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title: "Untervermächtnis und Nachvermächtnis (§§ 2186–2191 BGB) – Fälligkeit, Haftung des Hauptvermächtnisnehmers, Kürzung, Nachvermächtnis und Erbschaftsteuer"
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# Untervermächtnis und Nachvermächtnis (§§ 2186–2191 BGB) – Fälligkeit, Haftung des Hauptvermächtnisnehmers, Kürzung, Nachvermächtnis und Erbschaftsteuer

## Kurzantwort

Ein Vermächtnis muss nicht vom Erben erfüllt werden: Der Erblasser kann auch einen **Vermächtnisnehmer** mit einem weiteren Vermächtnis beschweren (§ 2147 Satz 1 BGB). Das nennt man **Untervermächtnis**. Der beschwerte Hauptvermächtnisnehmer muss das Untervermächtnis erst erfüllen, wenn er **selbst** die Erfüllung seines eigenen Vermächtnisses verlangen kann (§ 2186 BGB). Er haftet nur mit dem, was er aus dem Vermächtnis erhält, und kann die Erfüllung insoweit auch **nach der Annahme** verweigern (§ 2187 Abs. 1 BGB). Wird sein eigenes Vermächtnis gekürzt (etwa wegen eines Pflichtteils), darf er die ihm auferlegten Beschwerungen **verhältnismäßig kürzen** (§ 2188 BGB); der Erblasser kann durch Verfügung von Todes wegen einen **Vorrang** anordnen (§ 2189 BGB). Ein **Nachvermächtnis** liegt vor, wenn derselbe Gegenstand ab einem späteren Zeitpunkt oder Ereignis nach dem Anfall einem Dritten zustehen soll; dann gilt der erste Vermächtnisnehmer als beschwert (§ 2191 Abs. 1 BGB). Ohne andere Bestimmung fällt es mit dem **Tod des Vorvermächtnisnehmers** an (§ 2191 Abs. 2 i. V. m. § 2106 Abs. 1 BGB). Erbschaftsteuerlich stehen Nachvermächtnisse den **Nacherbschaften gleich** (§ 6 Abs. 4 ErbStG).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | §§ 2147, 2186–2189, 2191 BGB; § 6 Abs. 4 ErbStG [gesetze-im-internet.de] |
| Untervermächtnis | Ein Vermächtnisnehmer wird selbst mit einem Vermächtnis beschwert [§ 2147 Satz 1 BGB] |
| Fälligkeit des Untervermächtnisses | erst, wenn der Hauptvermächtnisnehmer die Erfüllung seines eigenen Vermächtnisses verlangen kann [§ 2186 BGB] |
| Gilt auch für | eine Auflage, mit der ein Vermächtnisnehmer beschwert ist [§ 2186 BGB] |
| Haftungsgrenze des Hauptvermächtnisnehmers | Leistungsverweigerung, soweit das aus dem Vermächtnis Erlangte nicht ausreicht – auch nach Annahme [§ 2187 Abs. 1 BGB] |
| Wegfall des beschwerten Vermächtnisnehmers | wer nach § 2161 BGB an seine Stelle tritt, haftet nicht weiter als dieser [§ 2187 Abs. 2 BGB] |
| Überschwerung | § 1992 BGB gilt entsprechend [§ 2187 Abs. 3 BGB] |
| Kürzungsrecht nach unten | bei Kürzung wegen Haftungsbeschränkung des Erben, Pflichtteilsanspruch oder § 2187 BGB: Beschwerungen verhältnismäßig kürzbar, sofern kein anderer Erblasserwille [§ 2188 BGB] |
| Vorranganordnung | Erblasser kann durch Verfügung von Todes wegen einem Vermächtnis oder einer Auflage Vorrang geben [§ 2189 BGB] |
| Nachvermächtnis | Gegenstand ab einem nach dem Anfall eintretenden Zeitpunkt/Ereignis einem Dritten zugewendet – erster Vermächtnisnehmer gilt als beschwert [§ 2191 Abs. 1 BGB] |
| Entsprechend anwendbar | §§ 2102, 2106 Abs. 1, 2107, 2110 Abs. 1 BGB [§ 2191 Abs. 2 BGB] |
| Anfall ohne Bestimmung | mit dem Tod des Vorvermächtnisnehmers [§ 2106 Abs. 1 BGB entspr.] |
| Zweifel Ersatz- oder Nachvermächtnis | im Zweifel Ersatzvermächtnis; das Nachvermächtnis enthält im Zweifel auch ein Ersatzvermächtnis [§ 2102 BGB entspr.] |
| Schwebezeit | Recht des Nachvermächtnisnehmers wie bei aufschiebend bedingter Leistung [§ 2179 BGB] |
| 30-Jahres-Grenze | aufschiebend bedingtes/befristetes Vermächtnis wird 30 Jahre nach dem Erbfall unwirksam, wenn Bedingung/Termin nicht eingetreten ist [§ 2162 Abs. 1 BGB]; Ausnahmen in § 2163 BGB |
| Erbschaftsteuer Nachvermächtnis | steht der Nacherbschaft gleich [§ 6 Abs. 4 ErbStG]; Erwerb gilt als vom Vorvermächtnisnehmer stammend, auf Antrag Verhältnis zum Erblasser [§ 6 Abs. 2 ErbStG] |
| Erbschaftsteuer beim Tod des Beschwerten fällige Vermächtnisse | ebenfalls Nacherbschaften gleichgestellt [§ 6 Abs. 4 ErbStG; BFH, 31.08.2021 – II R 2/20] |

