---
title: "Anordnung der Urkundenvorlage und des Augenscheins von Amts wegen (§§ 142–144 ZPO)"
slug: "urkundenvorlage-augenschein-anordnung-142-144-zpo"
domaine: "prozess-vollstreckungsrecht"
valid_from: "2026-10-19"
valid_to: null
last_reviewed: "2026-10-19"
statut: "In Kraft"
authority_level: "A"
legal_status: "in_force"
license: CC-BY-4.0
url: https://nexvyra.de/fakten/urkundenvorlage-augenschein-anordnung-142-144-zpo.md
wikidata_subjects: []
factcheck_status: "ok"
---

# Anordnung der Urkundenvorlage und des Augenscheins von Amts wegen (§§ 142–144 ZPO)

## Kurzantwort

Das Zivilgericht kann **von Amts wegen** anordnen, dass eine **Partei oder ein Dritter Urkunden und sonstige Unterlagen vorlegt**, auf die sich eine Partei bezogen hat (**§ 142 Abs. 1 ZPO**). Ebenso kann es **Akten** (**§ 143 ZPO**) sowie die **Vorlage von Gegenständen** zum Augenschein und die **Hinzuziehung von Sachverständigen** anordnen (**§ 144 ZPO**). Die Anordnungen stehen im **Ermessen** des Gerichts. **Dritte** müssen nicht vorlegen, wenn es **unzumutbar** ist oder ihnen ein **Zeugnisverweigerungsrecht** (§§ 383–385 ZPO) zusteht (**§ 142 Abs. 2 ZPO**).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 142 ZPO (Urkunden und sonstige Unterlagen), § 143 ZPO (Akten), § 144 ZPO (Augenschein, Sachverständige) |
| Wer ordnet an? | das Prozessgericht – von Amts wegen, auch ohne Beweisantrag |
| Adressaten | Parteien und – bei Urkunden und Gegenständen – auch Dritte (§ 142 Abs. 1, § 144 Abs. 1 ZPO) |
| Voraussetzung (Urkunden) | Die Unterlagen befinden sich im Besitz der Partei oder des Dritten und eine Partei hat sich auf sie bezogen (§ 142 Abs. 1 Satz 1 ZPO) |
| Frist und Verwahrung | Das Gericht kann eine Frist setzen und anordnen, wie lange die Unterlagen auf der Geschäftsstelle bleiben (§ 142 Abs. 1 Satz 2 ZPO) |
| Schutz Dritter | Unzumutbarkeit oder Zeugnisverweigerungsrecht nach §§ 383–385 ZPO; §§ 386–390 ZPO gelten entsprechend (§ 142 Abs. 2 ZPO) |
| Übersetzung | Bei fremdsprachigen Urkunden kann das Gericht eine Übersetzung durch einen ermächtigten oder öffentlich bestellten Übersetzer verlangen – nicht gegenüber Dritten (§ 142 Abs. 3 ZPO) |
| Wohnung | Eine Duldungsanordnung nach § 144 Abs. 1 ZPO gilt nicht für Wohnungen (§ 144 Abs. 1 Satz 3 ZPO) |
| Rechtsmittel | Die Anordnung ist eine prozessleitende Verfügung; Beschlüsse gegen Dritte nach § 390 ZPO sind mit der sofortigen Beschwerde angreifbar (§ 390 Abs. 3 ZPO) |

## Geltungsbereich

Die §§ 142–144 ZPO stehen im Allgemeinen Teil des **Zivilprozesses** (Verhandlung vor dem erkennenden Gericht) und gelten für **Verfahren nach der ZPO** vor Amts-, Land- und Oberlandesgerichten. Sie ergänzen den **Beibringungsgrundsatz**: Grundsätzlich müssen die Parteien die Beweismittel selbst benennen und vorlegen; § 142 ZPO gibt dem Gericht aber ein **zusätzliches Aufklärungsinstrument**, wenn eine Partei sich auf Unterlagen bezieht, die sie oder ein Dritter in Händen hält. Zum Zusammenspiel mit der richterlichen Aufklärung siehe [Richterliche Hinweispflicht (§ 139 ZPO)](richterliche-hinweispflicht-139-zpo.html).

