Abs. 5 Nr. 3 BGB vorliegt, ist ebenfalls geschützt.

## Satz 2: das Umgehungsverbot

§ 651y **Satz 2** BGB richtet sich gegen **Konstruktionen**, die den Anwendungsbereich der §§ 651a ff. BGB formal vermeiden, ihn der Sache nach aber unterlaufen. Der Gesetzgeber hat damit eine Auffangregelung geschaffen, die über die reine Klauselkontrolle hinausgeht: Es genügt nicht, dass keine nachteilige Klausel im Vertrag steht – auch die **Vertragsgestaltung als solche** darf das Schutzregime nicht aushebeln.

Typische Fallgruppen, in denen die Umgehungsfrage geprüft wird:

- **Etikettierung als „Vermittlung":** Ein Anbieter bezeichnet sich als bloßer Vermittler von Einzelleistungen, tritt aus Sicht des Reisenden aber als Veranstalter auf. Diese Abgrenzung regelt bereits **§ 651b BGB** eigenständig; § 651y Satz 2 BGB verstärkt sie.
- **Zerlegung in Einzelverträge:** Zwei Reiseleistungen werden künstlich in getrennte Verträge oder getrennte Buchungsvorgänge aufgespalten, um den Pauschalreisebegriff des § 651a Abs. 2 BGB zu vermeiden. Für Online-Buchungsketten enthält **§ 651c BGB** dazu eine ausdrückliche Regelung.
- **Zuschnitt auf eine Bereichsausnahme:** Eine Reise wird preislich oder zeitlich so gestaltet, dass sie formal unter § 651a Abs. 5 BGB fällt – etwa durch Aufteilung des Reisepreises einer Tagesreise, um die 500-Euro-Grenze zu unterschreiten.
- **Vorgeschaltete Verzichtserklärungen:** Der Reisende soll vor oder bei Buchung erklären, auf bestimmte gesetzliche Rechte zu verzichten.

Unionsrechtlich entspricht das der Vorgabe der Pauschalreiserichtlinie. **Erwägungsgrund 46 der Richtlinie (EU) 2015/2302** formuliert dazu im Wortlaut: „Es sollte bekräftigt werden, dass Reisende nicht auf ihre Rechte aus dieser Richtlinie verzichten dürfen und dass sich Reiseveranstalter oder Unternehmer, die verbundene Reiseleistungen vermitteln, ihren Pflichten nicht dadurch entziehen dürfen, dass sie geltend machen, lediglich als Erbringer von Reiseleistungen, Vermittler oder in anderer Eigenschaft tätig zu sein."

## Wo das Gesetz Abweichungen ausdrücklich zulässt

Der Vorbehalt „soweit nichts anderes bestimmt ist" ist kein Generalvorbehalt, sondern verweist auf **einzelne Normen**, die eine vertragliche Gestaltung selbst vorsehen. Die praktisch wichtigsten:

| Norm | Was vereinbart werden darf | Grenze |
|---|---|---|
| § 651h Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 BGB | **Entschädigungspauschale** („Stornostaffel") für den Rücktritt vor Reisebeginn | muss **angemessen** sein; gestaffelt nach Zeit bis Reisebeginn; ersparte Aufwendungen und anderweitige Verwendung sind zu berücksichtigen |
| § 651f Abs. 1 BGB | **Preiserhöhungsvorbehalt** | nur bei Beförderungskosten, Steuern/Abgaben, Wechselkursen; Hinweis auf Preissenkung und Berechnungsangabe erforderlich; Unterrichtung spätestens 20 Tage vor Reisebeginn |
| § 651g Abs. 1 BGB | – | einseitige Erhöhung nur bis **8 %** des Reisepreises; darüber nur als Angebot mit Rücktrittsrecht |
| § 651p Abs. 1 BGB | **Haftungsbeschränkung** | nur für Nicht-Körperschäden **und** nicht schuldhaft verursachte Schäden; Untergrenze **dreifacher Reisepreis** |
| § 651u Abs. 1 Satz 2 BGB | **Einbeziehung** kürzerer Gastschulaufenthalte oder Praktikumsaufenthalte in das Regime der §§ 651a ff. BGB | Vereinbarung wirkt hier zugunsten des Reisenden |