## Das Untervermächtnis (§ 2147 Satz 1, § 2186 BGB)

Mit einem Vermächtnis kann **der Erbe oder ein Vermächtnisnehmer** beschwert werden (§ 2147 Satz 1 BGB). Ist ein Vermächtnisnehmer beschwert, spricht man vom **Untervermächtnis**; der beschwerte Vermächtnisnehmer heißt **Hauptvermächtnisnehmer**. Typische Gestaltungen:

- Die Tochter erhält per Vermächtnis eine Eigentumswohnung und soll ihrem Bruder daraus eine **Geldzahlung** leisten.
- Der Neffe erhält ein Wertpapierdepot und soll der Haushaltshilfe einen **festen Betrag** zukommen lassen.
- Der Vermächtnisnehmer eines Hauses soll der Witwe ein **Wohnungsrecht** einräumen (zur Gestaltung siehe [Nießbrauchsvermächtnis und Wohnungsrecht](./niessbrauchsvermaechtnis-wohnungsrecht-1030-1093-bgb.md)).

Der Untervermächtnisnehmer hat einen **eigenen schuldrechtlichen Anspruch** – aber nicht gegen den Erben, sondern gegen den Hauptvermächtnisnehmer (§ 2174 BGB i. V. m. § 2147 BGB). Schuldner ist allein der Beschwerte.

> **§ 2186 BGB:** „Ist ein Vermächtnisnehmer mit einem Vermächtnis oder einer Auflage beschwert, so ist er zur Erfüllung erst dann verpflichtet, wenn er die Erfüllung des ihm zugewendeten Vermächtnisses zu verlangen berechtigt ist."

**Fälligkeit folgt dem Hauptvermächtnis.** Der Hauptvermächtnisnehmer soll nicht leisten müssen, bevor er selbst etwas bekommen kann. Ist sein eigenes Vermächtnis aufschiebend bedingt oder befristet (§ 2177 BGB), oder hat der Erblasser die Fälligkeit hinausgeschoben, verschiebt sich die Pflicht zur Erfüllung des Untervermächtnisses entsprechend. Die Vorschrift gilt ausdrücklich auch für eine **Auflage**, mit der ein Vermächtnisnehmer beschwert ist (zur Auflage siehe [Auflage (§ 2192 BGB)](./auflage-2192-bgb.md)).

