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title: Urlaubsanspruch nach BUrlG – gesetzlicher Mindesturlaub, Wartezeit und Übertragung
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# Urlaubsanspruch nach BUrlG – gesetzlicher Mindesturlaub, Wartezeit und Übertragung

## Kurzantwort

Jeder Arbeitnehmer hat in jedem Kalenderjahr Anspruch auf **bezahlten Erholungsurlaub** (§ 1 BUrlG). Der **gesetzliche Mindesturlaub** beträgt **24 Werktage** im Jahr (§ 3 Absatz 1 BUrlG). Werktage sind alle Kalendertage außer Sonn- und gesetzlichen Feiertagen — das Gesetz geht also von einer **Sechs-Tage-Woche** aus. Bei einer **Fünf-Tage-Woche** entspricht der Mindesturlaub deshalb **20 Arbeitstagen** (24 ÷ 6 × 5), also ebenfalls vier Wochen. Der **volle Urlaubsanspruch** entsteht erstmals nach **sechsmonatigem Bestehen** des Arbeitsverhältnisses (Wartezeit, § 4 BUrlG). Der Urlaub muss grundsätzlich **im laufenden Kalenderjahr** genommen werden; eine Übertragung ins Folgejahr ist nur bei dringenden betrieblichen oder in der Person des Arbeitnehmers liegenden Gründen zulässig und muss dann bis zum **31. März** gewährt und genommen werden (§ 7 Absatz 3 BUrlG).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | Bundesurlaubsgesetz (BUrlG) – Mindesturlaubsgesetz für Arbeitnehmer |
| Anspruchsgrundlage | jeder Arbeitnehmer hat Anspruch auf bezahlten Erholungsurlaub [§ 1 BUrlG] |
| Gesetzlicher Mindesturlaub | **24 Werktage** pro Kalenderjahr [§ 3 Absatz 1 BUrlG] |
| Definition Werktag | alle Kalendertage außer Sonn- und gesetzlichen Feiertagen [§ 3 Absatz 2 BUrlG] |
| Umrechnung 5-Tage-Woche | **20 Arbeitstage** (24 ÷ 6 × 5) — vier Wochen |
| Umrechnung 6-Tage-Woche | 24 Werktage — vier Wochen |
| Wartezeit für vollen Anspruch | **6 Monate** Bestehen des Arbeitsverhältnisses [§ 4 BUrlG] |
| Teilurlaub | **ein Zwölftel** des Jahresurlaubs je vollem Beschäftigungsmonat in den Fällen des § 5 [§ 5 Absatz 1 BUrlG] |
| Rundung bei Teilurlaub | Bruchteile von mindestens einem halben Tag werden auf volle Tage aufgerundet [§ 5 Absatz 2 BUrlG] |
| Zeitliche Festlegung | nach den Urlaubswünschen des Arbeitnehmers, außer dringende betriebliche Belange oder vorrangige Wünsche anderer Arbeitnehmer stehen entgegen [§ 7 Absatz 1 BUrlG] |
| Bindung ans Kalenderjahr | Urlaub ist im laufenden Kalenderjahr zu gewähren und zu nehmen [§ 7 Absatz 3 Satz 1 BUrlG] |
| Übertragung ins Folgejahr | nur bei dringenden betrieblichen oder in der Person liegenden Gründen, dann Gewährung bis **31. März** [§ 7 Absatz 3 Satz 2–3 BUrlG] |
| Abgeltung | nur wenn der Urlaub wegen Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht mehr gewährt werden kann [§ 7 Absatz 4 BUrlG] |
| Urlaubsentgelt | nach dem durchschnittlichen Arbeitsverdienst der letzten **13 Wochen** vor Urlaubsbeginn [§ 11 Absatz 1 BUrlG] |
| Erwerbstätigkeit im Urlaub | dem Urlaubszweck widersprechende Erwerbstätigkeit ist unzulässig [§ 8 BUrlG] |
| Unabdingbarkeit | von §§ 1–13 darf außer durch Tarifvertrag nicht zuungunsten des Arbeitnehmers abgewichen werden [§ 13 BUrlG] |

## Geltungsbereich

Das BUrlG gilt für **alle Arbeitnehmer** — Arbeiterinnen und Arbeiter, Angestellte sowie die zu ihrer Berufsbildung Beschäftigten (Auszubildende). Als Arbeitnehmer gelten nach § 2 BUrlG auch **arbeitnehmerähnliche Personen**, also wirtschaftlich abhängige Selbstständige. Der Anspruch besteht unabhängig davon, ob es sich um ein Voll- oder Teilzeitverhältnis handelt; bei Teilzeit wird der Urlaub im Verhältnis der Arbeitstage umgerechnet (nicht gekürzt nach Stunden, sondern nach der Zahl der wöchentlichen Arbeitstage).

Der gesetzliche Mindesturlaub von 24 Werktagen ist eine **Untergrenze**. Arbeits-, Tarif- oder Betriebsvereinbarungen sehen häufig einen höheren Urlaubsanspruch vor (verbreitet sind 25 bis 30 Arbeitstage bei der Fünf-Tage-Woche). Tarifverträge dürfen den gesetzlichen Mindesturlaub nicht unterschreiten (§ 13 Absatz 1 BUrlG).