Wichtig ist die Blickrichtung: Diese Normen erlauben **nicht** eine Abweichung vom Gesetz, sondern räumen dem Vertrag einen **Gestaltungsspielraum innerhalb** des gesetzlichen Rahmens ein. Die Stornostaffel darf frei kalkuliert werden – aber nur bis zur Grenze der Angemessenheit. Die Haftung darf gedeckelt werden – aber nicht unter den dreifachen Reisepreis. Wer diese Grenzen überschreitet, verstößt gegen § 651y BGB.

## Wo § 651y BGB gar nicht greift

§ 651y BGB schützt nur, soweit die §§ 651a ff. BGB überhaupt anwendbar sind. **§ 651a Abs. 5 BGB** nimmt drei Vertragstypen vollständig aus:

1. **Gelegenheitsreisen** – Reisen, die „nur gelegentlich, nicht zum Zwecke der Gewinnerzielung und nur einem begrenzten Personenkreis angeboten werden". Klassischer Fall: die Vereins- oder Gemeindefahrt ohne Gewinnerzielungsabsicht. Alle drei Merkmale müssen kumulativ vorliegen.
2. **Tagesreisen** – Reisen, die „weniger als 24 Stunden dauern und keine Übernachtung umfassen" **und** deren Reisepreis **500 Euro nicht übersteigt**. Beide Voraussetzungen müssen zusammentreffen: Eine Tagesreise für 600 € ist eine Pauschalreise.
3. **Geschäftsreisen auf Rahmenvertragsbasis** – Reisen, die „auf der Grundlage eines Rahmenvertrags für die Organisation von Geschäftsreisen mit einem Reisenden, der Unternehmer ist, für dessen unternehmerische Zwecke geschlossen werden". Ohne Rahmenvertrag bleibt es beim vollen Pauschalreiserecht.

In diesen drei Fällen gilt allgemeines Vertragsrecht. Der Reisende ist dann nicht schutzlos, aber sein Schutz folgt aus **§§ 305–310 BGB** (AGB-Kontrolle), §§ 320 ff. BGB und gegebenenfalls den Vorschriften über Verbraucherverträge – nicht aus dem Pauschalreiserecht.

## Verhältnis zur AGB-Kontrolle

§ 651y BGB und die §§ 305 ff. BGB stehen **nebeneinander**, nicht in einem Ausschlussverhältnis:

- Eine Klausel in Reisebedingungen, die vom halbzwingenden Pauschalreiserecht zum Nachteil des Reisenden abweicht, ist **schon nach § 651y BGB unwirksam**. Auf eine Angemessenheitsprüfung kommt es dann nicht mehr an.
- Bleibt die Klausel innerhalb des gesetzlich eröffneten Spielraums (etwa eine Stornostaffel nach § 651h Abs. 2 BGB), ist sie zusätzlich an **§ 307 BGB** zu messen. Der Prüfungsmaßstab des § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB – Unvereinbarkeit mit wesentlichen Grundgedanken der gesetzlichen Regelung – bekommt hier besonderes Gewicht, weil das Leitbild in §§ 651a ff. BGB ausformuliert ist.
- Die **Rechtsfolge** richtet sich nach **§ 306 BGB**: Die unwirksame Klausel entfällt, der Vertrag bleibt im Übrigen wirksam, und an die Stelle der Klausel treten die gesetzlichen Vorschriften. Eine **geltungserhaltende Reduktion** – also das Zurückschneiden einer zu weit gehenden Klausel auf das gerade noch Zulässige – findet nicht statt.
- Der **Verwender** kann sich auf die Unwirksamkeit seiner eigenen Allgemeinen Geschäftsbedingungen **nicht berufen** (BGH, Urteil vom 04.12.1997 – VII ZR 187/96). Ist eine Stornoklausel für den Reisenden günstiger als die gesetzliche Lage, kann der Veranstalter sie also nicht nachträglich als unwirksam behandeln.