**Wegfall des Hauptvermächtnisnehmers.** Schlägt der Hauptvermächtnisnehmer aus oder fällt er sonst weg, bleibt das Untervermächtnis im Zweifel wirksam: Es belastet dann denjenigen, dem der Wegfall unmittelbar zustatten kommt (§ 2161 BGB). Dieser haftet nach § 2187 Abs. 2 BGB **nicht weiter**, als der ursprüngliche Vermächtnisnehmer gehaftet hätte. Zur Ausschlagung durch den Hauptvermächtnisnehmer siehe [Vermächtnis ausschlagen (§ 2180 BGB)](./vermaechtnis-ausschlagung-2180-bgb.md).

## Haftung des Hauptvermächtnisnehmers (§ 2187 BGB)

> **§ 2187 Abs. 1 BGB:** „Ein Vermächtnisnehmer, der mit einem Vermächtnis oder einer Auflage beschwert ist, kann die Erfüllung auch nach der Annahme des ihm zugewendeten Vermächtnisses insoweit verweigern, als dasjenige, was er aus dem Vermächtnis erhält, zur Erfüllung nicht ausreicht."

Der Hauptvermächtnisnehmer haftet für Untervermächtnisse und Auflagen nur **gegenständlich beschränkt** – mit dem, was er aus seinem Vermächtnis tatsächlich erhält. Anders als der Erbe (§§ 1967, 1975 ff. BGB) braucht er dafür **keine Nachlassverwaltung, keine Nachlassinsolvenz und kein Inventar**: Die Beschränkung ergibt sich unmittelbar aus dem Gesetz und gilt **auch nach der Annahme** des Vermächtnisses. Er muss sie im Prozess allerdings als **Einrede** geltend machen; ein Vorbehalt im Urteil ist über § 786 ZPO möglich (§ 786 ZPO verweist auf § 2187 BGB).

**Überschwerung (§ 2187 Abs. 3 i. V. m. § 1992 BGB).** Reicht der Wert des Hauptvermächtnisses nicht für alle Untervermächtnisse und Auflagen, kann der Hauptvermächtnisnehmer entsprechend § 1992 BGB vorgehen: Er darf die Befriedigung insoweit verweigern, als das Erlangte nicht ausreicht, und kann die Herausgabe des Restbestands durch Zahlung des Werts abwenden. Zur Erbenhaftung im Überblick siehe [Erbenhaftung (§ 1967 BGB)](./erbenhaftung-1967-bgb.md) und [Dürftigkeitseinrede (§ 1990 BGB)](./duerftigkeitseinrede-nachlassinsolvenz-1990-bgb.md).

## Kürzung und Vorrang (§§ 2188, 2189 BGB)

> **§ 2188 BGB:** „Wird die einem Vermächtnisnehmer gebührende Leistung auf Grund der Beschränkung der Haftung des Erben, wegen eines Pflichtteilsanspruchs oder in Gemäßheit des § 2187 gekürzt, so kann der Vermächtnisnehmer, sofern nicht ein anderer Wille des Erblassers anzunehmen ist, die ihm auferlegten Beschwerungen verhältnismäßig kürzen."

Die Vorschrift gibt eine Kürzung, die den Hauptvermächtnisnehmer trifft, **anteilig nach unten weiter**. Drei Auslöser nennt das Gesetz:

1. **Haftungsbeschränkung des Erben** – der Erbe muss das Hauptvermächtnis wegen Nachlassverwaltung, Nachlassinsolvenz oder Dürftigkeit (§§ 1975, 1990, 1992 BGB) nicht voll erfüllen.
2. **Pflichtteilsanspruch** – der Erbe kürzt das Hauptvermächtnis nach § 2318 Abs. 1 BGB anteilig um die Pflichtteilslast (siehe [Pflichtteilslast und Kürzungsrecht (§ 2318 BGB)](./pflichtteilslast-kuerzungsrecht-2318-bgb.md)).
3. **§ 2187 BGB** – ein übergeordneter Vermächtnisnehmer erfüllt nur beschränkt, sodass eine Kette von Untervermächtnissen entsteht.