## Urkunden und sonstige Unterlagen (§ 142 ZPO)

**Absatz 1:** Das Gericht **kann** anordnen, dass eine Partei oder ein Dritter die in ihrem Besitz befindlichen Urkunden und sonstigen Unterlagen **vorlegt**, auf die sich eine Partei bezogen hat. Dafür kann es eine **Frist** setzen und bestimmen, **wie lange** die Unterlagen auf der Geschäftsstelle bleiben. Das Wort „kann" zeigt: Es ist eine **Ermessensentscheidung**; ein Anspruch der Partei auf Erlass der Anordnung besteht nicht.

**Absatz 2:** **Dritte** sind nicht zur Vorlage verpflichtet, wenn sie **unzumutbar** wäre oder wenn sie nach den **§§ 383–385 ZPO** zur Zeugnisverweigerung berechtigt sind. Die **§§ 386–390 ZPO** gelten **entsprechend** – etwa die Pflicht, den Verweigerungsgrund zu erklären, und die Folgen unberechtigter Weigerung.

**Absatz 3:** Bei **fremdsprachigen Urkunden** kann das Gericht eine **Übersetzung** durch einen dafür **ermächtigten oder öffentlich bestellten Übersetzer** (oder einen gleichgestellten) anordnen. Eine vom Übersetzer **bescheinigte Übersetzung** gilt als richtig und vollständig; der **Gegenbeweis** ist zulässig. Gegenüber **Dritten** kann diese Anordnung nicht ergehen.

## Akten (§ 143 ZPO)

Nach § 143 ZPO kann das Gericht anordnen, dass die **Parteien** Akten **vorlegen**, die sich in ihrem Besitz befinden und für den Rechtsstreit von Bedeutung sind. Die Vorschrift betrifft – anders als § 142 ZPO – **nur Parteien**, nicht Dritte.

## Augenschein und Sachverständige (§ 144 ZPO)

**Absatz 1:** Das Gericht kann die **Einnahme des Augenscheins** sowie die **Hinzuziehung von Sachverständigen** anordnen. Dazu kann es einer **Partei oder einem Dritten** aufgeben, einen **Gegenstand in ihrem Besitz vorzulegen**, und hierfür eine **Frist** setzen; es kann außerdem anordnen, dass eine **Maßnahme geduldet** wird. Das gilt **nicht für Wohnungen**.

**Absatz 2:** **Dritte** müssen weder vorlegen noch dulden, wenn es **unzumutbar** ist oder sie nach **§§ 383–385 ZPO** zur Zeugnisverweigerung berechtigt sind; **§§ 386–390 ZPO** gelten entsprechend.

**Absatz 3:** Die Vorschriften über den **auf Antrag** angeordneten Augenschein bzw. die Begutachtung gelten **entsprechend**, wenn das Gericht die Maßnahme **von sich aus** anordnet. Einzelheiten zu den Beweismitteln: [Augenscheinsbeweis (§§ 371 ff. ZPO)](augenscheinsbeweis-371-zpo.html) und [Sachverständigenbeweis (§§ 402 ff. ZPO)](sachverstaendigenbeweis-402-zpo.html).

## Durchsetzung

- **Gegenüber Dritten:** Über die entsprechende Anwendung der §§ 386–390 ZPO gelten die Folgen unberechtigter Weigerung. Nach **§ 390 Abs. 1 ZPO** trägt der Weigernde die **verursachten Kosten**, und es wird ein **Ordnungsgeld** (ersatzweise **Ordnungshaft**) festgesetzt; bei wiederholter Weigerung kann auf Antrag **Haft** zur Erzwingung angeordnet werden (**§ 390 Abs. 2 ZPO**). Gegen diese Beschlüsse ist die **sofortige Beschwerde** zulässig (**§ 390 Abs. 3 ZPO**).
- **Gegenüber Parteien:** Eine unmittelbare Zwangsmaßnahme gegen die Partei sieht § 142 ZPO nicht vor. Legt sie trotz Anordnung nicht vor, würdigt das Gericht dies im Rahmen der **freien Beweiswürdigung** (§ 286 ZPO) – siehe [Beweislast im Zivilprozess (§ 286 ZPO)](beweislast-zivilprozess-286-zpo.html).