Verstöße gegen die §§ 651a ff. BGB können außerdem **kollektiv** verfolgt werden: Nach **§ 2 Nr. 1 UKlaG** sind die Vorschriften des Pauschalreiserechts Verbraucherschutzgesetze, deren Verletzung qualifizierte Einrichtungen und Verbände zum Unterlassungsanspruch berechtigt.

## Streitstand: Wahlrecht zwischen Pauschale und konkreter Abrechnung

Praktisch am häufigsten wird § 651y BGB im Zusammenhang mit **Stornobedingungen** diskutiert. Streitig ist, ob sich ein Reiseveranstalter in seinen Reisebedingungen **vorbehalten** darf, statt der vereinbarten Entschädigungspauschale eine **höhere konkret berechnete Entschädigung** nach § 651h Abs. 2 Satz 2 BGB zu verlangen.

- Das **LG Halle** (Urteil vom 17.05.2022 – 3 O 159/21) hat ein solches formularmäßiges Wahlrecht des Reiseveranstalters für **unwirksam** gehalten.
- Das **OLG Naumburg** (Urteil vom 02.03.2023 – 4 U 72/22) hat dieses Urteil **abgeändert**. Herangezogene Normen sind § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB, § 651h Abs. 1 Satz 3, Abs. 2 Satz 2, Abs. 3 Satz 1 BGB und Art. 12 Abs. 1 RL (EU) 2015/2302. In derselben Entscheidung hat das Gericht auch den Grundsatz bestätigt, dass sich der **Verwender** nicht auf die Unwirksamkeit seiner eigenen AGB berufen kann (unter Verweis auf BGH VII ZR 187/96).
- Das **OLG Schleswig** (Urteil vom 18.03.2024 – 16 U 74/23) hat sich der Linie des OLG Naumburg angeschlossen und sie ausdrücklich als „vorzugswürdige Gegenauffassung" bezeichnet, die gegen einen solchen Vorbehalt **keine Bedenken** hat.
- Das **AG Frankfurt am Main** (Urteil vom 21.08.2025 – 31039 C 77/25) referiert den Stand als überwiegende Auffassung: Ist die Pauschalierungsklausel unwirksam, bleibt dem Veranstalter der Rückgriff auf die **konkrete Abrechnung** eröffnet.

Eine **höchstrichterliche** Entscheidung zu dieser Frage liegt bislang nicht vor. Wer sich auf die Unwirksamkeit einer Stornoklausel beruft, sollte einkalkulieren, dass der Veranstalter dann konkret abrechnen darf – der Wegfall der Pauschale bedeutet nicht automatisch, dass keine Entschädigung geschuldet ist.

Für die **kostenfreie** Stornierung wegen außergewöhnlicher Umstände ist der Maßstab davon unabhängig: Nach **BGH, Urteil vom 30.08.2022 – X ZR 66/21** kann die Covid-19-Pandemie einen Umstand im Sinne des § 651h Abs. 3 BGB darstellen, wenn im Reisezeitraum die Infektionsgefahr am Zielort auch unter Beachtung aller zumutbaren Vorkehrungen bestand. Die Darlegungslast für ersparte Aufwendungen und anderweitigen Erwerb trägt der Veranstalter; entfallen Einsparungen wegen der Preisgestaltung eines **verbundenen Unternehmens**, sind Angaben zu dessen Ersparnissen erforderlich (**BGH, Urteil vom 24.05.2022 – X ZR 12/21**).