**Vorranganordnung (§ 2189 BGB).** Der Erblasser kann durch Verfügung von Todes wegen anordnen, dass ein bestimmtes Vermächtnis oder eine bestimmte Auflage im Kürzungsfall **Vorrang** vor den übrigen Beschwerungen hat. Damit lässt sich etwa sicherstellen, dass ein Versorgungsvermächtnis für den überlebenden Partner ungekürzt bleibt, während andere Zuwendungen zuerst zurücktreten. Ohne eine solche Anordnung gilt die **verhältnismäßige** Kürzung des § 2188 BGB.

## Das Nachvermächtnis (§ 2191 BGB)

> **§ 2191 Abs. 1 BGB:** „Hat der Erblasser den vermachten Gegenstand von einem nach dem Anfall des Vermächtnisses eintretenden bestimmten Zeitpunkt oder Ereignis an einem Dritten zugewendet, so gilt der erste Vermächtnisnehmer als beschwert."

Beim Nachvermächtnis erhält **zunächst der Vorvermächtnisnehmer** den Gegenstand; ab einem späteren Zeitpunkt oder Ereignis soll **derselbe Gegenstand** an den **Nachvermächtnisnehmer** gehen. Rechtstechnisch ist das Nachvermächtnis ein **Untervermächtnis**, mit dem der Vorvermächtnisnehmer beschwert ist – § 2191 Abs. 1 BGB stellt dies durch Fiktion klar. Der Nachvermächtnisnehmer erwirbt also keinen Anspruch gegen den Erben, sondern gegen den Vorvermächtnisnehmer bzw. dessen Erben.

**Entsprechend anwendbare Nacherbschaftsregeln (§ 2191 Abs. 2 BGB).** Nur vier Vorschriften aus dem Recht der Vor- und Nacherbschaft gelten entsprechend:

| Norm | Inhalt (für das Nachvermächtnis gelesen) |
|---|---|
| § 2102 Abs. 1 BGB | Die Einsetzung als Nachvermächtnisnehmer enthält im Zweifel auch die Einsetzung als **Ersatzvermächtnisnehmer** |
| § 2102 Abs. 2 BGB | Ist zweifelhaft, ob jemand Ersatz- oder Nachvermächtnisnehmer ist, gilt er als **Ersatz**vermächtnisnehmer |
| § 2106 Abs. 1 BGB | Ohne Bestimmung des Zeitpunkts oder Ereignisses fällt das Nachvermächtnis mit dem **Tod des Vorvermächtnisnehmers** an |
| § 2107 BGB | Ist einem kinderlosen Abkömmling ein Nachvermächtnisnehmer für die Zeit nach dessen Tod bestimmt, ist anzunehmen, dass dies nur für den Fall gilt, dass der Abkömmling **ohne Nachkommenschaft** stirbt |
| § 2110 Abs. 1 BGB | Das Recht erstreckt sich im Zweifel auch auf einen Anteil, der dem Vorvermächtnisnehmer infolge **Wegfalls eines Mitbedachten** anfällt |

**Keine Verfügungsbeschränkungen wie beim Vorerben.** Die §§ 2113 ff. BGB (Verfügungsbeschränkungen des Vorerben, siehe [§§ 2113–2115 BGB](./verfuegungsbeschraenkungen-vorerbe-2113-2115-bgb.md)) sind in § 2191 Abs. 2 BGB **nicht** in Bezug genommen. Der Vorvermächtnisnehmer wird voller Eigentümer und kann über den Gegenstand **dinglich wirksam verfügen**. Der Nachvermächtnisnehmer ist in der Schwebezeit nur über **§ 2179 BGB** geschützt, der auf die Regeln über die aufschiebend bedingte Leistung verweist (insbesondere §§ 160, 162 BGB: Schadensersatz bei schuldhafter Vereitelung oder Beeinträchtigung, Treuwidrigkeitsfiktion). Bei Grundstücken lässt sich der künftige Anspruch durch eine **Vormerkung** (§ 883 Abs. 1 Satz 2 BGB) sichern; deren Bewilligung kann der Erblasser dem Vorvermächtnisnehmer seinerseits auferlegen. Mit Rechten und Pflichten des Vorvermächtnisnehmers hat sich der BGH befasst (BGH, 06.03.1991 – IV ZR 114/89, BGHZ 114, 16).