## Ausnahmen

- **Keine Ausforschung:** Die Anordnung setzt nach dem Wortlaut voraus, dass sich eine **Partei auf die Unterlagen bezogen** hat. Sie ist kein Mittel, um erst den Sachvortrag zu beschaffen.
- **Dritte mit Zeugnisverweigerungsrecht:** Wer nach **§§ 383–385 ZPO** zur Zeugnisverweigerung berechtigt ist (z. B. Angehörige, Berufsgeheimnisträger), muss **nicht** vorlegen (§ 142 Abs. 2 ZPO).
- **Wohnung:** Duldungsanordnungen nach § 144 Abs. 1 ZPO sind bei **Wohnungen** ausgeschlossen.
- **Übersetzung durch Dritte:** Eine Übersetzung kann von **Dritten** nicht verlangt werden (§ 142 Abs. 3 ZPO).

## Beispiel

A klagt gegen B auf **12.000 Euro** Werklohn und beruft sich auf einen schriftlichen Vertrag, den B in Händen hält. B bestreitet, dass der Vertrag den behaupteten Inhalt hat. Das Gericht kann nach **§ 142 Abs. 1 ZPO** anordnen, dass **B den Vertrag binnen zwei Wochen vorlegt**, und bestimmen, dass er bis zum Verfahrensende bei der Geschäftsstelle bleibt. Liegt der Vertrag in englischer Sprache vor, kann es zusätzlich eine **Übersetzung** durch einen öffentlich bestellten Übersetzer verlangen (§ 142 Abs. 3 ZPO). Verweigert eine **Steuerberaterin** als **Dritte** mit Zeugnisverweigerungsrecht die Herausgabe einer Handakte, kann sie sich auf § 142 Abs. 2 ZPO berufen.

## Häufige Fehler

- **„Das Gericht muss die Vorlage anordnen, wenn ich es beantrage."** Nein. § 142 ZPO ist eine **Kann-Vorschrift**; der Antrag ist nur eine **Anregung**.
- **„Die Vorschrift gilt nur gegen die andere Partei."** Nein. **Urkunden und Gegenstände** können auch von **Dritten** verlangt werden (§§ 142, 144 ZPO); **Akten** nach § 143 ZPO dagegen nur von den **Parteien**.
- **„Dritte müssen immer herausgeben."** Nein. **Unzumutbarkeit** und **Zeugnisverweigerungsrechte** schützen sie (§ 142 Abs. 2, § 144 Abs. 2 ZPO).
- **„Gegen die Anordnung gibt es keinen Rechtsbehelf."** Nicht ganz: Beschlüsse nach **§ 390 ZPO** gegen Dritte sind mit der **sofortigen Beschwerde** angreifbar (§ 390 Abs. 3 ZPO).
- **„Das Gericht darf in der Wohnung Gegenstände besichtigen lassen."** Eine **Duldungsanordnung** gilt nach § 144 Abs. 1 Satz 3 ZPO **nicht für Wohnungen**.

## Siehe auch

- [Urkundenbeweis im Zivilprozess (§§ 415 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/urkundenbeweis-zivilprozess-415-zpo.html)
- [Augenscheinsbeweis (§§ 371 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/augenscheinsbeweis-371-zpo.html)
- [Sachverständigenbeweis (§§ 402 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/sachverstaendigenbeweis-402-zpo.html)
- [Zeugenbeweis im Zivilprozess (§§ 373 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/zeugenbeweis-zivilprozess-373-zpo.html)
- [Beweisaufnahme und Beweisbeschluss (§§ 355 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/beweisaufnahme-beweisbeschluss-355-zpo.html)
- [Beweislast im Zivilprozess (§ 286 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/beweislast-zivilprozess-286-zpo.html)
- [Richterliche Hinweispflicht (§ 139 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/richterliche-hinweispflicht-139-zpo.html)
- [Persönliches Erscheinen der Parteien (§ 141 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/persoenliches-erscheinen-partei-141-zpo.html)

## Änderungsverlauf

- 2026-10-19 | Erstveröffentlichung. Inhalt der §§ 142–144 und § 390 ZPO am 2026-10-19 über die amtlichen Einzelnormseiten auf gesetze-im-internet.de abgeglichen; keine Rechtsprechung zitiert, Beispiel fiktiv.

## Stand

- Stand: 2026-10-19
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 142 ZPO – Anordnung der Urkundenvorlegung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__142.html
- § 143 ZPO – Anordnung der Aktenvorlegung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__143.html
- § 144 ZPO – Augenschein, Sachverständige:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__144.html
- § 390 ZPO – Folgen der Zeugnisverweigerung:
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__390.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-19
- Letzte Prüfung: 2026-10-19
- In Kraft seit: 2026-10-19
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