## Auslandsbezug

§ 651y BGB regelt nur das **materielle** Schutzniveau, nicht die Frage, welches Recht überhaupt anwendbar ist. Für Pauschalreisen enthält das deutsche Kollisionsrecht eine eigene Sonderanknüpfung:

**Art. 46c Abs. 1 EGBGB** ordnet an, dass die Vorschriften zur Umsetzung des **Art. 17 der Richtlinie (EU) 2015/2302** – also die Regeln über die **Insolvenzsicherung** – anzuwenden sind, wenn der Reiseveranstalter seine Niederlassung weder in der EU noch im EWR hat, aber in einem Mitglied- oder EWR-Staat Pauschalreiseverträge schließt, anbietet oder seine Tätigkeit dorthin ausrichtet. **Absatz 2 und 3** enthalten Parallelregelungen für Vermittler verbundener Reiseleistungen (Art. 19 der Richtlinie). Auch Art. 46c EGBGB wurde durch das Dritte Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften eingefügt und gilt seit dem 01.07.2018.

Zu beachten ist die **Reichweite**: Art. 46c EGBGB erstreckt nicht den gesamten Untertitel, sondern gezielt die **Insolvenzsicherungsvorschriften** auf Drittstaatensachverhalte. Für die übrigen Fragen bleibt es bei den allgemeinen Kollisionsregeln, ergänzt um **Art. 46b EGBGB**, der bei einer Rechtswahl zugunsten eines Drittstaatenrechts die Anwendung der verbraucherschützenden Umsetzungsvorschriften sichert, wenn der Vertrag einen engen Zusammenhang mit dem Gebiet eines EU- oder EWR-Staates aufweist.

## Häufige Irrtümer

- **„Was ich unterschrieben habe, gilt."** Nicht im Pauschalreiserecht. Eine Klausel, die unter das gesetzliche Niveau geht, ist nach § 651y Satz 1 BGB unwirksam – auch mit Unterschrift.
- **„§ 651y BGB gilt nur für AGB."** Falsch. Die Vorschrift erfasst **jede** Vereinbarung, auch die individuell ausgehandelte.
- **„Der Veranstalter darf nie von den §§ 651a ff. BGB abweichen."** Zu weit. Abweichungen **zugunsten** des Reisenden sind zulässig, und §§ 651f, 651h und 651p BGB eröffnen ausdrücklich Gestaltungsspielräume.
- **„Jede Tagesreise ist vom Pauschalreiserecht ausgenommen."** Nur, wenn sie **unter 24 Stunden** dauert, **keine Übernachtung** umfasst **und** der Reisepreis **500 € nicht übersteigt** (§ 651a Abs. 5 Nr. 2 BGB).
- **„Jede Geschäftsreise ist ausgenommen."** Nur bei einem **Rahmenvertrag** für die Organisation von Geschäftsreisen mit einem unternehmerisch handelnden Reisenden (§ 651a Abs. 5 Nr. 3 BGB).
- **„Wenn der Anbieter sich Vermittler nennt, gilt kein Reiserecht."** Falsch. Maßgeblich ist die Sicht des Reisenden nach § 651b BGB; § 651y Satz 2 BGB sperrt zusätzlich Umgehungsgestaltungen.
- **„Ist die Stornostaffel unwirksam, muss ich nichts zahlen."** Nicht gesichert. Nach OLG Naumburg 4 U 72/22, OLG Schleswig 16 U 74/23 und AG Frankfurt 31039 C 77/25 bleibt dem Veranstalter der Rückgriff auf die konkrete Abrechnung nach § 651h Abs. 2 Satz 2 BGB.
- **„Der Veranstalter kann sich auf die Unwirksamkeit seiner eigenen Klausel berufen."** Nein – der Verwender ist daran gehindert (BGH VII ZR 187/96).
- **„Eine unwirksame Klausel wird auf das zulässige Maß gekürzt."** Nein, eine geltungserhaltende Reduktion findet nicht statt; es gilt § 306 BGB.