## Berechnung des Mindesturlaubs nach Arbeitstagen

Da § 3 BUrlG den Urlaub in **Werktagen** (Sechs-Tage-Woche) bemisst, muss bei abweichender Verteilung der Arbeitszeit umgerechnet werden. Maßgeblich ist die Zahl der **wöchentlichen Arbeitstage**:

- **6 Arbeitstage/Woche:** 24 Werktage
- **5 Arbeitstage/Woche:** 20 Arbeitstage (24 ÷ 6 × 5)
- **4 Arbeitstage/Woche:** 16 Arbeitstage (24 ÷ 6 × 4)
- **3 Arbeitstage/Woche:** 12 Arbeitstage (24 ÷ 6 × 3)

In allen Fällen ergibt sich derselbe Erholungszeitraum von **vier Wochen** pro Jahr. Verteilt sich die Arbeit ungleichmäßig auf die Woche, ist der Jahresurlaub nach der individuellen Zahl der Arbeitstage anteilig zu berechnen.

## Wartezeit und Teilurlaub (§§ 4, 5 BUrlG)

Der **volle Urlaubsanspruch** wird erstmals nach **sechs Monaten** Bestehen des Arbeitsverhältnisses erworben (Wartezeit, § 4 BUrlG). Vor Ablauf dieser sechs Monate und in bestimmten weiteren Fällen besteht nur ein **Teilurlaubsanspruch** von **einem Zwölftel** des Jahresurlaubs für jeden vollen Monat des Arbeitsverhältnisses (§ 5 Absatz 1 BUrlG). Das gilt insbesondere, wenn

- der Arbeitnehmer die Wartezeit im laufenden Kalenderjahr nicht mehr erfüllt (z. B. Eintritt in der zweiten Jahreshälfte),
- der Arbeitnehmer vor erfüllter Wartezeit aus dem Arbeitsverhältnis ausscheidet,
- der Arbeitnehmer nach erfüllter Wartezeit in der **ersten Hälfte** des Kalenderjahres ausscheidet.

Bruchteile von Urlaubstagen, die mindestens einen **halben Tag** ergeben, sind auf volle Urlaubstage **aufzurunden** (§ 5 Absatz 2 BUrlG). Hat der Arbeitnehmer für das Kalenderjahr bereits vollen Urlaub erhalten und scheidet danach aus, darf der gewährte Urlaub nicht rückwirkend gekürzt werden (§ 5 Absatz 3 BUrlG).

## Übertragung und Verfall (§ 7 Absatz 3 BUrlG, BAG-Rechtsprechung)

Der Urlaub ist grundsätzlich **im laufenden Kalenderjahr** zu gewähren und zu nehmen (§ 7 Absatz 3 Satz 1 BUrlG). Eine **Übertragung** in das nächste Kalenderjahr ist nur zulässig, wenn dringende betriebliche oder in der Person des Arbeitnehmers liegende Gründe dies rechtfertigen; in diesem Fall muss der Urlaub in den **ersten drei Monaten** des Folgejahres gewährt und genommen werden (§ 7 Absatz 3 Satz 2–3 BUrlG). Nach dem Gesetzeswortlaut verfällt nicht genommener Urlaub mit Ablauf des **31. März** des Folgejahres.

Dieser automatische Verfall ist durch die Rechtsprechung jedoch **eingeschränkt**: Nach dem Urteil des Bundesarbeitsgerichts **BAG, 19.02.2019 – 9 AZR 541/15** (in Umsetzung der Vorgaben des Europäischen Gerichtshofs) verfällt der gesetzliche Urlaubsanspruch am Jahresende bzw. zum 31. März nur dann, wenn der **Arbeitgeber seine Mitwirkungsobliegenheiten erfüllt** hat. Der Arbeitgeber muss den Arbeitnehmer

- konkret und rechtzeitig über den **noch offenen Urlaub** informieren,
- ihn auffordern, den Urlaub zu nehmen, und
- klar darauf hinweisen, dass der Urlaub andernfalls mit Ablauf des Kalenderjahres oder Übertragungszeitraums **verfällt**.

Unterlässt der Arbeitgeber diese Hinweise, verfällt der Urlaub nicht, sondern wird auf das Folgejahr übertragen und summiert sich mit dem dortigen Anspruch.

## Urlaubsentgelt und Abgeltung (§§ 11, 7 Absatz 4 BUrlG)

Während des Urlaubs wird das **Arbeitsentgelt fortgezahlt**. Das Urlaubsentgelt bemisst sich nach dem **durchschnittlichen Arbeitsverdienst** der letzten **13 Wochen** vor Beginn des Urlaubs; Verdienstkürzungen wegen Kurzarbeit, Arbeitsausfall oder unverschuldeter Arbeitsversäumnis bleiben außer Betracht (§ 11 Absatz 1 BUrlG). Das Urlaubsentgelt ist nicht mit einem etwaigen zusätzlichen **Urlaubsgeld** zu verwechseln, das eine freiwillige oder tariflich vereinbarte Sonderzahlung ist.