**Abgrenzung zum Ersatzvermächtnis (§ 2190 BGB).** Das Ersatzvermächtnis greift, wenn der zunächst Bedachte das Vermächtnis **nicht erwirbt** (z. B. Vorversterben, Ausschlagung). Das Nachvermächtnis setzt dagegen voraus, dass der erste Bedachte den Gegenstand **zunächst erwirbt** und ihn erst später weitergeben muss. Im Zweifel ist ein Ersatzvermächtnis anzunehmen (§ 2102 Abs. 2 BGB entspr.); die Abgrenzung ist eine Frage der [Testamentsauslegung](./testamentsauslegung-2084-bgb.md).

**30-Jahres-Grenze (§§ 2162, 2163 BGB).** Ein Nachvermächtnis ist aufschiebend bedingt oder befristet. Nach § 2162 Abs. 1 BGB wird ein solches Vermächtnis mit Ablauf von **30 Jahren nach dem Erbfall** unwirksam, wenn die Bedingung oder der Termin bis dahin nicht eingetreten ist. § 2163 BGB macht Ausnahmen, insbesondere wenn das Vermächtnis für ein Ereignis **in der Person des Beschwerten oder des Bedachten** angeordnet ist und diese Person beim Erbfall lebt – der praktisch häufigste Fall „Nachvermächtnis auf den Tod des Vorvermächtnisnehmers" ist damit regelmäßig nicht an die 30 Jahre gebunden.

## Erbschaftsteuer

**Untervermächtnis.** Der Untervermächtnisnehmer erwirbt von Todes wegen **vom Erblasser** (§ 3 Abs. 1 Nr. 1 ErbStG); Steuerklasse und Freibetrag richten sich nach seinem Verhältnis zum Erblasser. Beim Hauptvermächtnisnehmer mindert die Last des Untervermächtnisses den steuerpflichtigen Erwerb als Verbindlichkeit aus Vermächtnissen (§ 10 Abs. 5 Nr. 2 ErbStG).

**Nachvermächtnis und beim Tod des Beschwerten fällige Vermächtnisse.**

> **§ 6 Abs. 4 ErbStG:** „Nachvermächtnisse und beim Tod des Beschwerten fällige Vermächtnisse oder Auflagen stehen den Nacherbschaften gleich."

Folge: Der **Vorvermächtnisnehmer** versteuert den Gegenstand wie ein Vorerbe voll (§ 6 Abs. 1 ErbStG entspr.). Beim Eintritt des Nachvermächtnisfalls versteuert der **Nachvermächtnisnehmer** den Erwerb als **vom Vorvermächtnisnehmer stammend**; **auf Antrag** ist das Verhältnis zum Erblasser zugrunde zu legen (§ 6 Abs. 2 Sätze 1 und 2 ErbStG). Der BFH hat die Gleichstellung auch für ein **beim Tod des Beschwerten fälliges** Vermächtnis bestätigt: Es wird erbschaftsteuerrechtlich als Erwerb vom Beschwerten behandelt (BFH, Urteil vom 31.08.2021 – II R 2/20, BStBl II 2022, 387). Das kann die Steuerklasse verschlechtern, wenn der Nachvermächtnisnehmer mit dem Vorvermächtnisnehmer nicht oder entfernter verwandt ist – dann lohnt der Antrag nach § 6 Abs. 2 Satz 2 ErbStG. Freibeträge und Tarif siehe [Erbschaftsteuer 2026](./erbschaftsteuer-freibetraege-2026.md) (Freibeträge 2026: Ehegatten 500.000 €, Kinder 400.000 €, Enkel 200.000 €).