## Was Reisende praktisch prüfen sollten

1. **Reisebedingungen mit dem Gesetz abgleichen** – besonders die Punkte Verjährung (§ 651j BGB: zwei Jahre), Mängelanzeige (§ 651o BGB), Minderung (§ 651m BGB), Entschädigung für nutzlos aufgewendete Urlaubszeit (§ 651n Abs. 2 BGB) und Haftungsgrenzen (§ 651p Abs. 1 BGB: nicht unter dem dreifachen Reisepreis).
2. **Anwendungsbereich klären** – handelt es sich überhaupt um eine Pauschalreise (§ 651a Abs. 1–4 BGB) und greift keine Ausnahme des § 651a Abs. 5 BGB?
3. **Bei Stornoklauseln differenzieren** – die Staffel selbst ist zulässig; unzulässig ist nur eine Ausgestaltung, die nicht mehr angemessen ist oder die gesetzlichen Bemessungskriterien ignoriert.
4. **Auf Verzichtserklärungen achten** – Formulare, die einen Verzicht auf gesetzliche Ansprüche vorsehen, laufen nach § 651y BGB und Erwägungsgrund 46 der Richtlinie ins Leere.
5. **Kollektiven Weg mitdenken** – bei systematisch verwendeten unwirksamen Klauseln kann eine Verbraucherzentrale nach § 2 Nr. 1 UKlaG Unterlassung verlangen.

## Quellen

- § 651y BGB – Abweichende Vereinbarungen: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651y.html
- § 651y BGB – Normtext und Änderungsübersicht (dejure.org): https://dejure.org/gesetze/BGB/651y.html
- § 651a BGB – Vertragstypische Pflichten beim Pauschalreisevertrag, Bereichsausnahmen Abs. 5: https://dejure.org/gesetze/BGB/651a.html
- § 651f BGB – Änderungsvorbehalte; Preissenkung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651f.html
- § 651g BGB – Erhebliche Vertragsänderungen (8-%-Grenze): https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651g.html
- § 651h BGB – Rücktritt vor Reisebeginn: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651h.html
- § 651p BGB – Zulässige Haftungsbeschränkung; Anrechnung: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__651p.html
- § 651u BGB – Gastschulaufenthalte: https://dejure.org/gesetze/BGB/651u.html
- § 306 BGB – Rechtsfolgen bei Nichteinbeziehung und Unwirksamkeit: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__306.html
- § 307 BGB – Inhaltskontrolle: https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__307.html
- § 2 UKlaG – Ansprüche bei verbraucherschutzgesetzwidrigen Praktiken: https://www.gesetze-im-internet.de/uklag/__2.html
- Art. 46b EGBGB – Verbraucherschutz für besondere Gebiete: https://dejure.org/gesetze/EGBGB/46b.html
- Art. 46c EGBGB – Pauschalreisen und verbundene Reiseleistungen: https://dejure.org/gesetze/EGBGB/46c.html
- Richtlinie (EU) 2015/2302 über Pauschalreisen und verbundene Reiseleistungen (Erwägungsgrund 46): https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/HTML/?uri=CELEX:32015L2302
- BGH, Urteil vom 04.12.1997 – VII ZR 187/96 (Verwender kann sich nicht auf Unwirksamkeit eigener AGB berufen): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=04.12.1997&Aktenzeichen=VII%20ZR%20187/96
- BGH, Urteil vom 30.08.2022 – X ZR 66/21 (Covid-19 als außergewöhnlicher Umstand, § 651h Abs. 3 BGB): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=30.08.2022&Aktenzeichen=X%20ZR%2066/21
- BGH, Urteil vom 24.05.2022 – X ZR 12/21 (Darlegungslast des Veranstalters, verbundene Unternehmen): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=24.05.2022&Aktenzeichen=X%20ZR%2012/21
- OLG Naumburg, Urteil vom 02.03.2023 – 4 U 72/22 (formularmäßiges Wahlrecht des Veranstalters): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Naumburg&Datum=02.03.2023&Aktenzeichen=4%20U%2072/22
- LG Halle, Urteil vom 17.05.2022 – 3 O 159/21 (Vorinstanz, gegenteilige Auffassung): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=LG%20Halle&Datum=17.05.2022&Aktenzeichen=3%20O%20159/21
- OLG Schleswig, Urteil vom 18.03.2024 – 16 U 74/23 (Anschluss an OLG Naumburg): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Schleswig&Datum=18.03.2024&Aktenzeichen=16%20U%2074/23
- AG Frankfurt/Main, Urteil vom 21.08.2025 – 31039 C 77/25 (Rückgriff auf konkrete Abrechnung): https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=AG%20Frankfurt/Main&Datum=21.08.2025&Aktenzeichen=31039%20C%2077/25
- Rechtsprechungsübersicht zu § 651y BGB (dejure.org): https://dejure.org/dienste/lex/BGB/651y/1.html