Kann der Urlaub wegen **Beendigung des Arbeitsverhältnisses** ganz oder teilweise nicht mehr genommen werden, ist er **abzugelten** (§ 7 Absatz 4 BUrlG). Im bestehenden Arbeitsverhältnis ist eine Abgeltung in Geld dagegen ausgeschlossen — Erholungsurlaub soll tatsächlich genommen werden.

## Häufige Fehler

- **„24 Tage = 24 freie Arbeitstage":** Die 24 sind **Werktage** der Sechs-Tage-Woche. Wer an fünf Tagen arbeitet, hat als Minimum **20 Arbeitstage**, nicht 24.
- **„Resturlaub verfällt automatisch zum 31. März":** Nur, wenn der Arbeitgeber zuvor auf den drohenden Verfall hingewiesen hat (BAG 9 AZR 541/15). Ohne Hinweis bleibt der Urlaub bestehen.
- **„Vor sechs Monaten gibt es gar keinen Urlaub":** Es besteht ein **Teilurlaubsanspruch** von einem Zwölftel je vollem Monat (§ 5 BUrlG); nur der *volle* Anspruch setzt die erfüllte Wartezeit voraus.
- **„Urlaub kann man sich auszahlen lassen":** Eine Abgeltung in Geld ist nur bei **Beendigung** des Arbeitsverhältnisses möglich (§ 7 Absatz 4 BUrlG), nicht im laufenden Arbeitsverhältnis.

## Beispiel

Eine Arbeitnehmerin arbeitet an fünf Tagen pro Woche. Ihr gesetzlicher Mindesturlaub beträgt **20 Arbeitstage** im Jahr. Sie tritt zum **1. April** in das Unternehmen ein. Die Wartezeit von sechs Monaten ist am 30. September erfüllt, also noch im selben Kalenderjahr — sie erwirbt damit den vollen Jahresanspruch. Wäre sie erst zum **1. September** eingetreten, hätte sie die Wartezeit im laufenden Jahr nicht mehr erfüllt und nur **Teilurlaub** für die Monate September bis Dezember: 4 × (20 ÷ 12) = 6,67, aufgerundet auf **7 Arbeitstage** (§ 5 Absatz 2 BUrlG).

## Verhältnis zu Sonderregelungen

- **Jugendliche** unter 18 Jahren haben nach § 19 Jugendarbeitsschutzgesetz (JArbSchG) einen erhöhten Mindesturlaub (je nach Alter 25 bis 30 Werktage).
- **Schwerbehinderte Menschen** haben nach § 208 SGB IX Anspruch auf **fünf Tage Zusatzurlaub** (bei Fünf-Tage-Woche) zusätzlich zum gesetzlichen Mindesturlaub.
- **Krankheit während des Urlaubs:** Durch ärztliches Attest nachgewiesene Krankheitstage werden nicht auf den Jahresurlaub angerechnet (§ 9 BUrlG).
- **Tarifverträge** können den Urlaub abweichend regeln, dürfen den gesetzlichen Mindesturlaub von 24 Werktagen aber nicht unterschreiten (§ 13 BUrlG).

## Quellen

- gesetze-im-internet.de – § 1 BUrlG (Urlaubsanspruch): https://www.gesetze-im-internet.de/burlg/__1.html
- gesetze-im-internet.de – § 3 BUrlG (Dauer des Urlaubs): https://www.gesetze-im-internet.de/burlg/__3.html
- gesetze-im-internet.de – § 4 BUrlG (Wartezeit): https://www.gesetze-im-internet.de/burlg/__4.html
- gesetze-im-internet.de – § 5 BUrlG (Teilurlaub): https://www.gesetze-im-internet.de/burlg/__5.html
- gesetze-im-internet.de – § 7 BUrlG (Zeitpunkt, Übertragbarkeit und Abgeltung): https://www.gesetze-im-internet.de/burlg/__7.html
- gesetze-im-internet.de – § 11 BUrlG (Urlaubsentgelt): https://www.gesetze-im-internet.de/burlg/__11.html
- gesetze-im-internet.de – Bundesurlaubsgesetz (Gesamtgesetz): https://www.gesetze-im-internet.de/burlg/BJNR000020963.html
- Bundesarbeitsgericht – BAG, 19.02.2019 – 9 AZR 541/15 (Verfall von Urlaub nur bei erfüllter Mitwirkungsobliegenheit des Arbeitgebers): https://www.bundesarbeitsgericht.de/entscheidung/9-azr-541-15/

## Änderungsverlauf

- 2026-05-30: Erstveröffentlichung der Faktenseite. Alle Quellen-URLs gegen gesetze-im-internet.de und bundesarbeitsgericht.de gegengeprüft und auf HTTP 200 getestet. Frontmatter-Felder gesetzt (legal_status, authority_level, wikidata_subjects).

## Stand

- Stand: 2026-05-30
- Gültig ab: 1963-01-08 (BUrlG; heutige Fassung)
- Status: aktuell
- Quellenautorität: A (gesetze-im-internet.de, Bundesarbeitsgericht)
- Lizenz: CC BY 4.0