## Abgrenzung

- **Vor- und Nacherbschaft:** Der Nacherbe wird **Erbe** des gesamten Nachlasses bzw. Erbteils; der Vorerbe unterliegt Verfügungsbeschränkungen. Beim Nachvermächtnis geht es um **einzelne Gegenstände**, und der Vorvermächtnisnehmer ist frei verfügungsbefugt – siehe [Vor- und Nacherbschaft](./vor-nacherbschaft-2100-bgb.md).
- **Ersatzvermächtnis (§ 2190 BGB):** greift nur, wenn der Erstbedachte nicht erwirbt.
- **Auflage (§ 2192 BGB):** Der Begünstigte hat keinen eigenen Anspruch – siehe [Auflage](./auflage-2192-bgb.md).
- **Vorausvermächtnis (§ 2150 BGB):** Vermächtnis an einen Erben – siehe [Vorausvermächtnis](./vorausvermaechtnis-2150-bgb.md).
- **Vermächtnis im Überblick:** [Vermächtnis (§§ 2147 ff. BGB)](./vermaechtnis-2147-bgb.md).

## Häufige Fehler

- **„Der Untervermächtnisnehmer kann vom Erben verlangen."** Nein – Schuldner ist der **Hauptvermächtnisnehmer** (§ 2147 Satz 1 BGB).
- **„Der Hauptvermächtnisnehmer haftet mit seinem ganzen Vermögen."** Nein – nur bis zur Höhe dessen, was er aus dem Vermächtnis erhält, und zwar auch nach Annahme (§ 2187 Abs. 1 BGB).
- **„Das Untervermächtnis ist sofort fällig."** Erst, wenn der Hauptvermächtnisnehmer selbst Erfüllung verlangen kann (§ 2186 BGB).
- **„Der Vorvermächtnisnehmer darf den Gegenstand nicht verkaufen."** Doch – die Verfügungsbeschränkungen der Vorerbschaft gelten **nicht**; der Nachvermächtnisnehmer hat nur schuldrechtliche Ansprüche (§ 2179 i. V. m. §§ 160, 162 BGB). Wer Sicherheit will, muss sie anordnen (z. B. Vormerkung, Testamentsvollstreckung).
- **„Nachvermächtnis und Ersatzvermächtnis sind dasselbe."** Nein – im Zweifel liegt ein **Ersatz**vermächtnis vor (§ 2102 Abs. 2 BGB entspr.); wer ein Nachvermächtnis will, muss den späteren Übergang klar anordnen.
- **„Steuerlich erbt der Nachvermächtnisnehmer immer vom Erblasser."** Nach § 6 Abs. 4, Abs. 2 ErbStG gilt der Erwerb als **vom Vorvermächtnisnehmer** stammend; das Verhältnis zum Erblasser zählt nur **auf Antrag**.
- **„Die Kürzung wegen des Pflichtteils trifft nur den Hauptvermächtnisnehmer."** Er kann sie nach § 2188 BGB verhältnismäßig an Untervermächtnisnehmer weitergeben – sofern der Erblasser nichts anderes will oder einen Vorrang angeordnet hat (§ 2189 BGB).

## Beispiel

Erblasserin E setzt ihren Sohn S als Alleinerben ein. Ihre Nichte N erhält per Vermächtnis ein Ferienhaus (Wert 300.000 €) und wird beschwert, ihrer Freundin F 30.000 € zu zahlen (**Untervermächtnis**). Nach dem Tod der N soll das Ferienhaus an das Patenkind P gehen (**Nachvermächtnis**).

