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# Berichtigung des Urteils bei Schreib- und Rechenfehlern (§ 319 ZPO)

## Kurzantwort

Nach **§ 319 Abs. 1 ZPO** sind **Schreibfehler, Rechnungsfehler und ähnliche offenbare Unrichtigkeiten**, die in einem Urteil vorkommen, **jederzeit** vom Gericht zu berichtigen – **auch von Amts wegen**. Es gibt also **keine Frist**: Die Berichtigung kann auch lange nach Verkündung oder Zustellung des Urteils noch beantragt oder vom Gericht selbst vorgenommen werden. Die Berichtigung erfolgt durch **Beschluss**, der auf dem Urteil und seinen Ausfertigungen **vermerkt** wird (§ 319 Abs. 2 ZPO). Wird der **Berichtigungsantrag zurückgewiesen**, ist dagegen **kein Rechtsmittel** gegeben; gegen den Beschluss, der eine **Berichtigung ausspricht**, findet die **sofortige Beschwerde** statt (§ 319 Abs. 3 ZPO).

## Kernfakten

| Punkt | Wert |
|---|---|
| Rechtsgrundlage | § 319 ZPO – Berichtigung des Urteils |
| Berichtigungsfähige Fehler | Schreibfehler, Rechnungsfehler und ähnliche offenbare Unrichtigkeiten (Abs. 1) |
| Frist | jederzeit – keine Ausschlussfrist (Abs. 1) |
| Einleitung | auch von Amts wegen oder auf Antrag (Abs. 1) |
| Zuständig | das Gericht, dessen Urteil die Unrichtigkeit enthält (Abs. 1) |
| Form der Entscheidung | Berichtigungsbeschluss (Abs. 2, Abs. 3) |
| Vermerk | auf dem Urteil und seinen Ausfertigungen; bei elektronischer Form in einem separaten Dokument, das untrennbar mit dem Urteil verbunden sein muss (Abs. 2) |
| Rechtsmittel bei Zurückweisung des Antrags | kein Rechtsmittel (Abs. 3, erster Halbsatz) |
| Rechtsmittel bei Berichtigung | sofortige Beschwerde (Abs. 3, zweiter Halbsatz; Verfahren nach §§ 567 ff. ZPO) |
| Nicht erfasst | inhaltliche Fehlentscheidungen, Fehler im Tatbestand (§ 320 ZPO), übergangene Anträge (§ 321 ZPO), Gehörsverletzungen (§ 321a ZPO) |

## Was § 319 ZPO regelt

Ein Urteil kann Fehler enthalten, die mit der eigentlichen Entscheidung nichts zu tun haben: ein vertauschter Name im Rubrum, ein Zahlendreher im Tenor, eine falsch addierte Summe. § 319 ZPO erlaubt es dem Gericht, solche Fehler **ohne neue Verhandlung und ohne Instanzenzug** zu beheben. Die Vorschrift dient der **Klarheit des Titels**: Wer aus einem Urteil vollstrecken will oder muss, soll nicht an einem offensichtlichen Verschreiber scheitern.

Entscheidend ist der Gesetzeswortlaut: Berichtigt werden dürfen **Schreibfehler, Rechnungsfehler und „ähnliche offenbare Unrichtigkeiten"**. Der Maßstab ist die **Offenkundigkeit**. Gemeint sind Fehler, bei denen sich aus dem Urteil selbst – oder aus den Umständen, die für den Rechtsverkehr erkennbar sind – ergibt, dass **das Gericht etwas anderes sagen wollte, als es geschrieben hat**. Die Berichtigung **korrigiert die Äußerung** des Gerichts, sie **ändert nicht den Inhalt der Entscheidung**.

## Abgrenzung: Berichtigung ist keine Abänderung

Die Berichtigung nach § 319 ZPO ist **kein Rechtsmittel** und kein Weg, eine **falsche, aber so gewollte** Entscheidung zu ändern. Hat das Gericht rechtlich oder tatsächlich **falsch gewertet**, ist das keine „offenbare Unrichtigkeit" im Sinne des § 319 ZPO, sondern ein Fall für **Berufung oder Revision** (siehe [Berufung und Revision im Zivilprozess](https://nexvyra.de/fakten/berufung-revision-zivilprozess.html)). Die folgenden Vorschriften sind **eigenständige Instrumente** und werden von § 319 ZPO nicht mit abgedeckt:

- **§ 320 ZPO – Berichtigung des Tatbestandes:** betrifft Unrichtigkeiten im **Tatbestand** des Urteils, nicht Schreib- und Rechenfehler im Übrigen.
- **§ 321 ZPO – Ergänzung des Urteils:** greift, wenn ein **Anspruch oder Kostenpunkt übergangen** wurde.
- **§ 321a ZPO – Anhörungsrüge:** betrifft die **Verletzung des rechtlichen Gehörs** (siehe [Anhörungsrüge im Zivilprozess](https://nexvyra.de/fakten/anhoerungsruege-321a-zpo.html)).