## Änderungsverlauf

- 2026-08-19: Erstveröffentlichung. Wortlaut des § 651y BGB (Sätze 1 und 2) wortlautgenau von dejure.org übernommen; Einfügung durch das Dritte Gesetz zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften vom 17.07.2017 (BGBl. I S. 2394) und Inkrafttreten am 01.07.2018 aus der Änderungsübersicht verifiziert → `valid_from: 2018-07-01`. Bereichsausnahmen des § 651a Abs. 5 Nr. 1–3 BGB (Gelegenheitsreisen; Tagesreisen unter 24 Stunden ohne Übernachtung bis 500 € Reisepreis; Geschäftsreisen auf Rahmenvertragsbasis) am Normtext gegengelesen. § 651u Abs. 1 Satz 2 und Abs. 4 BGB am Normtext geprüft. Die ausdrücklich zugelassenen Abweichungen (§ 651h Abs. 1 Satz 3 und Abs. 2, § 651f Abs. 1, § 651g Abs. 1, § 651p Abs. 1 BGB) aus den bereits factgecheckten Bestandsseiten `pauschalreise-ruecktritt-651h-bgb`, `reisepreiserhoehung-651f-bgb` und `haftungsbeschraenkung-anrechnung-651p-bgb` übernommen. Unionsrechtlicher Hintergrund über den **wörtlich gelesenen Erwägungsgrund 46** der Richtlinie (EU) 2015/2302 im amtlichen EUR-Lex-Volltext belegt; auf die Nennung einer Artikelnummer der Richtlinie wurde bewusst verzichtet, weil die EUR-Lex-Auslieferung an diesem Lauftag nach Artikel 16 abbrach und der Artikelteil nicht vollständig gegengelesen werden konnte. Rechtsprechung über dejure.org verifiziert (Gericht, Datum, Aktenzeichen, Normenkette, Verfahrensgang): OLG Naumburg 4 U 72/22 (02.03.2023, Normenkette § 307 Abs. 2 Nr. 1 BGB, § 651h Abs. 1 S. 3, Abs. 2 S. 2, Abs. 3 S. 1 BGB, Art. 12 Abs. 1 RL (EU) 2015/2302; Verfahrensgang LG Halle 3 O 159/21 → OLG Naumburg), LG Halle 3 O 159/21 (17.05.2022), OLG Schleswig 16 U 74/23 (18.03.2024), AG Frankfurt/Main 31039 C 77/25 (21.08.2025), BGH X ZR 66/21 (30.08.2022), BGH X ZR 12/21 (24.05.2022), BGH VII ZR 187/96 (04.12.1997). Art. 46b und Art. 46c EGBGB am Normtext geprüft; Reichweite des Art. 46c EGBGB ausdrücklich auf die Umsetzungsvorschriften zu Art. 17 bzw. Art. 19 RL (EU) 2015/2302 (Insolvenzsicherung) begrenzt dargestellt. § 2 Nr. 1 UKlaG als Verweisnorm über die Querverweisliste zu § 651a BGB verifiziert. Keine unbelegten Aktenzeichen; keine höchstrichterliche Entscheidung zum Wahlrecht zwischen Pauschale und konkreter Abrechnung behauptet. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-08-19
- Gültig ab: 2018-07-01 (Inkrafttreten des Dritten Gesetzes zur Änderung reiserechtlicher Vorschriften)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, EGBGB, UKlaG, EU-Richtlinie, BGH, OLG)
- Lizenz: CC BY 4.0