- **Fälligkeit:** F kann die 30.000 € erst verlangen, wenn N ihrerseits von S die Übertragung des Ferienhauses verlangen kann (§ 2186 BGB).
- **Kürzung:** Macht die pflichtteilsberechtigte Tochter T Pflichtteilsansprüche gegen S geltend und kürzt S das Vermächtnis der N deshalb nach § 2318 Abs. 1 BGB um 10 %, darf N die Zahlung an F im selben Verhältnis auf 27.000 € kürzen (§ 2188 BGB) – es sei denn, E hat für F einen Vorrang angeordnet (§ 2189 BGB).
- **Nachvermächtnis:** N wird Eigentümerin und kann das Haus rechtlich verkaufen. Vereitelt sie das Nachvermächtnis schuldhaft, haftet sie bzw. ihr Nachlass P auf Schadensersatz (§ 2179 i. V. m. § 160 BGB). Mit dem Tod der N kann P von deren Erben die Übertragung verlangen (§ 2191 Abs. 2 i. V. m. § 2106 Abs. 1 BGB).
- **Steuer:** P versteuert den Erwerb als von N stammend; auf Antrag nach dem Verhältnis zu E (§ 6 Abs. 4, Abs. 2 ErbStG).

(Vereinfachtes Beispiel; Bewertung, Freibeträge und Verfahrensfragen bleiben außer Betracht.)

## Änderungsverlauf

- 2026-10-25: Erstveröffentlichung. Normtexte der §§ 2186, 2191 BGB und § 6 ErbStG am 25.10.2026 gegen gesetze-im-internet.de geprüft; §§ 2102, 2106, 2107, 2110, 2162, 2179, 2187, 2188, 2189 BGB am 25.10.2026 gegen dejure.org geprüft. BFH II R 2/20 über dejure.org (Fundstellen BFHE 273, 572; BStBl II 2022, 387) bestätigt; BGH IV ZR 114/89 nur mit Datum, Aktenzeichen und Titel zitiert. Keine Verweise auf § 2356 BGB. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Nexvyra-Erbrecht-Agent"

## Stand

- Stand: 2026-10-25
- Gültig ab: 1900-01-01 (BGB-Fassung; geprüft am 25.10.2026)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (BGB, ErbStG, BFH)
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 2186 BGB – Fälligkeit eines Untervermächtnisses oder einer Auflage:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2186.html
- § 2187 BGB – Haftung des Hauptvermächtnisnehmers:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2187.html
- § 2188 BGB – Kürzung der Beschwerungen:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2188.html
- § 2189 BGB – Anordnung eines Vorrangs:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2189.html
- § 2190 BGB – Ersatzvermächtnisnehmer:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2190.html
- § 2191 BGB – Nachvermächtnisnehmer:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2191.html
- § 2147 BGB – Beschwerter:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2147.html
- § 2161 BGB – Wegfall des Beschwerten:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2161.html
- § 2162 BGB – Dreißigjährige Frist für aufgeschobenes Vermächtnis:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2162.html
- § 2163 BGB – Ausnahmen von der dreißigjährigen Frist:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2163.html
- § 2179 BGB – Schwebezeit:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2179.html
- § 2102 BGB – Nacherbe und Ersatzerbe:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2102.html
- § 2106 BGB – Eintritt der Nacherbfolge:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2106.html
- § 2107 BGB – Kinderloser Vorerbe:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2107.html
- § 2110 BGB – Umfang des Nacherbrechts:
  https://www.gesetze-im-internet.de/bgb/__2110.html
- § 6 ErbStG – Vor- und Nacherbschaft:
  https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__6.html
- § 10 ErbStG – Steuerpflichtiger Erwerb:
  https://www.gesetze-im-internet.de/erbstg_1974/__10.html
- BFH, Urteil vom 31.08.2021 – II R 2/20 (Besteuerung eines beim Tod des Beschwerten fälligen Vermächtnisses):
  https://dejure.org/2021,53101
- BGH, Urteil vom 06.03.1991 – IV ZR 114/89 (Rechte und Pflichten des Vorvermächtnisnehmers):
  https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=BGH&Datum=06.03.1991&Aktenzeichen=IV%20ZR%20114%2F89
- § 2191 BGB (dejure.org):
  https://dejure.org/gesetze/BGB/2191.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-25
- Letzte Prüfung: 2026-10-25
- In Kraft seit: 1900-01-01
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