## Verfahren und Form (§ 319 Abs. 1 und 2 ZPO)

Das Gericht kann die Unrichtigkeit **von Amts wegen** berichtigen, sobald es sie bemerkt. Eine Partei kann die Berichtigung **anregen oder beantragen**. Weil das Gesetz kein Antragserfordernis aufstellt, ist ein Antrag **nur eine Anregung**; das Gericht ist an den Wortlaut des Antrags nicht gebunden und berichtigt, soweit die Voraussetzungen vorliegen.

Die Entscheidung ergeht durch **Beschluss** (§ 319 Abs. 2 und 3 ZPO). Der **Berichtigungsbeschluss wird auf dem Urteil und seinen Ausfertigungen vermerkt** (Abs. 2 Satz 1). Liegt das Urteil in **elektronischer Form** vor, muss der Berichtigungsbeschluss **in einem separaten Dokument** festgehalten werden, das **untrennbar mit dem Urteil verbunden** sein muss (Abs. 2 Satz 2). So bleibt für jeden, der das Urteil später in die Hand nimmt – etwa ein Gerichtsvollzieher – erkennbar, dass es berichtigt wurde und in welcher Fassung es gilt.

## Rechtsmittel gegen die Entscheidung (§ 319 Abs. 3 ZPO)

Das Gesetz unterscheidet **zwei Fälle**:

- **Antrag zurückgewiesen:** Gegen den Beschluss, durch den der **Antrag auf Berichtigung zurückgewiesen** wird, findet **kein Rechtsmittel** statt.
- **Berichtigung ausgesprochen:** Gegen den Beschluss, der **eine Berichtigung ausspricht**, findet die **sofortige Beschwerde** statt. Für deren Voraussetzungen und Frist gelten die allgemeinen Regeln der **§§ 567 ff. ZPO** (siehe [Sofortige Beschwerde im Zivilprozess](https://nexvyra.de/fakten/sofortige-beschwerde-567-zpo.html)).

Die Asymmetrie ist gewollt: Wer die Berichtigung **verlangt, aber nicht bekommt**, hat keinen Beschwerdeweg. Wer durch eine **ausgesprochene Berichtigung** beschwert ist – etwa weil er meint, es werde in Wahrheit der Inhalt geändert –, kann sich dagegen wehren.

## Wirkung auf die Zwangsvollstreckung

Ein berichtigtes Urteil bleibt **dasselbe Urteil**; es wird nicht neu erlassen. Der Berichtigungsbeschluss wird mit dem Urteil und den Ausfertigungen verbunden (Abs. 2). Für die Praxis heißt das: Wer aus einem Urteil vollstrecken will, in dem sich ein Verschreiber im Tenor befindet, sollte die **Berichtigung vor dem Vollstreckungsauftrag** einholen, damit Titel und Vollstreckungsunterlagen **übereinstimmen** (zur Klausel siehe [Vollstreckungsklausel und vollstreckbare Ausfertigung](https://nexvyra.de/fakten/vollstreckungsklausel-724-zpo.html)).

## Häufige Fehler

- **Berichtigung als „Rechtsmittel light":** Eine inhaltlich missglückte, aber **so gewollte** Entscheidung lässt sich nicht nach § 319 ZPO ändern. Hier hilft nur das Rechtsmittel – mit dessen **Fristen** (siehe [Fristen im Zivilprozess](https://nexvyra.de/fakten/fristen-zivilprozess-221-225-zpo.html)).
- **Annahme einer Frist:** § 319 Abs. 1 ZPO sagt **„jederzeit"**. Wer eine Berichtigung nicht beantragt, weil „die Frist abgelaufen sei", verschenkt die Möglichkeit.
- **Beschwerde gegen die Zurückweisung:** Gegen den **zurückweisenden** Beschluss gibt es **kein** Rechtsmittel (Abs. 3). Wer es dennoch versucht, verliert Zeit.
- **Tatbestandsfehler mit § 319 korrigieren wollen:** Für den **Tatbestand** gilt § 320 ZPO mit **eigenen Voraussetzungen**; § 319 ZPO ist dafür nicht der richtige Weg.
- **Übergangenen Antrag „berichtigen" lassen:** Fehlt im Urteil eine Entscheidung zu einem **gestellten Antrag**, ist das ein Fall der **Urteilsergänzung** nach § 321 ZPO, nicht der Berichtigung.

## Geltungsbereich

§ 319 ZPO gilt für **Urteile** im Anwendungsbereich der **Zivilprozessordnung** – in allen Instanzen. Über die Verweisung des **§ 46 Abs. 2 ArbGG** wird die Vorschrift auch im arbeitsgerichtlichen Urteilsverfahren angewandt.

## Ausnahmen

- **Keine Berichtigung bei inhaltlicher Änderung:** Soweit die „Berichtigung" in Wahrheit den **sachlichen Gehalt** der Entscheidung verändern würde, ist § 319 ZPO nicht anwendbar.
- **Nicht offenbare Fehler:** Ist die Unrichtigkeit **nicht offenbar**, sondern erst durch neue Beweisaufnahme oder Wertung zu ermitteln, scheidet die Berichtigung aus.
- **Andere Rechtsbehelfe:** Für **Tatbestand**, **übergangene Anträge** und **Gehörsverletzungen** gelten **§ 320, § 321 und § 321a ZPO**.

## Beispiel

Das Amtsgericht verurteilt einen Beklagten zur Zahlung von **„1.250 €"**. In den Entscheidungsgründen ist die Forderung dagegen durchgehend mit **„1.520 €"** berechnet; die Rechnung des Gerichts ergibt rechnerisch genau diesen Betrag. Der **Tenor** enthält also einen **Zahlendreher**, der sich unmittelbar aus dem Urteil selbst ergibt.

Der Kläger regt beim Amtsgericht die Berichtigung an. Das Gericht stellt den Zahlendreher fest und **berichtigt den Tenor durch Beschluss**; der Beschluss wird **auf dem Urteil und seinen Ausfertigungen vermerkt**. Der Beklagte kann gegen diesen Beschluss **sofortige Beschwerde** einlegen (§ 319 Abs. 3 ZPO). Hätte das Gericht die Anregung **zurückgewiesen**, hätte der Kläger dagegen **kein Rechtsmittel** gehabt.

## Siehe auch

- [Anhörungsrüge im Zivilprozess (§ 321a ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/anhoerungsruege-321a-zpo.html)
- [Rechtskraft eines Urteils (§ 322 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/rechtskraft-urteil-322-zpo.html)
- [Berufung und Revision im Zivilprozess (§§ 511, 542 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/berufung-revision-zivilprozess.html)
- [Sofortige Beschwerde im Zivilprozess (§§ 567 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/sofortige-beschwerde-567-zpo.html)
- [Vollstreckungsklausel und vollstreckbare Ausfertigung (§§ 724 ff. ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/vollstreckungsklausel-724-zpo.html)
- [Teilurteil und Grundurteil (§§ 301, 304 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/teilurteil-grundurteil-301-304-zpo.html)
- [Fristen im Zivilprozess (§§ 221–225 ZPO)](https://nexvyra.de/fakten/fristen-zivilprozess-221-225-zpo.html)

## Änderungsverlauf

- 2026-10-02 | Erstveröffentlichung. Wortlaut von § 319 Abs. 1 bis 3 ZPO über den dejure.org-Permalink geprüft (gesetze-im-internet.de war per WebFetch wegen robots.txt nicht abrufbar; Seite als amtliche Quelle zitiert, Wortlaut über dejure belegt). Der Wortlaut von § 320 ZPO konnte in diesem Lauf nicht abgerufen werden (dejure HTTP 402) – § 320 wird deshalb nur abgrenzend und ohne Einzelheiten zu Frist und Verfahren genannt. Wikidata-Q-IDs: Q206893 (Zivilprozessordnung, Guide-bestätigt) und Q327000 (court decision; Titel „court decision" am 2026-10-02 per WebSearch auf wikidata.org bestätigt, im AGENT_GUIDE ergänzt). Keine Duplizierung: anhoerungsruege-321a-zpo, rechtskraft-urteil-322-zpo, berufung-revision-zivilprozess, sofortige-beschwerde-567-zpo, vollstreckungsklausel-724-zpo, teilurteil-grundurteil-301-304-zpo und fristen-zivilprozess-221-225-zpo sind nur querverlinkt. | change_type=initial_publication field="topic_lifecycle" new="published" reviewed_by="Andreas Warkentin"

## Stand

- Stand: 2026-10-02
- Status: aktuell (geltendes Recht)
- Quellenautorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0

## Quellen

- § 319 ZPO – Berichtigung des Urteils (Abs. 1: Schreibfehler, Rechnungsfehler und ähnliche offenbare Unrichtigkeiten jederzeit auch von Amts wegen zu berichtigen; Abs. 2: Vermerk des Berichtigungsbeschlusses auf Urteil und Ausfertigungen, bei elektronischer Form separates, untrennbar verbundenes Dokument; Abs. 3: kein Rechtsmittel gegen Zurückweisung, sofortige Beschwerde gegen Berichtigung):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__319.html
- § 319 ZPO – Wortlaut, dejure.org-Permalink (Abs. 1 bis 3 gegengeprüft am 2026-10-02):
  https://dejure.org/gesetze/ZPO/319.html
- § 320 ZPO – Berichtigung des Tatbestandes (nur zur Abgrenzung genannt):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__320.html
- § 321 ZPO – Ergänzung des Urteils (nur zur Abgrenzung genannt):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__321.html
- § 321a ZPO – Abhilfe bei Verletzung des Anspruchs auf rechtliches Gehör (nur zur Abgrenzung genannt):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__321a.html
- § 567 ZPO – Sofortige Beschwerde (Verfahren gegen den Berichtigungsbeschluss):
  https://www.gesetze-im-internet.de/zpo/__567.html

## Stand

- Letzte Änderung: 2026-10-02
- Letzte Prüfung: 2026-10-02
- In Kraft seit: 2026-10-02
- Status: In Kraft
- Quellen-Autorität: A
- Lizenz: CC BY 4.0
